Das erste Mal als „workawayer“ arbeiten – Sunny Coast

Von der relativen Einsamkeit des Mount Warning geht es direkt weiter in die Grossstadt. Brisbane – von den Australiern Brsbn ausgesprochen ;-), wo ich mich mit meiner neuen Arbeitskollegin treffen soll.

Das ist nett: du bist in einer völlig fremden Stadt, musst irgendwie zu einem vorher ausgemachten Punkt auf dem Stadtplan (den du nicht hast) kommen, um jemanden zu treffen, den du nicht kennst und von dem du lediglich einen zentimetergrossen Ausschnitt eines Passfotos hast, um dann zusammen mit dieser Person zu einem weiteren Ort zu fahren, den du nicht kennst, um dort für Leute, die du ebenfalls nicht kennst, zu arbeiten (keine Ahnung was)………ein neues Abenteuer wartet! 😀

Tatsächlich treffe ich mich mit einer jungen Frau aus den USA und wir verstehen uns auf Anhieb recht gut. Wir vertrödeln noch ein wenig die Zeit und steigen dann in unseren Zug in Richtung Sunshine Coast. Ich habe hier eine „Arbeit“ angenommen. Eine Woche lang werde ich einem älteren Ehepaar in Haus und Garten helfen, vier bis fünf Stunden am Tag und bekomme dafür Kost und Logis. So ganz genau weiss ich nicht, auf was ich mich da eingelassen habe oder was jetzt auf mich zukommt, aber es wird schon gut werden. Mit meiner zukünfigen Kollegin habe ich schon mal viel Spass und das ist doch ein gutes Vorzeichen.

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Die Glasshouse Mountains aus der Ferne

Unsere Zugfahrt führt übrigens an den berühmten Glasshouse Mountains vorbei. Das ist echt speziell, denn mitten auf der Ebene liegen da wie hingeworfen berggrosse Felsbrocken verstreut. Tatsächlich sind sie Überbleibsel eines enormen Vulkanausbruchs. Allerdings gibt es hier zu jedem Berg und zu jedem Fluss eine Geschichte der Aborigenes und auch hier im Zug findet sich jemand, der uns die Geschichte erzählt. Sie geht ungefähr so:

Ein Vater und eine Mutter lebten hier mit ihren vielen Kindern. Eines Tages trug der Vater dem ältesten Sohn auf, seiner Mutter beim Erklimmen eines Berges beizustehen, da die ganze Familie vor einer anstürmenden Flut fliehen musste. Der Sohn wusste nicht, dass die Mutter schwanger war, missachtete den Auftrag seines Vater und brachte sich selbst in Sicherheit. Als der Vater dies merkte wurde er wütend und warf einen grossen Stein nach seinem Sohn, der diesem den Nacken brach (der Berg hat eine abgrebrochene Sptze). Auch nach der Rückkeht der Familie in die Ebene schaut der Vater den Sohn nicht an, sondern blickt bis heute über den Ozean. Die Mutter ist sehr traurig, dass Vater und Sohn sich nicht vertragen.

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Blick von unserem Bootssteg

Inzwischen bin ich schon einige Zeit hier bei Mooloolabah (so heisst die nächstgrössere Stadt, ohne Witz!) Es ist super klasse hier! Ich habe ein grosses Zimmer mit Bad ganz für mich alleine, die Gast- und Arbeitgeber sind meganett und das Haus ist traumhaft direkt an einem Kanal gelegen. Du kannst dir das so vorstellen: vorne ist die Strasse, dann kommt der Vorgarten, das Haus an sich, die grosse Terrasse, der eigentliche Garten mit Pool und dann der Kanal mit Bootsanlegesteg und Boot und Kayaks. 😀 Richtig, richtig schön!

Wir beginnen den Tag mit einem gemeinsamen Spaziergang und Kaffeetrinken (in einem  deutschen Café!) an der Beach. Dann wird ein paar Stunden richtig rangeklotzt, wobei die beiden Gastgeber genauso hart arbeiten wie wir workawayer, dann ein Sprung in den Pool, Mittagessen und eine kleine Pause (es ist über 30 Grad heiss und die australische Sonne ist echt richtig richtig heftig!) und dann nachmittags noch ein bisschen was arbeiten. Es vergeht kein Tag, an dem unsere Hilfe nicht mehrmals wertgeschätzt wird. Überhaupt ist Danke ein viel verwendetes Wort in diesem Haus. Ganz erstaunlich, wieviel motivierter du arbeitest und wieviel leichter die Arbeit von der Hand geht, wenn du dafür geschätzt und gelobt wirst! Es wird auch sehr viel gelacht und jede Art von schrägem – schwarzen Humor führt zu lang anhaltendem und lautem Gelächter. Herrlich!

