Tasmanien 3 – Roadtrip

Jetzt sitze ich mit meinem ganzen Gepäck in der Information in Burnie und hab zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wieder Internet. So kann ich also daran gehen, meine nächsten Schritte zu planen, Busfahrpläne zu checken, Unterkünfte zu buchen und so weiter. Wie ist man eigentlich früher gereist, so ohne Internet?? 😉

Doch, was das Internet mir zeigt, gefällt mir gar nicht! Es gibt weder hier, noch im nähreren Umfeld einen freien Mietwagen zu einem erschwinglichen Preis. 🙁 Na, dann fahr ich halt Bus!

Es gibt einen Bus am Tag in jede Richtung (2), die von heute sind aber schon weg, dann ist Wochenende, da gibts keine Busse und am Montag ist kein Platz mehr frei. Ähhh, wie jetzt?????? Jetzt sitze ich in dieser unscheinbaren, kleinen Stadt fest? Das passt mir aber jetzt mal gar nicht! Ich wollte doch noch ganz viel unternehmen und erkunden! Und die Tage laufen davon, denn der Flieger zurück auf’s Festland ist gebucht……

Aber was so ein echter traveler ist, der lässt sich nicht unterkriegen! Also rasch die netten Auskunftsleute am Infoschalter gefragt. Jede Menge Sachen zu machen, aber ohne Auto?? Ja da wird es schon schwierig, hmm, hmm…….ratloses Kopfschütteln. Schliesslich wird mir eine nette kleine Wanderung am Fluss entlang empfohlen.  Na gut, wenigstens was. Und vielleicht treff ich ja in meinem Hostel jemanden mit Auto, dem ich mich anschliessen kann…..

Ich schnappe also meinen 100 Kilo Rucksack, wuchte ihn auf meinen zarten Rücken und schwanke durch die Stadt auf der Suche nach meiner Schlafstätte. (Hast du schon mal gesehen, wie kleine Frauen mit grossen Rucksäcken laufen? Lustig!!) Die liegt eine Eeewigkeit Fussmarsch oberhalb der Stadt (warum wundert mich das jetzt nicht??) und so schnaufe ich ganz schön bis ich oben angekommen bin. Die Aussicht über Burnie ist, nun ja…..nett. 😉

Der Hostelmanager ist dafür sehr nett und ich bekomme mein Bett in einem Sechserzimmer, in dem aber sonst (noch) niemand wohnt. Cool. Er ist echt hilfsbereit und sucht über das Internet alle möglichen Busse für mich zusammen. Allerdings starten die in Ortschaften, die 20-30km weit weg sind – wie soll ich denn da hinkommen? Egal, ich hab erstmal ein Bett für heute und daher geh ich jetzt was einkaufen und dann auf die nette kleine Wanderung am Fluss entlang.

Obwohl hier in diesem Fluss viele wilde Plattypusse (Schnabeltiere) leben sollen und ich wirklich eifrig schaue, kann ich doch keines erspähen. Echt schade. Aber davon abgesehen ist es wirklich schön am Fluss und die Sonne scheint und es ist ruhig und friedlich. Schwupps, bin ich auch schon wieder in meinem Gleichgewicht und kann darüber schmunzeln, hier festzusitzen. Heute abend im Hostel findet sich sicher jemand mit einem fahrbaren Untersatz.

Doch als ich dorthin zurückkomme ist noch immer gähnende Leere in meinem Zimmer und auch im gesamten restlichen Hostel. Es ist ausser mir überhaupt niemand hier! Das ist ja mal ein Ding – ein leeres Hostel! Also keine Mitfahrgelegenheit. Hmm……

Am nächsten Morgen gehe ich erst mal in aller Ruhe gemütlich frühstücken. Im Café komme ich mit einem Mann ins Gespräch, der gerade von der Arbeit kommt. Wir plaudern ein wenig und er bietet mir an, mich ein bisschen herum zu fahren und mit die Gegend zu zeigen. Er ist hier aus dem Ort, hat eine eigene Firma hier um die Ecke und scheint auch im Café gut bekannt zu sein – scheint ungefährlich, also sage ich zu. Er freut sich und so trinken wir unsere Kaffeebecher leer und los geht’s.

Und es wird ein toller Tag! Wir fahren kreuz und quer durch die Gegend, er kennt sich super aus und zeigt mir kleine Buchten und schöne Strände, winzige Ortschaften und Leuchttürme, hohe Klippen und Höhlen. Mit seinem riesengrossen Allradauto kommen wir auch noch durch den ausgewaschensten Weg und wir können sogar in den National Park fahren, da er einen Pass dafür hat. Wir gehen am Strand spazieren, lassen uns auf den Klippen den Wind um die Nase wehen und ich kann jede Menge schöner Fotos schiessen. Schon auf dem Heimweg halten wir noch in einem kleinen Ort namens Stanley und wandern einen steilen Hügel „The Nut“ hinauf. Tatsächlich sieht dieser Hügel von weitem wie eine umgedrehte Nussschale aus, daher der Name. Es wird schon wieder tasmansich kühl und der Wind beisst uns in die Backen aber der Rundumblick über das Meer, die Küste und das Land ist wunderschön!

Er bringt mich nach Hause und plötzlich bietet er mir ganz locker und unspektakulär sein Auto für den nächsten Tag an. Er müsse sowieso arbeiten und dann stände es ja doch bloss auf dem Parkplatz herum, also könnte ich es auch nehmen und einen schönen Ausflug damit machen. Mir bleibt erstmal die Spucke weg (ich bitte zu bedenken, dass ich aus Baden-Württemberg komme, da sind Autos das „heilige Blechle“ und werden selten verliehen, mal ganz sicher nicht an Fremde). Abgesehen davon, dass dieses Auto bestimmt 80.000$ oder so gekostet hat, weiss ich gar nicht ob ich so ein Riesenschiff überhaupt fahren könnte (ist so eine Art Riesenpickup – sorry an alle Autofreaks!!! Ich bin halt ein Meedchen!). Natürlich lehne ich ab und lasse mich auch nicht umstimmen.

