Daintree Rainforest – Abenteuer Regenwald oder was?

Mein nächster workaway-Job führ mich in den Daintree Rainforest, das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet Australiens und gleichzeitig einer der ältesten noch intakten tropischen Regenwälder der Erde. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.

Mit dem Minibus fahre ich von Cairns aus an der Küste entlang nach Norden. Der Fahrer unterhält uns mit schaurigen Geschichten von Menschen fressenden Krokodilen und diversen Schlangenstories. Bald hat er uns soweit, dass wir am liebsten gar nicht mehr aus dem Bus wollen. Selbstverständlich lacht er das hinweg – echt aussie halt – sie scheinen richtig stolz auf ihr ganzes giftiges und gefährliches Getier zu sein! 

Wir machen einen kleinen Zwischen-stop an einer jump base für paraglider. Zwei Flieger warten auf die richtige Thermik und ich würde das wahnsinnig gerne mal sehen (hab ich mir doch ernsthaft schon überlegt, mal so einen Sprung zu wagen). Aber nach einer Viertelstunde tut sich noch immer nichts und so müssen wir unverrichteterdinge weiterfahren. In dem kleinen Städtchen Port Douglas bin ich mit meiner neuen Gastgeberin und einer weiteren workawayerin verabredet.

Eine Frau mittleren Alters mit einer dicken Wollmütze auf dem Kopf kommt auf mich zu, stellt sich als Tina vor und beginnt dann, mich auf eine etwas verwirrende Art und Weise zuzutexten. Ich bin ein bisschen überfordert und weiss gar nicht, was ich jetzt machen soll. Eine junge Frau kommt auf uns zu, stellt sich als Isobel vor und zieht die Aufmerksamkeit unseres hosts auf sich, als sie erklärt, sie müsse dann schon früher wieder abreisen und wie sie denn das organisieren könnte und überhaupt…..hmmm, alles ein bisschen „weird“ (seltsam, komisch).

Na egal, wir gehen erstmal zu dritt einkaufen und Tina sagt, wir würden für uns drei workawayer kochen (aha, da ist also noch einer!) und eventuell noch für ihre alte Mutter ein bisschen was, oder auch nicht oder nur manchmal. Äh, jaaa…….??????? Und wir sollten alles einkaufen, was wir dazu bräuchten. Aber ein paar Sachen hätte sie auch noch zuhause. Doppelt müsste ja auch nicht sein. ????? Isobel und ich schauen uns vewirrt an und beginnen dann schulterzuckend mit dem Einkauf. Immer wieder fragen wir nach, ob es so ok ist und was denn der dritte workawayer so braucht und nach einer ziemlichen Zeit haben wir einen grossen Berg Lebensmittel eingekauft (ich bezweifle, dass wir das alles brauchen, aber gut).

Wir quetschen uns, unsere backpacks und den gesamten Einkauf irgendwie in Tinas kleines weisses Auto und los geht es in Richtung Cow Bay und in mein neues Abenteuer.

Der dritte workawayer, ein junger Franzose wohnt in der „shed“ (Hütte), die gerade als Wohnhaus umgebaut wird. Ein Teil des aktuellen Projektes, so erfahren wir während der Fahrt. Aha, und er wohnt da auf der Baustelle???? Es gibt auch noch ein kleines Haus, wo sie und ihre gehbehinderte Mutter wohnen, lässt uns Tina weiterhin wissen, aber das will sie jetzt verkaufen und in die „shed“ ziehen. Und das Ferienhaus will sie auch verkaufen. Am liebsten beides zusammen. Oder auch einzeln. Aber lieber zusammen. Und ja, da wohnt und arbeitet jetzt der Franzose. Und wir würden dann zusammen essen. Also wir drei. Und sie esse sowieso kaum etwas, nur so zwischendurch. Und das Essen für ihre Mutter würde sie dann einfach mal so abholen, zwischendurch. ????? Ich bin noch immer verwirrt, Isobel schaut ebenfalls ein wenig überfordert aus und uns beiden schwant, dass dies eventuell ein denkwürdiger Aufenthalt werden könnte.

Wir fahren sicher eine Stunde bis Tina plötzlich in den Wald abbiegt, einen Schotterweg entlang fährt und dann vor einem kleinen Wohnhaus hält. Huh, mein Herz macht einen Hüpfer – das ist ein „richtiges“ Haus! Gott sei Dank!

Es ist das Ferienhaus und für die kommenen zwölf Tage mein und Isobles Zuhause. Und das ist jetzt mal richtig, richtig chic. Zwei grosse Schlafzimmer mit kingsize Betten, ein modernes Bad, eine voll ausgestattete Küche, Wohn- und Esszimmer in einem. Ein grosser Fernseher und auf der Veranda nochmal Tisch und Stühle, sowie eine Hängematte. Wir beide sind schon mal im Glück! 😀 Es riecht zwar ein bisschen muffig, aber hey!, wen stört das? Rund um das Haus zieht sich ein kleiner Garten mir mannshohem Zitronengrass, Thaiingwer und Bambusgebüsch, dann schliesst sich nahtlos der Busch an. Es ist herrlich!!

Wir laden die Einkäufe aus, bestücken den Kühlschrank und wenn wir fertig sind sollen wir einfach hoch zum kleinen Haus kommen. Neugierig machen wir uns auf den Weg. Das so genannte kleine Haus ist aus Holzplanken zusammengezimmert und besteht zu einem Gutteil aus einer überdachten Terrasse. Das Dach ist aus Wellblech und an dem ganzen Ding wird offensichtlich immer wieder herumgebaut. Es sieht schon stabil aus, aber eigentlich nicht so richtig wie ein Wohnhaus. Innen ist alles vollgestellt mit Möbeln, die vollgestellt sind mit irgendwelchem Kram. Ein Fernseher brüllt. Die alte Dame davor nimmt keinerlei Notitz von uns – das muss die Mutter sein.

Ein junger Mann kommt mit blossem Oberkörper und schweissglänzend auf uns zu – Andrien, der dritte workawayer. Er und Tina zeigen uns nun die „shed“. Eine achteckige Hütte, vielleicht fünf Meter im Durchmesser, ohne Wände, das Dach aus Wellblech grob zusammengezimmert. Überall stehen alte Möbel herum, Werkzeuge und Holzstücke liegen auf jeder freien Fläche. Mittendrin ein Bett mit Moskitonetz aussen herum, ein kleiner Rucksack, ein Buch und ein paar Schuhe. Hier wohnt also der Franzose -ich bin fassungslos. Er trägt es mit Nonchalance und schlägt unser Angebot, bei uns im Haus zu wohnen aus.