Abends wird oft eine Runde Karten gespielt. Natürlich verlieren wir beiden Welpen hoffnungslos gegen die alten Profis, aber wir werden jeden Abend besser (wirklich????) und an meinem letzten Abend kann ich tatsächlich einmal gewinnen! An einem Abend kommen Freunde zu Besuch und es gibt ein richtiges australisches Barbeque. Danach spielen wir ein sehr lustiges Quiz und als einzige nicht englisch Sprechende krieg ich jede Menge Hilfe von allen. Wir haben so viel Spass, dass unser Gelächter noch drei Häuser weiter zu hören ist (wie die Nachbarn auf Nachfrage bestätigen. Beschwert hat sich niemand!)

Jeden Tag steht irgendetwas auf dem Programm. Die beiden geben sich unglaubliche Mühe, uns unseren Aufenthalt richtig schön zu machen. Gleich am ersten Tag geben sie uns frei (!!) damit wir auf einen kostenlosen Segeltörn mit können. 1481112239303Natürlich lassen wir uns das nicht zweimal sagen! Ich verbringe die Nacht damit für gutes Wetter und ruhige See zu beten – leider vergeblich. Die See ist rauh, das Wetter stürmisch und die Wellen schaukeln dieses verflixte Boot hin und her……. Ich leide leider an sehr starker Seekrankheit und obwohl ich seabands und Ingwer und alles hatte……na ja, den Rest überlasse ich deiner Fantasie.

Trotzdem war das mal richtig toll! Und irgendwie hat’s auch voll Spass gemacht. Also so mal zwischendurch oder so…… 😉 😉

1481616687141An den Arbeitstagen machen wir kleinere Ausflüge in die Umgebung, an die naheliegenden Strände oder mit dem Bötchen auf dem Kanal (das schaff ich!). Eis essen, Spaziergänge, kleine bushwalks.  Am Wochenende kommen dann die richtig coolen Sachen dran! Einen Tag fahren wir mit dem grossen Geländewagen in Richtung Norden an eine 60km lange weisse Beach, wo man mit dem Auto fahren darf. Es gibt sogar einen kleinen Ort an diesem Strand, der nur ausschliesslich über den Sand zu erreichen ist.

1481440583732Das ist schon was Besonderes, wenn du so direkt auf dem Strand entlang braust und der grosse Ozean deine Reifen umspült! Natürlich geht das Ganze zur bei Ebbe, denn dann hinterlässt das Meer einen viele Meter breiten Streifen an ganz festem Sand auf dem die Autos fahren können. DSCN5738Die genauen Gezeitenabläufe müssen gecheckt werden, denn wer nicht früh genug zurück ist, der verliert mit grosser Wahrscheinlichkeit sein Auto. (Fast unvorstellbar, dass diese grossen 4×4 Trucks einfach vom Meer geholt werden, aber ich hab Fotos gesehen…..pfff!!!!)1481440581349 Aber wir haben genug Zeit für eine herrliche Fahrt, ein gemütliches Picknick und eine stressfreie Rückfahrt. Und unsere Gastgeber sind geübt und gut ausgerüstet – da werden ruckzuck die Reifen abgelassen und wieder aufgepumpt, Campingmobiliar wird ausgepackt, es gibt belegte Brote, heissen Tee und kühles Bier…..Herz, was willst du mehr?!

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YEAH!!!!! Überlebt…..

