Beziehungen – der Spiegel meines Seins

Wir alle stecken in vielen verschiedenen Beziehungen: Da ist der Partner, die Kinder, die Eltern und Schwiegereltern, die Verwandten, die Freunde und Arbeitskollegen, der Chef, die Vereinskollegen, die Nachbarn, Kunden, Geschäftspartner, Verkäufer in Läden. der Friseur, der Masseur, der Arzt, der Therapeut, der Automechaniker, der Bäcker….. und, und, und. Unser Leben besteht aus einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Beziehungen zu anderen Menschen.

Manche Beziehungen nähren uns, geben uns Kraft und ein gutes Gefühl. Manche sinde uns einfach egal, und  manche Beziehungen kosten uns Kraft und wir würden uns mit diesen Menschen eigentlich lieber nicht befassen.

Was haben denn aber nun alle Beziehungen gemeinsam? Was haben sie mit uns selbst zu tun? Und warum gestalten sie sich so, wie sie nun einmal sind? Können wir aktiv etwas tun, um unsere Beziehungen zu verändern/ zu verbessern?

Beziehungen aller Art haben in unserem Leben eine herausragende Bedeutung und sind besonders wichtig für unsere Entwicklung und unser Vorankommen als Wesen Mensch. Warum das so ist? Ganz einfach:

Unsere Beziehungen sagen uns, wer wir sind – wie wir uns verhalten – wo unsere Chancen und Potenziale liegen.

Im Verhalten meines Gegenübers kann ich eine Facette meines eigenen Seins erkennen. Wäre diese bestimmte Art des Anderen nicht auch ein Teil von mir, dann könnte ich sie gar nicht wahrnehmen. Ich hätte keine passende Frequenz, könnte also nicht in Resonanz, in Schwingung mit meinem Gegenüber gehen. Ich würde ihn quasi gar nicht wahrnehmen. Je mehr ich nun in Resonanz gehe, das heisst je stärker ich emotional betroffen bin, desto mehr hat die  Eigenschaft oder das Verhalten des Anderen etwas mit mir zu tun.

Besonders gut geht dieses gegenseitige Erkennen in engen Beziehungen, zum Beispiel Partnerschaften. Es gibt so viele veschiedene Modelle, eine Partnerschaft zu führen…….die häufigste Spielart ist wohl diese: „wenn du mir gibst, was ich will dann gebe ich dir, was du willst“. Natürlich wird das nicht offen so ausgesprochen, meist ist uns auch gar nicht bewusst, dass wir so denken! Und doch geht es in den meisten Ehen darum, die gegenseitigen Bedürfnisse zu befriedigen, sprich jeder geht davon aus, dass der andere ihn vervollständigt und gücklich macht. Frustration und Ent-täuschung vorprogrammiert.

Selbstverständlich ist eine solche (oft unbewusste) Erwartungshaltung belastend und anstrengend für den Anderen. Erschwerend kommt noch dazu, dass meist über die persönlichen Bedürfnisse, so sich der Einzelne überhaupt darüber im Klaren ist, gar nicht gesprochen wird. Und wenn dann auf eine Art und Weise, die dem gegenseitigen Verständnis nicht weiterhilft, sodass der Partner villeicht sogar willens aber eben überhaupt nicht in der Lage ist, die an ihn gestellten Erwartungen zu erfüllen.

Hier stecken wir also schon mitten in der Sackgasse! „Ich weiss eigentlich nicht so ganz genau, was ich brauche und will, um glücklich zu sein. Ich habe nicht gelernt, mich selbst glücklich zu machen (von wem auch??) also soll das jetzt der/die Andere machen. Schliesslich sagt er/sie ja, dass er/sie mich liebt, dann wird er/sie schon wissen, was mir guttut.“

Der/ die Andere ist mit dieser Erwartungshaltung komplett überfordert. Wie soll er/sie denn wissen, was der Andere braucht/ fühlt/ will, um glücklich zusein? Also beginnen wir auszuprobieren und vor allem in der Anfangsphase einer Beziehung funktioniert das sogar ziemlich gut. Die Hormone unterstützen uns da massgeblich, aber nach ein paar Wochen reguliert sich das Level wieder und plötzlich erscheint der/die Partner/in nicht mehr ganz so zu strahlen.

Eigentlich beginnt jetzt erst die „richtige“ Beziehung und das Kennenlernen des Anderen. Wie ist er/sie? Wie tickt er/sie? Welche Bedürfnisse hat er/sie?

Hier ist grosses Einfühlungsvermögen und grosse Ehrlichkeit gefragt- und zwar sich selbst und dem Partner gegenüber! Es erfordert viel Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen, seine Bedürfnisse zu formulieren und sich seinen „Dämonen“ zu stellen – denn es ist klar, dass hier auch Ängste und andere unangenehme Gefühle hochkommen können, die wir sonst lieber verdrängen.