Also Fazit: das Ferienhaus ist klasse und ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterkunft. Sowohl das aktuelle Wohnhaus von Tina und ihrer Mutter, als auch die Hütte sind als Wohnraum eine Zumutung. Aber ich freue mich, eine richtige Küche zu haben und das tägliche Kochen ist mir ein Vergnügen (Merke: nimm dem Menschen lange genug seinen Alltag weg und plötzlich wird er noch die alltäglichsten Dinge wertschätzen!) Einmal back ich sogar Brot und Isobel macht australisches Bananenbrot – Tina ist mit unserer Kocherei sehr zufrieden und folgt jeder unserer Einladungen, mit uns zu essen. Im Laufe der Zeit lernen Isobel und ich uns ganz gut kennen und wir haben viele gute Gespräche. Es ist sehr wohltuend, einmal mit jemandem über mehr als das Wetter und Reiseerlebnisse sprechen zu können. Und ein kleiner Austausch über unseren host Tina und ihre unkonventionelle Art zu leben, sowie ihren, sagen wir mal gewöhnungsbedürtigen Umgang mit uns tut auch sehr gut. Nicht falsch verstehen: sie ist sehr nett und grosszügig, bloss immer irgendwie verwirrend in ihren Anweisungen und Aussagen. Und sie läuft immer, immer (!) mit einer Wollmütze auf dem Kopf herum (es hat übrigens dreissig Grad hier!) (Sie hat Haare!) 😉

Die Arbeit ist in Ordnung und besteht für mich hauptsächlich aus Gartenarbeit, was aufgrund der Hitze zwar schweisstreibend aber nicht hart ist. Manchmal helfe ich auch irgendwelches Baumaterial durch die Gegend zu schleppen und einen Tag graben wir Zitronengrass an einer Stelle aus und pflanzen es an anderer Stelle wieder ein. So Zeug halt…. Meistens haben wir mehrere Jobs gleichzeitig am Laufen und machen morgens hier etwas und nachmittags dort etwas. Für einen deutschen Geist – strukturiert, effizient und zielorientiert – ist dieses Vorgehen oft schwer nachvollziehbar, aber was soll’s?! Ist ja nicht mein Projekt.

Interessanter sind die Ausflüge, die wir an unseren freien Tagen machen. Beispielsweise zur Cow Bay, wohin wir gemütlich in zwanzig Minuten spazieren können. Hier wächst der Regenwald direkt bis an den Strand, was eine biologische Sensation für die Wissenschafler ist, für uns allerdings einfach nur schön. 😀

Einen Tag fährt Tina uns herum und zeigt uns alle möglichen interessanten Plätze, schöne bushtracks, Mangrovenwälder und krokodil-verseuchte Flüsse. Am Ende dieses Tages treffen wir auf einen australischen Ureinwohner, den man nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Schau mal……. (Video Klick)

Das ist ein Cassovary. Drittgrösster Vogel (flugunfähig) der Welt. Schön, oder? Ich war ganz aus dem Häuschen und in meiner Hast, ein Video und Fotos zu machen, hab ich alle Bilder verwackelt. Sorry 😉

Der schönste Ausflug im Daintree Rainforest war eine Wanderung im Fluss. Schon früh am Mrgen starten wir, Tina fährt uns bis zum Ausgangspunkt und verspricht, uns am Nachmittag wieder abzuholen. Der Fluss ist sicher krokodilfrei und so machen wir uns guten Mutes auf den Weg tief in den Busch. Es gibt keinen Weg, sondern nur den Fluss und die meiste Zeit waten wir in flachem Wasser und klettern über Kiesel, Steine und Felsbrocken und kommen so immer tiefer in den unberührten Regenwald. Natürlich treffen wir hier keinen Menschen.

Die Natur ist wild und wunderschön. Die unglaublich vielen verschiedenen Grüntöne und die Vielfalt der Pflanzenwelt begeistern mich mal wieder

Nach mehreren Stunden Fussmarsch gelangen wir an das Ziel unserer Wanderung: einen Wasserfall mit Pool. Wir bestaunen ihn ausgiebig und springen dann mutig in die (natürlich eiskalten!!) Fluten.  Spitze Schreie und lautes Prusten tönen durch den Wald aber wenn sich der Körper erstmal daran gewöhnt hat tut die Abkühlung richtig gut! Nach einem ausgiebigen Picknick machen wir uns auf den Rückweg und obwohl wir den Fluss nun schon ein wenig kennen müssen wir uns doch den Weg erneut suchen und immer sehr vorsichtig einen Fuss vor den anderen setzen. Die Steine sind oft glitschig und mehr als einmal flucht einer von uns und kann einen Sturz gerade noch (oder auch nicht) verhindern.

 

Wilde Tiere begegnen uns keine unterwegs, ausser dieser kleinen Wasserschlage (Klick für Video) und einer Menge Schmetterlinge. Ich erwähne das extra, weil man im Fernsehen immer den Eindruck bekommt, eine Wanderung im australischen Wald wäre sehr gefährlich und hinter jeder Ecke lauere ein wildes, giftiges Tier, das es auf einen abgesehen hätte. So ist das aber nicht! Natürlich gibt es hier tatsächlich eine Menge giftiges Getier, aber das verzieht sich normalerweise wenn ein Mensch angetrampelt kommt. In meiner gesamten Zeit in Australien (immerhin fast sechs Monate) habe ich nur drei Schlangen gesehen, keine davon war aggresiv. Keine einzige der Spinnen, die ich gesehen habe war giftig und Skorpione hab ich gar keine gesehen.

Aufpassen muss man trotzdem, denn es gibt beispielsweise eine nette Pflanze, die wie eine dünne Liane herunterhängt aber lauter Stacheln mit Widerhaken hat, die sich einfach überall festkrallen. Nicht weiter schlimm wenn sie nur dein Shirt erwischen, unangenehm wenn sie sich in Haut oder Haaren verhaken. Die Australier nennen diese nette Pflanze liebevoll „wait a while“ (warte eine Weile), was ja durchaus passend ist. Auch sonst gibt es eine ganze Menge stacheliges Zeug. Schau mal hier:

 

 

 

 

 

Zurück zuhause bleibt uns nur noch ein Tag, dann reist Isobel ab und ich habe das ganze Haus für mich alleine. Was sich jetzt aber auch irgendwie komisch anfühlt. Wieviel Platz braucht man eigentlich so? Ich habe nie verstanden, warum zwei Leute einen Wohnraum von 300 Quadtratmetern brauchen, aber in den letzten Monaten habe ich doch bemerkt, dass ich auch mit sehr wenig Platz gut zurechtkomme und kein bisschen unglücklich bin. Rückzug und Privatsphäre ist schon notwendig, aber wieviel echten Raum braucht man dazu?

Das Tollste an meinem ganzen Aufenthalt hier ist die Nähe zum Regenwald. Wenn ich morgens aufwache, dann höre ich die Geräusche des Waldes und wenn ich mich zum Lesen in die Hängematte kuschele dann kann ich mich nicht auf die Geschichte konzentrieren weil ich dem Flüstern des Windes in den Bäumen zuhören möchte und all das Grün, das im Sonnenschein regelrecht erstrahlt in mich hineinatmen will. Das ist einfach grossartig!

An unserem letzten Tag (Adrien und ich reisen gleichzeitig ab) macht Tina nochmal einen grossen Ausflug mit uns. Sie fährt mit uns über die Dörfer bis ganz nach Cairns. Unterwegs besuchen wir eine Kaffeeplantage, eine Grossmolkerei mit Schokoladenproduktion und eine Pflegestation für Fledermäuse. Die Schokoladen-produktion stellte sich leider als fake heraus, denn hier werden zwar Pralinen hergestellt, allerdings wird die Rohware (Schokolade) hierfür aus der Schweiz importiert. Die Käseherstellung ist für heute auch schon abgeschlossen und ich kann durch die Schaufenster nur noch einen Mann beobachten, der in Schutzkleidung und Gummischürze die gesamte Herstellungsstrasse mit einem Dampfdruckreiniger säubert. Als er sich umdreht sehe ich, dass er keine Hosen sondern bloss Shorts trägt (Bitte stell dir das vor: Gummistiefel, nackte Männerbeine, Shorts, Shirt und darüber eine Gummischürze! Zum Schiessen…..). Made my day

Die Kaffeplantage war interessant und der Kaffe sehr lecker. Das Highlight allerdings war tatsächlich die Fledermausstation. Hier werden verletzte Tier aufgenommen, aufgepäppelt und wenn möglich wieder in die Freiheit entlassen. Das Hauptproblem für Fledermäuse ist Stacheldraht. Sie fliegen hinein, verheddern sich und müssen meist elend sterben. 