Oh, und nicht zu vergessen, dass die beiden uns eine verflixt hohe und steile Sanddüne hochgejagt haben! Als Wettrennen sozusagen – wer es schafft, hat gewonnen, aber wir mussten losrennen, also nicht langsam und stetig, wie ich das eher gewohnt bin. Meine Güte, ich hab gedacht ich sterbe bei dem Versuch!
Renn mal einen richtig steilen Berg aus losem, tiefem Sand hinauf!! Unten stehen zwei Leute und schreien sich die Kehle aus dem Leib, um dich anzufeuern (und lachen sich dabei halbtot!!) und du rennst und läufst und steigst und taumelst und  w i r s t  i m m e r  l a a  a  n  g  s  a  a   a   a  a   a   m   e   r, bis du endlich ankommst, direkt zusammen-brichst und nur noch pumpst wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Dein Herz rast und deine Lungen pumpen den Sauerstoff durch deine Adern, so schnell es geht, deine Beine zittern und Schweiss läuft dir am Körper runter. Und dann merkst du – du lebst!!! Begeisterung und Lebensfreude schwappen durch dein ganzes Sein und ein Schrei bahnt sich seinen Weg……. unbeschreiblich!!!!

(Übrigens war meine Kollegin, obwohl gerade mal Anfang dreissig langsamer und noch kaputter als ich! Nahrung für das Ego! Hahaha)

1481343126237Auch der Besuch auf einem grossen lokalen Künstlermarkt war super interessant. Da gab es teilweise ganz schön irre Sachen, wie Musikinstrumente aus alten Kisten oder ein Lavendelladen, aber auch ganz Tolle wie zum Beispiel superschöne und weiche Wäsche aus Bambus, einen winzig kleinen Orangensafter (kleiner als ein Weinkorken) oder besonders dekorative Kunst aus Muscheln, Seeglas und Schwemmholz. Hach, wenn man nicht als Backpacker unterwegs wäre……. 😉 Selbstverständlich duftete es aus jeder Ecke verführerisch nach Kaffee, Samoas, frischem Brot, Kuchen, Curries und und und…….

aboriginal flagSehr interessant ist auch, dass unser Gastgeber fünfzehn Jahre lang als Lehrer im Aborigine Reservat gearbeitet hat. Hier bekomme ich mal echte Informationen aus erster Hand. Er erzählt von Jagdausflügen und Campings im Busch, von Gastfreundschaft und Familiensinn, von Totenfeiern und verliehenen Namen.  Aber er berichtet auch von den Problemen, die entstehen wenn die Menschen nicht arbeiten können und quasi gezwungenermassen von der Wohlfahrt leben, von Drogen- und Alkoholproblemen, von Prostitution. Und er redet vom politischen Rechtsruck, der auch in Australien stattfindet, von Rassismus auf beiden Seiten, von Intoleranz, Voruteilen und Missbrauch. Ein komplexes Thema, das viele Probleme in diesem jungen Land mit sich bringt.

Ich verlängere meinen Aufenthalt hier um fast eine Woche weil es so toll ist, doch dann heisst es dennoch Abschied nehmen, denn der Flieger ist gebucht und das nächste Abenteuer wartet. Wehmütig und traurig verabschieden wir uns voreinander, ich steige in meinen Shuttlebus zum Flughafen und zwei Menschen, die ihr Haus und ihr Herz für mich geöffnet haben bleiben winkend zurück und werden im Rückspiegel immer kleiner bis ich schliesslich um die Kurve fahre. Das ist der weniger schöne Teil des Reisens – immer wieder heisst es Abschied nehmen, Menschen und Orte zurücklassen, die gerade gefundene und weich ausgestattete Komfortzone wieder verlassen.

Ein kleines Tröpfchen Bitter im feinen Cocktail – und das hat schon alles so seine Richtigkeit. Es gibt mir immer wieder die Möglichkeit, zu reflektieren, meine Fähigkeiten im Nicht Anhaften zu trainieren und immer offen und aufmerksam zu bleiben.

Mein Flieger bringt mich nun von Brisbane nach Launceston in Tasmanien. Hier habe ich einen weiteren workaway-Job bei einer Familie mit sechs (!) Kindern. Das wird eine Herausforderung…..ich bin gespannt! Aber vorher habe ich noch eine ganze Woche Zeit, um die Insel zu erkunden.

Mount Warning – ein heiliger Berg

Nach einer abenteuerlichen Reise komme ich in einem winzig kleinen Ort namens Uki an, Hier habe ich eine Unterkunft gebucht, die mein Budget zwar sprengt, aber wenigstens nahe am zu besteigenden Berg ist. Schliesslich habe ich kein Auto und die Wanderung an sich soll schon anstrengend genug sein.