Noch immer völlig baff mache ich mir ein Abendessen und lerne die zwei (!) anderen Gäste kennen, die inzwischen hier eingezogen sind.

Als es langsam dämmerig wird laufe ich noch einmal hinuter in die Stadt, denn am Stadtrand gibt es eine Pinguinkolonie und die haben jetzt gerade Junge. Das ist die Hauptattraktion von Burnie, also muss ich da hin. Ich stehe eine Ewigkeit im eisig kalten Wind herum und warte auf die Pinguine. Freiwillige Helfer beantworten interessierten Besuchern alle Fragen mit grossem Sachverstand und sehr freundlich. Als es schon ganz dunkel ist kommen die ersten kleinen Pinguine an Land. Man kann lediglich einen kleinen weissen Fleck in der Dunkelheit erkennen (daher leider kein Foto). Die Jungen kommen aus den Erdnestern heraus und fangen ein für Vögel typisches „Füttere mich!“ Geschrei an. Man kann die puscheligen kleinen Viecher nur im rötlichen Licht der Speziallampen der Helfer sehen, denn mittlerweile ist es finster wie die Nacht. Und kalt. Völlig durchgefroren mache ich mich auf den Heimweg und begrüsse diesmal das Erklimmen der steilen Strasse, die mich wieder warm werden lässt.

Morgen werde ich vielleicht einen Papierschöpfen-Workshop machen. Burnie hat eine längere Tradition als Papier herstellende Stadt und im Besucherzentrum bekommt man gezeigt, wie das geht. Es gibt ein paar ortsansässige Künstler, die wirklich schöne Sachen aus Papier machen. Ausserdem experimentieren sie hier mit ungewöhnlichen Rohstoffen, so machen sie zum Beispiel Papier aus Roo-Poo. Das ist Känguruhmist! 😀 😀 😀

Am nächsten Morgen habe ich eine knappe Nachricht auf meinem Handy: „Komme dich um neun Uhr abholen, zieh deine Wanderschuhe an!“ Keine Frage, sondern eine Ansage. Oha – na da muss ich mich aber sputen!

Wir fahren noch die nächsten drei Tage über die Insel, wandern am Cradle Mountain, besuchen verschiedende wunderschöne Seen, sitzen an murmelden Flüssen und warten auf die Schnabeltiere und wir machen die schönsten Buschwanderungen. Ich sehe den grössten Baum Tasmanien, über 60m Umfang – absolut beeindruckend! Was dieser Riese wohl schon so alles mitgemacht und überlebt hat?! Wir besuchen die Dip Falls Wasserfälle und ich bekomme erklärt warum die Gewässe in Tasmanien praktisch alle glasklar aber braun sind: die Teebäume geben eine braune Essenz ab, die das Wasser entsprechend färbt. Die Aborigenes fetigten seit Urzeiten Medizin aus den Teebäumen.

 

 

Da mein persönlicher tasmanischer Reiseführer ein leidenschaftlicher Angler ist kennt er auch noch die entlegensten Gewässer und meist sehen wir kaum einen Menschen unterwegs (in Tasmanien gibts jetzt eh nicht soo viele Menschen, um ehrlich zu sein!) Er erzählt mir, wie es früher so war hier, zeigt mir sein Elternhaus, seine Schule und wo er früher zum Tanzen hingegangen ist. Er kauft mir „das beste Eis Tasmaniens“ und zeigt mir einen skurrilen Laden aus den 50ern, irgendwo in einem kleinen Städtchen.

Ausserdem besuchen wir einen Wildpark, wo ich zum ersten Mal einen Tasmanischen Teufel sehe. Diese einigermassen putzig aussehende Tierchen sind vom Aussterben bedroht, vor allem weil eine sehr agressive und hochansteckende Krankheit sie massenweise tötet. Aus diesem Grund gibt es in Tasmanien mehrere Wildparks, die noch gesunde Tasmanische Teufel halten und auch züchten. Sie werden sehr streng beschützt, will heissen: es kommt keiner raus, aber es kommt auch keiner rein. Da es gegen die Krankheit keine Heilung gibt hoffen die Tierschützer und auch die Regierung, dass sie genügend Tiere in den Parks züchten und eines Tages auswildern können, um dieser Tierart das Überleben zu sichern. Noch kann davon allerdings keine Rede sein, denn von dem verbleibendenen Wildbestand, der nur noch rund 20% beträgt ist schätzungsweise die Hälfte bereits von der Krankheit befallen.

Es gibt in diesem Park noch andere Tiere zu sehen, wie zum Beispiel diesen kleinen Wombat hier oder auch niedliche Wallabies, die es übrigens in verschiedenen Grössen gibt, wobei das kleinste ungefähr so gross wie ein Hase ist (Zwergwallaby) und das grösste (Rotnackenwallaby), das hauptsächlich im australischen Outback vorkommt schon mal ein Lebendgewicht von 90 kg erreichen kann und (aufgerichtet) fast zwei Meter gross sein kann. Die Tiere hier im Park sind an die Menschen gewöhnt und die Wallabies lassen sich sogar anfassen, aber dennoch sind es Wildtiere und im Freiland kann ein ausgewachsenes Wallaby oder Känguruh ein durchaus gefährliches Tier sein. (Ich will auf jeden Fall keinen Fusstritt von denen bekommen!!)