Hier erfahre ich, dass es rund 900 verschiedene Arten von Fledermäusen gibt, wobei die grössten Exeplare schon mal eine Spannweite von 60-90cm aufweisen können, während die Kleinsten es nur auf ein Gewicht von rund 20g bringen. Die Leiterin der Station führt uns herum und dabei trägt sie eine kleine Fledermaus am Körper, andere sind in warme Decken gehüllt. Die Tiere seinen sehr kälteempfindlich und besonders Jungtiere würden durch Wind und Kälte leiden. Sie zeigt uns einen uralten Flughund, der richtig klapprig ist und daher nicht mehr ausgewildert werden kann. Kopfüber hängt er im grossen Fluggehege, hangelt sich zum Wasserspender und wieder zurück zu den aufgehängten Früchten. Wir erfahren, dass es fruchtfressende Fledermäuse gibt (das sind übrigens die meisten) und insektenfressende. Blut saugende Gattungen gäbe es keine, fügt sie noch schmunzelnd hinzu.

Also, mal ganz ehrlich, so aus der Nähe betrachtet sehen die Viecher echt niedlich aus, oder was meinst du? (Klick für Video)

Als letzte Station unseres Ausflugs besuchen wir das kleine Städtchen Yungaburra. Hier stehen eine Menge historischer Gebäude und geben der Erinnerung an die „gute alte Zeit“ Raum. Kleine, liebevoll dekorierte Cafés und skurrile Läden, die zum einen Medikamente und zum anderen Fischereibedarf verkaufen geben dem Städtchen einen eigenwilligen Charakter. Das alte Hotel lässt einen tatsächlich and Squatter, Goldgräber und Glücksritter denken. Und in dem riesigen Buchladen gibt es Schmökerstoff aus ganz alten Zeiten zu entdecken.

Erst am späten Nachmittag kommen wir in Cairns an. Tina hat es nun eilig, denn sie muss ja auch wieder die ganze Strecke zurückfahren. Adrien geht direkt zum Flughafen und ich gehe für eine Nacht in mein altes Hostel bevor ich morgen früh nach Ayer’s Rock fliege. Uluru, ich komme!! 😀

Cairns – Das Grosse Riff und die Tablelands

Mit dem Greyhoundbus fahre ich jetzt direkt durch bis nach Cairns. Es geht stundenlang durch grüne Zuckerrohrfelder. So weit das Auge reicht und bis zur absoluten Langeweile wiegen sich die Maispflanzen ähnlichen Zucker-rohre im leichten Wind. Die meisten Mitreisenden schlafen und wachen nur zum Essensstop auf, also fällt irgendwelche zwischenmenschliche Interaktion aus, lesen kann ich leider nicht und so bleibt mir nur Musik hören und aus dem Fenster schauen. Ich bin heilfroh als ich endlich in Cairns ankomme!

Am Busbahnhof werde ich abgeholt und erlebe mit meinem Hostel eine positive Überraschung. Ein bisschen ausserhalb des Zentrums gelegen und für australische Verhältnisse relativ günstig ist es doch sauber und nett eingerichtet, die Küche ist ordentlich ausgestatten und es gibt sogar einen winzigen Pool. Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten. Und ein paar lustige, nette, ulkige, spezielle Leute lerne ich hier auch noch kennen, wie beispielsweise „Mond“ – eine Chinesin, die ohne ein Wort Englisch zu sprechen hier ist, um ihren Sohn zu unterstützen, der wohl Koch lernt (also so hab ich es zumindest verstanden. Oder auch diese freundliche Dame aus Adelaide….

Die Stadt Cairns hat jetzt nicht so wahnsinnig viel zu bieten. Bis vor ein paar Jahren als Top-Party Spot gehandelt ist mittlerweile alles wieder etwas ruhiger geworden und nur noch im berühmten Gilligan’s geht jede Nacht die Post ab. Der Park mit dem kostenlosen öffentlichen Schwimmbad direkt am Meer ist schön und am Wochenende trifft sich hier Jung und Alt. Ein kleiner Kunsthandwerks-markt, sowie Livemusik am Sonntag lassen die Cairns-ner in Mengen herbei strömen. Und auch die Besucher können der chilligen Atmosphäre viel abgewinnen.

Bei Ebbe ist das Meer leider völlig weg und lässt nur eine riesige, schlammige Fläche zurück, die lediglich den Aborigine-kindern attraktiv erscheint. Um die schönen Strände weiter nördlich zu erreichen braucht man einen fahrbaren Untersatz.

Ein paar Kunstmuseen und eine Art Minizoo im Dachgeschoss des Kasinos (?????????) warten auf Besucher und Souvenirshops, sowie ein Nachtmarkt nach asiatischem Vorbild runden das Angebot für die Urlauber ab.

Selbstverständlich ist das Great Barrier Reef der Touristenmagnet der Stadt. Praktisch jeder, der hierherkommt will zum Tauchen oder doch wenigstens zum Schnorcheln auf’s Riff. Es gibt jede Menge Touren zu verschiedenen Stellen, mit und ohne Übernachtung an Bord bisnhin zu richtigen Tauchsafaris. Obwohl ich schon ein paarmal mit Flaschen getaucht bin habe ich doch keinen Tauchschein, daher fallen die richtig intessanten Touren für mich von Vorherein aus (ganz abgesehen davon, dass ich sicher nicht auf einem dieser schwimmenden Wackeldinger übernachten will!) Also ein Schnorchelausflug. Auf einem Schiff, das möglichst stabil ist.

Es gibt eine Kombitour, Schnorcheln und ein Tauchgang, morgens raus und nachmittags zurück und mir wird glaubhaft versichert, das dieses Boot – ein grosser Katamaran – relativ wenig schaukelt. Also los! Früh morgens werde ich abgeholt und zum Hafen gefahren. Noch recht froh gestimmt betrete ich das Boot mit vielleicht fünfzig oder sechzig anderen (Ohhh Mann!) Mutigen. Noch während des Sicherheitsbriefings fahren wir los. Das Schiff ist ziemlich gross und zweckmässig ausgestattet. Und es schaukelt und wackelt wie ein Kuhschwanz. Ich werfe sicherheitshalber noch eine weitere Pille gegen Seekrankheit ein und suche nach dem ruhigsten Platz im Schiff.

Da ich schon leicht grünlich ausschaue weiss das professionelle Besatzungsteam auch ohne Worte, was ich suche und weisst mir dem Weg. Und siehe da, es gibt eine kuschelige kleine Kotzstation auf diesem Schiff!! Bereits eine Handvoll Leidensgenossen sitzen und stehen mehr oder weniger grün um die Tüten, Servietten und Müllkübel herum. Leider befinden wir uns genau auf der grossen Durchgangskreuzung (Treppe nach oben, Durchgang zur Kabine und zu den seitlichen Gängen) und so fühlen wir uns nicht nur völlig fehl am Platze sondern auch total im Weg. Und es ist uns im wahrsten Sinne des Wortes speiübel.

Ich erspare dir die weiteren Einzelheiten und überlasse dies deiner Phantasie – nur so viel sei gesagt: zu diesem Zeitpunkt sind wir seit ungefähr 20 Minuten unterwegs und der Sch….Kahn schaukelt sich dermassen auf, dass wir gegen Ende der Hinfahrt fast zwanzig Personen sind.

