Loslassen – was ist das und wie geht das?

schielende AugenIch weiss ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe bis vor Kurzem immer Schielaugen bekommen, wenn ich in einem dieser Selbsthilfe – Persönlichkeitsentwicklung – Coaching – „So musst du sein“ Bücher den folgenden Satz gelesen habe:

„….und dann läss du einfach los. Erlaube dir selbst, dich durch   einfaches Loslassen von deinem Problem xy zu befreien…..“

So oder so ähnlich wird im Moment das Allerheilmittel für alle Probleme verkauft. Aber…….

  • was ist eigentlich dieses Loslassen?
  • wie geht das überhaupt?

Auch in meinen Coachings kommt die Frage so oft, dass ich mich heute hier einmal damit beschäftigen möchte.

Was ist loslassen?

Grundlegend gibt es bereits ganz am Anfang, schon bei dem Wort „loslassen“ ein Missverständis: loslassen ist ein aktiver Vorgang, ein Tun, aus dem männlichen Prinzip kommend, und bedeutet soviel wie „die Hand öffnen und loslassen, was festgehalten wurde“.

Gemeint ist aber im Grunde genommen ein passiver Vorgang, aus dem weiblichen Prinzip kommend – es geht nämlich um zulassen und annehmen. Gemeint ist ein Loslassen im Denken und Fühlen. Gemeint ist ein Nicht-Festhalten an Gedanken, ein Nicht-Anhaften an Gefühlen.

Wie geht loslassen?

Ich schlage dir folgendes Spiel vor: mach es wie ein kleines Kind! Sei wieder einmal neugierig, beobachte und staune! Finde heraus, wie du selber tickst, wie du funktionierst. Wenn du in die nächste Situation kommst, wo du irgendwie emotional betroffen bist, dann halte dich selbst an, reagiere nicht, tritt einen Schritt zurück und versuche, zu benennen, was du fühlst:

  • was fühlst du? Wie heisst dein Gefühl?
  • kennst du es schon? Hast du es schon oft gefühlt?
  • wo (in deinem Körper) sitzt dieses Gefühl?
  • wie fühlt es sich an (Körperempfindungen)? Enge, Druck……
  • hat das Gefühl Eigenschaften? Farbe, Konsistenz……

Fühle es! Schau es an! Es ist dein Gefühl, du hast es in dir entstehen lassen, jetzt ist es da und will gefühlt werden. Lass es einfach fliessen, alles darf jetzt da sein, jedes Gefühl ist okay, verurteile dich nicht!

Wenn du diesesGefühl zulässt und fühlst, dich ihm hingibst (weibliches Prinzip) dann kann es sich entfalten, seine Botschaft überbringen und wieder gehen. Du hast es losgelassen.

ChaosWenn du versuchst, das Gefühl wegzumachen, zu kontrollieren oder zu unterdrücken (männliches Prinzip) dann zwingst du es dazu, bei dir zu bleiben. Es kann seine Botschaft nicht überbringen und daher auch nicht weggehen; es sinkt in den physischen Körper und wird nun immer wieder versuchen, bei dir anzukommen. Und je mehr von diesem bestimmten Gefühl du ansammelst, desto öfter wird es dir in deinem Aussen begegnen, als Chance, es anzunehmen, zu fühlen und so eben loszulassen.

TrappedGenau so kannst du es auch mit deinen Gedanken machen. Manchmal sind Gedanken quälend, sie kommen ungebeten, kreisen in unserem Kopf, bringen uns um den Schlaf und nützen uns gar nichts. Denn diese Gedanken sind kein konstruktives Nachdenken, sondern eine Art „Selbstvergiftung“ unseres Geistes. Jeder kennt es und kaum jemand weiss, wie dies abzustellen ist. Dabei ist es ganz einfach:

  • erkenne, dass du dich  e n t s c h e i d e n  kannst, was du denken möchtest! Dein Verstand ist ein Teil von dir, nicht anders herum
  • lass die Gedanken kommen und gehen, d.h. bleib nicht bei einem Gedanken stecken und denke diesen immer und immer wieder
  • Was denkt „es“ in mir?

Schau hin! Was denkst du? Was denkt „es“ in dir? Bleibe in der kindlich-neugierig-staunenden Energie und schau mal, was da ans Tageslicht deines Bewusstseins kommt! Lass es fliessen….alle Gedanken sind okay, alles darf kommen und da sein, verurteile dich nicht!

Erstaunlicherweise wirst du merken, dass dein Geist mit der Zeit ruhiger wird. Er hatte so eine Art Überdruck – zuviele Gedanken und Gefühle wurden von dir immer wieder abgelehnt, unterdrückt und eingelagert. Doch Gedanken und Gefühle sind Energie, nicht mehr und nicht weniger, und Energie will fliessen. Durch deine ständige Ablehnung und Kontrolle hast du diese Energie gestaut (und nicht „weggemacht“!) und irgendwann bricht sie sich Bahn. Immer. Das kann durch plötzliche Gefühlsausbrüche (emotionale Ebene) sein, durch zwanghaftes Denken (mentale Ebene) und/ oder sogar durch Krankheiten (physische Ebene).

Doch der Weg zu mehr Harmonie mit sich selbst ist eigentlich, wie oben beschrieben, gar nicht so schwer. Vielleicht ist es am Anfang noch ein wenig hart, sich einzugestehen, dass da ganz schön viel z.B. Wut ist und diese dann auch zu fühlen (und zwar ohne sie auf einen anderen Menschen, ein Ding oder eine Situation zu projizieren!). Aber mit ein bisschen Übung wird es leichter und es tut nicht mehr so weh. Du lernst, dich nicht für deine Wut zu verurteilen und schwupps – schon kann sie dich verlassen. Und du fühlst dich definitiv BESSER!

HimmelSchau dir deine Gedanken und Gefühle an, lass sie da sein, denke sie, fühle sie, veruteile dich nicht dafür sondern staune neugierig wie ein Kind. Und ohne dass du sonst irgendwie gross was tust sind sie plötzlich wieder weg.

Ich wünsche dir nun viel Spass beim Spielen und Ausprobieren. Lass mich wissen, wie es dir damit geht! Vielleicht hast du noch einen besonders wirksamen Trick?

Geniesse das Leben und freu dich daran!

Deine Nicole