Zauberhaftes, magisches Bali 1

Jetzt gibt es einen richtigen Kulturschock! Australien, Neuseeland und sogar Französisch Polinesien waren bei aller Exotik doch irgendwie ziemlich europäisch geprägt, aber jetzt geht meine Reise nach Asien und hier ist nun einmal alles anders.

Das erste Lächeln entlockt mir der Toilettenbesuch am Flughafen von Denpassar: es stehen Wasserschalen mit Franghipaniblüten am Waschbecken und dieses Schild hier bringt mich zum Lachen. Herzlich willkommen in Asien!

Und dann stürze ich mich hinein, ins Leben: ich versuche, einen Taxifahrer dazu zu bringen, mich für einen einigermassen anständigen Preis nach Ubud zu bringen. Kaum aus der Tür getreten stürmen sie auf mich zu und beginnen den Tanz: „Miss! Miss! Taxi Miss? Good price, Miss! Taxi? Taxi?“ tönt es von allen Seiten. Ich ignoriere sie erstmal alle und gehe bis ans andere Ende der Halle. Dort quatsche ich ein junges Pärchen an, die offensichtlich ebenfalls ein Taxi brauchen, ein weiterer junger Mann schliesst sich uns an und so teilen wir uns ein Taxi zu viert, was meiner Urlaubskasse guttut. Der Taxifahrer handelt hart und wir müssen dreimal weglaufen bevor wir uns einigen können.

Das Handeln gehört in Asien dazu. Wer nicht handelt ist selber schuld wenn er zuviel bezahlt, denken die Asiaten. Dass man als gerade angekommener Tourist keine Ahnung von den Preisen hat kommt ihnen zugute und wird auch weidlich ausgenutzt. Trotzdem hat alles auch immer eine Grenze, finde ich, und als Urlauber sollte man nicht vergessen, dass die einheimischen Dienstleister allesamt sehr viel ärmer sind als wir und dass hinter jedem Einzelnen eine meist grosse Familie steht. Also Handeln ja, aber nicht drücken bis zum Gehtnichtmehr, das ist zumindest meine Devise. 

Endlich ist es geschafft, wir sind uns einig und aufatmend lassen wir uns in die Sitze sinken. Die Entspannung dauert allerdings nur kurz, denn wie erwartet fährt unser Fahrer schnell, ruppig und ohne irgendwie erkennbar Strassenregeln zu beachten. So, wie alle anderen auch. Der Strassenverkehr in Asien ist ein echtes Abenteuer und auch Bali ist hier keine Ausnahme. Jede noch so kleine Lücke wird ausgenutzt, Motorräder kommen aus allen Richtungen und fahren sehr oft auch entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung, Fussgänger wuseln überall herum und Strassenstände und Schlaglöcher erschweren das Durchkommen der Autos. Wir nehmen mehrere Abkürzungen und fahren durch kleine, schmale Strassen, um den Hauptverkehrsstrom zu umgehen. Leider hindert uns irgendwann eine auf voller Breite aufgerissene Strasse am Weiterkommen. Unser Fahrer schimpft wie ein Rohrspatz als er notgedrungen umdreht und ein ganzes Stück zurückfahren muss.

Irgendwann kommen wir in Ubud an. Natürlich kennt der Fahrer aus Denpassar nicht die einzelnen guesthouses in Ubud und so bitte ich ihn, mich einfach im Zentrum abzusetzen. Der junge Mann steigt mit mir aus, das Pärchen will noch weiter nach ihrem Hotel suchen. Der Fahrer ist ganz offensichtlich erleichtert, schon mal zwei von uns los zu sein und braust davon. Hhmm, hier stehen wir also nun, auf der Strasse in einer fremden Stadt in einem fremden Land und schwitzen. Wir gehen in die Richtung, die der Fahrer uns vage mit der Hand angewiesen hatte, doch schon nach wenigen Metern wird uns klar, dass es hier eher nicht ins Zentrum geht.

Vor einem Massagesalon sitzen ein paar Balinesen herum und wir fragen sie nach dem Weg. Ein fröhliches Gezwitscher geht los, von dem wir beiden Touristen natürlich kein Wort verstehen. Letztendlich bekommen wir gleich ein Beispiel balinesischer Hilfsbereitschaft, denn einer der Masseure holt sein Moped heraus und fährt mich mitsamt meinem Riesenrucksack in mein guesthouse, um gleich wieder umzukehren und auch den jungen Mann zu fahren. Bist du schon mal mit einem grossen Rucksack auf dem Moped einen Berg hochgefahren? Ich gebe zu, ich hatte echt Angst hintenüber zu fallen, haha!

Mein Domizil liegt versteckt in einem zurückgesetzten Haus und ist nur durch einen dunklen, schmalen Spalt zwischen zwei anderen Häusern zu erreichen. Meine Erwartung sinkt. Aber dann stellt sich die Unterkunft als wirklich hübsch heraus und mein Zimmer ist gross und bunt gestaltet und das Doppelbett mit Moskitonetz sieht bequem aus. Das Ganze ist wie eine Art grosser Balkon und aus den grossen „Fenstern“ (ohne Glas) schaue ich in den Garten und auf einen zugewucherten Fluss. Grüner Bambus wächst hier meterhoch und raschelt leise im Wind: es ist herrlich!

Nach einer schnellen Dusche geht’s ab in die Stadt. Bei einem kleinen Mittagessen versuche ich die ersten Leckereien der balinesischen Küche und schaue dabei den Menschen auf der Strasse zu. Wahre Massen strömen draussen an mir vorbei und ich bin ehrlich gesagt ein bisschen geschockt. Ich wusste schon, dass Bali sehr touristisch ist, aber ich war nicht darauf vorbereitet, hier in Ubud – weit weg von jedem Strand! – dieser Menge an Urlaubern zu begegnen. 

Die kommenden Tage nutze ich, um die Umgebung zu erkunden, mich zu orientieren und eine passende Unterkunft zu finden, denn in fünf Tagen kommt mein Sohn Patrick mit seiner Freundin Tine! Sie werden knapp drei Wochen lang Bali mir mir erkunden und ich bin schon jetzt soo aufgeregt und freu mich unglaublich auf die beiden. Vorher mache ich aber noch all die kulturellen Dinge, die ich toll finde, die beiden aber eher langweilig.

Wie beispielsweise ein Besuch im „Museum der Masken“. Ein wundervolles Museum, das in mehreren typisch indonesischen Häusern eine eindrucksvolle Sammlung verschiedener Masken ausstellt, sowie Handpuppen, Marionetten und Schattentheaterpuppen zeigt. Doch sieh selbst:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An einem Abend besuche ich eine Tanzshow. Die finden hier in Ubud täglich in verschiedenen Etablissements statt und sind eine reine Touristenattraktion. Dennoch lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall, denn der traditionelle balinesische Tanz ist sehr bunt, sehr grazil und sehr exotisch. Die Eintrittskarten für die Veranstaltungen werden auf der Strasse verkauft und zwar je mehr je besser. Die an den Seiten offenen Tanztheater werden daher so voll gestopft wie es irgendwie geht, manchmal müssen die Zuschauer sogar stehen! Aber ich hab Glück und ergattere noch einen Sitzplatz. 

 

                                                                 Auch wenn ich die Musik, sagen wir mal ….. sehr exotisch finde geniesse ich die Show. Die bunten Kostüme, die Grazie der Tänzer, das irgendwie skurile Augenrollen und die ungewöhnlichen Bewegungen bezaubern mich und so vergeht die Zeit wie im Flug.

Hier findest du ein kurzes Video(klick).

Ein Besuch auf dem „local market“ ist immer spannend und nachdenm man sich vom ersten Schock erholt hat macht das Entdecken von einheimischen Spezialitäten, sowie das Schwelgen in den bunten Farben der tropischen Früchte und den exotischen Düften der Gewürze immer einen Riesenspass. Für kleines Geld kannst du hier die leckersten Mangos und Minibananen kaufen, die süssesten Ananas und auch Früchte, die man bei uns kaum je zu Gesicht bekommt wie Mangostan, Drachenfrucht oder Rambutan. Natürlich gibt es auch immer Papayas und Kokosnüsse, die hier quasi zu den Grundnahrungsmitteln gehören.

Auch ein Spaziergang durch die ausgedehnten Reisfelder, die die Umgebung von Ubud ausmachen ist einfach ein Muss (nicht erst seit Julia Roberts in „Eat Pray Love“ hier mit dem Fahrrad entlang fuhr). Wunderschön ist das saftige Grün der Reisfelder und man kann hier tatsächlich die Reisbauern beobachten, wie sie den Boden umpflügen, die Felder fluten und neue Pflänzchen setzen. Reisanbau ist Handarbeit bis heute, eine schwere Arbeit und ein hartes Leben, 

In Asien hat praktisch jede Familie mindestens ein Reisfeld, das den persönlichen Bedarf abdeckt. Wer allerdings vom Reisanbau alleine leben möchte (oder muss) findet sich am unteren Ende der Gesellschaft wieder. Viel Geld ist hier nicht zu verdienen und die harte Arbeit erscheint vor allem den jungen Asiaten nicht erstrebenswert. Daher wandern alle, die es sich irgendwie erlauben können ab in Richtung Tourismus, Dienstleistung oder Bau. Auf Bali ist im Laufe der vielen Jahre, die hier schon einträglicher Tourismus betrieben wird ist eine ziemlich breite Mittelschicht entstanden, die ihr Geld mit und rund um die Touristen verdient, die Reisfelder werden nebenberuflich betrieben.

