Brisbane und dann in Richtung Süden

Unser Flieger bringt uns von Adelaide nach Brisbane, wo wir ein Apartment gemietet haben. Wie sich erfreulicherweise herausstellt ist es in richtig cooles Apartment mit einem Barbecue und einem Endless-Pool auf dem Dach!! Wir sind geflasht und gehen gleich mal für ein gepflegtes (vegetarisches) 😉 Grillfest einkaufen.

Ab und zu kommt jemand und dreht ein paar Runden im wunderbar warmen Pool, aber im grossen und ganzen haben wir diese Megadachterrasse für uns, lümmeln in den Loungesessel, trinken eisgekühlten Weisswein und schlemmen geradezu hemmungslos. Der Blick ist ganz toll, wir sehen den Fluss tief unter uns in der Sonne glitzern, die City Cats (das sind Wassertaxis) flitzen hin- und her und ein grosses Kreuzfahrtschiff liegt quasi direkt unter unserem Haus vor Anker. Die Stadt ist nicht weit entfernt und wir geniessen einen ziemlich einmaligen Blick auf die Skyline. Als dann auch noch die Sonne in einem atemberaubenden Schauspiel untergeht und alles in ein orange-goldenes Licht taucht sind wir auf unserser Glücklichsein-Skala ganz weit oben angekommen.

Wir müssen uns fast zwingen, nicht einfach am Pool abzuhängen, sondern in die Stadt zu gehen. Allerdings lohnt sich das echt! Wir fahren mit den City Cats über den glitzernden Fluss und haben für ein paar Dollar eine Art Stadtrundfahrt zu Wasser – voll cool! Hier ein paar Fotos für dich:

Insgesamt ist Brisbane eine angenehme Stadt und es hätte sich sicher gelohnt, einen längeren Besuch einzuplanen. So aber machen wir nur eine Stadtrundfahrt, bummeln ein wenig durch die Strassen und entspannen im wirklich sehr schönen Botanischen Garten.

Am nächsten Tag müssen wir zurück zum Flughafen, um dort unseren Mietwagen abzuholen. Wir kriegen ein upgrade und statt eines Kleinwagens bekommen wir zum gleichen Preis einen Sieben-Sitzer-Spacewagon-Cruiser plus einer Tankfüllung gratis! Das ist ja mal mega cool und wir nehmen sogar in Kauf, dass wir noch ein bisschen auf den Wagen warten müssen. Als der dann endlich kommt ist die Freude gross. Und kurz. Denn der Wagen hat einen fast platten Reifen. Also wieder zurück in die Werkstatt und wir bekommen einen anderen Wagen der gleichen Kategorie, das Ganze dauert natürlich wieder. Aber irgendwann haben wir dann das Auto, unser Gepäck ist verstaut und los geht es! Ist ein ziemlich groovy Gefühl, so gross durch die Gegend zu cruisen, zumindest wenn man auf dem motorway unterwegs ist (in den Innenstädten sieht es da manchmal ganz anders aus, aber das erzähle ich dir später).

Wir fahren jetzt praktisch die gleiche Strecke, die ich vorher hoch gefahren bin wieder hinunter, aber wir werden natürlich andere Sachen machen und so ist das für mich trotzdem okay und gar nicht langweilig.

Die gesamte Goldcoast lassen wir allerdings auch dieses Mal einfach links liegen, denn auf Touristenmassen und Abzocke  hat keiner von uns Lust und so heisst unser erstes Ziel Byron Bay. Auf dem Weg dorthin halten wir natürlich hier und da an, besuchen das hübsche Städtchen Brunswick Heads mit dem tollen Strand, machen eine Strandwanderung und geniessen insgesamt den Tag. Praktischerweise kommen wir kurz vor Sonnenuntergang in Byron Bay an, sodass wir direkt zum Leuchtturm hochfahren, um den Ausklang des Tages von erhöhtem Standpunkt aus zu geniessen.

Danach beginnt eine nervenaufreibende Suche nach einer Unterkunft, die glücklicherweise doch noch glücklich ausgeht und uns ein sauberes Bett in einem durchaus ordentlichen, neuen Hostel beschert. Wir sind ziemlich fertig nach dem langen Tag und gehen schon bald ins Bett (kein night life in BB) ;-), sodass wir am nächsten Tag fit sind für einen Bummel und ein bisschen Shopping. Meine beiden Reisefreunde finden es ziemlich cool hier, ich selber komme allerdings nicht so gut klar und bin froh als wir weiterfahren.

Von Byron aus fahren wir weiter nach Grafton, ein Ort, der mir schon von mehreren Aussies empfohlen wurde. Da ich es auf meiner ersten Tour nicht geschafft habe, bietet es sich ja sozusagen an, diesen Besuch jetzt nachzuholen. In dem kleinen Städtchen angekommen schauen wir uns etwas verdutzt um, denn so auf den ersten Blick gibt es ausser ein paar „historischer“ Gebäude hier nichts Besonderes. (Ein zweites Robe????)

Wir steuern erst einmal ein hübsches Café an und bei Kaffee und Wraps kommen wir mit den beiden freundlichen Damen hinter der Theke ins Gespräch. Auf unsere Frage, was man denn in Grafton so machen könnte schauen sich die beiden hilflos an und wenden sich ratsuchend an die gerade hereinkommende Kundin. Zu dritt diskutieren sie die Möglichkeiten und offerieren uns (wir kringeln uns schon wieder innerlich vor Lachen) folgende Attraktionen: Das „Picturetheater“ (Kino), die „Library“ (Bücherei = lautloses Gewieher unsererseits) oder ein Spaziergang am Fluss. Wir bedanken uns artig und verlassen diesen Ort. (Was haben die Aussies nur immer mit ihren Büchereien??) Wir verzichten auf ein weiteres Erkunden dieses Städtchens und fahren weiter.

In Coff’s Harbour wollten wir eigentlich stoppen und eventuell sogar übernachten, aber es giesst in Strömen und die Wolken hängen fast bis auf’s Autodach also fahren wir weiter in einen Ort namens Bellingen. Hier finden wir ein Zimmer in einem netten Hostel mit einem tollen Blick über ein weites Flusstal und so machen wir uns gut gelaunt auf, den Ort zu erkunden. Schnell erfühlen wir die Hippieatmosphäre und überlegen uns, ob wir wohl heute abend in die ansässige Brauerei zu Bier und Livemusik gehen wollen. Erst einmal brauchen wir allerdings etwas in den Magen und so bestellen wir Pizza und holen uns diesen Wein hier aus dem bottleshop. Wir setzen uns auf unsere eigene kleine Terrasse und haben einen richtig schönen Abend. Nachdem wir uns die Flasche Hippierotwein verabreicht haben sind wir allerdings nicht mehr unternehmungslustig genug für die Brauerei. Wir schauen über das Tal, hören einem der anderen Gäste bei seinem Klavierspiel zu und lassen einfach alles ausklingen.

