Mütter und Kinder – wenn er nicht…dann geht es mir schlecht!

Gestern traf ich mich mit einer lieben Freundin, um ihr durch ihre allsommerliche „ich fühl mich soo allein“ Depression zu helfen…..

Hintergrund: ihr dreizehnjähriger Sohn ist mit dem getrennt lebenden Vater für drei Wochen in den Urlaub gefahren.

Dies hat mich veranlasst, mir einmal ein paar Gedanken zur Mutterliebe zu machen. (Alle Väter mögen mir verzeihen, dass ich als Mutter halt bloss die Mutterperspektive beleuchten kann. Bitte, liebe Väter fühlt euch eingeladen, euren Standpunkt hier einzubringen!)

Meine Freundin konfrontierte mich mit folgenden Aussagen:

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  • es ist doch normal, dass ich traurig bin und ich mich allein gelassen fühle, wenn mein  Sohn nicht bei mir ist.
  • wenn ich nach Hause komme, dann ist das Haus so leer und still.
  • ich möchte eigentlich nicht, dass er soviel Zeit mit seinem Vater verbringt, denn der ist so und so und so.
  • ihr deutschen Mütter seid da anders……viel cooler!
  • ich erwarte, dass mein Sohn sich jeden Tag meldet und mir erzählt, wie es ihm geht und was er so macht. Schliesslich muss ich doch wissen, dass es ihm gut geht.
  • wenn mein Sohn sich nicht meldet gehts’s mir schlecht

Diese ganzen Aussagen entsprechen nun aber überhaupt nicht meinen Erfahrungen (wahrscheinlich weil ich eine von diesen „anderen, deutschen Müttern“ bin) 😉  und so hab ich mir überlegt, wo denn tatsächlich der Unterschied liegt, dass die eine Mutter leidet und die andere in einer ganz ähnlichen Situation nicht leidet.

Also schauen wir doch mal, was hinter den Aussagen steht!

Es ist doch normal, dass ich traurig bin und mich allein gelassen fühle, wenn mein Sohn nicht da ist.

Ist es das wirklich? Könnte es auch anders sein? Ich denke, dadurch dass sie die Situation als negativ beurteilt und daher ablehnt, kreiert sie sich erst ihre unangenehmen Gefühle. Wie wäre es denn, wenn sie zum Beispiel: „ich freue mich für meinen Sohn, dass er jetzt schöne Ferien verbringen kann“ oder „Ich geniesse es, viel mehr Zeit für mich zu haben“ denken könnte. Welche Gefühle würden in ihr entstehen? Sicherlich keine traurigen, einsamen……

Wenn ich nach Hause komme, dann ist das Haus so leer und still.

Und warum ist das „schecht“? Ich persönlich empfinde Stille als extrem wohltuend, denn beschallt werde ich doch eh den ganzen Tag. Ein stärkender Gedanke wäre sicher: „Jetzt kann ich einmal ganz in Ruhe mit mir selbst sein.“ oder auch „Jetzt kann ich endlich einmal die Buchhaltung machen/ den Keller aufräumen/ meinen Kleiderschrank entrümpeln/ meine Freundinnen einladen/ in Ruhe meditieren/ mal faul sein und gar nichts machen oder was auch immer machen“

Ich möchte eigentlich nicht, dass er soviel Zeit mit seinem Vater verbringt.

Nun, das ist einfach und klar: die Ablehnung des Vaters und seiner Energie führen zu negativen Gedanken und Gefühlen bei der Mutter. Wäre es nicht für alle viel angenehmer wenn sie dächte: „Wie schön, dass mein Sohn jetzt eine Zeitlang mit seinem Vater/ in der männlichen Energie sein kann.“ Es dürfte jedem klar sein, dass es für einen Jungen extrem wichtig ist, Zeit mit seinem Vater zu verbringen, um sein Mann-Sein zu erleben. Keine Mutter der Welt kann ihrem Sohn das vermitteln.

Ihr deutschen Mütter seid da anders….viel cooler!

Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Kompliment ist, denn es wird uns Deutschen (im Süden) oft nachgesagt, wir wären eher gefühlskalt weil wir vielleicht nicht ganz so impulsiv und expressiv sind wie die Südländer. Aber es ist doch auch ein Körnchen Wahrheit daran: hier in Spanien gibt es kaum eine Mutter, die ihre  Kinder schon früh (wenn überhaupt) loslässt. In den meisten Familie ist es üblich mindestens einmal am Tag mit der Mutter zu telefonieren und alles noch so Alltägliche zu erzählen und zu kommentieren. Da darf man doch fragen, wieviel tatsächlich liebevolles Interesse ist und wieviel vielleicht mit festhalten und kontrollieren wollen zu tun hat….