In Tasmanien gibt es ausser gehopftem Cider noch jede Menge andere Kuriositäten! Beispielweise besuchen wir ein Minaturdorf. Ein Mann baute als Hobby lauter klitzekleine lustige Häuschen, von der Heilsarmee oder ein Pub oder ein Cabaret oder ein Bestattungshaus….. nach einer Weile hatte er so viele dieser Häuschen in seinem Garten, dass er daraus ein Museum machte. (übrigens kamen wir kurz nach Schliessung der Anlage dort an, aber weil wir so lieb und nett gefragt haben und der freundliche Mitarbeiter eh noch Kasse machen musste durften wir ganz schnell hineinschlüpfen und uns kurz umschauen! Und zwar umsonst! Ist das toll, oder was?!)

Dann waren wir in einem kleinen Städtchen, das für seine Wandmalereien bekannt ist. Beinahe jedes Geschäftshaus ist entsprechen verziert. Einmal im Jahr treffen sich eine Menge Künstler und malen grosse Bilder auf Holzwände. Die werden dann ein Jahr lang ausgestellt und anschliessend verkauft. So gibt es immer wieder Platz für neue Kunst und das Dorf hat seine ständigen Verschönerungsmassnahmen und einen Publikumsmagneten.

Und nun schau doch mal! Da gibt es zwei Künstlerinnen, die heissen so wie ich! Jetzt hab ich ja schon einen einigermassen ausgefallenen Nachnamen und schwupps – kaum fährt man mal ans Ende der Welt, schon gibt es Zwei, die auch so heissen! 😀 Lustig!!

Recht kurios finde ich auch so manchen Orts- oder Strassennamen. Da gibt es die Städtchen Penguin, Bagdad, Nowhere Else (Nirgendwo Sonst) oder Nook (Winkel), auch die Eggs and Bacon Bay (Eier und Speck Bucht) oder Gegenden wie Paradise oder Cramps Bay (Krampfbucht) finde ich lustig. Spassiges Völkchen diese Tasmanier am Ende der Welt.

Also obwohl ich ziemlich viel Regen und Kälte hatte muss ich doch sagen, Tasmanien ist ein ganz besonderes Fleckchen Erde und auf alle Fälle eine Reise wert. Wunderschöne Landschaften, lange Sandstrände, rauhe Klippen, Berge, viel natürlicher Wald und hier und da kleine Ortschaften mit ausgedehntem Farmland drumherum. Wie eigentlich immer haben mich auch hier die Menschen beeindruckt mit ihrer Bodenständigkeit, ihrer natürlichen Einfachheit, ihrer Grosszügigkeit und ihrer ehrlichen Freundlichkeit.

Eine ganz besondere Geschichte gibt es noch von meiner Fahrt zum Flughafen von Launceston zu erzählen! Ich werde frühmorgens vom shuttle an meinem Hotel abgeholt und im Bus sitzt eine Reihe hinter mir eine Dame, mit der ich ins Gespräch komme, denn sie kommt aus Adelaide, wohin ich jetzt dann bald fahre. Am Flughafen angekommen geben wir unser Gepäck und sie lädt mich spontan zu einem Kaffee ein. So können wir unsere Bekanntschaft noch ein wenig vertiefen und die Wartezeit verplaudern. Sie ist wirklich eine sehr interessante Frau und wir sind uns gegenseitig sehr sympatisch. Plötzlich sagt sie, ich solle doch bei ihr wohnen wenn ich in Adelaide sei. Ich bin wieder mal geplättet über das Angebot, erkläre ihr dann aber, dass zwei Freunde von mir aus Deutschland kommen und wir die Tour nach Adelaide zu dritt machen. Oh, sagt sie prompt und ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, ihr Haus sei gross genug und ich solle meine Freunde ruhig mitbringen. Hallo?? Kannst du dir das vorstellen??? Ich meine, sie kennt mich kaum und meine Freunde gar nicht und lädt uns einfach mal so für mehrere Tage in ihr Haus ein! Ich finde das einfach unglaublich……

Wie diese Geschichte weitergeht und ob wir tatsächlich in Adelaide bei ihr wohnen……..das gibt’s dann im nächsten Bericht. 😀

Tasmanien 2 – Arbeiten auf einer Farm

Bei strömendem Regen komme ich in Burnie an. Eine kleine, graue und unscheinbare Stadt irgendwo an der westlichen Nordküste von Tasmanien. Es ist kalt – gestern hat es auf dem Cradle Mountain (rund eine Stunde Autofahrt entfernt) geschneit!!! – und ich hab meine Wintersachen an.  Zur Erinnerung: hier sollte es eigentlich Sommer sein…….grmpf

Meine Gastgeberin ist glücklicherweise schon hier, um mich abzuholen. Eine Frau, ungefähr in meinem Alter mit fleckigen Leggins und einem Schlabberpullover angezogen umarmt mich herzlich und zieht mich gleich mit in Richtung eines bereits etwas in die Jahre gekommenen, klapprigen Minibusses, in dem fünf der sechs Kinder sitzen und Radau machen. Da rutscht mir schon ein bisschen das Herz in die Hose…….

Aber sie plaudert freundlich und ich beschliesse, jetzt mal kein Hasenfuss zu sein, sondern optimistisch auf das Beste zu hoffen.

Auf der Farm angekommen beziehe ich erst einmal mein Zimmer. In einer grösseren Holzhütte ist ein kleines Zimmerchen abgetrennt, ein grosses Bett und zwei kleine (vollgestopfte) Kommoden stehen darin. Staubige Gardinen von vor zwanzig Jahren hängen an einem kleinen Fensterchen und die Regentropfen trommeln ohrenbetäubend auf das Wellblechdach. Ich pack mal gar nicht erst aus……ist eh nirgends Platz etwas aufzuhängen.