Am kommenden Morgen holen wir uns frische Brötchen in der schweizer Bäckerei um die Ecke und fühlen uns wie die Könige! Richtige, knusprige Brötchen! Mit Körnern drauf! Und Geschmack drin! Herrlich!! (Ich hasse nun mal geschmacksneutrales Labberbrot – und leider ist etwas anderes hier nur sehr schwer zu finden)
Wir fahren noch ein ganzes Stück ins Landesinnere, denn wir suchen einen kleinen Ort namens Thora. (Ich hab einen besonderen Bezug zu diesem Namen). Der Ort ist auf der Landkarte zwar verzeichnet, lässt sich aber nicht so einfach finden – also zumindest fahren wir gleich einmal daran vorbei und finden uns plötzlich in den Bergen  und einem Ort namens Derringen wieder. Da wir nun schon einmal hier sind schauen wir uns gleich den Wasserfall an und fragen in der Touristeninfo, wo denn nun Thora liegt. Die Dame kriegt fast einen Lachanfall und fragt neugierig, was wir denn da wohl wollten. Dann klärt sie uns auf, das Thora kein Ort ist sondern nur ein Laden und eine Tankstelle. Aha, na ja, daran kann man natürlich schon mal vorbeifahren, wenn man einen Ort erwartet. Und auf der Rückfahrt finden wir auch tatsächlich den Shop, der als Ort auf der Landkarte eingetragen ist.

Weiter geht es nach Port Macquarie und obwohl sich am Himmel bereits dicke graue Wolken ballen wagen wir einen Spaziergang am Kai entlang. Auch meinen Reisefreunden gefallen die bunt bemalten Steine und so gehen wir die Sprüche lesend immer weiter und bis ganz ans Ende. Erst dann schauen wir uns wieder um und stellen fest, dass der auffrischende Wind die Regenwolken regelrecht vor sich her peitscht. Ziemlich zackig machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto….und verlieren den Wettlauf. Im allerletzten Moment können wir uns unter das Dach einer Kneipe retten, just bevor aus den einzelnen, dicken Tropfen eine Art Wasserfall wird. Gerade nochmal Glück gehabt! In der plötzlichen Kühle, die der Regen mit sich bringt schmeckt uns das Bier nicht wirklich und nach einer Weile – es regnet nur noch stark – beschliessen wie einen kleinen Sprint zu unserem Wagen, der sicher noch mehrere hundert Meter weg steht. Ja, du denkst richtig! Wir werden nass. Pitschnass.

Unsere Fahrt führt uns weiter nach Taree – und jetzt im Nachhinein kann ich mich überhaupt nicht erinnern, warum wir hier überhaupt gestoppt haben! Egal, wir versuchen in dieser einigermassen grossen Ortschaft irgendwo eine Unterkunft zu bekommen, was sich als schwierig herausstellt. Manche als B&B gekennzeichnete Häuser sind völlig verlassen und auch telefonisch nicht zu erreichen, die grösseren Hotels fallen preislich sofort raus und wir verzweifeln schon langsam. Schliesslich biegen wie in eine Moteleinfahrt ein und folgen dem Schild „Vacancy“ „Best in Town“, ohne uns allzu grosse Hoffnungen zu machen. Tatsächlich ist etwas frei und obwohl das gesamte Motel nicht einladend wirkt und mich sehr an Bate’s Motel aus dem Film „Psycho“ erinnert wagen wir einen Blick in das Innere des Zimmers, das er uns anbieten will. Ich werfe einen einzigen Blick hinein, drehe mich um und gehe direkt zurück zum Auto. Niemals, sage ich auf deutsch zu meinen Freunden und stelle klar, dass dieses Loch auf der anderen Seite meines Limits liegt.  Stell dir ein winzig kleines Zimmer vor in dem drei Einzelbetten stehen, sehr dünne fadenscheinige Bettwäsche verhüllen die fast bis auf den Boden durchhängende Matratzen und scheinen schon seit Wochen oder Monaten unberührt auf den Betten zu liegen. Ein ausgesteckter Kühlschrank modert in einer Ecke vor sich hin und zwei Metallstühle aus den 50er Jahre stehen an einem kleinen schiefen Tischchen. Das ganze Stilleben mufft dermassen, uaahh, nee – das schüttelt es mich noch im Nachhinein. Meine Freunde staunen ein bisschen über meine rigorose Reaktion, da sie mich sonst eher entspannt und wenig pingelig kennen, aber hier werde ich definitiv und nicht schlafen. Der Besitzer erzählt uns, fast entschuldigend, dass sie heute den letzten Tag geöffnet hätten und morgen endgültig schliessen würden, deshalb könnten wir leider den Pool nicht benutzen, da der schon abgelassen wäre. Ich muss hier weg!!! Wer bitte würde hier in einen Pool steigen???????

Ich will an den Strand und dort schlafen – frische Luft und Sternenhimmel, das erscheint mir im Augenblick sehr reizvoll. (Allerdings haben wir keinerlei entsprechende Ausrüstung dabei und die Nächte sind durchaus kühl und feucht. Wäre vielleicht eine ungemütliche Nacht…….aber besser als Bate’s Motel!)

Glücklicherweise haben wir aber dann doch noch direkt beim nächsten Motel Glück und bekommen das letzte Zimmer (es findet anscheinend  irgendeine Veranstaltung in der Stadt statt, daher ist alles voll. Aha, danke!). Auch nicht gerade Fünf Sterne, aber doch immerhin sauber und ordentlich mit einem vernünftigen Badezimmer und einer Kochnische. Ich geh erstmal Tee kochen. Obwohl ein ordentlicher Gin Tonic wäre mir jetzt lieber! Was manche so unter Gastfreundschaft verstehen….unglaublich! Die Hotelfachfrau in mir kann sich gar nicht mehr beruhigen…..

Am nächsten Morgen fahren wir erst einmal an den Strand um nachen ein schönen, gepflegten Strandspaziergang. Diese ganze im Auto Sitzerei macht einen ja auch fertig! Aber heute lassen wir es ein bisschen ruhiger angehen. Wir fahren immer weiter nach Süden direkt an der Küste entlang, machen einen Stopp in Forster und einen weiteren in Nelson Bay. Hier ist es recht hübsch und wir bummeln am Hafen entlang, schlecken ein Eis und freuen uns an dem schönen, warmen Tag. Es reicht sogar für einen kleinen Mittagsschlag unter einem Baum während meine beiden Mitreisenden sich am Strand in die Sonne legen.