DSCN5695Meine Vermieterin sammelt mich unterwegs ein und dann stehe ich zum ersten Mal in einer so genannten „cabin“. Das ist ein kleines Häuschen, meist aus Holz mit einem Schlafraum, einem Bad und einer kleinen Kitchinette. DSCN5633

 

Ausserdem habe ich eine kleine Terrasse ganz für mich alleine und bin direkt am Wald. Meine cabin steht mit noch drei anderen auf einem grossen Grundstück, quasi als Anbau zum Haupthaus. Ich habe einen tollen Blick über das Tal und kann sogar den Gipfel des Mount Warning sehen.

 

Aber bevor ich diesen besteige schaue ich mir noch das Dörfchen Uki an. Es besteht aus einer Handvoll Häusern in denen Shops oder Cafés untergebracht sind. Die Cafés sind leider alle geschlossen und die „Touristeninformation“ hat weder Wanderkarten, noch Flyer oder Internet anzubieten. Aber die Shops haben es in sich – kurios! Schau selbst und sag mir, ob du schon einmal so einen Laden gesehen hast!14807664590681480766460090

 

 

Nachdem ich mehrmals die einzige Strasse hinauf und hinuntergelaufen bin und mir alles gaaanz genau angeschaut habe setze ich mich völlig erledigt 😉 in die Bar/ Halle/ Lounge des ortsansässigen Hotels und trinke dort in Gesellschaft von ein paar Bauarbeitern, einem jungen Pärchen mit Stummsyndrom und zwei alten Herrschaften mit Hund ein Bierchen. DSCN5625Dabei beobachte ich die riesigen Fledermäuse, die in den Bäumen hängen und das aufziehende Gewitter, das recht bedrohlich aussieht. Hier werde ich von meiner Gastgeberin wieder eingesammelt – pünktlich eine Stunde nachdem ich meinen Ausflug begonnen hatte. 😉

Weiter gibt es hier einfach einmal gar nichts zu tun, also mache ich es mir mit einem Buch in meiner cabin gemütlich, geniesse die frische Luft, die das Gewitter mit sich bringt und höre dem Regengeprassel und dem Donnergrollen zu.

1480766313446Am nächsten Morgen ist alles saubergewaschen, die Sonne strahlt von einem blitzblauen Himmel und meiner Gipfelbesteigung steht nichts im Wege. Ein ausgiebiges Frühstück mit Aussicht weckt die Wanderlust……..

 

DSCN5634Der Weg geht durch richtig schönen Wald und ist zu Beginn auch leicht zu gehen. Immer wieder werde ich mit spektakulären Aussichten belohnt und die verschiedenen Grüntöne, das unglaublich vielfältige Leben und das wunder-volle Zusammenspiel der Natur ist wie immer faszinierend und überwätigend.

DSCN5645Kurios finde ich, dass alle paar Kilometer ein Hubschrauber-ladeplatz in den Wald gebaut ist. Allerdings sind die so winzig klein, dass ich lieber nicht in so einem Hubschauber sitzen will. Dennoch – Hubschrauberlandeplätze im Busch??

DSCN5664Auf den letzten paar hundert Metern vor dem Gipfel wird es dann anstrengend. Der Weg verschwindet und macht einer Ansammlung von Felsen Platz. Es gibt eine Eisenkette als Handlauf an einer Seite und damit ist zumindest klar, wo ungefähr der Weg verläuft. Beim Hochklettern brauche ich die Kette zwar nicht (als tramuntanageprüfte Wanderin) aber beim Absteigen leistet sie mir doch gute Dienste.

Wie eine Bergziege steige ich also durch die Felsen bis auf den Gipfel.DSCN5665 DSCN5655Hier erwartet mich eine sagenhafte Rundumaussicht! Auf der Meerseite kann man bis nach Cape Byron sehen, wo ich doch vorgestern noch stand und hierher geschaut habe. Und auf der Landseite kann man weit über den Busch schauen, eines der grössten, noch zusammen-hängenden Buschgebiete der Erde. Atemberaubend!

Ich mache es mir gemütlich und freue mich über mein mitgebrachtes Picknick. Um mich herum spielen hunderte von bunten Schmetterlingen in der Sonne. Noch nie habe ich so viele Schmetterlinge zusammen gesehen! Es ist wunderschön und gibt mir das Gefühl hier willkommen und am rechten Fleck zu sein. Denn eigentlich sollte der Mount Warning, der bei den Aborigenes „Wollumbin“ heisst von Frauen nicht bestiegen werden. Die Berge sind für die Männer und die Flüsse für die Frauen.  Und die heiligen Berge werden sowieso nur für bestimmte Rituale bstiegen. Aber ich bin ja keiner Aboriginefrau – gilt dieser Brauch dann für mich trotzdem? Ich habe vor dem Beginn meiner Wanderung den Berg um „Erlaubnis“ gefragt und mich so respektvoll wie möglich verhalten. Die Schnetterlinge nehme ich als Antwort, dass alles in Ordnung ist.

