Cook Islands – Aitutaki Südseeparadies

Der Flug nach Aitutaki dauert bloss eine halbe Stunde und ist gleich mal ein echtes Highlight, da wir in den Sonnenaufgang starten. Das Flugzeug ist klein, aber nicht so klein wie ich befürchtet hatte. So rund dreissig Passagiere fliegen heute mit mir auf die kleine Nachbarinsel. Aber doch noch klein genug für eine lustige Besonderheit: gleich hinter meinem Sitz in der letzten Reihe stapelt sich das Gepäck, sozusagen griffbereit! Hahaha, hatte ich jetzt so auch noch nicht……

Aitutaki ist noch viel kleiner als Rarotonga, mit zwei kleinen Bergen in der Mitte, einer Strasse, die nicht einmal ganz aussenherum geht (Mangrovengebiet), schönen Stränden und einem Ringriff rund um das Eiland. Schon vom Flieger aus sieht es klasse aus! Türkisfarbenes Wasser, weisser Sand, grüner Dschungel – Herz, was willst du mehr?

Gerade gelandet kommt eine Frau mit ausgebreiteten Armen auf mich zu, drückt mich erstmal herzhaft und legt mir dann einen wunderschönen, duftenden Blumenkranz um den Hals. Ich bin so gerührt und sprachlos und krieg gleich mal feuchte Augen. Hast du schon mal einen Blumenkranz zur Begrüssung bekommen? Also ich nicht, und ich find’s megaklasse! Hier fühle ich mich herzlich willkommen!

Und da kommt auch schon der Gepäck-wagen und jeder schnappt sich sein Zeug direkt vom Wagen, Gepäckband gibt’s keins. Wozu auch? Der Flughafen besteht aus einem kleinen Gebäude, es landen zwei Flieger pro Tag und so  wird mit dem Besucher“ansturm“ und den damit verbundenen Gepäck“bergen“ hier ganz entspannt umgegangen. 😉

Jeder kennt hier jeden, das merke ich schon nach zwei Minuten. Irgendwie gefällt mir das. Die Autofahrt zu meinem Domizil dauert kaum fünf Minuten, aber wir fahren noch kurz weiter bis zum nächsten Shop, bottle shop und ins „Zentrum“ (grosser Lacher!!) Am Hafen gibt es ein grosses Gebäude, da findet frühmorgens der Markt statt (jetzt um kurz nach sieben morgens herrscht bereits gähnende Leere!), die Post, einen ATM und……das war’s. Wir kaufen auf dem Rückweg im Shop noch ein paar Sachen und dann zeigt meine freundliche Vermieterin mir mein Zuhause für die kommenden Tage.

Das grosse Holzhaus ist türkis gestrichen und besteht aus fünf Schlafzimmern, zwei Bädern, einer Küche und einem Wohnzimmer. Eine Art eingezäunte Frontveranda (??) und ein kleiner Garten schliessen sich an. Ich hab das über eine Empfehlung von Leuten im Hostel bekommen /wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der……), die hier waren und ich bin mal mega begeistert. Das Haus ist voll schön und meine Gastgeberin ist so nett. Und – ich hab das komplette Haus ganz für mich alleine! Es ist niemand sonst hier – unglaublich!

Ich mach es mir erstmal gemütlich und gehe dann auf Erkundungsgang. Der Strand ist keine hundert Meter weit weg, bloss einmal über die Strasse und über ein freies Grundstück schon bin ich da. Auch hier ist der Ebbe – Flut Unterschied sehr gross und bei niedrigem Wasserstand kann man kaum schwimmen. Aber nach einem kurzen Spaziergang am Strand entlang komme ich an ein ausgesprochen einladendes Resort, direkt danach wieder an einen öffentlichen Strand und hier kann ich problemlos schwimmen und schnorcheln.

Ich miete mir ein Fahrrad, damit ich ein wenig mobil bin auf der Insel und unternehme kleinere Touren, wie beispielsweise zu einem Ausichtspunkt oben auf den Berg zu laufen oder auf die andere Seite der Insel zu fahren, um dort zu schwimmen in einer traumhaft schönen Lagune. Meist bin ich morgens schon recht früh unterwegs, ziehe mich mittags ein wenig zurück aus der Hitze, um dann abends nochmal fitter zu werden für eine zweite Strandrunde. Da es um sechs schlagartig dunkel wird und es hier ausserhalb der Resorts keinerlei Abendunterhaltung gibt mache ich etwas, was ich in den letzten Monaten so gut wie überhaupt nicht gemacht habe: ich schaue mir einen Film an!

In meinem Wohnzimmer steht nämlich ein Fernseher mit ungefähr zweitausend Filmen drauf. Und so ziehe ich mir ganz gepflegt und hintereinander weg jeden Abend einen der „Hobbit“ Filme rein. Schliesslich bin ich jetzt an all diesen Filmsets gewesen und hatte doch die Filme noch gar nicht gesehen. Ich finde das grossartig!

Doch das Allerbeste, was ich auf Aitutaki gemacht habe ist eine Lagunen – Rundfahrt! (Achtung: Jetzt kommen die Südsee – Fotos! Warnung für Menschen mit ausgeprägtem Fernweh: diese Fotos könnten einen heftigen Fernwehschub auslösen!)

Schon morgens früh geht es los, wir sind bloss fünf Leute auf unserem Bootchen und alle ziemlich gut drauf. Wir fahren raus auf’s Meer und besuchen im Laufe des Tages mehrere kleine Inselchen, so genannte „Motus“, die meist unbewohnt sind und uns genau die typischen Südsee-Urlaubs-Prospekt Bilder liefern, die einem quasi die Tränen in die Augen treiben. Tiefblaues Wasser, dunkeltürkises Wasser, helltürkises Wasser, hellblaues Wasser, weisser Sand, Palmen, Korallen, Muscheln……. ich kann mich kaum satt sehen. Es ist einfach unglaublich schön! Manche motus sind noch jung und wenig bewachsen, manche gibt es schon länger und die Palmen und andere Bäume sind hochgewachsen.

Eine kleine motu heisst „Heaven“ und ist eigentlich kaum mehr als eine weisse Sandbank mitten im glasklaren, türkisen Wasser. Lediglich ein paar ganz kleine Palmenschösslinge wachsen hier und lassen erahnen, dass Heaven in fünfzehn Jahren oder so, eine richtige Insel sein wird. Ziemlich beliebter Spot für Hochzeitsfotos, kommentiert unser Kapitän schmunzelnd.          Uns ist das egal – wir stürzen uns in dieses wunderbare Wasser, hinterlassen unsere Fussabdrücke in diesem unglaublich weissen, feinen Sand des kleinen, unberührten Eilands und wollen hier am liebsten nie wieder weg. Kann mal kurz jemand die Zeit anhalten, bitte?!

 

Übrigens haben wir die ganzen kleinen Inselchen für uns ganz alleine! Echtes Robinson-Feeling! Es ist nämlich Sonntag heute und da fahren bloss zwei Boote raus und die fahren die Route auch noch jeweils anders herum, sodass wir uns nur ganz kurz auf einer der Inseln treffen. Als wir anlegen fährt das andere Boot gerade weg. Ist das nicht klasse? Genau, was ich so brauche, hahaha!

 

 

 

Selbstverständlich gibt es zu jeder motu eine Legende und unser Bootsführer erzählt uns einige davon. Die meisten sind ziemlich blutrünstig und handeln von Familienkrisen, Landraub etc. und den anschliessenden Vergeltungsmassnahmen. Ja, ja, auch hier waren die Maori ein ziemlich kriegsliebendes Völkchen.

Und dann heisst es wieder ab ins kristallklare Wasser! Schnorchelmasken aufgesetzt und Flossen an. Wir ankern auf einer Art Sandbank und schwimmen bloss rund zehn Meter vom Boot weg. Hier fällt der Grund steil ab und ein noch relativ junges Riff wächst heran. Und sowas hab ich mal noch gar nie gesehen! Wunderschöne Korallen und soo viele Fische!!! Eine Megasicht bis ganz tief. Jede Menge Zebrafische und riesengrosse Trevellies (Riesen Stachel-/ Dickkopfmakrele) ungelogen 50-60cm lang, und ganz viele andere tropenbunte Fische tummeln sich hier. Sie sind kein bisschen scheu sondern kommen bis ganz nah an die Brille heran. Und dann, als sei das noch nicht genug, gibt es hier die Giant Clams (Riesenvenus-muscheln), die anscheinend über einen Meter gross werden können und rund 200 kg wiegen können. Ganz so gross sind die, die wir hier sehen zwar nicht, aber doch so 40-50 cm gross und wunderschön! Guck dir mal ein paar Fotos an (klick hier). Ich kann sie so gut sehen, dass ich sogar aus der Entfernung die leichten Pump-bewegungen erkennen kann, mit der diese erstaunlichen Tiere das Wasser filtern.