Unser heutiges Domizil heisst „Art Shack“ (Kunsthütte) und stellt sich bei unserer Ankunft als echter Missgriff heraus. Oh May!! Das Haus liegt direkt am Highway aber etwas zurück versetzt, was ok ist. Wir werden hereingewunken und es wird uns ein Parkplatz im Garten vor em Haus zugewiesen, wo schon mehrere andere Autos stehen. Ich versuche keines der vielen freilaufenden Hühner zu überfahren und parke. Sofort wird hektisch gewinkt, ich soll noch weiter vor fahren, und noch weiter. Letztendlich stehe ich quasi auf dem Misthaufen. Alle Hühner leben noch. Wir werden freundlich und fast stürmisch begrüsst und die Gastgeberin lässt einen Wortschwall ohne Punkt und Komma auf uns los. Glücklicherweise ist mein Englisch inzwischen schon so gut geworden, dass ich einigermassen mithalten kann. Wir gehen über die Veranda, auf der mehrere Personen sitzen und stehen und Bier trinken. Freundliches Hallo rundherum. Das Haus ist ein Saustall. Vollgestopft, dreckig, messiemässig irgendwie. Wir bekommen erklärt, dass wir uns die Dusche mit der fünfköpfigen Familie teilen müssen (spontan beschliessen wir, heute auf die Dusche zu verzichten) aber wir haben unsere eigene Toilette, um’s Haus herum in der Waschküche. What???? Es gibt dann noch eine grosse überdachte Terrasse mit einem langen Tisch und Bänken. Das ist der „Community Room“ (Gemeinschaftsraum), denn auf das Gemeinsame käme es ja an. Leider hätten sie heute keine Zeit für uns, weil die Familie aus Sydney zu Besuch sei, mit denen sie heute abend ein Barbecue machen würden und dann zum Fischen gehen. Aber wir dürften alles benutzen, was in den Regalen stehe. Folgsam schauen wir, was die Regale uns zu bieten haben und finden Plastikteller, Besteck und Becher. Leider hat sich wohl schon vor längerer Zeit dort eine Spinnenfamilie niedergelassen. Stolz präsentiert sie uns noch den Grill, den wir dann benutzen dürfen. Wir haben in unserer Gruppe einen Berufskoch, dem sich beim Anblick des Grills alle Haare aufstellen. Als Krönung der Hausführung wird uns das hauseigene Spa (so heisst hier ein Whirlpool) angepriesen – wir dürften es gerne benutzen! In mir zuckt ein hysterisches Lachen, unser Koch ist immer noch schockerstarrt und die Dritte im Bunde ist sehr still und sehr blass. Nun kommen wir in unser Zimmer. Dieses ist in einer gemütlichen Doppelgarage mit Metallrolltor untergebracht. Es stehen ein Doppel- und zwei Einzelbetten drin und jede Menge Flohmarkt-Altmöbel. Es wurde versucht, mit selbstgemalten Bildern, Rüschchen und Schleifchen eine Art Atmosphäre zu schaffen, doch leider ist dieser Versuch komplett und absolut kläglich gescheitert. Diese Ansammlung von Kitsch bringt mich gleich wieder an den Rand eines hysterischen Kicherns. Auf einem Tischchen stehen Tee, Instantkaffee, Haferflocken, Cornflakes und Zucker und im Kühlschrank steht ein Schälchen mit Obst und ein bisschen Milch und Marmelade. Alles für uns. Meinen beiden buddies dreht sich gerade der Magen um, ich kann es hören…..

Wir lassen unsere Rucksäcke fallen, schauen uns ungläubig um und überlegen uns ernsthaft, ob wir nicht einfach gleich bis Sydney durchfahren sollen. Aber es ist schon Abend, wir sind müde und hungrig und das „Apartement“ ist bereits im Voraus bezahlt worden. Und es ist nur eine Nacht. Und unser Zimmer ist ziemlich sauber, so für die hiesigen Verhältnisse. Was wohl bei Nacht so alles unter den nicht ganz geschlossenen Rolltoren durchkommt??
Mutig beschliessen wir zu bleiben und uns um unser Abendessen zu kümmern. In unserem Grill ist das Gas leer stellen wir gleich mal als Erstes fest. Unsere Gastgeberin wird hektisch, denn schliesslich hat sie selber Gäste und ist gerade am Kochen. Ob wir wohl selber kurz zur Tankstelle fahren könnten……? Na gut, also zwei von uns fahren zu Tankstelle um Gas zu kaufen und Alkohol im angeschlossenen bottleshop (den brauchen wir heute wirklich!) 😉 Bei unserser Rückkehr finden wir einen frisch geputzten Grill vor (das hat unser Koch gemacht, nicht die Gastgeber!) und so öffnen wir eine Flasche Wein, fangen an unser Gemüse zu schnippeln und versuchen, das Ganze mit Humor zu nehmen. Es wird erstaunlicherweise doch noch ein ganz netter Abend, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass unsere Gastgeber beschäftigt sind und uns in Ruhe lassen.

Die im Community Room ausgestellte „Kunst“, die auch unser „Schlafzimmer“ dekoratorisch aufwertet, sowie die Malunensilien und Bastelsachen, die in den Regalen liegen lasse ich jetzt freundlicherweise einfach mal unkommentiert. Ich denke, du kannst dir auch so schon ein Bild machen.

Wir sind gerade am ins Bett gehen, da kommt unter dem Rolltor ganz vorsichtig ein kleines weisses Tierchen durch. Ein spitzer Schrei verscheucht das Tierchen zunächst, aber dann kommt es hartnäckig wieder. Nachdem der erste Schreck vorbei ist schauen wir genauer hin und identifizieren das Tierchen als…..Katzenpfote. Nach einigem Geschiebe und Gekratze hat sich das Tier tatsächlich durch den nur wenige Zentimeter hohen Spalt gequetscht, spaziert nun hoch erhobenen Hauptes einmal durch unser Zimmer und bleibt dann abwartend an der Tür stehen, die von hier in die Küche der Gastgeber führt. Da können wir dann wohl auch in der Nacht mit ungebetenem Besuch rechnen……

Am nächsten Morgen frühstücken wir ruck zuck (selbstverständlich ohne das „Art Shack gratis Frühstück“ auch nur eines Blickes zu würdigen und sind ebensoschnell weg von diesem schrägen Gehöft. Es ist schon erstaunlich, wie manche Menschen leben. Und obwohl ich ja in Tasmanien schon eine ähnliche Erfahrung bis zur Neige auskosten durfte muss ich sagen, ich bin immer noch geschockt von solchen , na sagen wir mal Zuständen. Wir fahren noch einmal an die Küste und gehen spazieren bevor wir uns auf den Weg in die grosse Stadt machen. Sydney, wir kommen!