Insgesamt erscheint mir, das Bali den Spagat zwischen Bewahrung alter Traditionen und Innovation recht gut hinbekommt. Ausser den vielen Touristen kann man überall traditionell gekleidete Balinesen antreffen, die ihren Geschäften nachgehen. Täglich werden hunderte von kleinen Blumenkörbchen gefertigt, die den Göttern und Geistern als Opfer dargebracht werden. Es gibt hier für alles, wirklich alles ein besonderes Ritual und Ofergaben werden nicht nur in den Tempeln dargebracht, sondern schmücken jeden Tag die Eingangstür der Läden und Restaurants, Autos und Busse, Kochherde und Hauseingänge. Einmal dargebracht verlieren sie sofort ihren Wert und werden später achtlos von den Strassenkehrern eingesammelt oder falls essbar von streunenden Strassenhunden verschlungen. 

Lasten werden auch heute noch oft auf dem Kopf getragen und beim Besuch des Tempels wird noch immer die traditionelle Kleiderordnung eingehalten. Auch Touristen werden angehalten, diese Kleidung anzulegen wenn sie an einem Ritual teulnehmen möchten. Auf der anderen Seite ist das moderne Leben überall präsent. Läden mit Mobiltelefonen, Computerzubehör und Auto-Tuningteilen reihen sich aneinander, stylische Cafés warten auf Gäste, Massagesalons buhlen um Kundschaft und alle Arten von Serviceleistungen werden angeboten. 

Für uns Besucher ist diese Mischung sehr angenehm, daher erfreut sich Bali ungebremster Beliebtheit bei den Touristen. Leckeres, preiswertes Essen, schöne Shops mit Kitsch und Kunsthandwerk, bunte, flippige Klamotten und sehr preiswerte Massagen – all das findet sich zuhauf in Bali. Jede Menge Sonne, tolle Natur, schöne Strände und sogar Party-Nightlife finden sich hier zusammen und lassen Touristenherzen aus aller Welt höher schlagen. Mal schauen, was Tine und Patrick sagen. Für beide ist es der erste Besuch in Asien …..

Damit sie einen guten Start haben schicke ich ihnen einen Fahrer an den Flughafen. Denn sich nach einem interkontinentalen Flug mit      -zig wildgewordenen Taxifahrern in einer ungewohnten Sprache herumzuschlagen ist kein Spass!

Doch die beiden lassen sich nicht bange machen (und sind sehr erleichtert, dass die Unterkunft schön und sauber ist), sondern sind direkt unternehmungslustig und so geht es gleich los mit unserer Entdeckungstour rund um Ubud. Das erste highlight ist der Besuch im Affentempel. Stell dir eine grosse Tempelanlage inmitten eines weitläufigen Waldstückchens vor, das Ganze bevölkert von hunderten Affen! (Video)

Die Makakenaffen leben hier in direkter Nachbarschaft mit den Menschen und man sieht sie auch in der Stadt selbst häufig. Im Affentempel selbst sind sie eher faul und gelangweilt, müssen sie doch nicht auf Nahrungssuche gehen und sich auch keiner Feinde erwehren. (Video)

Die intelligenten Primaten haben längst gelernt, dass Touristen oft Futter oder andere interessante Dinge mit sich bringen und so sind die Biester hier aufringlich frech bis gefährlich dreist. Sie versuchen oft die Touristen anzuspringen und lose Dinge wie Mützen, Sonnenbrillen, Getränkeflaschen oder Fotoapparate zu klauen. Und sie springen gerne auf Rucksäcke, wo sie geschickt die Reissverschlüsse aufziehen, um im Inneren nach Essbarem zu suchen.

Wir haben vorsorglich schon alles Bewegliche im Rucksack verstaut, den mein Sohn auf dem Rücken trägt, doch das hält einen besonders vorwitzigen Affen nicht davon ab, auf Beutesuche zu gehen. Er springt meinem Sohn auf die Schulter und versucht den Rucksack aufzumachen. Ich versuche, ihn mit Armgewedel zu verscheuchen. Der freche Makake lässt zwar von meinem Sohn ab aber jetzt hasst er mich dafür und will mich auf dem Weg nicht vorbei lassen. Er faucht mich an und bleckt die Zähne (die haben übrigens ein ganz schönes Gebiss!) Ohne gross darüber nachzudenken fauche ich einfach zurück! Da wird das Biest erst recht wütend und springt mich an. Im Reflex reisse ich zum Schutz meinen Arm hoch und treffe mit der Hand versehentlich den Affen am Kopf!

Der Affe sitzt jetzt fassungslos den Kopf schüttelnd auf einem Geländer, ich bin ebenfalls fassunglos und meine beiden Jungbackpacker lachen sich halbtot. Hier findest du ein kurzes Video dazu.

Zur Erholung von dem Schreck verziehen wir uns in die wundervoll grünen Reisfelder. Ich hatte dort ein tolles kleines Restaurant auskunschaftet, wo wir jetzt gemütlich unsere fruitshakes geniessen und der Zeit beim vergehen zuschauen. Herrlich!

Hier kann man übrigens für einen Dollar eine leere Kokosnuss kaufen. Häh? Was’n das, denkst du jetzt wahrscheinlich. Das ist eine tolle Idee, wie man aus Müll etwas Wertvolles kreiert! Ein ortsansässiger Künstler schnitzt nämlich aus der leeren Kokosnuss ein Gesicht und das wird hier im Restaurant aufgehängt. Und der Dollar kommt einer Stiftung zugute, die unterprivilegierte Kinder mit Schulmaterial ausstattet. Super Projekt, finde ich.

Heute abend erwartet uns noch ein weiterer Höhepunkt: wir gehen au einem „Kejac-Dance“. Das ist ein balinesischer Feuertanz, der ausschliesslich von Jungen und Männern getanzt wird. Zweimal im Monat (Neumond und Vollmond) gibt es einen ganz besonderen Kejactanz, der in einem wunderschönen Park unter freiem Himmel aufgeführt wird. Und denk mal! Heute ist Neumond und ich habe uns vorsorglich drei Plätze reserviert.

Wir sitzen in der zweiten Reihe und rundherum stehen wunderschöne riesige Bäume, Grillen zirpen, über uns sind die Sterne zu sehen und wir vergessen in dieser natürlichen Umgebung völlig die Touristenmassen, die sich nur wenige Meter von uns entfernt durch die Strassen schieben.  Es ist auch so schon eine dieser magischen Nächte aber als die Tänzer die Bühne betreten werden wir sofort in eine andere, archaischere Welt entführt.

Jungen und Männer aller Alterstufen performen hier eine Art Trance Tanz. Es gibt keine Musik sondern alle „singen“ Laute wie „cak“ „kek“ und „jak“. Es gibt einen Hauptakteur und Vorsinger und die Geschichte ist eine relativ freie Interpretation einer alten Legende von Gut gegen Böse. Die Handlung ist allerdings völlig irrelevant, zumindest für uns, die wir in diesem urtümlichen Gestampfe, Gesinge und Geschrei irgendwie untergehen. Also ganz positiv gesehen! Der Kejac nimmt einen total gefangen und berührt irgendwie auf einer tiefen, unbewussten, archaischen Ebene. Hier ist das männliche Prinzip, die männliche Kraft am Werk, einmal ganz unverfälscht, roh und wild, wie sie ja heutzutage kaum mehr irgendwo gelebt werden darf/ kann. Wohl kaum jemand kann davon unberührt bleiben. Und ein ganz klein bisschen erinnert es mich an eine Herde zischender Gänse…..

Hier findest du ein paar Videos, die zwar die Stimmung nicht wirklich wiedergeben können, aber doch wenigsten einen kleinen Eindruck geben. (klick)

Am nächsten Tag fahren wir mit einem privaten Fahrer und Reiseführer kreuz nd quer durch die Umgebung von Ubud. Wir besuchen verschiedene Tempel, die zwar sehr schön und auch sehenswert, allerdings meist doch ziemlich überlaufen sind (und die aufdringlichen Verkäufer direkt vor den Tempeltoren tragen auch nicht zu einer besinnlichen Stimmung bei!). Da gefällt uns der Besuch eines kleinen Wasserfalls wo eigentlich nur Einheimische hingehen doch viel besser! Wir wagen uns sogar ins Wasser und geniessen ein kühles Bad.

Und die Fahrt an sich ist ebenfalls ein Erlebnis! Die grünen Reisfelder überall, die sich eben bis an den Horizont erstrecken oder in Hügellagen auch als Terrassen angelegt sind sind einfach ein wahrer Augenschmaus. Kleine Geisterhäuschen und manchmal sogar Grabstätten sind immer wieder zu erkennen. Tatsächlich liessen sich die Reisbauern früher oft auf ihrem Feld begraben („Ich wurde auf einem Reisfeld geboren, ich habe auf einem Reisfeld gelebt und ich möchte auf einem Reisfeld sterben – so ein geflügeltes Wort in Bali“).

Zum Sonnenuntergang fahren wir noch in das kleine Dorf Petulu, wo abends tausende weisse Reiher einfliegen, um die Nacht in den Bäumen entlang der Hauptstrasse dieses Dörfchen erstaunlicherweise in unmittelbarer Nähe zu den Menschen (obwohl es rundherum viel Platz hat) zu verbringen.

Die Legende erzählt folgendes: Mitte der 1960er Jahre gab es in Indonesien einen der schlimmsten Progrome des zwanzigsten Jahrhunderts. Unter dem heute sehr stark angezweifelten Vorwurf, einen Putsch versucht zu haben wurden Chinesen und alle, die der damaligen kommunistischen Partei Inodesiens PKI nahestanden per se zum Abschuss freigegeben. So wurden Tausende von Militärs und Milizen erschossen oder erschlagen und ohne Rituale in Massengräbern verscharrt. (Mehr zu diesem Thema hier-klick)   Auch in Petulu fanden diese Morde statt. Hier wurde allerdings eine Art Reinigungsritual durchgeführt und exakt sieben Tage später sollen die Reiher zum ersten Mal ins Dorf gekommen sein. Sie wurden zuerst als mögliche Nachrungsquelle angesehen, aber nachdem die Jäger von bösen Geistern heimgesucht worden waren, hiess man die Vögel in einem weiteren Ritual willkommen. Die Menschen glaubten, die Vögel seien die verwandelten Seelen der Opfer, die (da ohne die nötigten Rituale verscharrt) nun für immer auf der Erde wandeln müssten. Bis heute glauben die Balinesen daran und halten die Vögel für heilige Tiere, die dem Dorf Schutz und Wohlstand bringen.