Wir können uns ganz easy mit der Strömung treiben lassen und diese unglaublich vielfältige und wunderschöne bunte Unterwasserwelt geniessen. Das Boot kommt auf der nahen Sandbank langsam mit und so braucht man keine Angst zu haben, dass einem plötzlich die Puste ausgeht.

Mann, das ist der absolut beste Schnorcheltrip, den ich je irgendwo gemacht habe (und ich hab die GoPro auf Rarotonga vergessen! Könnte mich in den Hintern beissen!) Ich bleibe so lange wie es geht im Wasser und sauge diese Erfahrung auf, es ist ganz einfach absolut atemberaubend!!

 

Zum Mittagessen machen wir an einer kleinen motu fest und unser Kapitän verwandelt sich in einen Koch und grillt Fisch, während seine Frau ein super leckeres Mittagsbuffet aufbaut. Das Essen wird in Riesenmuscheln und Blättern serviert – stilecht! Und es schmeckt einfach mal soo lecker!! Es gibt gegrillten Fisch, Kartoffelsalat, Papayacurry, drei Sorten Kokosnuss (junge, reife und bereits gesprosste), gegrillte Yams und Maniok, gegrillte Bananen, Brot, Bananen und Papaya zum Nachtisch. Gegessen wir mit den Fingern, das macht man hier nämlich so! Hach, das Leben ist so wundervoll!

Was für ein herrlicher, herrlicher Tag! Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen, so glücklich bin ich heute.

Am nächsten Tag muss ich leider schon wieder zurück nach Rarotonga – ganz ehrlich, ich wäre viel lieber noch hier geblieben, denn Aitutaki gefällt mir viel besser! Aber ein Gutes hat es doch: ich muss wenigstens nicht zurück in eins der furchtbaren Hostels, denn Rosie, die Freundin von Chanel und Kirstie hat mich eingeladen, für die nächsten zwei Tage bei ihr in ihrer grossen Villa am Strand zu wohnen (im Gegenzug für eine weitere Behandlung. Das ist doch mal schön, oder?!

Chanel holt mich am Flughafen ab – also eigentlich. Aber als ich ankomme ist da niemand und es kommt auch niemand in der nächsten halben Stunde oder so. Wieder einmal stehe ich herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Hmmmm….. nach einer Ewigkeit beschliesse ich, zu Kirsties Arbeitsplatz in die Stadt zu laufen, denn das ist am nächsten und Rosies Villa würde ich nicht finden. Also Rucksack auf und raus in die Hitze. Gott sei Dank kommt mir schon nach zehn Minuten ein Auto hupend entgegen, darin sitzt ein etwas schief grinsender Chanel samt Kind und Kegel – sie waren am Strand und haben einfach die Zeit vergessen! Na so was…….Island Time! Ich bin einfach nur froh, dass sie mich nicht ganz vergessen haben und ich heute nacht ein Bett habe.

Wir haben zwei tolle Tage miteinander, gehen an den Strand, schnorcheln, kochen und essen zusammen und  die drei Mädchen versuchen, mir zum Titellied von Disney’s „Moana“ das Hula tanzen beizubringen, während Chanel mir die einzelnen Maorilegenden erzählt, die in dem Film verwurschtelt wurden.

Ich muss sagen, dieses Mal gefällt es mir deutlich besser hier! Eine schöne Unterkunft, gutes Wetter, nette Menschen um mich herum…….ich werde zwar nicht wieder hier herkommen (obwohl Chanel mich bearbeitet hat, ich solle hier eine Praxis eröffnen und er würde mir helfen und mich den richtigen Leuten vorstellen….), bin aber nun doch ausgesöhnt mit der Insel. Und, ganz ehrlich: es gibt wunderschöne Ecken hier – schau dir doch mal dieses kurze Video hier an und die Menschen sind so freundlich und hilfsbereit! Ich hatte einfach einen miesen Start, eine miese Unterkunft, mieses Wetter und das mit dem Essen war schwierig…;-) Generell würde ich hier tatsächlich eher zu einem Pauschalurlaub raten – für Backpacker ist Rarotonga weniger geeignet.

Tja, und dann kommt auch schon der Tag des Abschiedes. Wir fahren alle gemeinsam zum Flughafen, ich checke ein und gebe mein Gepäck auf, um dann gemütlich und unbelastet mit allen auf einen Drink in die gegenüberliegende Hula-Bar zu gehen (jetzt komm ich da auch mal hin! 😀 Hierher kommt nämlich absolut jeder, aber da abends keine Taxis oder Busse fahren und ich in der Nacht nicht trampen wollte hatte ich keine Gelegenheit dazu). Wir sitzen also so da und verquatschen die Zeit, die Mädels gehen baden und so ein kleines bisschen Wehmut sitzt mit am Tisch. Als es für mich Zeit wird kommen alle wieder mit an den Flughafen und wir machen noch ein paar Fotos.

Plötzlich ertönt ein „Last call for Mrs. Nicole Swiderski. Please procede inmeditately to gate number one!“ Hoppla, was ist das denn?? Ich hab doch noch mindestens zwanzig Minuten Zeit…… Das Verabschieden muss nun ganz fix gehen (gut so, dann gibt’s wenigstens keine Tränen!) und dann gehe ich schnell zu der Abflughalle. Der einzelne Mann an der Sicherheitskontrolle schaut mich erst grimmig und dann augenzwinkernd an (hähh??) und dann stehe ich schon an gate number one – der zurückgelegte Weg von meinen Freunden über die Sicherheitskontrolle bis zum gate beträgt ungefähr zwanzig Meter!! Das gesamte FLughafenpersonal hatte mich bereits anvisiert und unsere Verabschiedung und alles mitbekommen! Die Stewardess, die meine Bordkarte kontrolliert fragt mich grinsend „Na, noch in der Hula-Bar gewesen??“ Jetzt muss ich aber auch lachen und verstehe plötzlich, warum alle so einen Spass an mir haben! Offensichtlich kommt es hier öfters vor, das Passagiere versacken. Und ausserdem sind in meiner Maschine mal nur ungefähr fünfzig Leute, daher hat das boarding wohl kaum mehr als zehn Minuten gedauert. Als wir zur Startbahn rollen ist es noch immer eine knappe Viertelstunde vor der regulären Abflugzeit!

Nachdem ich mich langsam von dem Schreck erholt habe beginne ich mich zu freuen. So sehr zu freuen! Denn mein nächstes Ziel heisst Tahiti!!!

 

 

 

Cook Islands – Rarotonga

Boah Mann, ist das aufregend! Ich fliege auf die pazifischen Inseln! In die Südsee!!! Irgendwie hätte ich nie gedacht, dass ich da mal hin komme! Und jetzt geh ich ganz locker über den Finger in die Air NZ Maschine als wäre es das Normalste der Welt. Irre!!

Ist mein erster Flug mit dieser exklusiven Fluggesellschaft – ich bin gespannt auf den Sicherheitsfilm! Air NZ hatte viele Jahre ein den „Herr der Ringe“ – Filmen nachempfundenes Video für die immer gleichen Belehrungen (sehr wichtig, keine Frage aber wer schaut denn wirklich noch hin?) Den gibt’s nicht mehr aber das Surfer – Natur – Promo – Halbdoku – Video ist auch sehr sehenswert. Und alle schauen zu! Warum nur gibt’s bei anderen Fluggesellschaften bloss so ein langweiliges, oft auch noch computeranimiertes 08/15 Video? Klar, dass da keiner guckt.  😉

Ich komme nachts spät in Rarotonga an, schon nach Mitternacht. Die Luft ist weich und warm – tropisch. Der winzig kleine Flughafen wird kurz von den Passagieren des Jets überrollt, aber die polinesischen Angestellten lassen sich davon nicht weiter aus der Ruhe bringen.