Im Haus gibt es bald schon Abendessen im „Rittersaal“. Tatsächlich gibt es einen grösseren, langgestreckten Raum, der mit groben Holzmöbeln und allerlei mittelalterlichem Tand eingerichtet ist. Ein grosser Kamin vervollständigt den Eindruck einer Burghalle. Leider riecht es feucht und muffig hier drin und kalt ist es auch. Die Kinder sitzen mit ihren dicken Winterjacken herum und löffeln schweigend ihr Abendessen aus kleinen Schüsselchen.

Ich lerne meinen neuen Arbeitskollegen kennen, einen jungen Dänen, der sehr sympatisch rüberkommt. Das Essen ist ok, die Kinder starren in den Fernsehen und die Mutter rumort noch in der Küche herum und isst nicht mit uns. Keiner spricht. Seltsam.

Wir beiden Workawayer kümmern uns um den Abwasch, und da die Mutter die drei kleineren Kinder (2,5,6) ins Bett bringt und die grossen (12,15,18) vor der Glotze abhängen kann ich den jungen Dänen, der schon seit ein paar Tagen hier ist, nach Herzenslust ausfragen. Es scheint nicht ganz so schlimm zu sein, wie der erste Eindruck vermuten lässt, also immer noch: kein Hasenfuss sein!! Aber das Haus ist echt sehr schmutzig und wir haben alle neun Personen zusammen nur ein einziges Badezimmer. Und es riecht überall nach Staub und Feuchtigkeit.

Hier scheine ich keinen Glücksgriff gemacht zu haben. Aber vielleicht ist ja alles besser wenn morgen die Sonne scheint…….

Was soll ich dir sagen? Es wird nicht viel besser. Bei Sonnenschein kommt allerlei Federvieh zum Vorschein, Hühner, Enten, Gänse und Pfauen. Sie laufen überall herum, schreien was das Zeug hält (Pfauen) und hinterlassen ihre….hmm…. Spuren. Ich achte darauf, meine Zimmertür gut geschlossen zu halten. 😉 Von den angeblich dreissig Pferden, die zu dieser Farm gehören und wegen denen ich überhaupt hierher gekommen bin stehen im Augenblick nur wenige hier. Drei Stuten mit ihren Fohlen und ein ganz altes Pferd. Keines davon kann geritten werden. Alle anderen Pferde stehen auf irgendwelchen Nachbarfarmen, um dort das Gras kurz zu halten. Ansonsten gibt es noch ein paar Hunde, mehrere Katzen und einige Ziegen. Mit keinem der Tiere wird irgendwas gemacht. Sie sind da, werden mit Essensresten und Gartenschnitt gefüttert und ansonsten ignoriert. Zwei der Hunde leben im Haus und die kids spielen ab und zu mit ihnen. Natürlich drehen dann die anderen drei (einer ist an einer langen Kette und zwei in einem grossen Zwingergehege) komplett durch und bellen und heulen zum Herzerweichen.

Der junge Däne und ich leisten unseren Arbeitsanteil meist im Garten ab. Das Unkraut steht knie- bis hüfthoch und besteht zu einem Gutteil aus wilden Brombeerhecken. Mehr oder weniger unterdrückte Flüche in verschiedenen Sprachen würzen also unsere Arbeitszeit wenn die fiesen Dornen unsere zarten Therapeuten-, bzw. Studentenhände zerpieksen. Brennende Sonne und über dreissig Grad wechseln sich mit kühlen (zehn Grad) und äusserst nassen Regentagen ab. Ausserdem gibt es in niedrigerem Unkraut freundliche Biester mit dem erquicklichen Namen „bull ants“ (Bullenameisen).
Sie sind einen guten Zentimeter lang, schwarz und agressiv. Jeder von uns ist mehrere Male äusserst schmerzhaft mit deren Säure in Kontakt gekommen, was schon mal einen kleinen Schrei, einen deftigen Fluch und umherfliegendes Gartenwerkzeug auslösen kann. Mistviecher!!

Da sind mir doch die niedlichen kleinen Wallabies, die abends in den Paddocks herumhüpfen oder die possierlichen Oppussums, die nachts auf meinem Blechdach Salsa tanzen deutlich lieber! Oder die stacheligen Echidnas (Ameisenigel), die man nur selten zu Gesicht bekommt.

Dann werfen grosse Ereginisse ihre Schatten voraus! Es gibt eine Party, zu der alle Nachbarn eingeladen sind. Das hört sich ja mal spannend an. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das heisst wir beiden Workawayer befreien den gesamten grossen Hof von Unkraut, räumen irgendwelche Sachen aus dem Weg (Spielzeug, kaputtes Werkzeug, leere Blumentöpfe, Eimer, einzelne Schuhe…….) stellen Tische und Stühle auf und versuchen alles ein bisschen nett herzurichten (Arbeitsaufwand vier Tage!!)

Unter dem Vordach der Hütte, die auch mein Gemach beherbergt gibt es eine Art kleiner Bühne auf der verschiedene Musikinstrumente aufgebaut sind. Die beiden grossen Jungs spielen Gitarre und Schlagzeug und sollen auf der Party Musik machen. Mein dänsicher Leidensgenosse schliesst sich an, da er ebenfalls Gitarre spielt und auch singt. Das könnte vielleicht eine tolle Party werden!