Bis zur Stadt ist es einfach zu finden und von da aus versuchen wir mit maps zu fahren, was sich einigermassen schwierig darstellt, da Uschi (zur Erinnerung, das ist unser maps GPS) immer wieder das Signal verliert und dann plötzlich völlig unsinnige Ansagen macht. Irgendwann finden wir dann aber unsere Adresse, die allerdings nicht unsere Adresse ist! Irgendwie war die Verknüpfung falsch eingestellt oder was auch immer, auf jeden Fall sind wir an der falschen Adresse. Manuell eingegeben zeigt sich schnell, dass wir ein weiteres Mal quer durch die Stadt müssen. Unser wundervoller Siebensitzer ist hier in der Stadt gar nicht so wundervoll. Wir finden auch zu der zweiten Adresse hin, was mich persönlich glücklich und erleichtert aufatmen lässt, holen unseren Schlüssel ab und beziehen unser Domizil. Obwohl das auf der website echt toll ausgesehen hat und auch nicht garnz billig ist sind wir sehr enttäuscht. Und dann sehen wir die Mitbewohner! Jede Menge kleine Kakerlaken……uuuhhhhh – Grenzwertig, sehr grenzwertig!! Sofort kontaktiere ich den Vermieter und bitte um Lösung des Problems. Er bietet an am Montag einen Kammerjäger zu schicken. äh, wie jetzt? Und heute nach sollen wir mit diesen ganzen Viechern schlafen? (Es sind echt viele und sie sind überall!) Und dann nach dem Kammerjäger sollen wir in dem begasten Zimmer schlafen?? Nee, nee, das passt für uns nicht. Er stellt auf stur und wir ziehen aus. Mist! Natürlich ist das Apartement im Voraus bezahlt und jetzt muss ich ein Fass aufmachen, um mein Geld wiederzukriegen. Genau das, was man im Urlaub so braucht! Egal, wir krümeln uns in ein Wifi Café und versuchen von jetzt auf gleich eine bezahlbare Unterkunft in Sydney zu kriegen. Glücklicherweise finden wir etwas und kurven also erneut los und durch die Stadt. Schon nach kurzer Zeit verabschiedet sich mein Telefon und damit Uschi und die einzige Karte, die wir haben. Jetzt liegt es an mir, mich einigermassen zu erinnern und nach eineigem Hin und Her finden wir unser heutiges Domizil. Ganz ehrlich – ich bin ziemlich am Ende! Ich bin jetzt über vier Stunden in Sydney Innenstadt herumgefahren mit diesem Riesenschiff von einem Auto, im Linksverkehr und oft auch zwei- oder sogar dreispurig. (Insgesamt gab es auf unseren ganzen Fahrten durch Australien eine einzige kritische Situation, nämlich als wir neben einem grossen Truck über eine Brücke fahren mussten. Erst sah es so aus, als wäre da genug Platz, aber der Truck kam mir irgendwie immer näher und dann wurde es mir doch zu eng und ich stieg hart auf die Bremse.)

Unsere Gastgeber sind sehr sehr nett, wohnen mit in der Wohnung und wir bekommen das im Moment ungenutzte Kinderzimmer. Na ja, nicht ganz was wir uns vorgestellt haben, aber es ist mittlerweile zehn Uhr abends, wir wollen nur noch was essen, duchen und ins Bett. Fertig mit der Welt.

 

Great Ocean Road – Von Melbourne nach Adelaide

So, jetzt geht’s hier mal richtig los! Heute kommen zwei Reisefreunde von mir und werden für fast fünf Wochen mit mir durch Australien und Neuseeland reisen. Sie sind schon erfahrene (weil bereits mit mir gereiste) mindfulglobetrotter Reisebuddies und wissen ziemlich genau, auf was sie sich einlassen. Oder vielleicht doch nicht?? 😉

Ich lasse es für die beiden mal ganz geruhsam angehen. Als Kümmerertante habe ich aber schon mal ein schickes Apartement (mit Pool in der obersten Etage!) im Zentrum von Melbourne gemietet, den Kühlschrank mit leckeren Sachen gefüllt (was mir zwei Tage Muskelkater beschert hat! Frag nicht……) und sie vom Flughafen abgeholt. Aber dann ist Schluss mit den Samthand- schuhen, Sightseeing Melbourne ist angesagt und das bedeutet: Jetlag vergessen, bequeme Schuhe anziehen, Kamera schnappen und loslaufen.

Und ich sag’s dir, Melbourne ist eine tolle Stadt! Sie kommt modern und irgendwie künstlerisch rüber, es gibt eine Menge Galerien, Kneipen, Cafés und hipper Geschäfte, ausserdem eine alte Strassenbahn und jede Menge Graffitikunst.

 

 

Alles ist hier bunt   und macht Laune. Ich bemühe mich, den Blutzuckerspiegel der Einen und den Koffeinspiegel des Anderen auf Level zu halten und ignoriere sonst jegliches Jammern von wegen Blasen an den Füssen, müde, heiss oder was sich die „lieben Kleinen“ sonst noch so einfallen lassen. Und was soll ich sagen, es funktioniert! Nach nur einem Tag läuft alles wie geschmiert und wir verstehen uns prächtig. 😀

Allerdings wird unser aller Geduld schon am kommenden Tag schwer auf die Probe gestellt. Wir möchten nämlich einen ganz bestimmten Strand besuchen, den man von berühmten Fotos kennt. Schnell ist herausbekommen, wo der ist und eine Strandwanderung ist ja auch eine ganz tolle Sache. Wir verbinden diese mit dem Besuch eines sehr interessanten Künstermarktes und des berühmten „Luna Parks“ – das ist ein Rummelplatz, wie er früher mal war! Sehr retro Vintage, sage ich dir! Die Achterbahn macht einem Angst und Bange, wie sie da so auf ihrem alterschwachen (?) Holzgestell herumfährt!! Und dann laufen wir und laufen und laufen…..ja wo laufen sie denn hin??? Der muss jetzt hier gleich irgendwie wo kommen, dieser verflixte besondere Strandabschnitt, den wir suchen……

Aber erstmal kommt ein Restaurant und da sind wir alle Drei mal richtig froh. Du musst wissen, dass die Strände in Australien einfach mal komplett naturbelassen sind. Es gibt zwar oft einen boardwalk und vielleicht noch einen Mülleimer ab und zu, aber keine Liegen, keine Geschäfte und keine Cafés. Und nach einer bereits langen Wanderung brauchen wir Futter, Kaffee und WC. In umgekehrter Reihenfolge.

Im brechend vollen Restaurant hängt ein Bild des berühmten Strandabschnittes, den wir suchen! Ein Glück – wir fragen unsere Kellnerin und sie strahlt uns ein fröhliches „just 5 minutes“ entgegen. Hallelujah! Selbstverständlich handelt es sich um australische fünf Minuten, damit hab ich aber eh schon gerechnet und nach dem leckeren Mittagessen sind wir ja auch wieder gestärkt.