Erstaunlicherweise wird alles besser als wir ankern. Normalerweise kann ich immer die Fahrt gut ab und beim Ankern bekomme ich Probleme, diesmal ist es andersherum. Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe will ich aber doch wenigstens einen Schnorchelversuch machen. Tauchen trau ich mir nicht zu, denn ich bin echt wackelig und zitterig und ich finde immer: „safety first“ also nur schnorcheln. Das Wasser ist kalt, was mir im ersten Moment gut tut.

Das Riff ist hier in etwas besserem Zustand als in Airlie Beach (du erinnerst dich?) aber so richtig vom Hocker haut es mich jetzt auch nicht. Zugegebenermassen könnte das allerdings auch an mir liegen…..

Wir fahren noch zu einer weiteren Stelle am Riff und hier können diejenigen, die sich für’s Tauchen angemeldet hatten unter Wasser gehen. Ich bleibe beim Schnorcheln und bin ganz zufrieden damit. Das anschliessende Sonnenbad kann ich ausgiebig geniessen, denn alle anderen gehen zum Essen (buuaaahh…..) und so habe ich jede Menge Platz am Sonnendeck.

Erstaunlicherweise schaukelt das Boot bei der Rückfahrt so gut wie gar nicht, sodass ich einigermassen wieder hergestellt den Hafen erreiche. Tja, ein wenig erfreulicher Ausflug – leider kann ich auch mit keinen Fotos aufwarten – ausser erheblichen Spesen, nichts gewesen.

Falls du je mal nach Australien kommst und das Great Barrier Reef tauchend entdecken möchtest, dann empfehle ich dir dringend einen mehrtägigen Trip zum äusseren Riff zu machen. Alle, die von dort zurückkamen waren sehr begeistert. Solltest du seekrank sein, dann vergiss das Riff einfach! Es gibt andere Möglichkeiten und tolle Schnorchelspots auf dieser Welt 😉

Meine weiteren Aktivitäten beschränken sich ab sofort auf den festen Boden! Und da gibt es ja auch schöne Sachen zu machen. Einen Tag mieten wir (eine kleine Gruppe aus dem Hostel) ein paar Fahrräder und machen zu fünft eine Tour zu nahegelegenen Wasserfällen. Zuerst müssen wir noch ein ganzes Stück an der Strasse entlang, aber dann kommen wir ins Grüne und finden sogar auf Anhieb die Wasserfälle. Dort ist es mal richtig schön und als wir nach ein bisschen Suchen sogar noch einen kleineren Wasserfall mit einem Pool finden hält uns nichts mehr und wir werfen uns mutig in die eisekalten Fluten (erkennst du irgendwie ein Muster? Wasser – kalt – Mut?). Wie die kleinen Kinder tollen wir herum und merken kaum, wie die Zeit vergeht. 

Müde getobt haben wir wenig Lust, die gut zwanzig Kilometer zurück in die Stadt zu fahren, aber es hilft ja nichts und so machen wir los. Auf den letzten Drücker, gerade noch vor Ladenschluss kommen wir beim Fahrradverleih an. Ich bin mal mega stolz, dass ich so gut mithalten konnte – bei weitem die Älteste in der Gruppe, aber trotzdem immer locker vorne mit dabei – so gefällt mir das. 😉

Ein paar Tage später mache ich einen Ausflug in die nahegelegenen Asherton Tablelands und das kam so: organisierte Touren sind in Australien (wen wundert’s?) sehr teuer und so habe ich versucht, mich jemandem anzuschliessen. Das war aber nicht wirklich erfolgreich und so setzte ich eine Anzeige in „gumtree“ – das ist eine online Plattform, wo alles und jedes gekauft, getauscht, gehandlt wird, kreuz und quer durch den gesamten Kontinent und von allen Altergruppen. Und da ich mich schon so richtig aussie fühle, wollte ich halt auch mal……

Tatsächlich meldet sich ein Mann, der zwei Tage später in die Ashertons fährt, um Videoaufnahmen zu machen. Meine beiden Zimmernachbarinnen wollen auch gerne mit und so sagen wir zu dritt zu. Wir staunen nicht schlecht, als uns am nächsten Morgen ein gehbehinderter junger Mann abholt. Er brauche einen Rollator zum Gehen, aber Autofahren gehe ganz prima, sagt er. Na dann…..

Was soll ich sagen? Wir haben einen Megatag! Unser Aussie-Taxifahrer fährt uns zu jedem Wasserfall in der Gegend, zeigt uns seine Lieblingsplätze, beeindruckende Aussichts-punkte, versteckte Seen und hat sogar immer noch ein paar Extrainfos und Aussie-Anekdoten in petto. Es ist ziemlich cool, mit einem Einheimischen unterwegs zu sein!

 

 

Er zeigt uns ausserdem die grössten und beeindruckendsten Würgefeigen der Gegend – die sind riiiiiiesig!!

und einen Fluss in dem es eine Menge süsse Wasserschildkröten gibt. Hier gibt’s ein kleines Video (klick). Oft kann er uns wegen seiner Behinderung nicht begleiten, sondern wartet geduldig im Auto. Aber er ermuntert uns immer, uns Zeit zu nehmen und alles in Ruhe zu geniessen.

Er weiss, wo wir etwas Leckeres zum Mittagessen bekommen und am Schluss fährt er uns sogar noch zu einer ganz besonderen Farm. Dorthin kommen nämlich jeden Abend wilde Rockwallabies. Inzwischen sind die an Menschen gewöhnt und lassen sich sogar füttern, ansonsten leben sie aber total wild und zeigen typisches Rudelverhalten, wir können sogar einen kurzen Kampf zweier Männchen beobachten!

Da hüpfen die also herum, im letzten Sonnenlicht des Tages und sind possierlich und frech zugleich. Wir haben von der Farmerin ein paar Tütchen mit Erdnüssen bekommen, die wir an die Tiere verfüttern können. Die Wallabies sind aber so ungeduldig und wollen nicht immer nur eine Erdnuss bekommen – rrratschsch, schon hat sich eins die ganze Tüte geschnappt und, natürlich hopp hopp hopp ist es ganz schnell weggehüpft. Herrlich!!

Wir machen jede Menge Fotos mit den kleinen Hüpferchen und sind ganz im Glück. Auch unser Fahrer ist mit hereingekommen, obwohl das Gehen hier für ihn sehr schwierig ist. Ich glaube, er hat den Tag ebenfalls genossen. Wahrscheinlich ist er sonst eher alleine unterwegs, schätze ich, denn er ist eine komische Type irgendwie und dann noch die Behinderung……so ist es vielleicht für ihn auch eine schöne Abwechslung drei quirlige Frauen um sich zu haben. Auf jeden Fall macht er mal ein ganz zufriedenes Gesicht, als er uns spät abends in unserem Hostel wieder absetzt. 

Ich muss noch ein paar Tage in Cairns überbrücken, bevor ich meinen nächsten workaway Job anfangen kann und so nutze ich die Zeit, um meine letzten Wochen in Australien zu planen Ich will nämlich unbedingt noch zum Ayer’s Rock! Lieber wäre ich ja privat gefahren, entweder mit anderen Touristen oder mit Australiern – campen unter freiem Himmel und fahren solange alle Spass haben……..leider finde ich keine „buddies“, die zur gleichen Zeit fahren wollen wie ich und so entschliesse ich mich (schweren Herzens), doch eine Tour zu buchen. Bin ja mal gespannt……

Zum Abschluss in Cairns mache ich noch was richtig touristisches: ich fahre mit der Gondel nach Kuranda hoch und mit dem „Scenic Railway“ Zug wieder hinunter. Das sagt dir jetzt wahrscheinlich erstmal nicht viel, oder? Also, die „skyrail“ Gondel fährt in ungefähr 40m Höhe über den Regenwald hinweg und du hast eine wundervolle Aussicht in Richtung Cairns und bis zum Meer und sogar bis zu den Asherton Tablelands im Hintergrund. Rund 7,5 km lang war sie mal die längste Gondelbahn der Welt und es ist tatsächlich eine tolle Fahrt – vielleicht nichts für Leute mit Höhenangst!