Für uns ist es hauptsächlich ein wunderbares Naturschauspiel. Die untergehende Sonne färbt den Himmel in zarte Pastellfarben, die sich in den teilgefluteten Reisfeldern spiegeln und so eine einzigartige Atmosphäre schaffen.  Ein weiteres magisch anmutendes Erlebnis auf Bali.

Am nächsten Tag…… (das erzähle ich dir im nächsten Artikel) Heir erst mal noch eine Menge weiterer Fotos:

Von Alice Springs nach Darwin und Kakadu Nationalpark

Heute geht also die grosse Fahrt weiter von Alice Springs nach Darwin, rund 1.500 km durch’s outback! Und obwohl wir einige tolle Stationen vor uns haben mache ich mich doch auf sehr viel Fahrerei gefasst.
Früh um sechs werde ich mit noch ein paar anderen am Hostel abgeholt. Dieses Mal haben wir einen offroad Bus und eine Führerin: Kiwi Kate aus Neuseeland.
Der Bus ist vollbesetzt, wie sich bald herausstellen wird sind wir aber ein recht toller Haufen und so sind diese siebzehn Personen für die nächsten Tage meine „Familie“.

Auf dem Stuart Highway geht es raus aus der Stadt und in Richtung Norden, erstmal ein paar Kilometer machen. Wir stoppen am Aileron Roadhouse. Jedes roadhouse hier im outback ist anders und jedes hat eine Geschichte. Meist handelt diese von irgendwelchen unglücklichen oder tragischen Liebesgeschichten, von Jagden, Kämpfen und Rivalitäten oder von wilden Tieren. Leider konnte ich mir nicht alle Geschichten merken, aber ich habe immerhin ein paar Fotos von den skurrilen Einrichtungen und/ oder Schildern gemacht. 

Und gleich noch eines hinterher, Barrow’s Creek Hotel, eines der ältesten roadhouses der Gegend. Der Besitzer hier weiss anscheinend irgendetwas über jeden Fleck der Erde, heisst es…..leider konnte ich nicht fragen, was er über Mallorca weiss 😉

Wir erreichen Australien’s Ufospot Wycliffe Wells und nun wird es richtig abgefahren! Hier soll es schon mehrere Ufosichtungen gegeben haben, Entführungen ins All und alles, was damit zusammenhängt. Du findest dich also mitten im Nichs von Alienfiguren, Ufopostern und jeder Menge Zeitungsausschnitten und Fotos umgeben und alles, alles hat etwas mit Ufos zu tun. Es ist total abgedreht und herrlich skurril. Echte Ufos sehen wir allerdings keine…..

Das highlight des heutigen Tages heisst „Devil’s Marbles“. Mitten in der Wüste liegen plötzlich mehr oder weniger grosse, runde Felsbrocken in der Gegend herum. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die dort sind oder wie sie dahin kamen, denn rundherum ist alles topfeben und keine Berge oder Flüsse in Sicht. Selbstredend ist dieser Platz bei den Aborigines heilig und wir können nur einen kleinen Teil besichtigen. Der Rest ist mit einem Zaun abgesperrt. Aber sag mal…..sind die Felsen hinter dem Zaun nicht eigentlich viel schöner?? Haha… 😉 Die englischen Eroberer hielten es seinerzeit wohl eher mit dem Teufel und benannten diese sehenswerte Naturschönheit „Des Teufels Murmeln“.
Wenn du hier schon länger mitliest dann hast du vielleicht schon festgestellt, dass ich eine gewisse Affinität zu Steinen habe und diese hier sind echt mal faszinierend! Wir umrunden also staunend die runden Brocken, klettern ein bisschen auf ihnen herum, lassen uns die heisse australische Sonne auf die Haut brennen und geniessen es, uns zu bewegen und der Enge des Busses zu entgehen.

Unser heutiges Camp schlagen wir in unmittelbarer Nähe der Banka Banka Cattle Station auf. Dank des angegliederten Campingplatzes gibt es Waschräume und so einen gewissen Komfort. Trotzdem sind wir mit unserem Camp weit genug weg, dass immer noch ein bisschen bushfeeling aufkommt. Und es ist ein ziemlich cooler Campingplatz mit Pferden und Kamelen, die die Reste unseres Abendessens bekommen. Es stehen eine Menge „antiker“ Land-wirtschaftsgeräte herum und es gibt einen Hügel mit einer fantastischen Aussicht. Also genung zu gucken für uns solange Kate unser Abendessen zaubert. 

Schon am ersten Tag haben sich Sympathien ergeben und diese Gruppe von sehr unterschiedlichen und sehr tollen Frauen hat sich zusammengefunden.

 

Auch heute geht es wieder vor Sonnenaufgang los, es gibt also wieder ein mehr oder weniger schweigsames, da viel zu frühes Frühstück und noch ein bisschen trantütig krabbeln wir in den Bus, um zu unserem ersten Ziel nach Kathrine Gorge zu fahren. Als wir mit dem Aufstieg zum Aussichtspunkt starten wird es gerade so hell und wir sind pünktlich zum Aufgang der Sonne am gewünschten Punkt. Diese spektakuläre Aussicht belohnt uns – wunderschön, oder?!
Plötzlich glaubt jemand, ein Krokodil gesehen zu haben! Wirklich? Wo denn?? Alle suchen nun angestrengt die Oberfläche des tief unter uns dahinströmenden Flusses nach den Umrissen des Tieres ab. Und tatsächlich, am anderen Ufer schwimmt ein einzelnes Krokodil langsam flussaufwärts. Dank meines phänomenalen Kamerazooms ist mir dieses Bild gelungen: Na ja, das ist jetzt nicht soo aufregend, denn das Tier ist ewig weit weg, aber Kiwi Kate versichert uns, dass wir noch mehr „crocs“ zu sehen bekommen.

Auf dem Rückweg zum Bus bestaunen wir eine Riesenkolonie Flughunde. Wie schwarze Säckchen hängen sie kopfüber in den Bäumen, fiepsen vor sich hin und lassen eine Menge Kot fallen. Es stinkt zum Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes! Ich glaube, ich werde jetzt diesen Geruch überall erkennen. Boah!! Hier kannst du ein kurzes Video anschauen. Wir müssen unter den Bäumen hindurchgehen und ich bin froh um meinen schönen, grossen Hut, der mich zumindest vor Hinterlassenschaften auf dem Kopf bewahrt. Nicht alle aus der Gruppe haben dieses Glück…..

Auch heute stoppen wir wieder an roadhouses und hier zeige ich dir einmal einen outback Supermarkt. Hier gibt es quasi alles: Campingausrüstung und Flachbild-fernseher, Wasch-maschinen, Kleidung, Lebensmittel und Fahrräder, Kleinmöbel, Autozubehör und was weiss ich nicht alles. Natürlich verstehe ich die Notwendigkeit dessen völlig, schliesslich sind wir hunderte Kilometer von jeder Stadt entfernt und rundherum gibt es nur Wüste, Gestrüpp und Steine, nichtsdestotrotz finde ich die Mischung kurios und für eine Mitteleuropäerin wie mich verdeutlicht die Bandbreite des Angebots einmal mehr die ungeahnten Möglichkeiten der Anpassung an die Umstände zu denen Menschen fähig sind.

Weiter geht die Fahrt zu den Lelyin Edith Falls,  Hier wandern wir ein wenig herum, erfahren einiges über die hiesige Fauna und was die Aboginines daraus ableiten. Ausserdem legen wir einen tollen Badestopp zur Abkühlung ein. Aber so mega spektakulär ist es nicht.

Interessanter sind da schon die gelegten bushfires (Buschbrände) rundherum. Seit Urzeiten brennen die Aborigines alle paar Jahre den Busch ab. Die grösseren Bäume überstehen den Brand und erholen sich in relativ kurzer Zeit wieder, das Grass und niederes Gestrüpp aber verbrennt. So wird riesigen und verheerenden Bränden vorgbeugt. Ein hübscher Nebeneffekt ist, dass das Wild natürlich vor dem Feuer flüchtet und so einfach gejagt werden kann. Das hat auch eine gewisse Sorte Raubvögel gelernt und so sieht man diese Vögel in unmittelbarer Nähe zuden  Feuern kreisen und auf Beute lauern. Kate erzählt uns, dass diese Vögel sogar glühende Kohlestückchen aufheben und diese an anderer Stelle wieder abwerfen, um ein neues Feuer zu entfachen. Unglaublich, oder?
Na ja, also zurück zu den Feuern. Früher wurden grosse Gebiete abgefackelt, abgejagt und dann zog das Volk weiter. Heute leben die Aborigines sesshaft in Häusern und so hat sich im Laufe der Zeit auch das Feuerverhalten wenn man so will verändert. Heute wird sogenanntes „patch burning“ gemacht: eine abgesteckte Zone (patch) wird abgebrannt, das gefährliche Niederholz so eliminiert und der Feuergefahr entgegengewirkt. Dann kann sich das entsprechende Gebiet für ein paar Jahre erholen bis zum nächsten patchburn. Diese Praktik wird inzwischen auch von den australischen Behörden gebilligt und sogar gezielt angewandt, anscheinend ist diese Art der Prävention wirksam. Nichtsdestotrotz sieht so ein abgebranntes Gebiet furchtbar aus und solange es nocht brennt ist es wirklich angsteinflössend!