Hierzu passt auch der nächste Satz: ich erwarte von meinem Sohn, dass er sich jeden Tag meldet und mir erzählt, was er macht. Schliesslich muss ich doch wissen, dass es ihm gut geht.

In meiner Familie dagegen lautet das Motto: solange man nichts hört, ist alles in Ordnung. Natürlich ruft man sich gegenseitig an und fragt wie es geht und was es Neues gibt! Ich rufe an, wenn es mir danach ist. Das kann mal alle zwei, drei Tage sein oder auch nur einmal in zehn Tagen. Auch meine Kinder halten das so wenn sie auf Reisen sind. Und wenn sie sich nicht melden, dann gehe ich davon aus, dass es ihnen gut geht und sie vor lauter Spass keine Zeit haben. Ich denke, man gibt den Kindern eine gesunde Portion Freiheit und Selbstverantwortung durch diese Art, miteinander umzugehen. Und ganz ehrlich, wenn mein mittlerweile erwachsener Sohn mich dann manchmal ganz aufgeregt anruft, um etwas wirklich Wichtiges und Tolles mit mir zu teilen, dann geht mir das Herz auf! 😀

Wenn mein Sohn sich nicht bei mir meldet, dann gehts mir schlecht.

Warum empfindet sie es wohl so? Denkt es in ihr vielleicht Sätze wie: „er denkt gar nicht an mich, sonst würde er anrufen.“ oder „wahrscheinlich ist er froh, dass er mich mal ne Weile los hat“ oder Ähnliches. Sie bezieht also den Umstand, dass ihr Sohn sie nicht jeden Tag anruft, direkt und negativ auf sich, was natürlich zu sehr schechten Gefühlen führt. Wären nicht folgende Gedanken eine Möglichkeit, leichter mit der Situation umzugehen: „Er hat so viel Spass, dass er gar keine Zeit hat, mal anzurufen“ oder „Ich freue mich so, dass er so eine tolle Zeit (mit seinem Vater) verbringt“.

Viele Mütter – Kinder – Beziehungen sind von Unfreiheit und Kontrolle geprägt. Mütter lassen nicht los und treiben so ihre Kinder entweder in die Revolution, meist in der Pubertät, wo erstmal alles Herkömmliche teils vehement abgelehnt wird oder in die Resignation und das Bemühen, der Mutter weiterhin alles recht zu machen. Mit Liebe hat dies, glaube ich wenig zu tun. Selbstverständlich laufen diese Dinge völlig unbewusst und automatisiert ab und es gilt hier nicht einen „Schuldigen“ zu finden.

Es geht darum, einmal hinzuschauen….wie ist das bei mir? Welche Automatismen laufen bei mir ab? Was denkt es in mir in dieser oder jener Situation? Nehme ich immer gleich alles persönlich? Könnte ich es auch einmal anders sehen/ könnte ich meinen Standpunkt verändern und so einmal ausprobieren, wie es sich anfühlt?

Ich möchte hiermit alle Mütter, Väter, Söhne und Töchter einladen, einmal genau hinzuschauen und diese Automatismen zu erkennen. Das kann eine enorme Befreiung und Erleichterung sein und fördert auf jeden Fall einen ehrlicheren und damit liebevolleren Umgang miteinander.

Wenn du deine Familienstrategien mit uns teilen möchtest: ab in die Kommentare mit deiner Geschichte! Vielen Dank schon mal im Voraus dafür!

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen. Ich hoffe, er nützt dir.

Ich wünsche dir noch eine angenehme Restwoche!

Geniesse den Tag,

Deine Nicole

„Honig im Kopf“

Gestern war ich mit ein paar Freunden in Til Schweiger’s „Honig im Kopf“. Dieser Film ist meiner Meinung nach absolut sehenswert – sehr authentisch, hervorragend gespielt und in Szene gesetzt, tief berührend ohne jedoch pathetisch zu werden. Mit Sicherheit eine Glanzleistung des deutschen Films!