Womit wir irgendwie nicht so gerechnet haben ist die Menge der Leute, die hier den Sand belagern! Aber klar, es ist Sonntag, ziemlich wundervolles Wetter und wir sind kaum 20 Autominuten von der Stadt entfernt! Trotz der vielen sonnenhungrigen Melbourner gelingt es uns, ein paar nette Schnappschüsse zu machen und so sind wir am Ende happy und erfolgreich müde gelaufen.

Am nächsten Morgen holen wir unseren Mietwagen ab, packen unser umfangreiches Gepäck in denselben und ich stelle mich der Herausforderung, in einer linksverkehrigen Grosstadt Auto zu fahren. Zu meiner grossen Erleichterung ist der Zubringer auf den motorway ganz in der Nähe unseres Apartements und so hält sich der Stress in Grenzen.

Jetzt heisst es, ein Gleichgewicht zwischen Autofahren (= Strecke machen) und schöne-Sachen-anschauen zu finden. Immerhin haben wir eine Strecke von rund 800km vor uns.

Der erste Tag besteht hauptsächlich aus Landschaft, Aussicht auf den Ozean, Strandspaziergängen und Autofahren. Es gefällt uns sehr – wir sammeln Muscheln und schauen den Wellen bei ihrem ewigen Spiel zu, geniessen den Sonnenschein und lassen uns vom rauhen Wind die Haare zerzausen.

Am Campingplatz, der für heute unsere Unterkunft sein sollte angekommen müssen wir leider feststellen, dass wohl doch ziemlich viele Leute auf dieser Great Ocean Road unterwegs sind – kein Zimmer frei! 🙁  Auch sonst gibt es in dieser kleinen Ortschaft keine weiteren Unterkünfte, was also bedeutet, wir müssen noch weiterfahren. Wir schlendern dennoch um den Park herum, denn hier soll es Koalas geben! Schwer vorstellbar, dass diese Tiere so nah an einem Campingplatz leben sollen, aber unglaublich oder nicht – wir sehen nicht nur einen sondern sogar zwei Koalas!!! Schau mal, die sind wirklich sehr niedlich…..

Die Suche nach der Unterkunft gestaltet sich ein wenig schwierig und wir suchen bis in die Dunkelheit nach einer bezahlbaren Schlafmöglichkeit (eine Dame bot uns ihre zugegebenermassen hübsche Holzhütte im zugegeben hübschen Garten für den Schnäppchenpreis von 100 AUD pro Person an! 300 Dollar für eine Holzhütte!). Letztendlich, als wir uns schon fast darauf eingestellt hatten, im Auto schlafen zu müssen werden wir doch noch fündig und ergattern ein Zimmer in Apollo Bay – einem Touristen Hotspot wie er im Buche steht. Partypeople und Jungvolk all überall, aber das Hostel ist recht nett. Ja okay, schon ein bisschen angegammelt, aber doch noch einer von diesen „echten“ Hippie – Surfer – Ambienteschuppen. Wie übersehen also grosszügig Spinnenweben und kaputte Türen und machen das Beste draus. Leider ist es schon sehr spät und so kriegen wir gerade noch mit Ach und Krach ein Salätchen in einem Imbiss und drei Biere im bottleshop nebenan. (In Australien darf Alkohol nur an über 21 Jährige und nur in speziell lizensierten Geschäften, so genannten bottle shops verkauft werden. Selbst Restaurants und Pubs sind sehr strengen Richtlinien unterworfen und dürfen beispielsweise nicht über die Strasse verkaufen). Und obwohl ich die australischen Alkoholpreise nun schon kenne falle ich doch fast hintenüber als ich für drei Flaschen Bier (500ml) 29 australische Dollar (rund 20 €) bezahlen muss. Sicher das mit Abstand teuerste Bier meines Lebens.

Am nächsten Tag geht es weiter und wir beginnen gleich mit einem hübschen kleinen Bushwalk. Wie immer bin ich begeistert vom Wald – jeder ist irgendwie anders! Hier gibt es besonders schöne grosse Farnbäume. Dann machen wir einen Abstecher zu einem Leuchtturm und auf dem Weg dorthin stehen plötzlich am Strassenrand mehrere Autos geparkt. Da gibt’s sicher was Interessantes, also anhalten und nachschauen. (Schon gewusst? Touristen sind Rudeltiere!) Uuuund…… hier finden wir doch glatt noch einmal zwei Koalas! Diesmal recht nah sogar – klasse. 😀 Natürlich müssen wir jede Menge Fotos machen und könen uns nur schweren Herzens von den kuschelig aussehenden Fellkugeln trennen und weiterfahren. Die nehmen es allerdings gelassen und haben nur ein gelangweiltes Gähnen für die versammelte Fotomannschaft übrig.

Bald  kommen wir an einem abgestorbenen Wald vorbei. Das ist eine Besonderheit der Eukalyptusbäume – die bleiben nämlich stehen auch wenn sie abgestorben sind. Hier ist ein ganzer Wald von toten Bäumen, die wie mahnende Finger in den Himmel zeigen. Von unten wächst ein bisschen Buschwerk nach, aber irgendwie mutet einen das doch komisch an. Es gibt diverse Gründe für das grossflächige Absterben dieser Bäume, neben intensiver Farmwirtschaft  und dadurch veränderten ökologischen Bedingungen werden Kahlfrass, Dürre und Insekten als die Gründe dafür angesehen. Was auch immer es hier ist – es sieht gruselig aus!

Wir halten kurz am  ältesten Leuchtturm Australiens, aber hier ist voll der Touri-Rummel und sie wollen auch noch 20 Dollar Eintritt pro Person kassieren – nö, darauf haben wir keine Lust sondern fahren lieber weiter zu den Triplet Falls, wo uns ein ganz schöner walk erwartet und die Wasserfälle auch echt schön sind. Auf dem Rückweg besuchen wir einen Tree Top Park, also einen Baumwipfel Park. Nichts für Leute mit Höhenanst, aber wir fanden es ganz toll. In den Wipfeln der höchsten Bäume sind kleine Plattformen angebracht, die durch stabile Metallbrücken miteinander verbunden sind. An der höchsten Stelle immerhin 46m hoch! Ein völlig veränderter Blickwinkel – beeindruckend und atemberaubend.

Hier oben, an der höchsten Plattform treffen wir auf ein junges Pärchen aus Adelaide. Wir verstehen uns auf Anhieb prächtig und haben ruck zuck eine Verabredung für den kommenden Freitag abend in Adelaide. Er ist nämlich Musiker und gibt ein kleines Konzert in einem Hotel, wozu er uns herzlich einlädt! Wir haben da anscheinend eine lokale Berühmtheit aufgetan! Irgendwann kommt der Parkranger und bittet uns freundlich und aufgeräumt jetzt unserer Wege zu gehen, denn der Park würde zumachen. (Hab ich schon mal erzählt, dass hier alles immer schon voll früh zumacht? Ab fünf werden die Bürgersteige hochgeklappt, Cafés, Touri-Infos und Attraktionen schliessen)

Erst am frühen Abend kommen wir in die Nähe der berühmten „Zwölf Apostel“ und finden glücklich eine nette geräumige cabin, ganz schön gelegen oberhalb eines Flusslaufes. Leider ist die Küche komplett leer und so müssen wir unser Abendessen ein bisschen improvisieren, wollten wir doch heute eigentlich kochen. Doch ohne Topf und Pfanne ist das halt schwierig.