Bei der Einreise nehmen sie es allerdings dann ganz genau. Die etwas ruppige Dame der Immigrationsbehörde will einen schriftlichen Beweis für meinen Ausreiseflug, die Nennung von Datum, Uhrzeit und Flugnummer reicht ihr nicht. Die Schlange hinter mir wird lang und länger. Auf meinem Handy ist die Buchung auch schon nicht mehr angezeigt, also muss ich meinen Laptop aus dem Rucksack fischen. Batterie leer. Ups, jetzt krieg ich aber doch einen kleinen Adrenalinschub! Ich krame nach Ladekabel und Adapter, die ruppige Dame schaut nun schon echt richtig grantig und irgendwie komme ich mir gar nicht willkommen vor. Da knallt sie mir den Stempel in den Pass und wedelt mich hinweg. Hu, nix wie den Pass geschnappt und ausser Sichtweite, bevor sie es sich anders überlegt. 😉

Am einzigen Gepäckband sitzt ein älterer Mann im Hawaii-Hemd und spielt auf einer Ukulele Aloha-Musik. Hmmm…… so richtig willkommen fühl ich mich jetzt aber trotzdem immer noch nicht.

Als ich durch die Tür komme steht da, wie überall auf der Welt eine Menschentraube von Wartenden. Viele haben Blumenkränze in der Hand. Da niemand ein Schild mit meinem Namen oder dem Namen meines Hostels hochhält stelle ich mich ein wenig abseits und schaue den Leuten beim Begrüssen zu. Da wird gelacht und geweint und geherzt und gedrückt. Die Frauen bekommen die Blumenkränze. Schön ist das!

Von meinem Taxi, Transfer, Shuttle ist noch immer nichts zu sehen. Einer der Fahrer spricht mich an, bestätigt mir, dass mein Bus noch nicht da ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit – es ist einfach scheusslich, nachts auf einem fremden Flughafen in einem fremden Land im wahrsten Sinne des Wortes „bestellt und nicht abgeholt“ herum zu sitzen – watschelt eine ziemlich dicke, leicht ungepflegt aussehende Polinesierin auf mich zu, stellt sich als meine Wirtin vor, dreht sich wieder um und watschelt voraus zu einem Van. Der hat auch schon bessere Tage gesehen – meine Güte! Meine eh schon niedrigen Erwartungen in puncto Unterkunft sinken.

Wir laden noch ein paar weitere Gäste ein (die schauen auch alle nicht so ganz glücklich) und brausen dann mit 50 km/h (das ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hier :-)) durch die Nacht. Nach rund fünfzehn Minuten sind wir da. Was mir als echt polinesische Gastfreundschaft verkauft wurde entpuppt sich als das mieseste Hostel ever! 🙁

Auch bei näherem Hinsehen am nächsten Morgen wird es nicht viel besser. Die Zimmer sind klein, zwei bis vier Metallbetten mit durchgelegenen Matratzen und dünn gewaschenen Bezügen und ein kleines Regal sind die ganze Einrichtung. Ein altersschwacher Ventilator soll für Kühlung sorgen. Alles ist ein bisschen angeschmutzt, fadenscheinig, abgewohnt. In der schmutzigen, nur minimal eingerichteten Gemeinschaftsküche gibt es nur wenig Geschirr, fast kein Besteck und die Pfannen will man eigentlich lieber gar nicht benutzen. (Im Laufe meines Aufenthaltes hat übrigens ein deutscher Gast eine Menge Geschirr und Besteck gekauft und aus eigener Tasche bezahlt! Es ging ihm einfach auf den Wecker, jeden Morgen herumbetteln zu müssen, um eine Tasse für seinen Kaffee zu bekommen. Unserer „Gastgeberin“ war’s nicht mal peinlich!) Der Gemeinschaftsraum besteht aus einer überdachten Terrasse mit drei grossen Tischen und wackeligen Plastikstühlen. Der „tropische Garten“ dient gleichzeitig als Parkplatz und umringt das Gebäude in üppigem Grün. Hühner laufen überall herum. Und Hähne! Jede Menge Hähne! Die beginnen so um halb sechs mit einem ultralauten Dauerkikeriki bis auch der Letzte das Schlafen aufgegeben hat. Für den Rest des Tages hörst du dann kaum mehr etwas von den Biestern!

Aber ich bin ja ein positiver Mensch! Also lass ich mir meine Laune nicht vermiesen und mache mich auf den Weg zum Markt, der heute in der Stadt abgehalten wird. Als geeignetes Transportmittel wird hier Roller fahren und Trampen angegeben. Es gibt zwar auch einen Hop-on Hop-off Bus, der den ganzen Tag in beiden Richtungen auf der Ringstrasse unterwegs ist, aber das olle, klapprige Ding wirkt nicht sehr vertrauenserweckend und ich bin ja nun nicht so ein Fan vom Busfahren.

Aprospros Ringstrasse – nicht, dass du jetzt eine falsche Vorstellung bekommst! Es gibt auf Rarotonga eine einzige Strasse, die führt einmal rund um die Insel und ist 32km lang. Zwei Fahrzeuge passen gut aneinander vorbei, alles andere wird aber dann schon knapp. Ein paar Querstrassen gehen ab und führen zu Häusern und Farmen. Du kannst dir das ungefähr so vorstellen: eine eiförmige, kleine Insel mit ein paar üppig grünen Bergen, einer schmalen Strasse am Ufer entlang, einem schönen Strand, einem Riff im Ring um die Insel herum gewachsen, fertig. Es ist idyllisch. Klein. Irgendwie niedlich.

Aber das nur nebenbei. Markt in der Stadt ist angesagt und Frühstück! Da es alle anderen hier auch machen……. stell ich mich halt auch mal an die Strasse, Daumen raus und schwupps, nach ungefähr dreissig Sekunden hält auch schon ein Auto und nimmt mich mit. Klar, kein Problem! Alle fahren heute auf den Markt. Das war jetzt aber mal einfach.

Die Stadt – Avarua – ist eigentlich bloss ein grösseres Dorf, hier leben jedoch die meisten der Inselbewohner. Allerdings ist entlang der Küstenstrasse praktisch fast alles bebaut und es ist für mich erstmal kaum zu erkennen, wo die „Stadt“ aufhört und wo das nächste Dorf anfängt. Es herrscht Leben auf dem Markt, aber kein Gedränge. Neben diversen Souvernirs, Hüten, Blumenkränzen, Coffeeshops, Waffelbäckereien, usw. gibt es einige wenige Obst- und Gemüsestände mit einer minimalen Auslage. Die Preise sind sehr hoch. Eine junge Kokosnuss kostet 5 NZ$, eine Wassermelone 25NZ$.

                                                                 Die Frauen haben hier übrigens wirklich Blumenkränze auf dem Kopf! Oder wenigsten Frangipaniblüten im Haar. Also richtig so, wie man es auf kitschigen Hotelprospekten oder im ZDF zu sehen kriegt. Keine einzige Frau läuft ungeschmückt herum. Selbstverständlich passen sich die meisten Touristinnen sofort an – welche Frau möchte auch nicht mit Blumen im Haar geschmückt sein!?! 😀 😀

Ich besorge mir erstmal ein Frühstück und kaufe Bananen und eine Papaya. Dann versuche ich mein Glück noch im Supermarkt und bin restlos geplättet. Ein Kilo Haferflocken kostet rund 5€, Müsli 7,50€, ein Kilo Tomaten oder Paprika kosten 15€ und ein 500g Päckchen Nüsse 10€. Insgesamt ist das Angebot an frischem Obst und Gemüse mehr als übersichtlich. Selbst Dinge wie Reis oder Nudeln kosten rund vier- bis fünfmal soviel wie in Europa! Relativ günstig zu bekommen ist junk food jeder Art, das einzige Brot das es gibt ist Toast (kenn ich ja schon von AUS und NZ). Was soll ich hier bloss essen???

Etwas vor den Kopf gestossen kaufe ich halt trotzdem das Nötigste ein – essen muss man schliesslich – und gehe zur Kasse. Vor mir steht eine richtig dicke Polinesierin mit einem randvoll gefüllten Einkaufswagen. Ihre Rechnung beträgt über 1.000 NZ$!!!! Sie bezahlt ohne mit der Wimper zu zucken, in bar.