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„Honig im Kopf“ beleuchtet ein noch immer weitgehend tabuisiertes Thema: Alzheimer

Die Lebensmittel im Bücherregal, Schuhe im Kühlschrank, eine Vermisstenanzeige für die schon vor Jahren verstorbene Ehefrau…..Niko (Til Schweiger) muss sich eingestehen, dass sein Vater Amandus langsam ein bisschen vergesslich und schusselig wird. So wird beschlossen, dass Amandus in Zukunft bei ihm und seiner Familie wohnen soll – sehr zum Entzücken der elfjährigen Tilda, die ihren Opa von Herzen liebt.

Das Zusammenleben mit dem schusseligen Opa (hervorragend gespielt von Didi Hallervorden) bedeutet vor allem für Tildas Mutter eine grosse Herausforderung. Er fügt sich einfach überhaupt nicht in das gut durchorganisierte Familienleben ein und bringt so alles durcheinander. Tilda aber hält die besondere Verbindung zu ihrem Opa und geht liebevoll und offen mit ihm um.

Nachdem Amandus die lang geplante Gartenparty crasht, vergisst Tilda von der Schule abzuholen und nebenbei noch fast das Haus abfackelt kommt es zum Eklat und Nikos Frau fordert seine Einweisung in ein Pflegeheim.

Tilda bekommt das mit und beschliesst, mit ihrem Opa nach Venedig zu fahren, wo er damals seiner geliebten Margarethe einen Heiratsantrag gemacht hatte. Die Beiden büchsen aus und eine skurrile Reise beginnt.

Schweiger hat es mit diesem Film geschafft, ein tief berührendes Bild zu malen, indem er gekonnt zwischen Betroffenheit, Mitgefühl, Witz, Erkennen, Lachen und Weinen hin und her pendelt.

Auf der einen Seite Armandus, der selbst durchaus mitbekommt, dass sein Verstand nicht mehr so ganz mitmacht, der bewusst erlebt, dass er immer mehr vergisst, alltägliche Dinge nicht mehr hinbekommt, Aussagen komplett falsch versteht und seine Mitmenschen manchmal verrückt macht. Hallervorden spielt grandios Armandos kindlich-unschuldiges Verhalten in Kombination mit Desorientheit, Fremdsteuerung und Momenten der Verzweiflunng. Er beschreibt es als ein Gefühl wie „Honig im Kopf“ zu haben.

Tilda versucht zu verstehen, was mit ihrem Opa geschieht und findet Hilfe bei ihrem Kinderarzt, der ihr einfühlsam erklärt, was Alzheimer ist und was dabei geschieht.

Emma Schweiger (grossartig!) spielt die Enkelin Tilda mit grosser Autentizität und Hingabe. Man erkennt deutlich Tildas Wunsch, dem Opa zu helfen, ihre Belustigung, wenn er wieder irgendwelchen Quatsch macht und auch ihren Schmerz. Sie ist ein leuchtendes Beispiel, wie unaufgeregt, normal und liebevoll der Umgang mit Alten, Kranken, Behinderten sein kann.

Dann sind da noch Niko und seine Frau, die gekonnt die verschiedenen Phasen während des Verlaufes in Szene setzen: zu Beginn das Verdrängen und Nicht-Wahrhaben-Wollen; dann die Erkenntnis und das Ringen um eine „vernünftige“ Lösung; gefolgt von all den grossen und kleinen Ausrutschern und Katastrophen, die plötzlich Alltag sind und schon auch mal Ärger und Wut verursachen; bis hin zu dem Schmerz und der Verzweiflung, dem plötzlichen Erkennen, wie sehr man denjenigen doch liebt und der Ohnmacht, nichts tun zu können – Gefühle, die sowohl der Erkrankte, als auch sein Umfeld durchleben.

Schweiger selbst versteht seinen Film hauptsächlich als Unterhaltung, aber selbstverständlich ist die enthaltene Botschaft gewollt und bewusst so eingebaut worden: hin zu liebevollerem Umgang miteinander – hin zu mehr Toleranz gegenüber Menschen, auch wenn sie anders sind – hin zu mehr Offenheit im Umgang mit Alter, Krankheit und Tod – hin zu mehr Achtsamkeit, mehr Aufmerksamkeit – hin zu mehr Zeit miteinander verbringen – hin zu mehr Wertschätzung – hin zu mehr Liebe.

Ein Film für die ganze Familie, der berührt und zum Nachdenken anregt.

Danke Til Schweiger und Team für diesen wundervollen Film.

Ich hoffe, Sie werden auch in Zukunft schöne Filme mit grandiosen Kollegen, mit tollen Bildern, einem klasse Soundtrack und einer wertvollen Aussage schaffen!