Zum Sonnenuntergang fahren wir die kurze Strecke bis zur Küste und tatsächlich sehen die Zwölf Apostel toll aus. Falls es dir so geht wie mir und du bisher noch nie von dieser weltberühmten Attraktion gehört hast: das ist eine Kalksteinformation, Felsen im Meer. Aber echt schön. Es gibt verschiedene Aussichtspunkte, die jeweils einen anderen Blick auf die Felsen bieten, allerdings liegen sie recht weit auseinander und so müssen wir uns heute abend für einen entscheiden. Aber morgen früh kommen wir nochmal wieder und schauen uns alles und von allen Seiten noch einmal bei Tageslicht an. Jetzt geniessen wir erst einmal den Sonnenuntergang, das Meer und die Licht- und Schattenspiele auf den Zwölf Aposteln.

Am nächsten Morgen kehren wir zurück und bestaunen sie noch einmal im Morgenlicht und zwar von allen drei Aussichtspunkten aus. Lange Zeit und viele Fotos später machen wir uns auf den Weg weiter die Küste entlang. Wir halten an jedem Lookout (Aussichtspunkt) und an fast jedem Strand und auch an fast jedem Leuchtturm (einer von uns ist ein Leuchtturm-Fan) Ein paar Eindrücke habe ich hier für dich:

Zur Mittagszeit kommen wir ein einem kleinen Städtchen namens Port Fairy an, das uns von aller Welt empfohlen wurde. Tatsächlich ist es ein nettes Städtchen mit ein paar „historischen“ Häusern und einer Bäckerei, wo es leckere Stärkung und Kaffee und ein bisschen nettes Geplauder für uns gibt. Wir fahren hinuter an die Flussmündung und machen einen wunderschönen Spaziergang auf die Griffith Halbinsel. Die Sonne scheint und ein leichter Wind weht, das hohe Gras bewegt sich im Wind und……..warte mal! Was ist das denn?? Da hüpfen mehrere Wallabies im Gras herum! Für meine beiden Freunde sind das die ersten wilden Känguruhs und daher ist die Aufregung gross! Am äussersten Zipfel der Halbinsel gibt es einen hübschen kleinen Leuchtturm und einen tollen Blick auf den langen Sandstrand. Aber am schönsten ist die Lagune an sich, ganz breit und glasklares Wasser – Wunderschön!

Es ist schon spät am Nachmittag als wir Port Fairy verlassen und wir haben noch eine ganze Strecke vor uns. Auf alle Fälle wollen wir uns nämlich den „Versteinerten Wald“ anschauen. Wir fahren also nach Cape Bridgewater, einem hübschen kleinen Ort mit einem tollen Strand und einer Seelöwenkolonie (leider kann man nur mit einem Boot hinfahren, die haben aber schon Feierabend oder in einer rund 4-stündigen Wanderung hinlaufen), also direkt weiter zum petrified forest.  Die Aussicht über die Steilküste ist atemberaubend schön! Das Meer donnert tief unter uns an die Felsen, dass die Gischt nur so spritzt. Schon nach einem kurzen Lauf stehen wir an der gesuchten Sehenswürdigkeit. Entgegen des Namens handelt es sich nicht wirklich um versteinerte Bäume, sondern um eine weitere spezielle Kalksteinformation. Durch Erosion sind im Laufe von Jahrhunderten Gebilde entstanden, die eben so aussehen wir versteinerte Bäume. Da die Sonne schon recht tief steht wirft sie ein weiches Licht auf die Steine und wir staunen wie verzaubert.

Unsere heutige Unterkunft ist ein bisschen skurril! Es handelt sich um ein ehemaliges Gefängnis, das in ein Hostel umgebaut worden ist. Die Zellen beherbergen jetzt die zahlenden Gäste und obwohl natürlich vieles renoviert und gemütlich gemacht wurde blieb doch einiges auch erhalten. Beispielsweise wurden die stabile Zellentüren aus Metall als Zimmertüren belassen – glücklicherweise lassen sie sich jetzt aber auch von innen öffnen. Der grosse ummauerte Hof wurde leer und kahl gelassen und man kann sich problemlos vorstellen, wie die Strafgefangenen, die hier einsitzen mussten hier ihren Hofgang absolvierten.

Sehr erstaunlich finde ich, dass das gesamte Areal energetisch „sauber“ ist. Eigentlich müsste hier eine schwere Energie zu spüren sein, denn hier gab es ja viel Leid und sicher auch einige Todesfälle. Diese schwere Energie kann ich normalerweise gut spüren aber hier ist nichts davon. Und wir können auch alle drei gut schlafen. Am nächsten Morgen klärt sich das Geheimnis als wir den Besitzer kennenlernen und er uns erklärt, dass er regelmässige Reinigungsrituale abhält. Ausserdem gibt es einmal pro Monat ein grosses Barbecue, wo sich ortsansässige Aborigenes und Weisse treffen, um miteinander zu essen und zu feiern. Er möchte damit einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Wir bedauern sehr, dass wir an diesem Ereignis nicht teilnehmen können, aber unser Weg geht weiter.

Den Vormittag verbringen wir aber noch hier im Ort – Mount Gambier – und bestaunen den „Blue Lake“, der wirklich absolut unglaublich blau ist! Ein kleiner, ziemlich tiefer und sehr malerischer See in einem erloschenen Vulkan – Prädikat: sehr schön! Als nächstes fahren und wandern wir zu einem hohen Aussichtsturm hoch, von dem aus wir den blauen und den direkt daneben liegenden grünen See sehen können. Den schauen wir uns natürlich auch noch aus der Nähe an und fahren dann hinunter bis an die Küste. Kreuz und quer durch plattes Farmland mit einem Zwischenstopp am einzigen Hügel weit und breit. Wir wandern hinauf und können hier einen kompletten kreisrunden Vulkankrater bewundern und haben ausserdem eine wundervolle Rundum-Aussicht. Eine schöne Belohnung für die schweisstreibende Anstrengung bei sicher kanpp dreissig Grad bergauf zu laufen. An der Küste angekommen stellt sich das Hafenstädtchen als eher klein und unspektakulär heraus aber wir finden ein hübsches Restaurant und verwöhnen uns selbst mit einem äusserst leckeren Mittagessen.