Der grosse Tag bricht an, sonnig und schön warm, und ab dem Nachmittag trudeln die Gäste ein. Jeder bringt einen kleinen tragbaren Kühlschrank mit in dem er seine eigenen Getränke hat. Ausserdem einen Teller mit etwas zu essen. Es gibt glutenfreie Pfannkuchen mit selbstgemachter Marmelade. Käse mit Kräckern und Wassermelone. Falafelähnliche Bällchen mit Tzatziki. Muffins. Rohkost mit Dip. Kleine Würstchen. Kekse……..So wie die Gäste kommen so gibt´s auch das Essen. Alles steht auf dem Tisch und jeder bedient sich. Man sitzt also herum und quatscht und trinkt Bier und knabbert ein wenig herum und quatscht. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und alle sind locker und scheinen zufrieden. Es wird Abend, man sitzt herum und quatscht und trinkt und alle sind locker und scheinen zufrieden. Als die Nacht kommt wird es ein bisschen kühl und ein tragbarer kleiner Holzofen wird angezündet und mit allem möglichen gefüttert. Man rückt zusammen rund um den Ofen und quatscht und trinkt und alle scheinen zufrieden. Die beiden grossen Jungs spielen einen Song. Der junge Däne gibt ein paar selbstgeschriebene und ein paar gecoverte Songs zum Besten – das Highlight des Tages! Er singt echt gut. Und das war die grosse Party. 😀

Das Beste an der Feier war, dass wir die Nachbarn kennengelernt haben. Besonders die, die direkt neben unserser Farm wohnen sind sehr nett. Wir gehen sie in unserser Freizeit besuchen – es gibt nichts zu tun hier draussen, das Dorf ist 20 Autominuten weit weg und dort ist eh nichts und entgegen der Aussage im Profil von workaway fährt die Mutter nicht fast täglich in die Stadt sondern nur sehr selten und nur kurz. Oh, und es gibt kein Internet – also gehen wir spazieren und besuchen die Nachbarn. Ein älteres Ehepaar, noch echte Pioniere! Sie freuen sich über unseren Besuch und bieten uns „richtigen Kaffee“ an. (Kaffee = Instantkaffee, richtiger Kaffee = Bohnenkaffee. Sonntags und für besondere Gäste. Ist übrigens bei uns „zuhause“ (auf der Farm) auch so, es gibt bloss Instantkaffee. Na, zum Glück trink ich Tee, den gibts immer und überall) 😉

Die Nachbarn erzählen uns von der „guten alten Zeit“, wie sie hierher kamen, das Land gekauft haben und die Farm gebaut haben. Das war 1985, seitdem leben sie auf dieser Farm und haben drei Kinder grossgezogen. Stolz zeigen sie uns alles. Unten gibt es ein Bad und noch einen grossen Raum in dem Wohn-, Esszimmer, Büro und Küche untergebracht sind. Es sieht sehr gemütlich aus, wenn man das allgemeine Chaos nicht beachtet. Im ersten Stock gibt es ein weiteres Bad, das aber noch nicht fertig ist und zwei Schlafzimmer. Die Wände sind offen, also die Isolierung schaut heraus und aus der Decke schauen die Stromkabel hervor. Beide Zimmer sind sehr offensichtlich bewohnt, Klamotten und Bücher und Zeugs allüberall. Ich frage ganz vorsichtig nach, ob sie denn erst jetzt hier oben ausbauen würden. Oh nein, sie hätten einfach keine Zeit gehabt bisher, alles richtig fertig zu bauen. Ach so…..!!!!!!

Beide sind sehr belesen und kennen sich gut aus in tasmanischer Geschichte – die ist nicht ganz so glanzvoll – und in Sachen Umweltschutz. Sie sind sehr besorgt wegen des Klimawandels. Sie erzählen, dass es in Tasmanien jetzt immer öfter zu verheerenden Buschbränden nach Blitzschlag kommt, wobei sie das noch vor zwanzig Jahren gar nicht kannten. Sie mussten jetzt aufgrund neuer Feuerschutzbestimmungen rund 150m um ihre Farmgebäude herum alle Bäume fällen und planen gerade einen unterirdischen Bunker, in den sie im Falle eines Buschbrandes flüchten könnten.

Zur Geschichte Tasmaniens herrscht meist erst einmal betretendes Schweigen. Kein Wunder, denn es gab hier viel Leid. Unter dem Namen Van Diemens Land diente die Insel den Briten als Strafkolonie und über Jahrzehnte hinweg gab es mehr Strafgefangene als Siedler. Die „echten Siedler“ setzten sich am Anfang hauptsächlinch aus Soldaten, Polizisten und Beamten zusammen, dann gab es die Robbenfänger und etwas später kamen dann Bauern, Viehzüchter, Händler und Pelzjäger dazu. In dieser hartgesottenen Gesellschaft gab es kaum Frauen – grosses Problem – und so wurden im grossen Stil Aborigenefrauen entführt.

Von Australien und England aus wurden Massen von Gefangenen nach Van Diemens Land (Tasmanien) deportiert, durchaus nicht alles Schwerverbrecher, sondern oft einfache Menschen, die aus Hunger gestohlen hatten. Wenn sie ihre Strafe abgebüsst, will sagen überlebt hatten, was durchaus nicht immer der Fall war, blieben sie aufgrund fehlender Mittel einfach in Tasmanien und versuchten sich ein Leben aufzubauen. Die meisten schlossen sich den Robbenfängern an, denn durch den europäischen Hunger nach dem Talg, Fleisch und den Fellen dieser Tiere gab es hier Geld zu verdienen. Sollten die naturverbundenen Aborigenes etwas gegen das grausame Massenschlachten der Robben oder gar gegen die Entführung ihrer Frauen haben und sich kriegerisch zeigen, so wurden sie ebenso kaltblütig getötet wie die Robben.