Von der vielgepriesenen Schönheit der Polinesier habe ich bisher übrigens noch nicht sehr viel gesehen. Die ganz jungen Mädchen ja, die sind sehr hübsch, aber ist das nicht immer und überall so? Die meisten Menschen hier sind fast durch die Bank übergewichtig bis sehr dick, was mich bei der Ernährung von fast food und Softdrinks nicht weiter wundert. Sehr gerne werden auch fish&chips und Pizza gegessen. Und slushies – danach sind alle ganz wild (ist so eine Art Soft-Wassereis, super bunt, super süss und super künstlich). Ausserdem bewegen sich die Insulaner gerne so wenig wie irgend möglich und wenn, dann nur sehr langsam. Es ist halt auch so heiss! 😉 Man kann ständig und immer Leute beobachten, die einfach irgendwo herumsitzen, gerne unter einem Baum im Schatten, Löcher in die Luft starren und einfach nichts tun. Und wenn sie denn dann irgendwohin müssen, dann wird grundsätzlich gefahren. Hier laufen ausschliesslich Touristen. Das scheint den Insulanern einigermassen suspekt zu sein, denn wenn du zu Fuss unterwegs bist, dann hält meist schon nach kurzer Zeit ein Wagen und dir wird eine Mitfahrgelegenheit angeboten.

Aber ich schweife ab……

Wieder auf der Strasse höre ich plötzlich Musik und so gehe ich noch einmal zurück zum Markt. Auf einer kleinen Bühne bieten einige junge Mädchen einen Hulatanz dar, so mit Hularöckchen und Blumen im Haar – das volle Programm! Natürlich werden auch die Gäste eingeladen mitzumachen und der Moderator verspricht dem besten Paar, Eintrittskarten für eine Show. Alle scheinen ihren Spass zu haben und das Gewinnerpärchen freut sich sichtlich.

Ich habe nun aber erstmal genug von der Stadt und mittlerweile ist es auch schon schwüle dreissig Grad warm, daher mache ich mich auf den Rückweg zu meinem Hostel. Mir ist nach Strand und Abkühlung zumute.

Und der Strand ist mal echt schön! Zum ersten Mal realisiere ich wirklich, dass ich jetzt in der Südsee bin. Mann, Südsee!! Echt jetzt?! Ich kann direkt vom Ufer aus losschnorcheln und es gibt einiges zu sehen unter Wasser. Vor allem aber ist das Wasser so schön warm ! 😀 😀  Das vorgelagerte Riff, das die gesamte Insel ringförmig umschliesst hält die grössten Wellen ab und so kann man bei Flut gut ins Wasser gehen. Bei Ebbe allerdings ist das Meer so flach, dass man an dieser Stelle kaum schwimmen kann. Aber am Strand rumfläzen, über’s Wasser schauen und relaxen, das geht immer! 😀

Der kommende Tag ist ein Sonntag, und was macht man sonntags? Man geht in die Kirche. Die Cook Islands sind christlich geprägt, wobei es hier die Mischung macht: alte Maorilegenden verstehen sich offenbar prächtig mit den biblischen Geschichten und irgendwie haben die Leute hier keinerlei Probleme damit, alles irgendwie zu vermischen (wie schön wäre es, wenn auch anderswo mehr Toleranz und weniger Ignoranz gelebt würde). Also, der sonntägliche Kirchgang ist das soziale Highlight der Woche und alle Urlauber sind ausdrücklich eingeladen, dieser religiös-kulturellen Veranstaltung beizuwohnen. Also werfe ich mich in mein einziges Kleid, stecke meine Haare hoch und hoffe, so einigermassen präsentabel zu sein. Die Insulanerinnen putzen sich mal so richtig heraus mit bunten Kleidern, speziellen Hüten und Blumenkränzen.

Der Gottesdienst wird hauptsächlich in Cook Islander Maori abgehalten, was es mit erlaubt, neugierig herum zu schauen und die Leute zu beobachten. Ab und zu streut der Priester ein paar englische Brocken ein, was allerdings kaum auffällt, so stark ist der Akzent. Sowieso wird nicht so viel geredet wie bei uns, sondern mehr gesungen. die Gesänge sind allerdings keine feierlichen, getragenen Choräle, sondern eher eine Mischung aus Alohamusik, Gospel, Pop und langsamem Walzer. Kling komisch? Ist aber so….. 😉

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Jedenfall singen alle kräftig mit, zumindest alle, die wach sind. Tatsächlich gibt es einige Leute, die hier erstmal ein kleines Nickerchen einlegen. Hahaha…..muss an der Hitze liegen, denn es ist wirklich sehr warm in dieser Holzkirche und die zahlreichen Ventilatoren kämpfen chancenlos darum, ein kleines bisschen Kühlung zu verbreiten. Nach rund anderthalb Stunden ist die Messe vorbei und insgeheim atmen die meisten der Anwesenden erleichtert auf, Wir schieben uns gemeinsam in Richtung Ausgang und viele der Einheimischen lächeln mich (und auch die anderen Touristen) freundlich an. Am Portal steht der Pfarrer und gibt jedem Einzelnen die Hand, bedankt sich für’s Kommen und segnet einen für die kommende Woche.

Ja, und dann gehts ins benachbarte Gemeindehaus zum allgemeinen Mittagessen! Tatsache – alle Anwesenden werden zum gemeinsamen Essen eingeladen, Ausdrücklich auch wir Touristen. Der Priester sprach die Einladung von der Kanzel herunter aus und wenn ich erst auch noch ein bisschen unsicher war – auf der Strasse sprechen mich mindestens sieben oder acht Leute an, um mir zu sagen, wo es das Mittagessen gibt. Also dann, los! 😀

Es ist ein riesenlanger Tisch in der Mitte des grossen Saales aufgebaut und darauf stehen Platten und Schüsseln, als sei es ein Tischlein deck dich! Rundherum sind Tische aufgestellt, an denen nun alle Platz nehmen. Es gibt eine kleine Begrüssungsansprache und eine Danksagung an die Mitglieder der Gemeinde, die das ganze Essen gekocht haben und dann werden wir Gäste aufgefordert, uns als Erste zu bedienen. Es gibt verschiednene Salate, Hühnchen, Fisch, ein ganzes Spanferkel, diverse Früchte, Kuchen, frittierte Yams, gekochte Bananen und ein paar Sachen, von denen ich nicht weiss, was sie sind. Auf jeden Fall jede Menge Futter!

Ruck zuck ist das Buffet geplündert und an allen Tischen wird geschmaust und gelacht und gemampft. Als ich fertig bin möchte ich meinen Teller in die Küche (?) bringen und vielleicht wenigsten beim Abwasch helfen, doch das wird vehement abgelehnt. Die Insulaner haben da ihr System und wir Ausländer werden hier nicht gebraucht. No, No Madam!

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass dieses sonntägliche, gemeinsame Mittagessen jede Woche stattfindet. Was für eine wundervolle Tradition, um Einheimische und Gäste ausserhalb eines Kunde-Dienstleister Verhältnisses zusammenzubringen! Und die Insulaner teilen mit uns Gästen das, was sie am liebsten tun – nämlich essen! 😉 Und wir finden es klasse!! Danke schön.

Eigentlich könnte jetzt alles wunderbar sein, doch leider ist Cyclon Debbie im Anmarsch und obwohl er weit weg ist (vor der Ostküste Australiens) bekommen wir hier trotzdem unser Fett weg. Nämlich tropische Regengüsse am laufenden Band. Will sagen, es giesst wie aus Eimern. Wieder einmal höre ich von den Einheimischen, dass es eigentlich um diese Jahreszeit sonning, trocken und heiss sein sollte und es totaaaaal ungewöhnlich sei, dass es jetzt regnet – nichtsdestotrotz regnet es die kommenden acht Tage mehr oder weniger am Stück.

Zwischendurch kann ich für fünf Tage in ein anderes Hostel ziehen, das zwar nicht wirklich viel besser, sauberer, schöner ist aber wenigstens direkt am Strand liegt. Unter den teuren Strandvillas, die auf hohen Pfählen stehen sind Hängematten festgemacht und da liege ich drin, vertrödele den Tag mit lesen, quatschen, in den Himmel gucken und Nichtstun. Ist jetzt ehrlich gesagt, nicht ganz so, wie ich mir das so vorgestellt habe…….