Doch worauf beruht die Partnerschaft, wenn wir unsere Ängste, unsere Wut, unsere ungezügelte Freude, unsere Scham, unsere Lust, unsere Ohnmachts- oder Kleinheitsgefühle, unsere Traurigkeit, unsere Verspieltheit etc. nicht ausdrücken können, wenn wir unsere Gefühle nicht fühlen? Wie soll der Partner/ die Partnerin uns kennen- und lieben lernen, so wie wir sind (denn das ist es doch, was wir alle wollen!), wenn wir uns gar nicht so zeigen, wie wir wirklich sind?

Wir präsentieren unserem Partner/ unserer Partnerin eine geschönte Version von uns (so wie wir gerne wären) und erwarten dann von ihm/ ihr, dass er/ sie uns so anerkennt, unterstützt und liebt, wie wir sind. Und wir erwarten dies von ihm/ihr, weil wir es selbst nicht können!

Wir können uns selbst nicht hundertprozentig annehmen, akzeptieren und lieben, wie wir sind. Aber wir brauchen diese Unterstützung unbedingt und deshalb fordern wir sie laut oder still, bewusst oder unbewusst von unserem Partner, dem wir uns aber kaum einmal wirklich so zeigen, wie wir sind.

So gesehen ist eine Partnerschaft eigentlich die Quadratur des Kreises. Und wie man bei einem Rundumblick leicht erkennen kann funktioniert es auch tatsächlich meistens nicht so richtig gut……

Wie könnte denn nun eine Alternative aussehen?

Meiner Meinung nach kann man einen anderen Menschen niemals verändern, daher ist jeder Versuch, dies zu tun schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Man kann sich aber durchaus selbst verändern und weiterentwickeln.

Also beginnt alles bei mir selbst. Bei meiner Beziehung zu mir selbst. Der allerwichtigsten Beziehung meines Lebens.                             Folgende Fragen können helfen:

  • was liebe ich an mir?
  • was lehne ich an mir ab?
  • wie definiere ich mich? Als Mensch? Als Mann/Frau?
  • wie definiere ich meine Funktion? Als Mutter/Vater…Ehemann/ Ehefrau….Tochter/ Sohn……etc.
  • was bedeutet Leben für mich?
  • was ist Liebe für mich?
  • welche Träume habe ich?

Ich bin mir bewusst, dass sich die Antworten auf diese Fragen immer wieder ändern und das ist auch gut so, denn das ist ein Zeichen von Entwicklung. Es ist also durchaus sinnvoll, sich diese Fragen von Zeit zu Zeit zu stellen und (am besten schriftlich und mit viel Zeit) zu beantworten.

Habe ich erst einmal klar, wer ich bin, wie ich mich selbst sehe, wo ich momentan stehe und wohin ich gehen will, dann bin ich schon einen Riesenschritt weiter. Nun kann ich dasselbe mit meinem Partner machen: also was liebe ich an ihn/ihr? Was lehne ich ab? Und hier kommt der Trick:

Was du an deinem Partner liebst, das ist auch in dir und was du an ihm ablehnst, das ist ebenfalls in dir.

Schau hin! Wo oder wann bist du genauso? Oder bist du das genaue Gegenteil und lehnst es vehement ab, genauso zu sein? Was bewunderst du an deinem Partner? Erkenne dich selbst darin wie in einem Spiegel!

Wenn du erkannt hast, dass das Verhalten deines Partners dir eine Facette von dir selbst spiegelt, dann kannst du diese Facette deiner Persönlichkeit (bei dir selbst!) polieren und dich weiter entwickeln und zwar in eine Richtung, die besser ausdrückt, wer und wie du sein möchtest.

Das entsprechende kosmische Gesetz lautet „wie innen so aussen“, zum besseren Verständnis drehe ich es an dieser Stelle um und sage:

Wie aussen so innen!

Was dein Aussen dir zeigt ist immer ein Spiegel deines Inneren. Hier kannst du ansetzen.

Nervt es dich, dass dein Partner so unordentlich ist? Frage dich, wo du selbst unordentlich bist (z.B. die Steuerunterlagen, die Garage, der Kleiderschrank…) oder bist du selbst so über-ordentlich und pingelig, dass dein Partner dir dein Ungleichgewicht spiegeln muss?

Macht es dich wahnsinnig, dass deine Partnerin immer an dir herummeckert? Schau einmal genau hin, was es in dir selbst über dich denkt! Findest du dich total klasse und verdienst du Lob und Bewunderung? Oder meckerst du mir dir selbst herum und treibst dich immer weiter an, weil du eigentlich perfekt sein müsstest??

Unser Partner tut uns einen unendlich grossen Liebesdienst und er/ sie hat unsere Anerkennung und unsere Dankbarkeit verdient. Eine solche Haltung würde die meisten Ehen auf ein völlig anderes Level anheben. Weg von einem „wie du mir – so ich dir“ hin zu einem verständnis- und liebevollen, ja bewussten Miteinander.

Dieses Prinzip lässt sich übrigens auch auf nervtötende Schwiedermütter, anspruchsvolle Chefs, meckernde Kunden, usw. usw. anwenden! 😉