Mittlerweile ist es so ungefähr vier und wir sind noch keinen Kilometer voran gekommen! Jetzt aber hopp und los und ein bisschen Strecke machen! Also los…..unser nächster Halt heisst Robe. ein kleines Küstenstädtchen, das uns von mehreren Einheimischen wärmstens empfohlen wurde. In Robe angekommen ist der Tag schon auf dem Rückzug und die Schatten werden länger, die Touristeninfo ist schon zu und so beschliessen wir, im Café (du erinnerst dich? Koffeinlevel oben halten?!) nachzufragen, was denn das Besondere an Robe ist. Hier kommt das „Robe-Café-Theater“ in Originalfasssung und ungekürzt:

  1. Akt:

Hi! How are you? (Hallo, wie gehts?)

I am good, thanks. Can I have a large Cappuccino to go, please? (Danke gut. Kann ich bitte einen grossen Cappuccino haben?)

Oh, so sorry! The coffeemachine is not on duty. (Oh, das tut mir leid. Die Kaffeemaschine ist nicht im Dienst)

?????????

2. Akt:

Hi! How are you?

Good, thanks. A large Cappuccino, please.

Ok, right. That’s 5,80 Dollar, thanks. (Ok, das macht dan 5,80 Dollar. Danke)

Bezahlung erfolgt.

This is your number. It’s gonna take about 10 to 15 minutes for your coffee as we are very busy, you see.

???????

Als Auskunft, was es denn in Robe so Tolles zu tun gibt bekommen wir in beiden Läden unisono die Antwort:

You can go to the beach…… and to the cliff. (Ihr könnt an den Strand gehen und ans Kliff.)

……and you can eat really good fish. (Und ihr könnt richtig guten Fisch essen.)

….and you can go to the library! (Und ihr könnt in die Bücherei gehen!) Die allerdings bereits seit über einer Stunde geschlossen ist (Anmerkung der Autorin und halb totgelachten Mitreisenden)

Wir besuchen tatsächlich noch das aussergewöhnliche Kliff und stören dabei eine Gruppe von Ansässigen, die dort ein grosses Pizzagelage veranstalten. Ganz entgegen meinen bisherigen Aussie-Erfahrungen werden wir nicht eingeladen teilzunehmen und bekommen auch kein Bier angeboten. (Ich persönlich glaube ja, dass das alles Ausserirdische waren in Robe……) 😉

Als wir diesem Städtchen endgültig den Rücken zuwenden, ohne herausgefunden zu haben, was es denn hier nun soo Tolles hat und gibt, sehen wir noch ein grosses Banner über die Strasse gespannt: „Get the ROBE APP“ – kein Halten mehr! Nur noch Wiehern und nach Luft japsen und Lachtränen im Auto. Robe hat sich für immer unvergesslich in unsere Erinnerungen geprägt und eine unerklärliche Leidenschaft für australische Büchereien in uns geweckt.

Auf dem Weg nach Kingston, das ist unser heutiges Ziel und noch ziemlich weit weg werden wir von einem wundervollen Sonnenuntergang mit gleichzeitigem Vollmond aufgehalten. Wir machen einige Fotos und wieder einmal beneide ich meine beiden Freunde um ihre tollen Spiegelreflexkameras.

Mittlerweile ist es ganz dunkel und wir fahren noch immer kilometerlang durch Kiefernplantagen, wie schon seit gefühlten Ewigkeiten. Der exzessive Holzbau in Australien ist der Hammer, aber das erzähle ich dir ein anderes Mal, sonst wird dieser Bericht noch länger als eh schon. Es ist also dunkel und wir sind inzwischen auch schon ganz schön kaputt. Endlich kommt unser Etappenziel mit dem königlichen Namen in Sicht und mit einem erleichterten Seufzer steigen wir aus dem Auto, schnappen unser Gepäck und betreten das Hostel. Da ist erstmal keiner, aber das schreckt uns nicht, ist es doch schon öfter so gewesen. Wir gehen in die angeschlossene Bar, in der reges Stimmengewirr zu hören ist. Als wir drei, fremd, abgekämpft und hoch bepackt den Raum betreten erstirbt erst einmal jegliches Gespräch und alle (scheint eine Gruppe zu sein, die da beim Abendessen sitzt) schauen erstaunt zu uns rüber. Dann erfolgt ein grosses Hallo! und wer? woher? und wohin? müssen erst geklärt werden bevor wir uns zu dem grinsenden Barkeeper vorarbeiten können.

Wir bekommen unsere Zimmer, bereiten uns noch ein Abendessen zu und fallen dann recht schnell in unsere Betten. Am nächsten Morgen regnet es in Strömen, was den etwas trostlosen Eindruck, den wir von unserem Hostel und dem Städtchen haben noch vertieft. Die Weiterfahrt vorbei an etwas übelriechenden Wattlandschaften (bei Ebbe) und weiteren kilometerlangen, kerzengerade geoflanzten Kieferplantagen und flachen, gelben Feldern wird lediglich von den Pelikanen etwas aufgelockert, die in grossen Schwärmen und strikter V-Ordung am Himmel entlang ziehen.

Mitten im Nirgendwo halten wir an einem dieser bereits früher beschriebenen Tausendsassa-Läden für unseren morgentlichen Kaffeenachschub. An der Kasse arbeitet eine junge Deutsche ihre Tage ab, um ein weiteres Visum zu bekommen (zum Verständnis: man kann bis 35 ein Work&Travel Visum für ein Jahr bekommen, aber eben nur einmal. Viele möchten aber gerne noch bleiben und so hat die australische Regierung eine Regelung geschaffen. Du musst mindestens 88 Tage lang eine bestimmte Art Arbeit (Farm) machen und kannst dann ein weiters Jahresvisum beantragen. Dieser Laden hier ist soo weit ab vom Schuss, dass die Arbeit hier gilt!!). Das beschäftigt uns noch eine ganze Weile, denn die Gegend hier ist wirklich mal strunzlangweilig und bis zum nächsten Strand sind es 60 km! Und sonst ist hier auch gar nichts. Ich möchte mal sehen, was passieren würde, wenn man so eine Arbeit den jungen Menschen in ihren jeweiligen Heimatländern zumuten würde……..(ein Schelm, wer Böses dabei denkt!)

Heute kommen wir in Adelaide an! Ich habe mit der Dame aus Adelaide kontaktet und ihr jede Möglichkeit gegeben, aus ihrer Einladung zu entwischen, aber sie freut sich auf uns und so nehmen wir die Einladung an und freuen uns auf sie. Wie erwartet ist Adelaide eine grosse Stadt und das Fahren ist anstrengend, zumal wir mit dem Handy GPS fahren und die Uschi immer wieder Aussetzer hat. Letztendlich drehen wir ihr den Saft ab, nutzen nur die Karte und finden tatsächlich die richtige Adresse. Ein flaches Haus in einer ganz normalen Wohngegend, etwas am Rande der Stadt gelegen. Sieht gut aus! Wir klingeln.