Schnorcheln kann man nicht, da durch das Wetter die Sicht unter Wasser sehr schlecht ist. Wandern kann man nicht, da die Dschungelpfade sämtlich unter Wasser stehen und so glitschig und gefährlich sind. Und sonst gibt es hier nichts weiter zu tun. Die ganz jungen Leute im Hostel beginnen schon morgens, sich die Kante zu geben und sind meistens schon hinüber wenn der Partybus dann endlich kommt, um sie zum Clubbing abzuholen. (Es gibt rund fünf Bars, die abend Party machen und der Partybus klappert die Hotels ab, sammelt die Leute ein, fährt von Bar zu Bar und dann irgendwann früh morgens wieder zurück zu den Hotels. Big fun für die ganz Jungen!) Nicht so meins……

Dreimal die Woche kann man noch zum abendlichen Night Market fahren. Der wird in Muri Beach, der „Touristenhochburg“ (lach) der Insel abgehalten. Rund zehn Essenstände bieten verschiedene Köstlichkeiten an, wobei fastfood deutlich dominiert. Aber die Atmosphäre ist chillig entspannt und so trifft sich die halbe Insel hier.

Nach fünf Tagen herumsitzen und -liegen in der Hängematte halte ich es nciht mehr aus – ich muss mich bewegen!! Und so starte ich abenteuerlustig eine kleine Wanderung in die Berge. Artig sage ich in meinem Hostel Bescheid, wohin ich gehe (für die Rettung, falls nötig) und dann mache ich mich mutig auf den Weg. Was stört mich schon ein „bisschen“ Wasser???

Allerdings hat meine Regenjacke im Hostel irgendwie Füsse bekommen, wurde wohl von jemandem gebraucht, und so muss ich ungeschützt und schlecht ausgerüstet den Gefahren des Dschungels trotzen. 😉

Tatsächlich hört es gerade auf zu regnen als ich losgehe, was echt nett ist. Der Dschungelpfad ist schnell gefunden und dann tauche ich ein in das üppige Grün des tropischen Regenwaldes. Riesengrosse Blätter, Farne, Palmen, Büsche, Bäume – alles wächst durcheinander und umeinander herum, es herrscht eine Art chaotischer Ordnung, pulsierendes Leben rundherum und ich mitten drin! Herrlich!!

Der schmale Pfad ist schlüpfig und schlecht zu gehen, aber es ist zu keinem Moment gefährlich und so stapfe ich munter immer weiter bergauf und hoffe, dass eventuell die Wolken aufreissen. Doch aus dem Wald dampft es und Nebel, Dunst und Wolken wabern überall um mich herum. Von den Blättern tropft es und irgendwie ist es genauso, wie es im Regenwald sein muss. Wie froh ich bin, dass ich mich aufgerafft habe! (Wenn man eine Weile so vor sich hingammelt, dann wird man irgendwann so faul, dass man sich kaum noch zu irgendetwas motivieren kann – geht dir das auch so? Schrecklich ist das!)

Auch der Rückweg stellt kein grosses Problem dar und so erreiche ich nach rund zweieinhalb Stunden wieder die Strasse. Prompt fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten und ich kann mich gerade noch unter das Dach eines kleinen Ladens retten. Ich bin halt doch ein Glückskind!! Und die Besitzerin freut’s auch, denn ich erledige hier gleich noch meinen Einkauf, im Vorbeigehen sozusagen, und ergattere unter anderem einen grossen Beutel frischen Spinat!

Am kommenden Tag muss ich in die Stadt, um Geld zu holen. Ich verbinde das mit einem kleinen Bummel und einer Tasse Milchcafé (daran, dass ich dieses „Abenteuer“ erwähne kannst du ablesen, dass ich mich echt gelangweilt habe…..).  Als ich aus dem Café komme und mich gerade zu einem geeigneten Autostopplatz begeben möchte hält ein Wagen neben mir. Ein Einheimischer strahlt mich an und fragt, ob ich mitfahren möchte. Er hat drei kleine Mädchen im Auto und erscheint mir ungefährlich, also steige ich ein und hier beginnt eine ganz besondere Geschichte…..

Der Mann stellt sich als Chanel vor, seine beiden Töchter und deren Freundin sind mal gar nicht schüchtern, sondern fangen gleich an, mich auszufragen. Die sind echt voll nett! Also bisher waren alle Leute, die mich mitgenommen haben super freundlich und trotz der Kürze der Fahrten sind diese Begegnungen mit den Menschen der Insel eines meiner Highlights hier.

Chanel fragt mich, was ich denn heute so mache und als er hört, dass ich keine Pläne habe lädt er mich kurzerhand ein, den Tag mit ihm und seiner Familie zu verbringen. Waaas???

Ich überlege kurz und – sage zu. Vielleicht wird es ja nett?!

Wir fahren erstmal kreuz und quer über die Insel weil er noch einige Besorgungen machen muss und so bekomme ich quasi eine Gratis-Inselrundfahrt. Er fährt sogar extra für mich hoch zum Inselkrankenhaus weil man von dort so einen schönen Blick hat! Dann fahren wir zu ihnen nach Hause, essen Maracujas direkt vom Busch, stehen am wilden Meer und schauen den Wellen zu und reden, lachen, schweigen und backen alle zusammen einen Schokoladenkuchen. Es ist schön! Später fahren wir zu Rosi, der Mutter des dritten Mädchens und holen sie zum Baden ab. Alle gemeinsam fahren wir zu einer riesengrossen Villa, auf halber Höhe am Berg gelegen. Die Besitzer, eine befreundete Familie, sind gerade in Urlaub, aber wir dürfen hier trotzdem baden und vor allem die Kids haben mächtig Spass.  Am Abend kocht Chanel für uns alle (inzwischen ist auch seine Frau Kirstie von der Arbeit wieder da) ein richtig leckeres Curry und dann bringt er mich zu meinem Hostel. Was für ein schöner Tag!

Am nächsten Morgen scheint die Sonne! Hurra!! Ich miete mir ein Fahrrad und mache mich auf zur Monster-Inselumrundung. Ich strample los, zu Beginn immer schön an der Küste entlang, sodass ich jederzeit anhalten und einen Badestopp geniessen kann. Irgendwann habe ich allerdings genug vom Autoverkehr und so biege ich einfach mal links ab und fahre ein wenig ins Inselinnere hinein, Hier sieht es gleich ganz anders aus! Kaum mehr Verkehr, bloss ab und zu mal ein Moped. Papaya- und Bananenplantagen, Mango- und Guavenbäume, kleine einfache Häuschen und Hütten – es ist herrlich hier hindurch zu radeln. Die Leute auf den Feldern winken mir zu und Kinder rufen „Hello Hello“ wenn ich vorbei komme.

Irgendwann bin ich dann wieder zurück auf der Ringstrasse und nun kenn ich mich auch wieder aus. Mann, ist das heiss!! Kaum hat der Regen aufgehört brennt die Sonne schon wieder mit unverminderter Power auf die Insel. Mit letzter Kraft fahre ich den halben Berg hinauf zur Villa von gestern, denn eines der Mädchen hat heute Geburtstag und ich hab versprochen, vorbeizukommen. Das kalte Bier, das ich gleich angeboten bekomme tut mal so was von gut!! 😀 Und die Anerkennung für meine sportliche „Höchstleistung“ ebenso……

Am Abend sitze ich in einer kleinen Bar ganz in der Nähe des Hostels mit einem anderen Gast zusammen, wir trinken ein Bier und unterhalten uns. Da kommen wir ins Gespräch mit einem Einheimischen, der hier praktisch jeden Abend sitzt und mit dem Boss des Ladens redet. Er fragt uns das übliche Woher und Wohin und als er hört, dass ich morgen nach Aitutaki fliege und kein Schnorchelzeug habe, da bietet er mir einfach mal seins an! Waas??? Ja, es ginge ja nicht, dass ich ohne Schnorchelzeug da hin fliege und da gäbe es auch keins zu mieten und überhaupt, er hätte genug, da er vermietet und immer für seine Gäste welches hat. Kurzerhand fahren wir mit seinem Moped zu seinem Haus und ich kann mir passendes Schnorchelzeug aussuchen und es ihm dann einfach in ein paar Tagen wieder zurückgeben. Ich bin wieder mal total geplättet, wie hilfsbereit und freigebig die Menschen sein können! Er fährt mich wieder zurück zur Bar und natürlich lade ich ihn auf ein weiteres Bier ein.