(Vielleicht bin ich doch ein ganz klitzekleines bisschen verrückt??)

DSCN5687Der Abstieg ist dank der Kette kein grosses Problem, aber man sollte schon seine sieben Sinne beisammen haben. Als ich wieder in den Wald eintauche ist es wie nach Hause kommen.  Ich tanke noch einmal tief dieseDSCN5636 uralte Kraft und Ruhe, geniesse diese Selbstverständlichkeit des Seins und das immer gleiche und doch so verschiedene Zusammenspiel von Licht und Schatten, oben und unten, Leben und Tod, innen und aussen.

Restlos zufrieden und glücklich komme ich in meiner cabin an. Ich geniesse einen ruhigen Abend und morgen fahre ich nach Brisbane und von dort weiter an die Sunshine Coast und zu meinem ersten Einsatz als workawayerin. Mehr dazu im nächsten Artikel……

Byron Bay – weltberühmter Surferspot

Wenn man jemandem erzählt, dass man nach Australien reist, dann bekommt man meinstens grosse Augen und einen runden O-Mund zu sehen und ein paar Fragen zu hören, Eine dieser Fragen ist „gehst du auch nach Byron Bay?“ Hier die Antwort an alle, die mich das gefragt haben: Ja, ich gehe auch nach Byron Bay! 😉

IMG_20161128_115425Allerdings quartiere ich mich ein bisschen ausserhalb ein, denn Menschenmengen liegen mir nicht so. Ich finde also ein kuscheliges Zimmer in Ocean Shores und da ziehe ich mich erstmal gepflegt für eine Weile zurück. Ich will weder mit meinen Wirtsleuten, noch mit sonst jemandem gross was zu tun haben sondern für mich sein, am Strand spazieren gehen, ein bisschen lesen, ausruhen, nichts tun.

Doch, ich gehe mit auf den Farmer’s Markt und kaufe mir schönes Ökogemüse und Bioobst und freu mich riesig, in der Küche zu stehen und mir meinen Salat zusammenzuschnippeln. Diese Farmer Märkte finden in praktisch allen Dörfern statt und unterscheiden sich ein bisschen von unseren Märkten.

1480072496515Natürlich gibt es verschiedene Stände, die ihre Waren anbieten, aber ausserdem gibt es immer noch ein paar Künstler, die ihre Werke ausstellen und verkaufen. Da gibt es manchmal Yogaleute, die eine gemeinsame Stunde anbieten und es gibt immer irgendwelche einheimischen Musiker, die Musik machen. Meist ist das Countrymusik – ohne Witz, die Leute laufen rum mit ihren Cowboyhüten auf dem Kopf, Kinder toben überall herum und dann stehen da zwei Old Boys mit grauem Vollbart und abgetragenen Jeans und machen Countrymusik. Du glaubst, du bist direkt in einem Film.

Hier in Ocean Shores erwarte ich nicht viel, denn der Ort ist klein und wir sind schon um halb acht Uhr morgens dort. Doch weit gefehlt! Der Parkplatz ist voll und zwischen den Ständen tummeln sich Ökos, Alternative, Rocker, Cowboys, Hippies und ein paar wenige ganz normal aussehene Leute. Du kannst es dir denken – ich fühl mich pudelwohl! Es gibt frische Erdbeeren, Heidelbeeren, Melonen und sogar einen Stand mit richtigem Brot (die Australier haben hier nur weiches Brot, zwar in x verschiedenen Varianten, aber alles ist weich. Und ziemlich weiss. Brrr…….) und alles was mein Kaninchengeschmack sich nur wünschen kann! Herrlich!!