Die Tür geht auf und da steht unsere Gastgeberin und strahlt über das ganze Gesicht. Sie ist ein bisschen aufgeregt, was voll sympatisch rüberkommt. Wir haben zwei schöne Gästezimmer und unser eigenes Bad und das ganze Haus ist total schön eingerichtet, geschmackvoll und voller Kunst (Hab ich schon gesagt, dass unsere Gastgeberin Künstlerin ist?) Wir trinken erstmal Tee, wie das hier so üblich ist – das sind sie ganz englisch, die Aussies – und lernen uns alle ein bisschen kennen. Dann überaschen wir sie gleich mit unserer Adelaide – Musiker – Bekanntschaft aus den Baumwipfeln und sie freut sich darauf, mit uns hinzugehen.

Sie chauffiert uns mit ihrem Wagen zum Ort des Geschehens, wir holen uns Getränke an der Bar uns suchen uns ein Plätzchen in Bens Nähe (Ben Ford – Davies (klick) ist der Künstler). Und schon geht es los! Er freut sich sichtlich, uns zu sehen und begrüsst uns sogar auf deutsch. Auch seine Freundin begrüsst uns und dann hören wir alle der Musik zu. Er spielt bekannte Songs, z.B. Cat Stevens  und auch selbst geschriebene. Die meisten der Gäste scheinen ihn persönlich zu kennen und das Ganze hat fast so etwas wie Wohnzimmercharakter. Er trinkt nebenher ein Weinchen, um seine Stimme zu ölen und lädt auch einmal einen seiner Freunde zu einem Duett ein. Alles sehr unkompliziert und schön, gute Musik, nette Leute, tolle Stimmung! Und dann kommt auch noch heraus, dass seine Freundin heute Geburtstag hat und es gibt eine Torte und alle singen Happy Birthday. Wir bekommen auch Torte und es wird angestossen und viel gelacht und sie erzählt uns auch noch prompt, wie sich das junge Paar kennengelernt hat. Herrlich!!

Am nächsten Morgen – hach, was haben wir gut geschlafen! – fahren wir nach einem ausgiebigen Frühstück in die Stadt und geben unseren Mietwagen ab. Anschliessend bummeln wir ein wenig herum, besuchen eine Ausstellung mit zeitgenössischer Aboriginekunst und schlendern dann in Richtung botanischer Garten. Da sehen wir am Rande des Parks eine Gruppe Aborigines auf dem Grass sitzen, zum ersten Mal seit ich in Australien bin sehe ich mehrere Aborigines! Sollen wir sie ansprechen? Ist das sehr unhöflich? Unschlüssig sehen wir herum, längst sind sie auch auf uns aufmerksam geworden. Die eine Gruppe von fünf Männern ruft etwas herüber und wir beschliessen, jetzt einfach mal weltmännisch offen, vorurteilsfrei und freundlich interessiert zu sein.

Leider stellt sich ziemlich schnell heraus, dass die Männer alle miteinander sturzbetrunken sind und nur einer kann halbwegs artikulierte Sätze bilden. Von einer Unterhaltung kann allerdings keine Rede sein und so brechen wir unsern kulturellen Austausch relativ schnell wieder ab. Schade! Wir sehen die Fünf noch mehrmals im Laufe des Tages überall in der Stadt und immer hat mindestens einer eine Flasche dabei (obwohl in Australien das Trinken von Alkohol auf offener Strasse verboten ist). Zumindest diese Fünf untermauern das Klischee des arbeitsscheuen, alkoholsüchtigen Eingeborenen.

Am späten Nachmittag kehren wir nach Hause zurück und machen uns daran, ein schönes Abendessen für unsere Gastgeberin und uns zu kochen. Wir haben einen sehr gemütlichen und harmonischen Abend zusammen. Sie erzählt uns etwas über ihre Kunst, sie ist nämlich sehr vielseitig und über die sogenannte Pinhole-Fotografie, von der ich noch nie etwas gehört habe – sie hat allerdings einige beeindruckende Bilder im Haus hängen und wenn du weisst, wie sie die macht……Hammer!! Hier geht’s zu ihrer website, falls du mal gucken willst.

Heute morgen ist super schönes Wetter und so beschliessen wir, einen langen Strandspaziergang zu machen. Wir machen uns alle vier auf den Weg und wandern in Richtung Stadt. Der Ozean ist heute ziemlich friedlich und die Wellen plätschern ans Ufer, ein bisschen Wind zerzaust uns die Haare und die Sonne scheint und wärmt – perfekt! Und wir laufen und laufen und es ist echt weit! Schliesslich kommen wir dort an, wohin unsere Gastgeberin uns führen wollte: an einen ziemlich grossen Flohmarkt, wo es auch Futter gibt. 😀 Und dann kann man von hier aus eine Bootsfahrt machen über den Fluss und durch das riesig grosse Hafenbecken zum Delphine gucken!! Jaaa!! Wir sind gleich begeistert, aber leider stellt sich heraus, dass das Boot heute nicht fährt. Na ja, schauen wir halt den Flohmarkt an……

Aber was so eine australische Lady ist, die lässt sich nicht lumpen! Hat sie doch mal schnell ihren Freund angerufen und ihn belatschert, dass er uns mit seinem Segelboot rausfährt! Und der Gute kommt uns tatsächlich abholen, fährt mit uns in den Segelclub und von dort hinaus und herum und kreuz und quer, solange bis wir tatsächlich zwei Delphine sehen, die in kurzer Entfernung schwimmen!! Und auch sonst ist die Bootsfahrt ein echter Knaller und in keinster Weise mit meiner letzten Segeltour zu vergleichen (wer sich erinnern mag). Das geschmeidige Dahingleiten auf ruhigen Wasser, die Sonne im Gesicht und einen kühlen Drink in der Hand – hmmmm, das finde ich auch klasse!! Wir alle geniessen diesen unverhofften Luxus sehr und bedanken uns überschwenglich bei unserem Kapitän.

Am Abend lässt es sich unsere Gastgeberin nicht nehmen, für uns aufzutafeln! Mit Sekt und Wein und jeder Menge leckerem Essen sitzen wir auf der Terrasse und lassen es uns so richtig gut gehen. Keiner will ins Bett gehen, denn es ist unser letzter Abend hier und wir sind ein bisschen wehmütig….. Aber es nutzt ja nix, die Reisenden ziehen weiter mit wundervollen Erfahrungen und einer Freundin am anderen Ende der Welt beschenkt. Diese nimmt uns noch mit in ihr Atelier, schenkt jedem von uns zum Abschied ein Miniaturbild von ihr gemalt und fährt uns auch noch zum Flughafen. Eine wirklich beispiellose und mehr als grosszügige Gastfreundschaft, die mich fast sprachlos macht und die ich mit tiefempfundener Freude und Dankbarkeit genossen habe.

Wieder gibt es Tränen beim Abschied.