Und morgen fliege ich also auf die Nachbarinsel Aitutaki. Mit Schnorchelzeug. 😀

Aber vorher zeige ich dir noch ein paar der wunderschönen Sonnenuntergänge von Rarotonga:

Northland, Nordinsel – Abschied von Neuseeland

Die Südinsel zu verlassen ist mir echt richtig schwer gefallen! Was für ein Land! Die Schönheit der Natur ist einfach antemberaubend und irgendwie ist es rauh und wild und ungezähmt. Also auf jeden Fall ursprünglicher als bei uns im westlichen Europa. Ich fand es geradezu heilsam in grossteils unaufgeräumter Natur zu sein. Die akurat ausgerichteten Kieferplantagen, die es ja auch hier zuhauf gibt erschienen mit total unnatürlich, doch bei uns sind ja auch viele Wälder so und es ist mir eigentlich nie gross aufgefallen. Ich glaube, ich muss schleunigst nach Schottland, Rumänien und vielleicht in die Türkei reisen, solange es dort noch wilden, unerschlossenen Wald und Busch gibt….. 😉

Wie auch immer, jetzt bin ich ja erstmal zurück auf der Nordinsel und damit zurück im „zivilisierten“ Teil des Landes. Die beiden Insel unterscheiden sich gravierend voneinander. Während die Nordinsel deutlich dichter besiedelt ist und sich hier auch mehr Geschäftsleben usw. entwickelt hat findet man auf der Südinsel kaum Industrie, sondern hauptsächlich Farmen und National Parks. Auch die gefühlte Energie beider Inseln könnte unterschiedlicher kaum sein. Der Norden der Nordinsel und ganz besonders Auckland sind für mich schwierig – ich fühle mich einfach nicht wohl, nicht geerdet, nicht verbunden mit dem Land. Vielleicht erinnerst du dich, als ich mit meinen beiden Freunden hier eingeflogen war, wollte ich auch sofort wieder weg  und wir sind dann zur Coromandel Halbinsel gefahren – Mann, das ist erst ein paar Wochen her! Nun ja, dieses Mal geht es mir genau wieder so.

Auckland begrüsst mich ausserdem mit Regen und dicken, grauen Wolken, der Wetterbericht für die nächsten Tage ist grauenvoll und der mehrspurige highway ist in beide Richtungen verstopft. So quäle ich mich mühsam mit meinem Mietwagen in Richtung Norden, wo ich in einem Vorort ein Zimmer gebucht habe. Bis ich das endlich gefunden habe bin ich echt voll gestresst vom Autofahren.

Eigentlich wollte ich mir ja am Morgen (trotzdem) die Stadt an sich einmal anschauen, doch es regnet in Strömen und die Fahrt zurück ins Zentrum würde wahrscheinlich eine Stunde oder noch länger dauern, plus Parkplatz suchen etc. Uargh……nee!!!! Ich beschliesse, lieber weiter nach Norden zu fahren und das sogenannte „Northland“ zu entdecken. Dieser nördlichste Zipfel des Landes wurde mir so oft als sehenswert angepriesen, dass ich ganz gespannt bin, was mich wohl hier erwartet.

Erstmal Regen, Regen und nochmal Regen. Die Aussicht beschränkt sich meist auf graue Wasserwände mit ein paar Tüpfelchen Grün zwischendrin. Ich fahre einfach immer weiter und hoffe, ich komme irgendwann raus aus den Wolken. Dem ist allerdings nicht so und so muss ich irgendwann einfach halten weil ich müde bin und der Tag sich dem Ende zuneigt. Ich bin direkt mal bis in die Bay of Islands durchgefahren und komme in Paihia in einem richtig schönen Hostel unter. Grosse Zimmer, alles modern und sauber, tolle Küche, Wohnzimmer mit Blick auf die Bucht – also theoretisch – und nicht mal überfüllt, sondern bloss eine Handvoll nette und chillige Leute. Da es auch am nächsten Tag noch in Strömen regnet bleibe ich kurzentschlossen noch einen weiteren Tag. Ich nutze den Tag zu einem Besuch im Museum von Waitangi (das ist der Nachbarort).

Hier wurde 1840 das „Treaty of Waitangi“ zwischen den Maori und der britischen Krone unterschrieben. Dieses umstrittene Papier wird bis heute als Gründung Neuseelands angesehen.  Wenn dich ein bisschen Geschichte interessiert, dann klicke bitte auf den folgenden link >>  Information über die Geschichte der Maori und der britischen Siedler <<

Ausser dem Original des „treaty“, sowie der Übersetzung gibt es hier wirklich sehr viel zu entdecken. Besonders eindrucksvoll finde ich ein riesiges „waka“, ein Maori Kriegskanu, in dem 120 Personen Platz finden können. Ein waka wird aus einem einzigen Baustamm geschnitzt, kunstvoll verziert und bemalt. Es braucht mindestens achzig Ruderer, um dieses Riesenboot zu bewegen. Einmal im Jahr, am Jahrestag der Unterzeichnung wird das waka zu Wasser gelassen, zusammen mit einigen hundert weiteren, denn Kanufahren ist ein sehr beliebter Sport in Neuseeland. (Einzige Aussnahme: als Lady Di bei einem Besuch darum bat, mit dem Boot fahren zu dürfen wurde es extra für sie zu Wasser gelassen! Tja, Prinzessin müsste man halt sein – hab ich schon immer gewusst!)

Man kann das damalige Gouverneurshaus  besichtigen, sowie eine Maorihütte, Waffen und Musikinstrumente. Filme und Fotos, Bilder und Artefakte aus der guten, alten Zeit runden die Information ab. Fakten und Daten werden interessant und informativ angeboten insgesamt eines der interessantesten Museen, in denen ich je war, definitiv einen Besuch wert. Endlich erfahre ich auch einmal etwas aus der Maorisicht!

Der Höhepunkt ist eine Führung mit „kultureller Schow“ – da krieg ich ja immer so ein bisschen Bauschmerzen……

Unser Führer ist ein grosser Maori, der uns beim erneuten Gang durch das Museum einiges erzählt und uns schliesslich zum Maori Meetinghouse bringt. Hier erwarten wir den Häuptling. Unser Häuptling (kurzfristig aus unseren Reihen ausgewählt) bietet ihm unseren Gruss in Form eines Zweiges an, Der Häuptling nimmt den Zweig huldvoll an und nun dürfen wir alle das Meetinghouse betreten und die Maori werden für uns tanzen.

Zuerst besiegeln die beiden Häuptlinge noch die friedliche Zusammenkunft zweier Völker mit dem Berühren der Stirnen – entsprechend dem westlichen Handschlag oder dem kommunistischen Bruderkuss, und dann legen sich die Performer, in traditionelle Kleidung gewandet, wirklich mächtig ins Zeug. Sie zeigen uns verschiedene Kriegs- und Liebestänze, wirbeln mit einer Art Pompom, stossen wilde Schreie aus und mit ihren Speeren zu, reissen vor allem immer ihre Augen riesengross auf und strecken ihre Zungen heraus. Und die haben vielleicht lange Zungen! Also ehrlich, die Jungs sind schon irgendwie zum Fürchten! Eine der Frauen erklärt uns diverse Feinheiten des Tanzes und beantwortet Fragen während die anderen Tänzer für Fotos posieren. 

Alles in allem ein beeindruckendes Schauspiel und ich bin sehr zufrieden mit der sinnvollen Nutzung des Regentages.

Am nächsten Morgen – die Sonne blinzelt zaghaft durch die Wolken – hurra!! Fritz und ich frühstücken und dann sind wir „happy & back on the road“. Gleich unser erster Stopp begrüsst uns mit diesem schönen Regenbogen. Das ist doch viel versprechend, oder?! 😀

Es gibt nur eine einzige Strasse, die nach Norden führt und sie geht duch viel Grün bis nach Whangaroa, wo ich eine Mittagspause einlege. Ich spaziere ein wenig herum, schaue die Boote an, die im flachen Wasser herumdümpeln und kämpfe heldenhaft gegen freche Möwen, die mir mein Mittagessen streitig machen möchten. Frisch gestärkt fahre ich weiter, nun an der Küste entlang, wieder sehr schön und natürlich immer wieder einen Stopp und einen kleinen Spaziergang wert. Ebenfalls wie immer treffe ich auf andere Strandläufer und ausnahmslos jeder hat Zeit für ein paar freundliche Worte und ein Lächeln.                                                                                                                                   

 

 

 

 

 

 

Und dann liegt sie vor mir: die berühmte 90-Miles-Beach. Sie ist zwar nicht wirklich neunzig Meilen lang aber trotzdem seehr, seehr lang! (88km = ca. 55m)  Der Strand ist ganz offiziell ein highway und solange du ein 4×4 Auto fährst und die Ebbe/ Flutzeiten beachtest (es sind hier schon viele Autos „ertrunken“) kannst du den gesamten Strand abfahren. Mein kleiner Micra schafft das nicht und so bleiben wir halt auf der Strasse. Aber ich würde gerne nochmal hierher kommen und diesen tollen Strand mit seinen traumhaft schönen Dünen richtig kennenlernen.  Heute bleibt mir nur, ein wenig zu Fuss zu erkunden und auch das nur kurz, denn der aufkommende Regen treibt mich bald wieder ins Auto und weiter. Aber ein paar schöne Schnappschüsse, einen ersten Eindruck und die Sehnsucht, wieder zu kommen nehme ich doch mit von hier.