Weiteres Unheil geschah auch abseits der Küsten. Immer mehr Bauern siedelten auf der Insel und brauchten immer mehr Land. vor allem gutes, fruchtbares Land an den Flüssen. Die Eingeborenen mussten weichen und ihre Dörfer und heiligen Stätten aufgeben oder sie wurden einfach abgeschlachtet, sollten sie sich zur Wehr setzen. Als in England die Industrialisierung auf ihren Höhepunkt zuschritt und die dortigen Webereien nach Wolle schrien antwortete Tasmanien mit der Bildung von riesigen Stationen, die Tausende Schafe hielten, um diesen Bedarf zu decken.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen  wurde das Standrecht über die „eingeborenen Wilden“ verhängt und diese somit zum freien Abschuss freigegeben.

Die Aborigenes hatten keine Chancce. Mord und Todschlag an den Küsten und Flüssen, Landraub, massiver Rückgang an Wildbeständen, dazu der konstante Frauenraub, sowie die Einschleppung europäischer Infektionskrankheiten gegen die sie keinerlei Resistenz hatten – innerhalb von nur dreissig Jahren europäischer Besiedelung dezimierte sich die Anzahl der Aborigenes in Tasmanien von mehreren Tausend auf gerade mal dreihundert.

Die Siedlungsgeschichte hat also auch in diesem Teil der Erde viele dunkle Kapitel. Es wird inzwischen einiges getan, um weisse und schwarze Australier einander näher zu bringen aber bis heute ist dies ein heisses und komplexes Thema.

Wir besuchen unsere Nachbarn noch ein paar Mal und sie zeigen uns in ihrem Wald einige der letzten grossen alten Bäume, die noch stehen. Stolz weisen sie auf das Mal eines Axtschlages hin. So wurden von den allerersten Entdeckern die Bäume gekennzeichnet, um den Rückweg durch den dichten Busch zu finden. Auch laden sie uns ein, Wanderungen über ihr Land zu machen und empfehlen einen Gang zum nahegelegenen Fluss. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und schon am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg.
Dieser verschwindet allerdings schon nach ein paar hundert Metern und der Wald siehr aus, als sei hier seit vielen Jahren niemand mehr gewesen. Es ist ein bisschen unheimlich und alleine wäre ich sicher nicht weiter gegangen, aber zu zweit trauen wir uns und gehen tiefer in den Wald, dem Rauschen des Flusses entgegen. Und werden einige Kratzer und Stolperer später mit einer wunderschönen, wilden Flusslandschaft belohnt. Herrlich!! (Wir haben übrigens schön viel Krach gemacht, damit uns die tauben Schlangen und Spinnen hören und verschwinden…..hahahaha). Diese Wanderung war ein echtes Highlight.

Oh, und unsere Nachtfahrt war auch toll! Da holte uns doch besagter Nachbar spät abends mit seinem Auto ab und fuhr mit uns kreuz und quer durch die Gegend und zeigte uns Wallabies, Oppussums, Quails, Echidnas, Hasen und was sonst noch so kreucht und fleucht. Wir haben in der halben Stunde Fahrt sicher dreissig oder mehr Wallabies gesehen!

Nachdem ich dem ersten Schrecken zum Trotz nun doch zwölf Tage geblieben bin und mich mit einigen meiner Werte und Urteile auseinandergesetzt habe, beschliesse ich, dieses gastliche Haus bald zu verlassen und mir den Rest von Tasmanien wieder auf eigene Faust anzuschauen.

Unser Abschied fällt herzlich – freundlich aus, aber diesesmal gibt es keine Tränen und auch keinen Abschiedsschmerz. Hier gehe ich leichten Herzens weg. Gespannt schaue ich jetzt nach vorn, was auf mich zukommt.

……ein leeres Hostel, Transportschwierigkeiten, eine unvermutet glückliche Begegnung, Fischgründe und viele, viele Bäume…….

 

 

Tasmanien 1 – Roadtrip, Kurioses und zweierlei Schnee

Ich bin soo gespannt auf Tasmanien. Irgendwie ist das noch viel mehr „am Ende der Welt“ als der australische Kontinent an sich. Natürlich ist das nicht wirklich wahr, aber ich fühl’s halt so. Und alle Australier kriegen glänzende Augen wenn das Gespräch auf diese für hiesige Verhältnisse kleine Insel kommt.

Ich fliege nach Launceston, das ist die zweitgrösste Stadt in Tasmanien mit gut 85.000 Einwohnern. Ich habe absolut keine Ahnung, was mich erwartet, aber ich werde eh nur eine Nacht hier sein und morgen dann meinen kleinen Roadtrip entlang der Ostküste in Richtung Hobart beginnen.

Gleich neben meinem Hostel gibt es eine kleine Bar, die selbstgemachten Apfelcider anbietet. Wir kennen diesen spritzigen Apfelwein ja auch in Deutschland, Frankreich und Spanien aber ich bin natürlich neugierig, wie der Cider hier schmeckt. Es gibt hier vier verschiedene Sorten, die ich alle probieren kann: einen Birnencider, einen sparkling Apfelcider, einen gehopften Cider und einen Pinot Noir Cider. Ich muss sagen, alle schmecken lecker aber der Pinot Noir Cider hat es mir gleich angetan! Eine zarte rosa Färbung und eine angenehme Menge bubbles, dazu ein nur leicht säuerlicher, frischer Geschmack. Die Verbindung von Trauben und Äpfeln ist super – nach einem einzigen Glas bin ich dermassen besäuselt, dass ich zurück im hostel die gesamte gut besetzte Gemeinschaftsküche unterhalte! Ich kann dir sagen, wir hatten alle eine Menge Spass….. 😉

Am nächsten Morgen geht es los in Richtung Ostküste. 1482060018394Die Landschaft ist super schön und sehr abwechslungs-reich, weit ausgedehnte Wälder, viele davon IMG_20161216_183136Kieferplantagen, sehr viel Farmland und manchmal auch noch ursprüngliches Buschland, Hügel und sogar kleine Berge und dann irgendwann die Küste mit wunderschönen Stränden oder auch mal diese interessanten Steinformationen.