Unser nächster Stop ist ein highlight für Warmduscher wie mich! Wir besuchen die Mataranke Hot Springs. Aus einer Quelle strömen pro  Tag ich weiss nicht mehr wieviele tausend Liter heisses Wasser. In direkter NAchbarschaft wurden einige Pools angelegt, wo man sich ordentlich durchkochen lassen kann, aber es ist sehr voll und irgendwie gefällt uns dieses künstliche Beton-Pool-Gebilde nicht so recht. Doch Kate weiss Rat: nur ein kleines Stückchen weiter gibt es einen Fluss, der ebenfalls von diesem Wasser gespreist wird und daher schön warm ist. Nichts wie hin und dann lassen wir uns gemütlich flussabwärts im warmen Wasser treiben, spazieren durch den Wald zurück und gleiten wieder in diese natürliche Badewanne. Toller Spa-Nachmittag.

Am späten Nachmittag halten wir am Adelaide River Roadhause, das durch einen speziellen Geschmack in puncto Dekoration besticht. Wer stellt sich schon einen lebensechten, riesigen ausgestopften Wasserbüffel ins Lokal??

Am Abend kommen wir bereits in Darwin an und so haben wir den „Pflichtteil“ erfolgreich hinter uns gebracht, bevor es morgen zur „Kür“ weiter geht in den Kakadu Nationalpark.

Als ersten Stop auf unserer Fahrt besuchen wir eine Art Termitenstadt. Hunderte riesengrosser Termintenhügel stehen herum, manche verlassen und manche bewohnt. Wir lernen, dass es verschiedene Arten Termiten (weltweit über 2000) gibt und dass durchaus nicht alle Holz fressen. Termiten bilden Staaten, wo verschiedene Aufgaben verrichtet werden müssen, so gibt es neben dem Königspaar, Arbeiter, Geschlechtstiere und Soldaten. Die Ausprägung der einzelnen Termite wird durch die Umgebung, sprich den Bedarf innerhalb des Volkes bestimmt.

Werden die jungen (Geschlechts-)Termiten geschlechtsreif gehen sie auf einen sogenannten Hochzeitsflug, um einen passenden Partner zu finden. Nach erfolgreicher Suche findet die eigentliche Paarung auf dem Boden statt, die Flügel werden abgeworfen und ein neues Termitenvolk wird gegründet, inklusive Hügelbau. Königin und König bleiben dauerhaft zusammen und vergrössern das Volk.

Die australischen Termitenhügel stellen eine Besonderheit dar. Sie sind nicht einmal annähernd rund, sondern ragen wie spitze, schmale Feuersteinklingen in den Himmel. Ihre strenge Nord-Südausrichtung erklärt auch die spezielle Form: Die Breitseite nach Osten gerichtet präsentiert der Morgensonne eine grosse Fläche, sodass der Bau nach der kalten Nacht recht schnell wieder aufgewärmt ist. In der heissesten Mittagszeit allerdings wird der Sonne sehr wenig Fläche geboten und erst am Abend in der sinkenden Sonne kann wieder Wärme aufgenommen werden. Ein faszinierend – ausgeklügeltes System der Temperaturregulierung!

Unser Mittagessen nahmen wir auch heute wieder in einem skurrilen roadhouse ein. Es gibt hier einen riesigen Banya-Baum zu bewundern, eine ehemals deutsche Gastgeberin, eine Menge schräge Deko (na klar!) und ein ganz besonderes Haustier. Eine niedliche, kleine siebenjährige Python!

Schlangen sind übrigens weder kalt noch glitschig, sondern fassen sich warm und weich an. Es ist ein tolles Gefühl wenn sie sich fast liebevoll drückend an deinem Arm entlangschlängelt! 😉

Hättest du dich getraut??

                                                                Und weiter geht unsere Fahrt, tiefer in den Kakadu Nationalpark.  Hier leben überwiegend Aborigine People, die oft als Ranger im Park arbeiten. Oder in den grossen Bauxitminen, die es hier immer noch gibt. Nationalpark hin oder her – die australische Regierung will auf das einträgliche Geschäft mit dem Bauxit nicht verzichten.

In einigen der kleinen Städt durch die wir gefahren sind leben praktisch überhaupt keine weissen Australier. Die Indigenen leben hier soweit als möglich noch nach ihren eigenen Traditionen und der Einfluss der westlichen Kultur ist eher gering. Da Alkohol- und Drogenkonsum ein Riesenproblem für die Aborigines ist gibt es hier keinen Alkohol zu kaufen. Leider kommt es trotzdem immer wieder einmal zu Tätlichkeiten. Offensichtlich gibt es besonders viel häusliche Gewalt, wobei manchmal auch die Frauen ihre Männer verprügeln. Natürlich ist das illegal, aber für die Indigenen offensichtlich noch immer schwer nachzuvollziehen.

In ihrer Gemeinschaft werden Konflikte offen und öffentlich ausgetragen, nichts geschieht hinter verschlossenen Türen. Und so kann es eben schon sein, dass aus einem Konflikt ein handfester Streit wird, aus dem sich ein Handgemenge oder auch eine Prügelei entwickelt. Jeder versteht seinen Part, gibt oder bekommt die entsprechende Strafe direkt ab und danach ist alles wieder in Ordnung. Sie können nicht verstehen, warum sie anschliessend dafür in den Bau gehen müssen….. so ungefähr wurde mir erklärt, dass Rechtsprechung für die Aborigines etwas völlig anderes ist als für die weissen Australier. Anscheinend ist bis zum heutigen Tag hier keinerlei Lösung in Sicht. Auf jeden Fall müssen wir auf einen Stopp in einer bestimmten Stadt verzichten, denn am Vortag war es hier nach einer Beerdigung wohl etwas unruhig geworden und so fahren wir bloss durch.

Wir erreichen Ubirr, eine Gegend innerhalb des Nationaparks, wo es unglaubliche Höhlenmalereien zu bestaunen gibt. Wissenschaftler schätzen die Kunstwerke auf 40 000 AD!! Natürlich wurden sie bis in die heutige Zeit immer wieder restauriert und übermalt, aber die archaische Einfachheit ist erhalten geblieben. Kate ist auch hier ein unerschöpflicher Fundus an Traumzeit-Geschichten und Legenden rund um die dargestellten Figuren und die gesamte indigene Kultur. Manche Kunstwerke sind an der Unterseite von Felsüberhängen angebracht, vielleicht fünf oder mehr Meter über dem Boden. Unwillkührlich fragt man sich, wie die primitiven Vorfahren vor tausenden von Jahren wohl diese Zeichnungen angebracht haben….

Nachdem wir unsere geballte Ladung Kultur abgekriegt haben kraxeln wir den Ubirr Rock hoch und oben angekommen gibt es die spektakulärste Aussicht überhaupt! Wir stehen an einem riesigen Felsabbruch (escarpment) und hunderte Meter weiter unten dehnt sich die Ebene bis an den Horizont. Es ist „floodland“ (wird regelmässig überschwemmt) und daher saftig grün, auch wenn jetzt kein Wasser zu sehen ist. Es ist wunderschön und wieder einmal werde ich ganz still ob dieser Grossartigkeit der Natur, die in diesem unglaublichen Land an jeder Ecke zu warten scheint. Der Sonnenuntergang liefert auch heute wieder das stimmungsvolle Tüpfelchen auf dem i.

Heute müssen wir zur Abwechslung einmal nicht schon um halb fünf oder so aufstehen sondern zu einer ganz normalen Uhrzeit. Und nach dem Frühstück geht es ganz geruhsam mit dem Boot durch die „wetlands“. Das sind Gebiete, die in der Regenzeit überflutet sind. Jetzt ist hier Trockenzeit und das Wasser ist auf ein langsam strömendes Seengebiet zusammengeschmolzen. In der Morgenstimmung sieht es wunderbar still und friedlich aus.

Doch, Achtung! Unser Boot ist mit dicken Metallgittern gesichert und wir werden mit deutlichen Worten des Bootsführers gebrieft: keiner streckt auch nur den kleinen Finger durch die Gitter! Sicher kannst du dir schon denken, was jetzt kommt! Ja, hier gibt es Krokodile. Und zwar jede Menge. Schon nach wenigen Metern Fahrt begegnet uns das erste Exemplar. Und im Laufe der Fahrt sehen wir noch eine Menge mehr von diesen Biestern, Manchmal fährt unser Bootsmann echt ganz nah dran und du kannst in diese uralten Augen schauen. Das ist gruselig!

Abgesehen von den „Crocs“ gibt es jede Menge wunderschöne LAndschaft anzuschauen (die Bäume, die du auf den Fotos siehst sind in der nassen Jahreszeit übrigens komplett unter Wasser!!) und es gibt unglaublich viele Vögel. Ein paar konnte ich knipsen…

 

 

 

 

 

 

 

 

Keiner wurde vom Krokodil gefressen aber trotzdem hat es die meisten von uns schon gegruselt. Zumindest ein bisschen. Denn obwohl die Tiere „nur“ faul in der Sonne herum lagen oder träge im Wasser dümpelten – jeder hat schon mal in einer Doku gesehen wie aus einem träge dahintreibenden Baumstamm urplötzlich ein gnadenloser Killer wurde.

Nach dem Mittagessen starten wir zum letzten highlight unserer Tour: den Jim Jim Falls. Es geht los mit einer Wanderung an einem malerischen, kleinen Fluss entlang. Felsbrocken liegen im Weg herum und hier und da müssen wir ein bisschen klettern. Die Landschaft ist, wie auch sonst?!, wunderschön und auch hier treffen wir nur sehr wenige Menschen.

Plötzlich öffnet sich der Weg, ein paar dicke Felsbrocken liegen herum und wollen überwunden werden und dann stehe ich – ganz plötzlich und unerwartet – an einem weissen Sandstrand!

Ja! Tatsächlich! Von steil aufragenden Felswänden umgeben glitzert hier ein kleiner See und das Ufer dieses Sees besteht aus hellem, weichem Sand. Das ist voll der Hammer!