Eigentlich wollte ich von hier aus ja noch ganz hoch fahren zum Cape Reinga, das ist der nördlichste Punkt Neuseelands. Es sind von der Abzweigung des Highways aber noch hundert Kilometer und die Sonne steht schon tief. Ich bin müde und es regnet und ich müsste ja auch wieder zurück fahren …. sehr schweren Herzens entschliesse ich mich, auf das Cape zu verzichten. Ich bereue das allerdings jetzt schon….

Mein Quartier ist heute genau an dem Cape entgegen gesetzten Ende der Ninety Miles Beach in einem winzigen Örtchen namens Ahipara. Fast am Ende der kleinen Strasse und direkt am Strand steht ein wunderschönes kleines Hostel, liebevoll gestaltet und gut geführt von einem jungen kiwi-deutschen Pärchen. Hach, hier würde ich jetzt gerne in paar Tage bleiben!                           Die wunderschöne Küche lädt geradezu zu einer grossen Kocherei ein und die langen Tische und Bänke auf einer üppig bewachsenen Veranda lechzen regelrecht nach langen Gesprächen und ein paar Gläsern Wein. Und der Strand direkt vor der Tür! So schön!

Aber ich muss zurück nach Auckland, denn da wartet in zwei Tagen ein Flieger auf mich….

Auf der Rückfahrt habe ich nichts wirklich Spektakuläres mehr erlebt und die letzte Unterkunft in diesem wundervollen Land ist so dermassen unterirdisch, dass ich sie einfach nur vergessen möchte. Daher schliesse ich hier und an dieser Stelle meinen Bericht über Neuseeland ab.

Fazit: Kiwiland ist einfach atemberaubend schön! Die Südinsel hat mich absolut gepackt. Die Mentalität der Menschen gefällt mir sehr, die Lebensqualität ist hoch und die Natur…..na, darüber habe ich ja nun wirklich ausgiebig geschrieben. Leider ist es vom Klima her zu kalt für mich, also definitiv nicht zum Leben geeignet (Entwarnung!). Aber für einen weiteren, ausgedehnten Besuch? Jederzeit sehr sehr gerne.

Mein nächstes Ziel: die Cook Islands! 😀

 

Fortsetzung: Mount Cook, Lake Tekapo und Christchurch

Was für eine grossartige, wunder-wunderschöne Landschaft, oder? Ich bin total hin und weg und habe hier ein neues Level an Glücklichsein erreicht.

                                                                                       Ich sitze einfach mal eine kleine Ewigkeit an diesem Gletschersee und starre auf die ersten Eisberge meines Lebens. Bloss kleine und nicht gleich der Nordpol, aber trotzdem Eisberge.  Und ich beobachte den reissenden Gletscherfluss, der den Ablauf für den See bildet. Und ich schaue den Berg an. Und auch die benachbarten Berge.

 

 

 

 

 

 

Und die Gletscher. Und die ganzen Moränen, die die abgegangenen Lawinen hinterlassen haben. Und die Pflanzen, die sich ihr Überleben hier hart erkämpfen müssen. Und den blitzeblauen Himmel mit den weissen Wolken.

Ich kann’s nicht mit Worten beschreiben, aber ich bin so übervoll von dieser Schönheit und so dankbar, dass ich einfach hier sitzen und das hier erleben darf. Wenn ich etwas gebraucht hätte, um an Gott zu glauben, das hier wär’s gewesen. Bis ins Innerste berührt.

Auf der Rückfahrt nach Twizel holt mich die blaue Stunde ein und der See präsentiert sich mir in seiner ganzen Pracht.

Der Blick in den Rückspiegel zeigt mir den Berg mit den letzten zarten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel. So bekomme ich die nötige Ruhe zurück, nachdem mich der Tag heute dermassen umgehauen hat.

Auch am nächsten Morgen bin ich noch immer voll mit den Erlebnissen von gestern. Trotzdem fahre ich langsam und gemütlich los. Ich bekomme noch ein paar weitere atemberaubende Ansichten des Lake Pukaki, an dessen Schmalseite ich entlang fahre und des Mount Cook und der umliegenden Berge bevor ich mich hier endgültig verabschiede.

Eine ganze Zeit geht es nun durch grosse Wälder und riesige Grasebenen. Die südlichen Alpen begrenzen noch eine Zeitlang meinen Blick am Horizont aber irgendwann sind sie dann doch verschwunden. Vor mit liegt der nächste See, die nächste Ortschaft: Lake Tekapo. Ein kleines Örtchen, an den See geschmiegt, erinnert es mich ein bisschen an Wanaka. Hier gibt es ausser dem See nur eine einzige Sehenswürdigkeit, und das ist eine kleine Kapelle. Sie liegt direkt am Wasser und vom Inneren hat man einen fantastischen Blick über den See. Hat man mir erzählt. Leider kann ich nicht nachschauen, denn die Kapelle ist abgesperrt und niemand darf hinein. Hmmm……..

Also schaue mir dias Ganze halt von aussen an: nett, klein, aus Quadersteinen erbaut. Ausser der hübschen Lage am See eigentlich nichts Besonderes. Aber in diesem jungen Land ist eben alles, was älter als fünfzig Jahre ist schon antik und eine Besonderheit. 😉

Eine Dame steht am Eingang und hält Wache, dass niemand hineingeht. Sie erklärt mir, dass gleich eine Hochzeit käme zum Fotos machen, danach sei die Kapelle wieder geöffnet. Na gut, dann mache ich eben einen kleinen Spaziergang am See entlang und als ich wieder komme verlassen die Brautleute gerade die Kapelle. Es sind Chinesen! Sie kommen strahlend aus der Kapelle, klettern in ihre Strechlimo und fahren schnatternd von dannen.

Die Kapelle hält auch innen, was sie aussen verspricht: einfache Holzbänke, keine Grossartigkeiten aber einen wirklich schönen Blick  vom Altar aus über den See mit dem Kreuz in der Mitte.

Leichten Herzens kann ich das Dörfchen verlassen und weiterfahren. Aber nach nur fünf Minuten Fahrt geht es links ab und direkt am Seeufer entlang bis zu einem richtig schönen Picknickplatz und so beschliesse ich, dass es eigentlich eh Zeit zum Mittagessen ist. Wieder mal finde ich es herrlich, so völlig frei über meine Zeit und Aktivitäten entscheiden zu können. Umwege wann immer es mir passt, Essen wenn ich Hunger hab, weiterfahren oder dableiben, ganz nach gusto…. Sogar für ein kleines Mittagsschläfchen nehme ich mir noch die Zeit bevor ich dann endgültig weiterfahre.

Grasebenen und Weite umgeben mich auf’s Neue, die Strasse zieht sich schnurgerade bis an den Horizont. Ich komme in Versuchung, jedes entgegenkommende Auto zu grüssen, denn ich fühle mich ein bisschen wie „übrig geblieben“ hier draussen. Nur ab und zu kommt ein kleines Dörfchen, bestehend aus einer Handvoll Häusern und einem Pub. Irgendwo im Nigendwo halte ich mal für einen Kaffee an, dazu gibt es ein Schokolade – Minzetörtchen (konnte ich nicht widerstehen), sitze in der Sonne und bin einfach nur happy.