Von hier oben sieht der Regenwald ein bisschen aus wie überdimensionierter Grünkohl, oder?? 😉 😉 

In Kuranda angekommen präsentiert sich mir ein typisches Dorf für Touristen mit jeder Menge Souvenirshops, Restaurants, Galerien und einigen Attraktionen wie einem Schmetterlingspark, Bootsfahrten auf dem Fluss oder Didgeridoo Konzerte – alles ungefähr so authentisch wie…..aber egal, die meisten Leute finden es toll. Ich schlendere einmal durch’s Dorf, setze mich in ein Café um die Leute zu beobachten und mache dann einen ausgedehnten Spaziergang. Hier treffe ich auf diese wunderschönen Kreaturen und alles in allem war es bis hierher schon ein toller Tag. Ein weiteres Highlight wartet allerdings noch auf mich und das ist die Rückfahrt nach Cairns mit dem historischen Zug.

Ende des neunzehnten Jahrhunderts gebaut war er seinerzeit eine Meisterleistung der Ingenieure und der Handwerker gleichermassen. Mit dem Bau von 15 Tunneln und 37 Brücken, sowie dem fachgerechten Verlegen der Schienen waren hunderte Männer über fast zehn Jahre lang (1882-1891) beschäftigt. Auch heute noch ist diese Zugfahrt wunderschön, führt sie doch durch immergrünen Regenwald, vorbei an Wasserfällen und der eindrucksvollen Barronschlucht, verwöhnt mit atemberaubenden Ausblicken und aufregenden Brückenüberquerungen. Da es vom Meerespiegel auf über 300m Höhe geht muss der Zug bergauf ganz schön schnaufen und bergab quietschen die Bremsen, dass man sich tatsächlich in die „gute alte Zeit“ zurückversetzt fühlt.

So, nachdem ich nun eine längere Zeit in der Stadt war und viel mit Menschen gemacht habe (ich war sogar einmal zum Salsa tanzen!) freue ich mich ganz besonders auf meine nächste Station: ein workaway Aufenthalt im Regenwald! Ich bin gespannt…..

Hier hast du nochmal die Fotos als Slideshow:

 

 

 

Minyama, Frazer Island und ein Sprung in eiskaltes Wasser

Hach, es ist herrlich, wieder in einem richtigen, kuscheligen Bett zu schlafen! Und jeden Tag eine heisse Dusche! 😀 Ich glaube, ich bin zum Luxusweibchen mutiert….

Aber Spass beiseite, es ist einfach unglaublich, wie viele Facetten von Leben es gibt! Stell dir vor an einem Tag frühstückst du noch in der Wüste und schon am nächsten Tag sitzt du an einem wunderschönen Strand! Da können einem schon mal die Tränen kommen vor lauter Glück und Dankbarkeit. Also mir jedenfalls….

Mein erster Tag zurück in Minyama – wir haben noch nicht einmal das Auto ausgeräumt – fängt gleich so traumhaft an: wir fahren zum Sonnenaufgang an den Strand und während Julia und Len das Frühstück auspacken und vorbereiten bekomme ich eine Tasse Tee in die Hand gedrückt und werde an den Strand geschickt.
Die beiden sind echt die Besten! „Me-time at it’s best!“ Und die Sonne spielt auch mit und geht strahlend über dem Meer auf, um einen weiteren Tag lang diese wunderschöne Welt mit Licht und Wärme zu beschenken. Ich kann mich kaum sattsehen und wieder einmal wir mir klar, wie sehr ich das Meer mag. Und dieses warme, weiche Licht am frühen Morgen.

 

Die kommenden Tage sind einfach nur schön ruhig und gemütlich. Wir geniessen es, zuhause zu sein, im Garten herum zu pusseln und die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Denn natürlich wollen Freunde und Nachbarn von Julia und Len wissen, wie es in der Wüste war. Und jeder fragt auch das Greenhorn, wie es denn im outback klar kam. Die Aussies strahlen wie die Apfelbutzen wenn ich ihnen mit leuchtenden Augen berichte, wie toll ich es fand. Zwar waren die meisten noch nie in der Simpson Desert, aber das tut ihrem Nationalstolz keinen Abbruch.

Abends sitzen wir oft am Bootssteg und schauen uns den Sonnenuntergang an……. (kein Photoshop!!! Alles echt so!!)

Nach in paar Tagen bekomme ich in meiner bequemen Komfortzone einen Riesendämpfer verpasst, der mich ganz schön aus der Bahn wirft. Auf Moorea hatte ich eine junge Deutsche kennengelernt, die einen Campervan in Byron Bay stehen hat, den sie mir für kleines Geld vermieten wollte. Ich freute mich wie Bolle auf die Erfahrung, mit einem Van durch Australien zu gondeln und wollte sogar in Kauf nehmen, ohne Führerschein zu fahren, obwohl mich das eine Stange Geld gekostet hätte wenn ich erwischt worden wäre. Nun schreibt sie mir, dass der Van kaputt ist und eine Reparatur sich wahrscheinlich gar nicht lohnt. Mit anderen Worten, aus meiner Campertour wird nichts! Ich bin wahnsinnig enttäuscht und auch das Argument „besser jetzt als wenn du irgendwo unterwegs bist“ kann mich nicht wirklich trösten. Was soll ich denn jetzt machen? Und wo soll ich hinfahren? Und vor allem wie? Len und Julia sind voll lieb zu mir und laden mich ein, bei ihnen zu bleiben solange ich möchte. Aber das geht ja auch nicht. Es ist ein wunderschönes Gefühl, hier immer willkommen zu sein, aber ich muss mich der neuen Situation stellen und entsprechend agieren. So ist das eben mit den Plänen: manchmal klappt’s und manchmal nicht.

Am Abend fährt Len mit mir im Boot hinaus auf die Kanäle von Minyama (die kleine Stadt ist auf Schwemmland gebaut und von Kanälen durchzogen. Viele Häuser haben einen eigenen Bootssteg mitsamt Boot und so kann man gemütlich herumtuckern oder auch direkt ins Meer fahren). Und als wollte der Himmel mich trösten bekommen wir einen spektakulären Sonnenuntergang geschenkt. Sprachloses Staunen.

Ein paar Tage später mache ich einen Ausflug nach Frazer Island. Len ist nämlich der Meinung, ich könnte auf keinen Fall hier abreisen, ohne diesem grossen Sandhaufen ( die grösste Sandinsel der Welt) einen Besuch abzustatten. Also buche ich eine Tour und muss am nächsten Morgen schon zu nachtschlafener Zeit bereit stehen. Wir sind bloss eine kleine Gruppe und fahren mit dem Bus in Richtung Norden bis nach Noosa. Dort steigen wir um auf einen 4×4 Bus und fahren die wunderschöne  Noosa Beach entlang. Obwohl ich hier ja mit Julia, Len und Lindsay schon einmal war finde ich es wieder wunderschön. Und heute scheint ausserdem noch die Sonne, sodass alles noch einmal so schön ist. Leider sind die Wale noch nicht da, so sehr ich auch schaue und suche. (Ich hab sie übrigens um genau fünf Tage verpasst!)  