IMG_20161130_131222Einen Tag mache ich einen Ausflug ins benachbarte Brunswick Falls. Das ist mal ein reizendes Städtchen! Zum einen gibts da eine erstklassige Beach und wieder einmal bedaure ich es sehr, dass das Wasser so kalt ist und dann gibt es da den grossen Fluss der hier ins Meer mündet. An den Ufern haben sich ausgedehnte Mangroven gebildet. Man kannIMG_20161128_143216 hier ganz gemütlich entlang spazieren, den Schmetterlingen zuschauen und sich des Lebens freuen. Im Dorf selber sind einige sehr hübsche Cafés entstanden, die mit feinem Kaffee und gesundem Essen eine ganze Menge Leute anlocken. In den Geschäften gibt es Surferzeug, Beach- und Hippieklamotten, ausserdem einen Anglerladen, einen Healthfood-Shop…..na ja, was man halt so braucht. Die Atmosphäre ist wundervoll entspannt, überall siehst du Leute, die sich treffen und dann einfach stehen bleiben und ein Schwätzchen halten. Und natürlich laufen überall autralische Boys herum mit langen, blonden Haaren und muskulösen Beinen, Sonnenbrille auf der Nase und Surfbrett unter dem Arm. Ein paar hübsche Surferinnen gibt es auch! 😉

Und dann gehts weiter nach Byron Bay. Es ist hier gerade mal der Himmelhund los! Die sogenannten „Schoolies“ hebeln die Normalität aus. Hier an der Ostküste ist es üblich, dass die Kids, die die Highschool abgeschlossen haben eine fette Sause machen. Also ein bisschen so, wie wenn die deutschen Abiturienten an den Ballermann fahren. Tja, und so ist es denn dann auch – voll, laut, lustig für die Beteiligten und einträglich für die Geschäftsleute.

Der Strand ist schön, aber nicht der beste, den ich gesehen habe. Allerdings gibt es in und um Byron Bay sieben (!!) Topsurfspots in unmittelbarer Nähe, das heisst, egal wie das Wetter ist und woher der Wind weht, hier kannst du surfen. Da ich nicht surfe ist mir das allerdings wurscht und die Schoolies werden mir schon bald zuviel. IMG_20161130_105245Daher beschliesse ich einen schönen langen Spaziergang zum Leuchtturm zu machen. Der Weg geht immer an der Küste entlang und ist wunderschön! Als ich einmal an einem Schild stehen bleibe, das erklärt wie die Aborigines hier früher gelebt haben läuft mir doch glatt eine rund 40 cm lange Echse über die Füsse! Ups…..

Und dann sehe ich zum allerersten Mal Delphine!!! Eine kleine Gruppe von vielleicht acht Tieren spielt nur ein paar hundert Meter vor der Küste. Von meinem erhöhten Weg aus kann ich sie gut sehen  und könnte glatt losheulen, so sehr freu ich mich! Ich steh und schau und freu mich bis sie ausserhalb meines Blickfeldes sind. Sooo schön!!!!! 😀 😀 😀

DSCN5616Weiter geht’s zum Leutchtturm und bis ganz oben hinauf. Es wird sogar eine kleine Tour angeboten; eine Dame erzählt in vielen Einzelheiten und sehr lustig und engagiert, wie das Leben für die Leuchtturmwächter in den alten Tagen war und welche Besonderheiten der Turm hat.

IMG_20161130_124309Beispielsweise die original Linse, die aus knapp 800 geschliffenen Glasprismen besteht und sich auch tagsüber dreht, da die Sonne sonst ruckzuck alles in Flammen setzen würde. Ein beeindruckendes Beispiel von Ingenieurs- und Handwerskunst vom Beginn des 19. Jahrhundert.

 

Hier stehe ich also am östlichsten Punkt des australischen Festlandes und schaue hinunter ins Meer. Die Wellen schlagen heftig an die Felsen und doch ist das Wasser so klar, dass ich von hier oben trotzdem noch grosse Fische und Schildkröten sehen kann!! Das ist doch unglaublich, oder? Der Turm ist vielleicht 30m hoch und die Küste sicher noch einmal genauso hoch oder noch mehr und dann die Meerestiefe noch dazu……faszinierend!

Von hier oben ist auch recht gut zu erkennen, dass ich auf dem äussersten Rand eines eingestürzten Vulkans stehe. Der Krater zieht sich von Cape Byron kreisrund bis zum Mount Warning. Ist allerdings schon ein paar hunderttausend oder millionen Jahre her…

Dann heisst es schon wieder einpacken und morgen früh geht es dann weiter zum Mount Warning…….