Dann wieder Gras, Sand, Weite, Leere. Und das ist mein Stichwort: Leere. Das ist es nämlich, worauf meine Tanknadel zusteuert! Fritz ist ja ein richtig tolles Auto, aber Durst hat der!!! Mann oh Mann, der zieht den Sprit weg wie nichts, jeden Tag braucht er eine Füllung. Und die letzte war in Twizel….. ich werde ein ganz klein bisschen nervös.

Aber dann, als ich schon auf Reserve laufe kommt ein Schild „Petrol 5km“ und ich bin gerettet! Und Fritz auch! 😉 Ich besorge gleich noch was für mich selber zum Abendessen, denn eine Unterkunft gibt es hier nicht, also muss ich noch weiter fahren und wer weiss schon, wann wieder einmal ein Dorf kommt.

Nachdem ich noch einen klitzekleinen Umweg gefahren bin, der mir diese Aussicht beschert hat finde ich mich ganz plötzlich in einer Wolkenbank wieder und zu Ende ist es mit dem schönen Sonnenschein. Von hier an geht es in Nebel, Grau und Regen weiter bis ich in einem kleinen Städtchen namens Geraldine eine Unterkunft für heute nacht finde. Ich bezahle ein Dorm-Bett und bekomme ein Einzelzimmer – eher die Ausnahme aber natürlich freue ich mich!

Am kommenden Morgen geht’s auf direktem Weg in rund zwei Stunden bis nach Christchurch.  Die Stadt ist noch immer gezeichnet von dem schweren Erbeben in 2011. Am deutlichsten wird dies an der abgesperrten Kathedrale sichtbar, die als Mahnmal in ihrem halb zerstörten Zustand belassen wird.  Inzwischen wuchert meterhohes Unkraut im Kirchgarten und einheimische Künstler haben begonnen, Skulpturen rund um die Sicherheits-absperrung zu gruppieren. Die gesamte Innenstadt ist noch immer eine einzige Baustelle, überall wird renoviert und erneuert, wieder aufgebaut und verschönert. Viele der Gebäude im Zentrum der Stadt sind bereits wieder aufgebaut und in alter Form genutzt, aber man muss nicht gross suchen, um abgestützte Wände und Dächer, abgesperrte Einfahrten und Portale, eingestürzte Wände und aus Sicherheitsgründen geschlossene Gebäude zu finden.

Doch die Christchurcher haben sich nicht unterkriegen lassen! Beispielweise haben die im Zentrum ansässigen Lokale und Läden nach dem Beben ihre Aktivitäten in eilig aufgestellten Schiffscontainern wieder aufgenommen und nun ist aus dieser anfänglichen Notlösung eine Art hipper Markt geworden, wie es ihn sonst wohl nirgends gibt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Initiative vor der Modernisierung der gesamten Innenstadt halt machen wird.

Graffitis und riesengrosse Wandgemälde findet man überall in der Stadt. Als wollten die ansässigen Künstler ihrer Stadt helfen, ihr schönstes Gesicht zu zeigen.

Das kann natürlich manchmal auch Blüten treiben. Ein Stadtplaner und Architekt hat sich wohl ein klein bisschen vergaloppiert in seinem Eifer und auf dem Reissbrett eine Art „mediterranen“ Strassenzug entworfen.  Kleine Häuschen reihen sich wie die Soldaten aneinander, jedes sieht aus wie das andere und alle beherbergen sie Läden, Cafés und Restaurants. Eine dieser künstlichen Strassen, wie man auf der ganzen Welt in Shopping Malls findet. Auf mich wirkt diese sicher gut gemeinte Massnahme, als hätte man versucht, der Stadt eine bunte, fröhliche Maske aufzusetzen. Doch die Wunden müssen erst heilen und das wird sicher noch eine Weile dauern.

Besonders deutlich wird das am eigentlichen Mahnmal, unten am Fluss. Hier sind an einer langen Mauer die Namen der Opfer auf kleinen Täfelchen angebracht. Dabei liegen Blumen, kleine Geschenke, Briefe, Fotos zum Gedenken an die 185 gestorbenen Menschen. Es ist bedrückend, hier zu stehen – ich erinnere mich, dass ich bei der Arbeit war, als mir eine Kollegin von diesem Erbeben erzählte. Ich war betroffen, doch zu sehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt, als dass ich mich wirklich darauf eingelassen hätte. Es fehlte mir jede Vorstellung, wie sich ein Erbeben anfühlt oder was es anrichten kann. Auch jetzt masse ich mir nicht an, irgendetwas darüber zu wissen, was wohl in den Menschen vorgegangen sein muss. Aber zu sehen, dass selbst nach Jahren die Spuren noch so deutlich sichtbar sind, das macht mich doch sehr nachdenklich.

Was ist es wohl, das uns Menschen immer weiter machen lässt? Erdbeben, Feuersbrünste, Kriege, Fluten, persönliche Dramen oder was auch immer unser Leben erschüttert, die meisten von uns schaffen es irgendwie, wieder aufzustehen und finden die Kraft, wieder aufzubauen, weiter zu machen, weiter zu leben und irgendwann auch wieder zu lachen.

Alles in allem fange ich in Christchurch aber mehr Aufbruchsstimmung als Pessimismus ein, mehr Durchhalten statt Aufgeben und mehr Optimismus als Trauer. Das Beben hat tiefe Wunden geschlagen, doch die Stadt erholt sich und obwohl das Leid des Einzelnen bleibt und dadurch wohl nicht gelindert wird habe ich den Eindruck, die Menschen sind irgendwie stolz auf sich und ihre Stadt. Übrigens ist Christchurch auch bei Expats überaus beliebt!

Am nächsten Tag mache ich eine lange Fahrt in die Umgebung und besuche die Akaroa Halbinsel. Hahaha, nach nur zwei Tagen Stadt und Pflastertreten hab ich schon wieder genug – bin doch eine olle Landpomeranze! 😉

Das Wetter ist schön und ich habe einen richtig tollen Tag vor mir: gemütlich durch die Gegend cruisen, anhalten wo immer es mir passt und einfach nur den letzten Tag meines Roadtrips geniessen. Und wieder finde ich diese wunder-schönen Plätze, mit denen dieses Land so gesegnet ist. Schau doch mal, diese kleine Bucht mit den bunten Bootshäuschen!

Die hügelige Landschaft ist wieder total schön, richtig weich kommt es mir hier vor nach der eher wilden Schönheit der Alpen. Grün wohin das Auge schweift und tief unten schimmert ein grosser See (der eigentlich eine Lagune ist). Diese Kombi von grüner Wiese, Berg, See/ Meer und blau-weisser Himmel wirkt auf mich wie eine Droge – eine gute Laune Droge. 😉 Die Strasse windet sich in vielen Kurven und Windungen hinunter und dann komme ich in dieses kleine Städtchen. Hier waren in der „guten alten Zeit“ die Franzosen und das merkt man bis heute! Die Strassennamen sind französisch und es gibt eine echte Boulangerie, hübsche kleine Häuschen und viele bunte Blumen in den Gärten. Ein kleines bisschen von „La belle France“ ist noch da. Sehr lustig.

Den ganzen Tag fahre ich hügelauf und hügelab durch diese Landschaft und geniesse spektakuläre Aussichten auf einsame Buchten, das glitzernde Meer, zufriedene Kühe und am Abend bin ich rechtschaffen müde und kaputt. Morgen fahre ich zurück nach Cust und bringe Fritz nach Hause. Oh oh…..

Aber es ist zu früh für Wehmut! Erst einmal werden Fritz und ich stürmisch begrüsst: Holly und Jess wuseln um mich herum und Sally und John umarmen mich fest und freuen sich ehrlich, mich wieder zu sehen. Wie schön ist es doch, wieder zu kommen! Ich beziehe mein Zimmer und gleich ist es schon wieder, wie gar nicht weg gewesen. Wir verbringen zwei gemütliche Tage miteinander (Herrlich!!! Ein Badezimmer für mich ganz alleine, niemand schnarcht in meinem Zimmer, eine Waschmaschine, hach……das Luxusweibchen in mir hebt da glatt das Köpfchen und klatscht in die manikürten Händchen!), dann bringt Sally mich zum Flughafen nach Christchurch. Obwohl wir versuchen ganz tapfer zu sein, schimmern unsere Augen verräterisch und unsere Stimmen wackeln…..wir machen den Abschied kurz und heftig.

Der Flieger bringt mich nach Auckland, ich hole meinen Mietwagen ab und meine letzte Woche Neuseeland beginnt…..