Das Wasser ist ziemlich grün und im ersten Moment gar nicht so einladend, ausserdem ist es natürlich a****kalt, aber nach dem ersten Schreck planschen die meisten von uns prustend und schnatternd im Wasser. Aber das Beste kommt ja noch! An einer Seite des kleinen Sees kann man durch eine Art Felsbarriere schwimmen und kommt in einen zweiten kleinen See. An dessen Ende muss man über eine weitere Felsensprre klettern und steht am Ende der Schlucht. Kreisrund hat das Wasser einen Pool in den Stein gewaschen, senkrecht ragen die Felswände auf und das Wasser im Pool funkelt im Sonnenlicht.  Es ist atemberaubend!

Und das meine ich ganz wörtlich. Als ich nämlich in dieses Wasser steige nimmt es mir den Atem, und zwar sowas von. Ach du Sch…..ist das KALT! uuaahh…..japs. Aber es ist grossartig und diese Kulisse ist einmalig! Ich muss unbedingt zurück und die Gopro holen, denn das müsst ihr sehen.

Also nicht faul auf den Rückweg gemacht! Der vordere See kommt mir jetzt beinahe warm vor. Allerdings muss ich beim Schwimmen sehr aufpassen, denn es gibt viele Steine unter Wasser, sodass die Tiefe immer variiert und manchmal nur wenige Zentimeter beträgt. Ich schnappe mir die Kamera, schwimme den ganzen Weg wieder zurück und stürze mich ein weiteres Mal in dieses eisekalte Wasser! Und bitte, hier sind die Fotos und Video 1, Video 2:

 

 

Tja, und jetzt sind wir auf der Rückfahrt nach Darwin. Wir kommen noch an der krokodil-verseuchtesten Stelle Australiens vorbei: einer Furt durch den Mary River (wenn mich nicht alles täuscht). Heute lauern keine Krokos hier aber manchmal laufen die hier einfach so über die Strasse, zum Schreck der Autofahrer!

Unsere Tour ist zu Ende und wie das immer so ist, wenn man eine „real good time“ miteinander hatte, man will sich nicht so recht trennen. Ich kann mir kaum vorstellen, heute nach in einem Haus in einem Bett zu schlafen ,Keine Sterne und kein Vogelgezwitscher am Morgen, dafür aber Lärm und Verkehr um mich herum  und dann auch noch meine buddies nicht bei mir. Nee, das fühlt sich nicht gut an! Einigen anderen geht es ähnlich und so verabrden wir uns für den Abend zu einem Bummel über den Markt am Strand. Das Abschied nehmen hinauszögern, die Gemeinschaft noch auskosten.

Es gibt was zu Essen und zu Trinken, wir können ein paar Souvenirs einkaufen – dotpainting Kunst, Boomerangs, Buschhüte und „jerky“ (Dörrfleisch) wahlweise vom Wasserbüffel, Kamel oder Krokodil. Die Menschen sitzen am Strand und schauen dem Sonnenuntergang zu. Zwei (weisse!) Musiker machen seltsam hypnotische Musik mit dem Didgeridoo, was zahlreiche Aborigines zum Tanzen animiert. Was für ein Spektakel – laut, bunt, skurril und schräg in einer grossartigen Kulisse – ein passender Abschluss und ein spezielles Goodbye für mich.

Denn nun geht meine Zeit in Australien zu Ende und ich werde auch nicht in absehbarer Zeit wieder hierher kommen.

Aber irgendwann komme ich wieder! Ich muss mir doch noch die andere Hälfte des Kontinents anschauen! Und mit dem Camper herumfahren. Und an einem richtig schönen Riff schnorcheln. Und noch viele Male Veggiemite probieren, ob es mir vielleicht doch irgendwann schmeckt. Und die wunderbaren Menschen wiedertreffen, die mir hier zu Freunden geworden sind. Und, und, und…..

Für mich gibt es viele Gründe in dieses wunderbare, sorglose, luftige Land zurück zu kommen. Eines Tages…

Abenteuer Outback, next level: Uluru, Kata Tjuta und King’s Canyon

Auf meinem Flug von Cairns nach Uluru (Ayer’s Rock) habe ich einen Fensterplatz, sodass ich mir die Weite und die Grösse des outback von einer höheren Perspektive aus ansehen kann. Und das ist echt beeindruckend! Gelbliches Beige und rötliches Braun dehnen sich soweit das Auge schauen kann. Nichts als Sand, Steine, Gestrüpp, Felsen, nur wenige grüne Tupfen und ein paar Salzpfannen hier und da kann ich erkennen.  Tiefe Einschnitte, die sich über weite Strecken in Kurven winden als hätte ein starker Fluss über Jahrtausende hier sein Siegel eingegraben. Felsformationen, die von hier oben winzig aussehen. Ein grosses Nichts, so scheint es. 

Und doch, ich kann Strassen sehen, die schnurgerade das Nichts durchschneiden. Von einer Seite meines Blickfeldes zur gegenüberliegenden Seite, wie mit dem Lineal gezogen, manchmal gekreuzt von einer weiteren Linie, die ebenfalls von Horizont zu Horizont eine Gerade bildet. Woher kommen diese Strassen? Wohin führen sie? Wer benutzt sie? Es erscheint mir surreal, dass Menschen in dieser Einöde leben und doch unterbrechen ab und zu sogar Gebäude die Eintönigkeit. Farmen? Fabriken? Geheime Raumfahrtzentren?

Und dann sehe ich Uluru zum ersten Mal! Plötzlich erhebt sich dieser grosse Block aus einer riesigen Ebene, zieht alle Blicke auf sich und erscheint doch völlig unbeeindruckt von der erzielten Aufmerksamkeit. Ich bekomme einen ersten Schimmer, warum Menschen von überall her zu diesem Felsen kommen.

Kurz darauf landet mein Flieger und ich werde ein winzig kleiner Teil dieser Weite und Grösse des outback. Meine Füsse laufen auf dem roten Sand, meine Nase riecht die Wüste, meine Augen sehen den Horizont so weit entfernt und meine Haut spürt die heisse Sonne. Es fühlt sich irgendwie ….hmm, richtig an. Ich kann spüren, dass ich ein breites Lächeln im Gesicht habe – ja, ich freue mich, hier zu sein!

Ich habe eine Menge Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang bevor ich von meinem Tourbus abgeholt werde  und wir ins Camp fahren. Hier wartet allerdings erstmal eine grosse Enttäuschung auf mich. Ich habe laut Reisebeschreibung ein Wüstencamp erwartet, also irgendwie Zelte rund um eine Feuerstelle oder so was. Hier sind wir allerdings in einer Art Campdorf. Es gibt jede Menge feste Küchenbaracken, Dusch- und Toulettenhäuschen und eine Menge Busse und Allradautos und Menschen. Zudem ist direkt neben unserem „Camp“ so eine Art Restaurant, wo heute abend eine private Party stattfinden wird. Die Musik dröhnt schon jetzt aus den Boxen. Wir schauen alle etwas ungläubig und enttäuscht.

Unser guide versucht sein Möglichstes, um die Laune oben zu halten. Er erklärt in Rekordzeit die Abläufe und scheucht uns ruck zuck wieder in den Bus. Auf nach Uluru!

Es ist nur eine kurze Fahrt, die unser guide nutzt, um uns ein paar Dinge über Uluru (Ayer’s Rock) zu erklären. Seit der Rückgabe von Ayer’s Rock an die Aborigines (1985) wird vom Besteigen des Berges abgeraten, da dies von den Aborigines nicht gewünscht wird. Uluru ist das wichtigste Heiligtum für die hier ansässigen Ureinwohner, die hier besondere Rituale und Zeremonien feiern. Einem respektvollen Besuch und einer Umrundung steht jedoch nichts entgegen. An bestimmten Stellen ist Fotografieren nicht erlaubt und streng verboten ist es, Sand oder Steine von hier mitzunehmen. (Es soll schon vielen Menschen Unglück gebracht haben, wie reumütige Briefe von Leuten, die die Steine per Post zurücksandten verraten).

Uluru erhebt sich rund 350m hoch über die Ebene und wirkt sogar von weitem sehr imposant. Es erscheint von Wind, Wetter und Sand rund abgeschliffen, doch beim Näherkommen erkennen wir Risse und Schluchten, sowie einzelne grosse Felsbrocken, die am Fusse des Berges liegen. Dennoch ist der erste Eindruck der einer grossen Kompaktheit, Dichte, Präsenz. Und der Hammer ist, dass der Berg schätzungsweise noch 6000m in die Tiefe geht!

Hier kannst du einmal um Uluru herumfahren (klick für Video)

Wir haben leider nicht genug Zeit, um den gesamten Berg zu Fuss zu umrunden, aber wir bekommen die wichtigsten Stellen gezeigt. Uralte, immer wieder restaurierte Höhlenzeichnungen erzählen die ewigen Aborigine-Legenden (auch Traumzeit genannt), an vielen Stellen ist der Fels speckig von tausenden Händen, die hier angefasst und tausenden Hintern, die hier gesessen haben. Und natürlich hat jede Steinformation die auch nur annähernd wie irgendetwas aussieht einen Namen und eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Auf der Schattenseite des grossen Felsen erscheint das Gestein rauher und weniger geschliffen zu sein und es gibt sogar eine Wasserstelle. Die verschiedenen Farben und Formen sind faszinierend und so schiesse ich Fotos noch und nöcher…..

Ein Besuch im Ulurumuseum gibt uns Einblicke in die Wichtigkeit dieses Felsen für die Aborigines, es werden alte Legenden mit uns geteilt, besagte Briefe von reumütigen Souvenirjägern sind genauso ausgestellt wie Gegenstände aus dem traditionellen Leben der Ureinwohner.