Nach einem kleinen Stop für Tee und Kekse geht es weiter, nun an der Rainbow Beach entlang. Die heisst so weil die Küste von Felsen gesäumt ist, die aus verschiedenem bunten Kalk- und Sandstein besteht. Sieht toll aus, auf der einen Seite steil aufragend die bunten Felsen, der plattgespülte feste Sand vor uns und auf der anderen Seite das glitzerde Meer und die strahlende Sonne darüber. Der weite Blick ist wunderschön. 

Schliesslich kommen wir an die Stelle, wo wir die Fähre nach Frazer Island nehmen werden. Ich kann allerdings kein Pier erkennen, kein Anlegesteg, ja nicht einmal ein Rampe. Hmmm…….ich kenn mich ja nicht aus, aber wie das wohl geht?? Kurz darauf bekomme ich gezeigt, wie das geht. Die Fähre hat kaum Tiefgang und fährt einfach ganz nah an den Strand, klappt die Rampe aus, Autos fahren runter andere Autos fahren rauf, Klappe zu Affe tot und los geht’s schon wieder in Richtung Insel. Die Entfernung ist zwar nicht sehr weit, aber es hat schon ein paar Wellen und Wind, sodass ich mich wundere, dass das Boot mit so wenig Tiefgang klar kommt. Aber egal, alles klappt hervorragend und mir wird es dank meiner seabands auch nicht schlecht.

Frazer Island begrüsst uns mit weissen Sandstränden soweit das Auge reicht. Wir brettern mit unserem Bus direkt an der Wasserlinie entlang bis wir dann irgendwann in Richtung Inselinneres abbiegen. Und schon geht das Geschaukel wieder los! Ich fühl mich gleich in die Wüste zurückversetzt, allerdings schaukeln wir heute durch dichten Wald. Unser Ziel ist der McKenzie Lake. Hier soll es das klarste Wasser der Welt geben, anscheinend kann man unter Wasser bis zu vierzig Meter sehen. Na mal schauen…. Wir erfahren warum der See heisst, wie er heisst und wie das Leben hier früher ablief. Dann heisst es aussteigen und noch ein paar Meter zum See laufen. Ich bin froh, dass ich mir nach der stundelangen Fahrerei ein bisschen die Beine vertreten kann und mach mich gleich auf zum See. 

Und hier verschlägt es mir den Atem.Der See ist sooo blau!! Und das Ufer ist von strahlend weissem Sand gesäumt. Also ich meine weiss! Es sieht aus als hätte jemand einen riesengrossen Lapislazuli in ein Zuckerbett gelegt. Unglaublich! Und der Sand ist ganz weich und fein. Und relativ kühl obwohl die Sonne scheint. Es ist unglaublich! Nichts wie Schuhe aus und mit den Füssen ins Wasser! Aaaahhhhh!!!!! Oooohhhh!!!!! Boah ist das kalt!! Ich verstehe sofort, warum bloss ein paar wenige im Wasser sind. Aber es sieht schon sehr einladend aus, oder? Oh, was mach ich den jetzt bloss? Ich hasse kaltes Wasser! Aber ich kann doch nicht einfach wieder gehen und nicht in dieses Wasser gehen! Ein kleiner Spaziergang am Seeufer entlang bringt mich meiner Entscheidung nicht wirklich näher und so lasse ich mich in diesen pulverfeinen weissen Sand sinken und schau über den See. Entscheidungsfindungsprozess…….

Plötzlich nehme ich mir ein Herz, springe auf und laufe ganz schnell in den See. Ohne zu überlegen renne ich soweit ich kann und dann schlägt das Wasser schon über meinen Schultern zusammen. Mein Herz bleibt einen Moment stehen und ich bekomme keine Luft mehr. Doch dann fährt mein Körper alle Systeme hoch, das Blut rauscht in meinen Ohren, ein kleiner Schrei bricht sich Bahn und ich fühle mich lebendig bis in die letzte Zelle. Hahahah, es ist herrlich. Aber es ist so schweinekalt, dass ich nach ein paar Minuten (Sekunden??) wieder ans Ufer schwimme. Weil mir das aber kein Mensch glauben wird, der mich kennt hole ich die Gopro raus und stürze mich mutig ein weiteres Mal in die eiskalten Fluten. (Ja, ich muss jetzt hier mal ein bisschen pathetisch werden, denn ich fühle mich sogar jetzt beim Schreiben wie die Heldin in einem Epos!) Hier ist der Beweis (klick).

Meine Haut kribbelt und wird ganz rot als ich mich abrubbele. Wie schön ist es, wieder warme Kleidung anzuziehen, Buah!! Das war das käteste Wasser, in das ich jemals gegangen bin. Für mich eine echte „out of the box – experience“. Ich bin sehr stolz auf mich! 😀 Und ganz ehrlich? Ich fühl mich grossartig, lebendig, stolz und hab ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Und schon ist es Zeit für’s Mittagessen. Ich gehe zurück zum Picknickplatz. Es gibt Gegrilltes und jede Menge verschiedene Salate und sogar ein Gläschen Wein dazu. Die Stimmung ist gut und alle fühlen sich wohl, obwohl nur die wenigsten gebadet haben (ha, ich bin ein Held!) 😉 Und plötzlich bekommen wir Besuch! Herr und Frau Goanna beehren uns – lass dich nicht täuschen, die Bister sind tatsächlich rund 50-70cm lang – sie wollen auch gerne was von unserem Mittagessen abhaben. Man trifft überall in Australien auf diese urzeitlichen Geschöpfe. Sie sind ungefährlich und normalerweise auch recht scheu, selten kommen sie den Menschen so nahe und lassen sich so bereitwillig ablichten. Umso glücklicher bin ich, dass mir diese Schnappschüsse gelungen sind.

Frazer Island gehört den „indegenous people“, also den Ureinwohnern, auch Aborigenes genannt. Natürlich gehörte ihnen früher einmal alles Land aber im Laufe der Kolonialisierung des australischen Kontinents verloren sie den Grossteil an die weissen Einwanderer. Ich werde in einem späteren Artikel noch ein wenig genauer auf die Kultur dieses Volkes eingehen, an dieser Stelle aber möchte ich dir ein Foto zeigen, das einen kleinen Einblick gibt wie diese Menschen aufgestellt sind.

Zuerst kommt, was gut ist für das Land.

Wenn du viel hast musst du es (mit anderen) teilen.

Berühre oder nimm nichts, das dir nicht gehört.

Was meinst du, wenn sich alle Menschen an diese drei Regeln halten würden……wie sähe unsere Welt wohl aus?

Am Nachmittag steht noch eine kleine Wanderung auf dem Programm und wir können turmhohe Bäume und riesige Farne bewundern. Wie immer nimmt mich der Wald sofort gefangen und ich geniesse die Ruhe, die diese alten Bäume ausstrahlen. Und dann finden wir diesen kleinen Bach. Er hat ein Bett aus weissem Sand – so etwas habe ich noch nie gesehen! Das sieht ganz anders aus als andere Bäche! Und das Wasser macht keinerlei Geräusch, kein Glucksen oder Plätschern. Lautlos fliesst das Wasser recht schnell über dieses weisse Bachbett. So schön!

Wir fahren zurück an den Strand und in Richtung Fähre, denn so langsam geht unser Tag auf Frazer Island zu Ende. Schade, ich wäre gerne noch länger hier geblieben. Nach dem Übersetzen mit der Fähre gibt es noch einen kleinen Nachmittagstee bevor wir uns auf die lange Rückfahrt nach Mooloolaba machen. Ich spaziere noch ein bisschen am Strand entlang und schau, wen ich getroffen habe!

Spät kommen wir zuhause an und ich bin rechtschaffen müde nach diesem langen und erlebnisreichen Tag. Morgen muss ich mir mal Gedanken machen, wohin es als nächstes gehen gehen soll…..