Mein erster Stopp ist Scottsdale, und soll hier stellvertretend für die meisten dieser kleinen Ortschaften hier stehen, wo man immer denkt, die Zeit sei irgendwie stehen geblieben. Es gibt eine Hauptstrasse mit ein paar wichtigen Geschäften, zwei Cafés, eine Post und eine Bank. Und einen Laden für Antiquitäten und Sammlerware (davon gleich mehr) und aussenherum befinden sich dann grosse und kleine Farmen. Die Bauweise ist ausserhalb der Grossstädte fast ausschliesslich ebenerdig, klare Linien wenig Schnörkel, praktisch, günstig und ein bisschen langweilig. Allerdings findet man manchmal noch die alten Firmenfassaden und dann hast du echt mal voll den Eindruck in einer Art „modernem Wildwest“ Film zu stehen.

IMG_20161216_164616_1Der Zeitreise-Flashback wird surreal wenn du dich getraust, in einen der „Antiques & Collectables“ Läden zu gehen. Ohne Witz, es sieht aus wie wenn du bei deiner Oma die Wohnung ausräumst! Altes Geschirr, einzelne Gläser und Besteckteile stehen einmütig mit Rosenblühtenkaffee-bechern und Kristallkaraffen in einem Regal, zerfledderte Bücher mit Titeln wie „What the young Australian houswife should know“ (Was die junge australische Hausfrau wissen sollte) oder „All about fishing trouts“ (Alles über Forellenfischen) und original Vinylplatten von Künstlern, die niemand kennt fristen ein eher kümmerliches Dasein und sogar ausgediente Cocktailkleider, second hand Schuhe und Hüte sind hier zu bekommen. Ganz besonders viel „old english style“ Zeugs. Und Nähzeug. Und Sammelbildchen, Und Plastikschalen. Und Ungeheuerlichkeiten, wohl irgendwann als Nippes erdacht, für unsagbar scheusslich befunden und hier auf Dauer zum Verstauben abgestellt und vergessen.

Heute gibt es hier (immer noch in Scottsdale) als lokale Besonderheit frische Zitronen. Davon bekomme ich zwei geschenkt, weil ich die netteste Touristin des Tages bin (wahrscheinlich bin ich die einzige, die heute hier angehalten hat) 😉  Ausserdem werde ich frei Haus mit allen Attraktionen der Gegend vertraut gemacht, der Strassenzustands- und der Wetterbericht werden grosszügig mit mir geteilt und als ich nach rund zwanzig Minuten den Laden wieder verlasse fühle ich mich schon fast wie eine Freundin.

Davon abgesehen gibt es in diesem freundlichen Städtchen eine kleine Galerie, die einheimische Künstler ausstellt – Holzarbeiten Schmuck, Zeichnungen und Gemälde, Seidenmalerei, Schwemmholzkunst und handgefertigte Kelp-Gefässe – und ausserdem Postkarten und Souvenirs verkauft. Im angeschlossenen Café gibt es richtig guten Kaffee und mein Stop hier fällt eindeutig in die Rubrik erstaunlich, seltsam und sehenswert.

Weitere Besonderheiten, die mich zu Fotostopps (unangekündigte Vollbremsungen mitten auf der einsamen Strasse) veranlasst haben sind beispielsweise diese ehemalige Bank of TasmaniaIMG_20161216_134141oder dieses eher uneinladend gestaltete Hotel mit angeschlossener Bar und Billiard Room  „Enter at your own risk“ (Betreten auf eigene Gefahr)  IMG_20161216_145104

Da ich ja nun dank der freundlichen Ladenbesitzerin genau weiss, wo ich hinfahren sollte lege ich meine Strassenkarte (die ich zugegebenermassen eh nur bedingt nutzen kann) beiseite und fahre mutig drauflos. Mein nächster Stopp ist eine Käserei, denn in Tasmanien wird viel Käse produziert und dieser besondere Käse aus dieser besonderen Käserei ist was ganz Besonderes, sagt die freundliche Ladenbesitzerin. Tatsächlich gibt es Cheddarkäse zum Probieren in drei verschiedenen Reifegraden und einen, der mit Knoblauch gewürzt ist. Lecker aber soo speziell find ich es jetzt nicht. Besichtigen kann man nichts, dafür gibts umso mehr Merchandisingprodukte, die es mir einfach machen, die besondere Käserei schon nach kürzester Zeit wieder zu verlassen.

IMG_20161216_160300Gleich danach komme ich an dieser Tausendsassa-Tankstelle vorbei! Hier gibt es alles, was du in der Wildnis (wo ich mittlerweile angekommen bin) eventuell brauchen könntest: IMG_20161216_160148natürlich Benzin, aber auch Fischereizubehör, KFZ-Ersatzteile, wichtige Nahrungsmittel wie Toast, Kaffee, Tee, Zucker und Schololadenkekse, dann gibt es selbstverständlich Coffee to Go, Postkarten, Lederwaren, Limonade, Souvenirs und Kunsthandwerk. Eine Toilette. Ausserdem agiert dieser Laden als Touristeninformation, Zeitungsladen und Treffpunkt für alle, denn hier gibt es sogar noch Sandwiches, heisse Scones und Essen zum Mitnehmen. Was wohl auf der Betreiberlizenz steht???