Und dann wird es Zeit, uns eine Stelle für den Sonnenuntergang zu suchen. Wir haben Glück, denn das Wetter ist gut und der Himmel klar. Die Sonne kann ungehindert ihre Strahlen auf den roten Felsen werfen und ihn dadurch zum Erstrahlen bringen. Wirklich eine besondere Atmosphäre hier, alle warten gespannt auf dieses Naturschauspiel. Und wir werden nicht enttäuscht. Aber schau selbst, was die Fotos dir erzählen….

Glücklich und mit der Welt im Reinen kehren wir ins Camp zurück. Wir bekommen unsere swags (du erinnerst dich?) und solange unser guide das Abendessen kocht können wir unser Lager aufschlagen, duschen gehen und uns gegenseitig ein bisschen kennenlernen. Gegessen wird am Tisch in der Kückenbaracke,  danach allerdings verziehen wir uns alle ans Lagerfeuer und machen es uns gemütlich. Aber nicht zu lange, denn morgen früh müssen wir schon um halb fünf aufstehen für den Sonnenaufgang. Dank der Party nebenan wird es eine ziemlich unruhige und kurze Nacht, aber um halb fünf Uhr morgens ist man ja sowieso nicht ausgeschlafen, also was soll’s?!

Ein schnelles Frühstück und dann ab in den Bus. Wir fahren zum Aussichtspunkt bei Kata Tjuta (den „Olgas“) von wo aus man einen tollen Blick auf das allerdings ziemlich weit entfernte Uluru hat. Wenn du zur richtigen Jahreszeit kommst, dann geht die Sonne direkt hinter dem grossen Felsen auf, jetzt allerdings nicht. Das tut  der Schönheit aber keinen Abbruch und wenn man davon absieht, dass es schweinekalt ist während wir still stehen und auf die Sonne warten ist es wirklich wunderschön. Seitlich hinter uns sind die Olgas recht nah und es sieht toll aus, wie die ersten Sonnenstrahlen das Rot der Felsen zum Leben erweck.- Eben noch in schwarzgraue Schatten getaucht erglühen sie nun regelrecht. In wenigen Minuten ist der gesamte Felsen in Sonnenlicht gebadet.

Und wir fahren nun genau dort hin und schauen uns alles von ganz nah an. Eine wenig anstrengende Wandereung durch Kata Tjuta steht auf dem Programm und ich bin ganz in meinem Element. Der  einfache Wanderweg führt durch die Felsen und hinter jeder kleinen Biegung gibt es wieder eine neue Aussicht zu bewundern. Nach einer Weile bleiben die Felsen etwas zurück und dier Blick öffnet sich auf eine Art Hochebene, bevor es nach einer Weile wieder in die Felsen geht. Hier heisst es nun steil nach oben zu kraxeln, aber auch hier ist alles gut für die Touristen vorbereitet und in den Stein gehauene Stufen machen den Anstieg leichter. Oben angekommen erwartet uns unser guide mit Obst und Keksen und einer grossartigen Aussicht!

Inzwischen haben wir Teilnehmer uns schon ganz gut kennen gelernt und so hört man überall Geplauder und Lachen. Später wieder im Bus ist die Atmosphäre ebenfalls entspannt und alle haben gute Laune. Das verbessert sich noch als wir am roadhouse „Curtain Springs“ Halt machen. Hier können wir uns mit dem Nötigsten eindecken (soll heissen Alkohol und Süssigkeiten), besonders empfohlen wird der hiesige Portwein, der wohl ein ganz besonderes Tröpfchen sein soll – will man dem Etikett glauben! 😉

Witzig sind auch die diversen Schilder, die den geschäzten Kunden auf diverse wichtige Örtlichkeiten und Umstände aufmerksam machen sollen. (Du wirst noch ein paar mehr zu sehen bekommen).

„Bloke’s“ und „Sheila’s“ finden sich überall im outback (in Birdsville habe ich das zum ersten Mal gesehen und bin auf meiner Suche nach dem Örtchen, das nicht sooo offensichtlich zu erkennen war, fast verzweifelt. Wieherndes Gelächter meiner geschätzten Aussie-Wüstentruppe war das Ergebnis!)

 

 

 

 

 

 

 

Unser Camp schlagen wir heute auf der King’s Creek Station auf, eine der grössten Rinderfarmen der Gegend. Auch Kamele werden hier gezüchtet und wer will kann auf einem dieser Tiere einmal um den Paddock schaukeln. King’s Creek Station ist rund 1800 qkm gross und ist damit ungefähr doppelt so gross wie das Land Berlin! 

Heute gibt es richtiges Campfeeling! Wieder schlafen wir in swags, es gibt ein schönes Lagerfeuer und unser guide kocht im „campoven“! Nochmal zur Erinnerung, das ist eine Art grosser Gusseisentopf mit Deckel, der mitten in die glühenden Kohlen gestellt wird. Das Essen schmort langsam vor sich hin und ist unglaublich lecker. Unser guide kocht in mehreren Töpfen gleichzeitig und stellt daher ein paar von uns als Hilfsköche ein. Einer tut sich besonders hervor als er mit blossen Händen den Deckel eines der Töpfe anhebt, um den Inhalt zu kontrollieren. Unser guide hatte sich bis dato immer mit einem Schürhaken abgemüht und traute seinen Augen kaum! Was für ein Gelächter als sich nun herausstellte, dass der Deckelgriff gar nicht heiss war!

Ein paar der Teilnehmer sprechen dem „f***ing good stuff“ ordentlich zu, aber die meisten haben auch ohne Alkohol viel Spass. Und schon recht früh ziehen sich die meisten in ihre swags zurück, denn erstens wird es schon wieder empfindlich kühl, zweitens müssen wir auch morgen wieder früh raus (4.ooh) und drittens ist der Sternenhimmel einfach mal so was von grossartig, dass die meisten lieber in den Himmel statt in die Flasche gucken.

Mitten in der dunkelsten Nacht klingeln, piepsen, surren und scheppern die diversen Wecker – Guten Morgen, liebe Campbewohner, es ist vier Uhr und sie wollten geweckt werden! Uuuuuaaahhhhh…….und dann erklingt ein glockenhelles Lachen. Das ist Harriet, eine blutjunge Engländerin und der positivste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe. Sie ist nur Freude und Lachen und Lebensfreude. Und sie kann schon um vier Uhr morgens, gerade erst halb aufgewacht, ein lautes, klares, wunderschönes Lachen von sich geben! Es ist einfach grossartig und beinahe alle stehen nun mit einem Grinsen auf. 

Da von unserm guide noch nichts zu sehen ist schüren wir schon mal das Feuer und machen den grossen Wasserkocher an. Er ist sichtlich erfreut, dass schon alle auf und munter sind als er (ein kleines bisschen verkatert wie mir scheint) aus seinem swag krabbelt. 

Ein schnelles Frühstück auf die Hand und los geht es zum King’s Canyon! Wir wollen unbedingt zum Sonnenaufgang dort sein. Die meisten machen im Bus nochmal für ein halbes Stündchen die Augen zu, doch dann sind wir da und es heisst Hinauf auf den Berg! Ziemlich bis sehr steil bergauf führt der Weg und so kommen wir trotz eisiger Temperaturen schnell ins Schnaufen und Schwitzen. Dieser Teil des Weges heisst halb im Scherz „Heart Attack Hill“  (Herzanfallhügel) – warum erklärt sich von selbst. Der Aufstieg ist trotzdem wunderschön und ich bedaure es nur, dass wir so schnell gehen und keine Zeit bleibt zum Geniessen und Fotografieren.

Aber wir möchten ja schneller sein als die Sonne und wir schaffen es geradeso! Wir sind die Allerersten auf der höchsten Ebene des King’s Canyon. Noch liegt alles in tiefem Schatten, es ist zwar schon dämmerig hell aber die Felsen sind grau und farblos. Wir begrüssen den Canyon mit einem lauten Gruppen -„EEEEEEEYOOOOOO“ und, ist das denn zu fassen?!, die Schlucht grüsst zurück! 😉

Der Wind pfeift uns kalt um die Ohren und Nasen und doch möchte keiner von uns jetzt woanders sein. Es ist unglaublich schön hier oben! Plötzlich glitzern die ersten Sonnenstrahlen am östlichen Horizont auf. Langsam, ganz langsam erscheint ein schmaler, rötlich leuchtender Streifen am gegenüberliegenden Canyonrand. Er wird stetig grösser und grösser, der Fels leuchtet auf, angestrahlt von diesem riesigen spotlight und dann, ganz plötzlich ist die Sonne da und der gesamte Felsen beginnt zu leuchten. Ein atemberaubendes Naturschauspiel!

Hier findest du ein kurzes Video (klick).

Wäre ich alleine hier so würde ich wahrscheinlich noch ein paar Stunden bleiben und die Gegend anstaunen, aber so in einer Gruppe muss man ja mitgehen. Aber wir haben nun Zeit genug und können schauen und staunen und Fotos machen. Und es gibt so viele Motive! Felsformationen, die mit ein bisschen Phantasie Tiere darstellen, Wellenmuster, die darauf schliessen lassen, dass es hier mal viel Wasser gab, tiefe Einschnitte und Schluchten, in denen der im Schatten liegende Felsen immer noch fast schwarz ausschaut. Und über allem immer wieder grandiose Aussichten über diese Landschaft bis weit hinaus in die Ebene bis an den enferntesten Horizont.

Wir erreichen den „Garten Eden“, eine Art tiefer Schlucht, die fast ein bisschen wie ein Wadi anmutet: in der Wüste der Steine und Felsen wachsen plötzlich Bäume, Büsche, ja sogar Palmen und am Ende der Schlucht findet sich sogar ein kleines Wasserloch. Ein wahrhaft paradiesischer Ort und in dieser eher rau und unwirtlich anmutenden Gegend gänzlich unerwartet. Es herrscht eine ganz  besondere Stimmung,, die durch die Stille noch verstärkt wird. Alle Besucher werden nämlich aufgefordert aus Respekt von diesem heiligen Tal nicht zu sprechen. Die meisten halten sich daran, sodass man in stiller Meditation den Zauber dieses Ortes auf sich wirken lassen kann.