Hier findest du Fotos als Slideshow:

Wunderschöne Whitsundays und funny aussie hippie island

Ich hab mich endlich aufgerafft, der Sunshine Coast und all den lieben Menschen, die ich hier kennen lernen durfte „Good bye“ gesagt, mich in ein Flugzeug gesetzt und bin nach Proserpine geflogen. Ein kleines Städtchen, das ausser Zuckerrohrfeldern eigentlich nichts Spezielles zu bieten hat. Daher fahre ich auch gleich weiter an die Küste in das kleine Städtchen Airlie Beach.

Von hier aus kann ich den südlichsten Zipfel des „Great Barrier Reef“ besuchen und gleichzeitig die Whitsunday Islands erkunden. Auf beide Naturattraktionen freue ich mich gleichermassen.

Airlie liegt recht schön an der Küste, ist allerdings eine richtige Partystadt und daher voller junger Leute. In meinem hostel spielen meine beiden jungen Zimmergenossinnen „heute schlafe ich bei dir und morgen schläfst du bei mir“ mit ihren boy friends und im Gemeinschaftsraum wird Marihuana geraucht, was das Zeug hält. Da fühl ich mich gleich mal steinalt und ziemlich spiessig… 😉

Gleich am nächsten Morgen mache ich die grosse Tour zu den Whitsundays inklusive mehrerer Schnorchelgänge, Picknick am Strand und Speedboat-Fun. Wir bekommen unsere Neoprenanzüge und werden auf das grosse Gummischlauchspeedboot verfrachtet. Und los geht die Fahrt. Speedboot fahren macht sogar mir Spass und solange die Wellen nicht zu hoch sind komme ich auch einigermassen klar. Leider ist das Wetter…hmmm, suboptimal und der Wellengang höher als ich es mögen würde aber da muss ich jetzt durch.

Ziemlich schnell sind wir am ersten Schnorchelspot angekommen. Der Skipper fährt langsam hin und her, her und hin, um einen geeigneten Ankerplatz zu finden und ich werde grün im Gesicht. Endlich wird der Anker ausgeworfen und voller Ungeduld muss ich auch noch das Sicherheitsbriefing aushalten. Bis ich endlich ins Wasser komme ist mir schon sehr schwummerig. 

Die relative Kälte des Wassers bringt meinen Kreislauf wieder in Schwung und so setze ich die Taucherbrille auf und schnorchle los. Mensch, Leute! Das Great Barrier Reef! Der Hotspot für Taucher aus aller Welt…….

……ist eine Riesenenttäuschung. Leider. Die Korallen sind farblos, da keine Sonne scheint und auf riesigen Flächen zerbrochen und abgestorben. Die paar bunten Fische, die herumschwimmen reissen es dann auch nicht mehr raus. Und das Wasser ist echt sehr kalt, so zwanzig Grad schätze ich. Das wird so auf die Dauer auch im wetsuit ganz schön frostig. Und ich kann ja nicht zurück auf das schwankende Boot, sondern muss warten bis quasi zur Abfahrt.

Als ich dann endlich an Bord kann zittert mein gesamter Körper und ich bin völlig unterkühlt. Das hat man nun davon, dass man als Erstes ins Wasser rein musste und als Letztes wier raus kommt! Glücklicherweise habe ich in weiser Voraussicht genügend warme Klamotten mitgebracht, die ich jetzt anziehe. Trotzdem klappere ich mit den Zähnen und zittere mir einen ab. Der kühle Fahrtwind tut sein Übriges dazu. Unser Tourguide wirft mir schon ganz konsternierte Blicke zu (eine Tasse heisser Tee wären mir lieber gewesen!)

Zum Glück fahren wir nur ein kurzes Stück, ankern und verlassen das Boot zu einer kleinen Wanderung bergauf (hurra! Da wird’s mir wieder warm) zu einem Aussichtspunkt. Beim Aufstieg frage ich unsere Tourleiterin nach dem Zustand des Riffs und sie erklärt mir, dass der Wirbelsturm „Debbie“ genau hier vor ein paar Monaten auf Land getroffen war und nicht nur in Airlie Beach und Umgebung grosse Schäden angerichtet, sondern auch dem Riff sehr zugesetzt hat. Weitere Umweltfaktoren wie die kontinuierliche Erwärmung des Ozeans, Wasserverschmutzung und auch der Tourismus belasten das Riff sehr und die empfindlichen Korallen sterben ab.  Sie versteht meine Enttäuschung und versichert mir, dass es weiter nördlich deutlich besser sei.

Und schon sind wir am Aussichtspunkt angelangt. Was soll ich sagen? Weisser Sand, türkisfarbenes Wasser, atemberaubend schön kombiniert, von Mutter Natur einzigartig in Szene gesetzt. Schau selbst:

 

Und sogar die Sonne kommt jetzt ein bisschen raus und lässt die Farben erstrahlen. Hast du so was schon mal gesehen? Es ist wunderschön und ich möchte gerne ein Vogel sein, um eine noch bessere Sicht zu haben.

Wir sind alle hin und weg und die Fotoapparate laufen heiss. Ich kann es kaum erwarten, vom Aussichtspunkt an den Strand hinunter zu kommen und in diesem strahlend weissen Sand meine Zehen zu vergraben! Der Sand besteht zu 99% aus Silicium, deshalb ist er so weiss. Wunderschön! Wir haben viel Zeit und können gemütlich am Strand spazieren gehen, durch das seichte Wasser planschen und jede Menge Fotos schiessen. Das Wasser ist super klar und modelliert lauter kleine Wellenmuster in den Sand. Zusammen mit einem abgestorbenen Baum und der Nachbarinsel im Hintergrund ist die Idylle perfekt. Alleine hierfür hat sich die Tour gelohnt.

Bald schon knurren unsere Mägen und es wird höchste Zeit für’s Mittagessen. Wir fahren bis ans andere Ende des weissen Strandes, wo die Boote ankern dürfen. Wer mag darf für die relativ kurze Fahrt auf den Luftkammern des Bootes sitzen ( Jaaa, gerne!!) und so macht das Ganze natürlich nochmal mehr Spass. Man muss sich allerdings gut festhalten, denn unser Käpt’n ist ein Spassvogel und macht gerne unvorhergesehene Schlenker, Kurven und sonstiges Zeugs und ich will ja nicht vom Boot fallen. Kleine Bootsfahrt (klick) gefällig? Noch ein Video dazu (klick)

Am Picknickplatz angekommen ankern wir das Boot und die Crew baut ein kleines Buffet auf dem Boot auf mit Salaten, Pasta, Schinken und Brot. Jeder kann sich bedienen und dann entweder auf dem Boot essen oder seinen vollen Teller mit an den Strand nehmen. Natürlich entscheide ich mich für den Strand – ist doch auch viel schöner! Das Ganze stellt sich allerdings als schwieriger heraus als gedacht……

Ich habe also einen vollen Teller in der einen und ein Getränk in der anderen Hand, sowie mein Tuch zum Draufsitzen. So ausstaffiert muss ich jetzt vom Boot klettern, durch das fast hüfttiefe Wasser zum Ufer waten und dabei angriffslustige, sehr dreiste Möwen abwehren, die es auf mein Essen abgesehen haben. Die Biester fliegen regelrechte Sturmangriffe auf meinen Teller und ich hab ne Menge zu wedeln und zu rufen bis ich heil am Strand ankomme. Dort lassen sich die Möwen ebenfalls nieder und versuchen nun zu Fuss an die vermeintlichen Leckerbissen auf meinem Teller zu kommen.