Dann komme ich am Strand an, wo ich heute zelten werde. Keine Sorge, es ist ein Zeltplatz und ich bin nicht ganz allein in der Wildnis! Das traue ich mich dann doch (noch) nicht. 14820600357831482060026984Die Nacht im Zelt ist recht unterhaltsam, denn um mich herum toben irgendwelche nachtaktiven Zeitgenossen, wahrscheinlich Opossums (Opossume? Opossi? Hmmmm…….) und unter meinem Zelt kratzt es irgendwie komisch in der Erde. Hustende Regenwürmer eventuell?? Na ja, das hat natürlich auch Vorteile, denn mit den ersten Sonnenstrahlen bin ich schon wach und was gibt es Schöneres als einem neuen Tag beim Aufwachen zuzuschauen?!

Noch vor dem Frühstück mache ich einen ausgedehnten Strandspaziergang und werde mit diesen Eindrücken belohnt:
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Als ich mein Zelt abbaue krabbelt übrigens ein ziemlich grosser schwarzer Käfer eilig davon – der Arme, war die ganze Nacht von meiner Zeltplane gefangen! Bestimmt hat der für den Rest seines Lebens Klaustrophobie……

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Und weiter geht es an der Ostküste entlang, die jetzt einfach mal immer noch unglaublich schön und abwechslungsreich ist. IMG_20161217_101440Die Sonne strahlt vom Himmel, aber es kommt ein starker Wind auf und die Temperaturen sinken rasant. Im Laufe des Tages werden die Zeltplätze gesperrt und so muss ich mir eine bedachte Bleibe suchen für heute Nacht (worüber ich sehr froh bin, denn mittlerweile sind draussen noch sieben Grad – da muss man nicht zelten, oder?!) Ich finde eine nette Unterkunft in einer Tauchbasis, die kurioserweise mitten in den Bergen und keineswegs an der Küste ihren Sitz hat. Ich bin – welch Überraschung – der einzige Gast und habe so die gesamte „Cabin“ (eigentlich für zwölf Personen) inklusive Küche ganz für mich alleine. Glücklicherweise war ich unterwegs schon einkaufen und kann mir nun (heute etwas weniger rustikal) ein feines Abendessen zubereiten.

IMG_20161216_135259Auf meiner Weiterfahrt komme ich an ausgedehnten Feldern vorbei, manche sind völlig langweilig mir Kohl oder Mais oder sowas bepflanzt, aber dann sehe ich auch ganz viele mit richtig schönen weiss-rosa Blüten. Ich weiss erst mal nicht, was das ist, aber laut dem Schild muss es mega-gefährlich sein. Natürlich bin ich neugierig und frage bei erstbester Gelegenheit. Es sind Opiumfelder!  (Das englische Wort ist übrigens Poppy – niedlich oder?!) Bis vor wenigen Jahren gab es hier eine grosse Firma, die Opiate für medizinische Zwecke hergestellt hat. Sehr viele Farmen hatten damit ihr Auskommen. Die Firma ist inzwischen auf das Festland umgezogen und nur noch wenige Farmen bauen Opium an. Ganz ehrlich – es sieht richtig toll aus, so ein blühendes Mohnfeld!

IMG_20161216_132608Natürlich gehe ich auch ein bisschen in den Busch. Es gibt hier noch relativ viel Buschland und viele von diesen ganz grossen, urzeitlichen Bäumen. Wunderschön! Ich hab inzwischen schon so ein paar hundert Grünfotos gemacht, einfach weil der Busch so schön ist und immer anders und echt faszinierend. Und was noch ganz besonder schön ist hier in Tasmanien das ist der Fahrbahnrandbewuchs (schönes Wort, oder?!). Diese Fingerhüte stehen in verschwenderischer Fülle überall herum und leuchten in pink, lila und weiss,

Aber ich bin nach wie vor viel an der Küste unterwegs und es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

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IMG_20161218_1028241482060025961Kilometerlange Sandstrände, rauhe Klippen, tief eingefräste Schluchten und sogenannte Blowholes gibt es en masse zu bestaunen.

 

 

 

 

 

IEin blowhole (leider weiss ich nicht, wie das auf deutsch heisst. Google sagt Atemloch, aber das trifft es irgendwie nicht so ganz!) ist ein mehr oder weniger grosses Loch im Boden, das eine unterirdische, enge Verbindung zum Meer hat. Wenn nun die Flut kommt und das Meer so richtig wild ist wird das Wasser mit hohem Druck durch den schmalen Tunnel gepresst und kommt im blowhole als Fontäne mit Gischt und lautem Donnern wieder an die Oberfläche. Ziemlich beeindruckend.

1482059991538Hobart ist eine reizende Stadt mit einem Hafen, in dem respektable Kreuzfahrtschiffe ankern, einem wundervollen Botanischen Garten, einer Reihe hübscher, alter (englischen Originalen nachempfundenen) Gebäude 1482059993725und einer kleinen Fuss-gänger-zone. Ausserdem ist hier das Ziel einer der schwierigsten Hochsee Segelregatten der Welt von Sydney nach Hobart. Sie findet seit 1945 jährlich statt und am Hafen sind in der Strasse kleine Metalltäfelchen eingelassen, die chronologisch alle Sieger mit ihren Booten und der benötigten Zeit anzeigen.

Von Hobart aus geht es zurück nach Launceston, diesmal auf dem schnellsten Weg, und weiter zur Hafenstadt Davenport. Dann weiter mit dem Bus in eine kleine Stadt namens Burnie, wo ich von meinem nächsten Workaway – Gastgeber erwartet werde. Mittlerweile ist das Wetter echt schlecht, es regnet in einer Tour und es ist empfindlich kalt. Keine Spur von Sommer, sondern ganz im Gegenteil! Gestern hat es auf dem Cradle Mountain (gleich hier um die Ecke) sogar geschneit! Und ich geh auf ’ne Farm……..das kann ja heiter werden! Und nicht zu vergessen – sechs (6) (!!!!!!!!!) Kinder.