 

Auf der anderen Seite der Schlucht wartet schon gleich die nächste Überraschung aug uns! Hier finden sich eine Menge natürlicher Sandsteintürme und Kuppeln. Wind und Wetter haben hier über Jahrtausende das Gestein bearbeitet und abgeschliffen und so die unglaublichsten Formationen geschaffen. Die Türme sehen aus wie die übriggebliebenen Ruinen einer antiken Stadt. Allerdings gefällt mir die Legende der Aborigines noch besser: sie besagt, dass hier eine Gruppe Menschen lebte, die für alle Ausgestossenen dieser Welt eine Heimat schaffen wollten. Buchstäblich jeder könnte hier herkommen und in ihrer Gemeinschaft leben, in Frieden und Sicherheit. Die Gründer dieser Gemeinschaft nahmen ihre Aufgabe so ernst und der Schutz der Menschen dieser Gemeinschaft waren ihnen so wichtig, dass sie sich auch nach dem Tod nicht entschliessen konnten, diese Ende zu verlassen. So verwandelten sie sich in Felsentürme, um so für immer über die ihnen Anvertrauten zu wachen.

Die Aussicht über die riesige Schlucht des King’s Canyon ist auch von dieser Seite atemberaubend. Und obwohl sich der Himmel inzwischen ein wenig bezogen hat und so die leuchtenden Farben erloschen sind ist es ein grandioses Erlebnis, in dieser Landschaft herumzulaufen!

Hier nochmal ein Video für dich (klick)

Müde und aufgekratzt, voll von all diesen Bildern der grossartigen Landschaften dieser unglaublichen Weite und der grandiosen Schönheit des outback fahren wir in einem Rutsch durch bis nach Alice Springs, wo wir uns – für mich persönlich eine komplette Umkehrung des Natürlichen – einen Tag lang in der Stadt von den Strapazen der Natur ausruhen können (????!!!), bevor es dann für einige von uns noch weiter geht zum zweiten Teil des outback Abenteuers: die Fahrt von Alice Springs nach Darwin!

 

Daintree Rainforest – Abenteuer Regenwald oder was?

Mein nächster workaway-Job führ mich in den Daintree Rainforest, das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet Australiens und gleichzeitig einer der ältesten noch intakten tropischen Regenwälder der Erde. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.

Mit dem Minibus fahre ich von Cairns aus an der Küste entlang nach Norden. Der Fahrer unterhält uns mit schaurigen Geschichten von Menschen fressenden Krokodilen und diversen Schlangenstories. Bald hat er uns soweit, dass wir am liebsten gar nicht mehr aus dem Bus wollen. Selbstverständlich lacht er das hinweg – echt aussie halt – sie scheinen richtig stolz auf ihr ganzes giftiges und gefährliches Getier zu sein! 

Wir machen einen kleinen Zwischen-stop an einer jump base für paraglider. Zwei Flieger warten auf die richtige Thermik und ich würde das wahnsinnig gerne mal sehen (hab ich mir doch ernsthaft schon überlegt, mal so einen Sprung zu wagen). Aber nach einer Viertelstunde tut sich noch immer nichts und so müssen wir unverrichteterdinge weiterfahren. In dem kleinen Städtchen Port Douglas bin ich mit meiner neuen Gastgeberin und einer weiteren workawayerin verabredet.

Eine Frau mittleren Alters mit einer dicken Wollmütze auf dem Kopf kommt auf mich zu, stellt sich als Tina vor und beginnt dann, mich auf eine etwas verwirrende Art und Weise zuzutexten. Ich bin ein bisschen überfordert und weiss gar nicht, was ich jetzt machen soll. Eine junge Frau kommt auf uns zu, stellt sich als Isobel vor und zieht die Aufmerksamkeit unseres hosts auf sich, als sie erklärt, sie müsse dann schon früher wieder abreisen und wie sie denn das organisieren könnte und überhaupt…..hmmm, alles ein bisschen „weird“ (seltsam, komisch).

Na egal, wir gehen erstmal zu dritt einkaufen und Tina sagt, wir würden für uns drei workawayer kochen (aha, da ist also noch einer!) und eventuell noch für ihre alte Mutter ein bisschen was, oder auch nicht oder nur manchmal. Äh, jaaa…….??????? Und wir sollten alles einkaufen, was wir dazu bräuchten. Aber ein paar Sachen hätte sie auch noch zuhause. Doppelt müsste ja auch nicht sein. ????? Isobel und ich schauen uns vewirrt an und beginnen dann schulterzuckend mit dem Einkauf. Immer wieder fragen wir nach, ob es so ok ist und was denn der dritte workawayer so braucht und nach einer ziemlichen Zeit haben wir einen grossen Berg Lebensmittel eingekauft (ich bezweifle, dass wir das alles brauchen, aber gut).

Wir quetschen uns, unsere backpacks und den gesamten Einkauf irgendwie in Tinas kleines weisses Auto und los geht es in Richtung Cow Bay und in mein neues Abenteuer.

Der dritte workawayer, ein junger Franzose wohnt in der „shed“ (Hütte), die gerade als Wohnhaus umgebaut wird. Ein Teil des aktuellen Projektes, so erfahren wir während der Fahrt. Aha, und er wohnt da auf der Baustelle???? Es gibt auch noch ein kleines Haus, wo sie und ihre gehbehinderte Mutter wohnen, lässt uns Tina weiterhin wissen, aber das will sie jetzt verkaufen und in die „shed“ ziehen. Und das Ferienhaus will sie auch verkaufen. Am liebsten beides zusammen. Oder auch einzeln. Aber lieber zusammen. Und ja, da wohnt und arbeitet jetzt der Franzose. Und wir würden dann zusammen essen. Also wir drei. Und sie esse sowieso kaum etwas, nur so zwischendurch. Und das Essen für ihre Mutter würde sie dann einfach mal so abholen, zwischendurch. ????? Ich bin noch immer verwirrt, Isobel schaut ebenfalls ein wenig überfordert aus und uns beiden schwant, dass dies eventuell ein denkwürdiger Aufenthalt werden könnte.

Wir fahren sicher eine Stunde bis Tina plötzlich in den Wald abbiegt, einen Schotterweg entlang fährt und dann vor einem kleinen Wohnhaus hält. Huh, mein Herz macht einen Hüpfer – das ist ein „richtiges“ Haus! Gott sei Dank!

Es ist das Ferienhaus und für die kommenen zwölf Tage mein und Isobles Zuhause. Und das ist jetzt mal richtig, richtig chic. Zwei grosse Schlafzimmer mit kingsize Betten, ein modernes Bad, eine voll ausgestattete Küche, Wohn- und Esszimmer in einem. Ein grosser Fernseher und auf der Veranda nochmal Tisch und Stühle, sowie eine Hängematte. Wir beide sind schon mal im Glück! 😀 Es riecht zwar ein bisschen muffig, aber hey!, wen stört das? Rund um das Haus zieht sich ein kleiner Garten mir mannshohem Zitronengrass, Thaiingwer und Bambusgebüsch, dann schliesst sich nahtlos der Busch an. Es ist herrlich!!

Wir laden die Einkäufe aus, bestücken den Kühlschrank und wenn wir fertig sind sollen wir einfach hoch zum kleinen Haus kommen. Neugierig machen wir uns auf den Weg. Das so genannte kleine Haus ist aus Holzplanken zusammengezimmert und besteht zu einem Gutteil aus einer überdachten Terrasse. Das Dach ist aus Wellblech und an dem ganzen Ding wird offensichtlich immer wieder herumgebaut. Es sieht schon stabil aus, aber eigentlich nicht so richtig wie ein Wohnhaus. Innen ist alles vollgestellt mit Möbeln, die vollgestellt sind mit irgendwelchem Kram. Ein Fernseher brüllt. Die alte Dame davor nimmt keinerlei Notitz von uns – das muss die Mutter sein.

Ein junger Mann kommt mit blossem Oberkörper und schweissglänzend auf uns zu – Andrien, der dritte workawayer. Er und Tina zeigen uns nun die „shed“. Eine achteckige Hütte, vielleicht fünf Meter im Durchmesser, ohne Wände, das Dach aus Wellblech grob zusammengezimmert. Überall stehen alte Möbel herum, Werkzeuge und Holzstücke liegen auf jeder freien Fläche. Mittendrin ein Bett mit Moskitonetz aussen herum, ein kleiner Rucksack, ein Buch und ein paar Schuhe. Hier wohnt also der Franzose -ich bin fassungslos. Er trägt es mit Nonchalance und schlägt unser Angebot, bei uns im Haus zu wohnen aus.