Eine Frau von meinem Boot lässt sich ganz in meiner Nähe nieder und beäugt belustigt meinen Kampf mit den Möwen. So abgelenkt merkt sie gar nicht, dass sie inszwischen von den Vögeln eingekreist wird und die sich auch bei ihr etwas stibitzen wollen. Zu zweit harren wir heroisch am Strand aus und vertilgen unser Essen in Rekordzeit, während alle anderen auf dem Boot bleiben. Ich finde es trotz diebischer Möwen toll, hier am Strand zu essen. Viel besser als auf dem Boot!

Nach dem Picknick bleibt noch viel Zeit zum Baden und Schnorcheln. Leider hat sich die Sonne in der Zwischenzeit komplett verabschiedet und so mache ich lieber einen ausgedehnten Spaziergang. Der leicht ansteigende Strand geht nach rund fünfzig Metern in einen Mangrovenwald über und auch hier sind die Schäden, die „Debbie“ verursacht hat deutlich zu sehen. Der Strand allerdings ist sensationell schön. 

Auf der Rückfahrt gibt es noch jede Menge Speetboat Fun und ich werde schon wieder leicht grün im Gesicht. Doch ich halte tapfer durch und schaffe es, mein Mittagessen bei mir zu behalten und die Bootsfahrt sogar ein bisschen zu geniessen.

Insgesamt war das, trotz des enttäuschenden Schnorchelns ein wunderschöner Tag und nicht einmal die Horde zugedröhnter Kiffer in meinem hostel kann mir die Laune verderben.

Am nächsten Tag mache ich eine schöne Wanderung durch ein steiniges Flussbett und die Kraxelei macht mir viel Spass. Wie immer gibt es auch hier tolle Bäume zu bestaunen, unter anderem eine grosse Würgefeige. 

 

 

 Ich liebe diese Bäume und ihre immer neuen, skurrilen Formen. Sie sind immer kreuz und quer gewachsen und bilden oft die verrücktesten Gebilde. In diese hier kann ich hineinkrabbeln.

Am darauffolgenden Morgen nehme ich den Bus und fahre nach Townsville, wo ich die Fähre nach Magnetic Island nehme. (Die heisst so, weil hier anscheinend Captain Cook’s (wer sonst??) Kompass magnetisch angezogen worden sein soll…) Hier ist mein nächstes Ziel und nach langer Pause bin ich mal wieder bei Couchsurfern untergekommen.

Ich treffe meinen Host in einerm der Cafés am Strand, wo er arbeitet. Ein junger Mann mit halblangen, lockigen Haaren und einem Grinsen von einem Ohr zum anderen steht vor mir, freut sich und beschreibt mir den Weg zu seinem Haus: um die Ecke und am Ende rechts, Hippiemässig easy. Das Haus sei offen, sagt er und falls sein Mitbewohner nicht da sei, solle ich es mir einfach gemütlich machen. Er hätte so in einer halben Stunde Pause. Na denn, ich suche das Haus um die Ecke ud dann rechts, das auch tatsächlich schnell gefunden ist. Ein Queenslander Holzhaus inmitten eines wild wuchernden tropischen Gartens – ich verliebe mich sofort! 🙂

Meine beiden hosts sind echt cool. Der eine muss zwar meist arbeiten und hat daher wenig Zeit aber der andere ist schon in Rente und hat da her massig Zeit und viel Lust, mir die Insel zu zeigen.

Und so fahren wir mit seinem Uralt-Camper kreuz und quer über die kleine Insel und er zeigt mir jeden Strand und viele schöne Aussichtspunkte. Er weiss, wo die Rockwallabies sind (die sind vielleicht niedlich!) und wo man am besten den Sonnenuntergang geniessen kann. Wir kaufen Picknick für unterwegs und wenn es wieder mal regnet, dann setzen wir uns einfach in den Camper. Lange Strandspaziergänge, Mangroven und auch ein bisschen Klettern, Das Leben ist unglaublich einfach auf „Maggie Island“ und die beiden leben ihren lifestyle so authentisch, dass man sie einfach gern haben muss. An einem Tag haben wir eine tolle Begegnung. Wir sitzen an einem wunderschönen Strand und (zumindest) ich habe eine mittelschwere Felsenklettertour hinter mir. Und wie wir so sitzen und über’s Meer schauen kommen zwei Schwimmerinnen aus dem Wasser. So weit ja noch nichts Besonderes. Beim Näherkommen stellt sich allerdings heraus, dass eine der beiden eine alte Dame ist und zum Gehen einen Stock braucht. Und mit dem ist sie eben auch im Wasser unterwegs! Das finde ich toll – sie lässt sich nicht unterkriegen, sondern geht trotzdem schwimmen, aber leichtsinnig ist sie auch nicht, denn die andere Frau ist da und kann sie stützen.

Als wir zum Auto zurück gehen kommen wir bei der alten Dame vorbei und ich bleibe kurz stehen, wechsle ein paar Worte mit ihr und sage ihr, wie toll ich das finde während sie ihren Stock auseinander schraubt und das Wasser ausleert. Sie strahlt über beide Backen. Ich auch. Was für eine Begegnung!

Überhaupt habe ich den Eindruck, hier in Australien sind die Rentner mega aktiv. Die sind dauernd mit ihren Campern irgendwo unterwegs und gehen fischen, surfen, tanzen, wandern, Motorrad fahren und was weiss ich noch alles. So was wie einen Seniorennachmittag, wo man gemeinsam Kaffee trinkt und Kuchen isst (nichts gegen zu sagen!!) scheint es hier nicht zu geben, sondern das meiste spielt sich draussen ab. Eindrücklich ist es wenn du frühmorgens an den Strand gehst: da sind geradezu Scharen von fitten Grauköpfen unterwegs und laufen, walken, joggen was das Zeug hält. Und alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht.

A pros pros Lächeln – ich möchte dir von einem echt australischen Standbarbecue erzählen, das wir auf Maggie Island gefeiert haben. 

Das sind die Protagonisten: Team Gelb. das Stirnband  Team und die Schiedsrichter (wir wurden gezwungen, die Gretchen-perücken zu tragen; was soll ich sagen, lang wallendes Blondhaar steht mir!) 😉 Am Nachmittag wird alles vorbereitet, geschnippelt und eingelegt, eine Menge Bier kaltgestellt und es gibt schon jetzt ziemlich viel Gelächter. Als es dunkel wird schleppen wir den ganzen Krempel zum Strand und belagern eine der Grillstationen und einen Tisch. Der Chef grillt und die anderen feiern. Wir sind ziemlich laut aber hier stört das niemanden, sondern im Gegenteil: die anderen Leute an den Grills und den Tischen freuen sich mit uns. Nach dem Essen machen wir eine Miniolympiade auf dem Kinder-spielplatz, der direkt neben unserer Partystation ist. Alle Kinder von den Nachbartischen machen mit und stecken die Erwachsenen mal locker in die Tasche. Was für ein Spass! Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Spiele und natürlich geht es immer um’s Trinken – sonst wäre das nicht Australien! Beer-Pong und Beer-Run und Beer-xxx……es ist sehr lustig und sehr locker und allen geht es gut. Also na ja, ziemlich lange geht es fast allen ziemlich gut. So gegen Ende…..

Irgendwie haben es alle in ihre Betten geschafft und am späten nächsten Morgen zum Frühstück haben alle auch schon wieder gute Laune und einen erstaunlichen Appetit. 

Maggie Island war eine tolle Erfahrung, aber so auf die Dauer ist es sogar mir hier zu hippiemässig daher geht meine Reise weiter in Richtung Norden und der nächste Stop heisst Bowen.