Also Fazit: das Ferienhaus ist klasse und ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterkunft. Sowohl das aktuelle Wohnhaus von Tina und ihrer Mutter, als auch die Hütte sind als Wohnraum eine Zumutung. Aber ich freue mich, eine richtige Küche zu haben und das tägliche Kochen ist mir ein Vergnügen (Merke: nimm dem Menschen lange genug seinen Alltag weg und plötzlich wird er noch die alltäglichsten Dinge wertschätzen!) Einmal back ich sogar Brot und Isobel macht australisches Bananenbrot – Tina ist mit unserer Kocherei sehr zufrieden und folgt jeder unserer Einladungen, mit uns zu essen. Im Laufe der Zeit lernen Isobel und ich uns ganz gut kennen und wir haben viele gute Gespräche. Es ist sehr wohltuend, einmal mit jemandem über mehr als das Wetter und Reiseerlebnisse sprechen zu können. Und ein kleiner Austausch über unseren host Tina und ihre unkonventionelle Art zu leben, sowie ihren, sagen wir mal gewöhnungsbedürtigen Umgang mit uns tut auch sehr gut. Nicht falsch verstehen: sie ist sehr nett und grosszügig, bloss immer irgendwie verwirrend in ihren Anweisungen und Aussagen. Und sie läuft immer, immer (!) mit einer Wollmütze auf dem Kopf herum (es hat übrigens dreissig Grad hier!) (Sie hat Haare!) 😉

Die Arbeit ist in Ordnung und besteht für mich hauptsächlich aus Gartenarbeit, was aufgrund der Hitze zwar schweisstreibend aber nicht hart ist. Manchmal helfe ich auch irgendwelches Baumaterial durch die Gegend zu schleppen und einen Tag graben wir Zitronengrass an einer Stelle aus und pflanzen es an anderer Stelle wieder ein. So Zeug halt…. Meistens haben wir mehrere Jobs gleichzeitig am Laufen und machen morgens hier etwas und nachmittags dort etwas. Für einen deutschen Geist – strukturiert, effizient und zielorientiert – ist dieses Vorgehen oft schwer nachvollziehbar, aber was soll’s?! Ist ja nicht mein Projekt.

Interessanter sind die Ausflüge, die wir an unseren freien Tagen machen. Beispielsweise zur Cow Bay, wohin wir gemütlich in zwanzig Minuten spazieren können. Hier wächst der Regenwald direkt bis an den Strand, was eine biologische Sensation für die Wissenschafler ist, für uns allerdings einfach nur schön. 😀

Einen Tag fährt Tina uns herum und zeigt uns alle möglichen interessanten Plätze, schöne bushtracks, Mangrovenwälder und krokodil-verseuchte Flüsse. Am Ende dieses Tages treffen wir auf einen australischen Ureinwohner, den man nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Schau mal……. (Video Klick)

Das ist ein Cassovary. Drittgrösster Vogel (flugunfähig) der Welt. Schön, oder? Ich war ganz aus dem Häuschen und in meiner Hast, ein Video und Fotos zu machen, hab ich alle Bilder verwackelt. Sorry 😉

Der schönste Ausflug im Daintree Rainforest war eine Wanderung im Fluss. Schon früh am Mrgen starten wir, Tina fährt uns bis zum Ausgangspunkt und verspricht, uns am Nachmittag wieder abzuholen. Der Fluss ist sicher krokodilfrei und so machen wir uns guten Mutes auf den Weg tief in den Busch. Es gibt keinen Weg, sondern nur den Fluss und die meiste Zeit waten wir in flachem Wasser und klettern über Kiesel, Steine und Felsbrocken und kommen so immer tiefer in den unberührten Regenwald. Natürlich treffen wir hier keinen Menschen.

Die Natur ist wild und wunderschön. Die unglaublich vielen verschiedenen Grüntöne und die Vielfalt der Pflanzenwelt begeistern mich mal wieder

Nach mehreren Stunden Fussmarsch gelangen wir an das Ziel unserer Wanderung: einen Wasserfall mit Pool. Wir bestaunen ihn ausgiebig und springen dann mutig in die (natürlich eiskalten!!) Fluten.  Spitze Schreie und lautes Prusten tönen durch den Wald aber wenn sich der Körper erstmal daran gewöhnt hat tut die Abkühlung richtig gut! Nach einem ausgiebigen Picknick machen wir uns auf den Rückweg und obwohl wir den Fluss nun schon ein wenig kennen müssen wir uns doch den Weg erneut suchen und immer sehr vorsichtig einen Fuss vor den anderen setzen. Die Steine sind oft glitschig und mehr als einmal flucht einer von uns und kann einen Sturz gerade noch (oder auch nicht) verhindern.

 

Wilde Tiere begegnen uns keine unterwegs, ausser dieser kleinen Wasserschlage (Klick für Video) und einer Menge Schmetterlinge. Ich erwähne das extra, weil man im Fernsehen immer den Eindruck bekommt, eine Wanderung im australischen Wald wäre sehr gefährlich und hinter jeder Ecke lauere ein wildes, giftiges Tier, das es auf einen abgesehen hätte. So ist das aber nicht! Natürlich gibt es hier tatsächlich eine Menge giftiges Getier, aber das verzieht sich normalerweise wenn ein Mensch angetrampelt kommt. In meiner gesamten Zeit in Australien (immerhin fast sechs Monate) habe ich nur drei Schlangen gesehen, keine davon war aggresiv. Keine einzige der Spinnen, die ich gesehen habe war giftig und Skorpione hab ich gar keine gesehen.

Aufpassen muss man trotzdem, denn es gibt beispielsweise eine nette Pflanze, die wie eine dünne Liane herunterhängt aber lauter Stacheln mit Widerhaken hat, die sich einfach überall festkrallen. Nicht weiter schlimm wenn sie nur dein Shirt erwischen, unangenehm wenn sie sich in Haut oder Haaren verhaken. Die Australier nennen diese nette Pflanze liebevoll „wait a while“ (warte eine Weile), was ja durchaus passend ist. Auch sonst gibt es eine ganze Menge stacheliges Zeug. Schau mal hier:

 

 

 

 

 

Zurück zuhause bleibt uns nur noch ein Tag, dann reist Isobel ab und ich habe das ganze Haus für mich alleine. Was sich jetzt aber auch irgendwie komisch anfühlt. Wieviel Platz braucht man eigentlich so? Ich habe nie verstanden, warum zwei Leute einen Wohnraum von 300 Quadtratmetern brauchen, aber in den letzten Monaten habe ich doch bemerkt, dass ich auch mit sehr wenig Platz gut zurechtkomme und kein bisschen unglücklich bin. Rückzug und Privatsphäre ist schon notwendig, aber wieviel echten Raum braucht man dazu?

Das Tollste an meinem ganzen Aufenthalt hier ist die Nähe zum Regenwald. Wenn ich morgens aufwache, dann höre ich die Geräusche des Waldes und wenn ich mich zum Lesen in die Hängematte kuschele dann kann ich mich nicht auf die Geschichte konzentrieren weil ich dem Flüstern des Windes in den Bäumen zuhören möchte und all das Grün, das im Sonnenschein regelrecht erstrahlt in mich hineinatmen will. Das ist einfach grossartig!

An unserem letzten Tag (Adrien und ich reisen gleichzeitig ab) macht Tina nochmal einen grossen Ausflug mit uns. Sie fährt mit uns über die Dörfer bis ganz nach Cairns. Unterwegs besuchen wir eine Kaffeeplantage, eine Grossmolkerei mit Schokoladenproduktion und eine Pflegestation für Fledermäuse. Die Schokoladen-produktion stellte sich leider als fake heraus, denn hier werden zwar Pralinen hergestellt, allerdings wird die Rohware (Schokolade) hierfür aus der Schweiz importiert. Die Käseherstellung ist für heute auch schon abgeschlossen und ich kann durch die Schaufenster nur noch einen Mann beobachten, der in Schutzkleidung und Gummischürze die gesamte Herstellungsstrasse mit einem Dampfdruckreiniger säubert. Als er sich umdreht sehe ich, dass er keine Hosen sondern bloss Shorts trägt (Bitte stell dir das vor: Gummistiefel, nackte Männerbeine, Shorts, Shirt und darüber eine Gummischürze! Zum Schiessen…..). Made my day

Die Kaffeplantage war interessant und der Kaffe sehr lecker. Das Highlight allerdings war tatsächlich die Fledermausstation. Hier werden verletzte Tier aufgenommen, aufgepäppelt und wenn möglich wieder in die Freiheit entlassen. Das Hauptproblem für Fledermäuse ist Stacheldraht. Sie fliegen hinein, verheddern sich und müssen meist elend sterben. 

Hier erfahre ich, dass es rund 900 verschiedene Arten von Fledermäusen gibt, wobei die grössten Exeplare schon mal eine Spannweite von 60-90cm aufweisen können, während die Kleinsten es nur auf ein Gewicht von rund 20g bringen. Die Leiterin der Station führt uns herum und dabei trägt sie eine kleine Fledermaus am Körper, andere sind in warme Decken gehüllt. Die Tiere seinen sehr kälteempfindlich und besonders Jungtiere würden durch Wind und Kälte leiden. Sie zeigt uns einen uralten Flughund, der richtig klapprig ist und daher nicht mehr ausgewildert werden kann. Kopfüber hängt er im grossen Fluggehege, hangelt sich zum Wasserspender und wieder zurück zu den aufgehängten Früchten. Wir erfahren, dass es fruchtfressende Fledermäuse gibt (das sind übrigens die meisten) und insektenfressende. Blut saugende Gattungen gäbe es keine, fügt sie noch schmunzelnd hinzu.

Also, mal ganz ehrlich, so aus der Nähe betrachtet sehen die Viecher echt niedlich aus, oder was meinst du? (Klick für Video)

Als letzte Station unseres Ausflugs besuchen wir das kleine Städtchen Yungaburra. Hier stehen eine Menge historischer Gebäude und geben der Erinnerung an die „gute alte Zeit“ Raum. Kleine, liebevoll dekorierte Cafés und skurrile Läden, die zum einen Medikamente und zum anderen Fischereibedarf verkaufen geben dem Städtchen einen eigenwilligen Charakter. Das alte Hotel lässt einen tatsächlich and Squatter, Goldgräber und Glücksritter denken. Und in dem riesigen Buchladen gibt es Schmökerstoff aus ganz alten Zeiten zu entdecken.

Erst am späten Nachmittag kommen wir in Cairns an. Tina hat es nun eilig, denn sie muss ja auch wieder die ganze Strecke zurückfahren. Adrien geht direkt zum Flughafen und ich gehe für eine Nacht in mein altes Hostel bevor ich morgen früh nach Ayer’s Rock fliege. Uluru, ich komme!! 😀