Moorea – Haie, Kinder und andere Herausforderungen

Eine moderne Schnellfähre bringt mich in rund dreissig Minuten von Tahiti nach Moorea. Heute scheint die Sonne strahlend vom Himmel und das Meer ist so schön

blau und ziemlich schön ruhig. 😀 😀  will sagen, es ist eine schöne und ruhige Überfahrt und mir wird auch gar nicht schlecht.

 

Moorea sieht auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend aus: steile Vulkane ragen hoch auf und sind von dunkelgrünem Dschungel bedeckt. Nur an der Küste sehe ich hier und da Gebäude stehen, einen Strand kann ich erst nicht entdecken aber dann, beim Näherkommen schimmert mir doch weisser Sand entgegen und mein Herz mach einen Hupfer. Hoffentlich ist dieser Strand nicht allzu weit weg von meinem Domizil!

Meine Hostfamilie wohnt ganz in der Nähe vom Fährhafen und so mache ich mich zu Fuss auf, um mein Zuhause für die kommenden zwei Wochen zu finden. Eine französische Familie mit zwei Kindern bietet mir für zwei Stunden Mithilfe im Haushalt ein kostenloses Zimmer an. Die Frau betreut als Tagesmutter einige Kinder bei sich zuhause. Ich bin gespannt…..

Das kleine Haus ist schnell gefunden, doch als ich ankomme scheint gerade allgemeine Mittagsruhe zu sein, denn kein Mensch ist zu sehen. Schon nach ganz kurzer Wartezeit kommt allerdings eine junge Frau an den Zaun, begrüsst mich sehr freundlich und bittet mich hinein. (Hélène spricht ein bisschen englisch und ich ein bisschen französisch – wir kriegen das hin mit der Kommunikation.) Sie nutzt die Zeit, solange die kids noch schlafen, um mir mein Zimmer und das Haus zu zeigen.

Es gibt eine Art Haupthaus, das aus einem grossen Raum besteht, der als Kindergarten eingerichtet ist (oha!!) und einer Küchenzeile mit einem Esstisch, ein paar Schränken und einem Spülbecken. Gekocht wird draussen: unter einem Wellblechdach finde ich einen alten Zwei-Flammen-Campingkocher, ein paar Töpfe und Pfannen und den Kühlschrank. Hier gibt es ausserdem ein kleines Bad, das aber nur für die Gäste des B&B Zimmers ist (aha??). Das befindet sich im Dach und ist im Augenblick nicht vermietet.

Mein Zimmer ist in einer Art Nebenhaus, das sich paralell zum Hauptgebäude befindet. Hier gibt es vier Zimmer nebeneinander, zwei davon sind für workawayer, in einem schläft die Familie und das vierte gehört mit zum Kindergarten. Ausserdem gibt es noch ein zweckmässiges Bad, das leider wie mein Zimmer nicht sehr sauber ist. In meinem Zimmer steht ein Bett und ein Tisch. Es riecht staubig und ein wenig muffig.

Alles in allem kommt es mir ziemlich schmutzig und unordentlich vor. (Wann genau bin ich eigentlich zum typisch deutschen Sauberkeits- und Ordnungslover mutiert??) Als mir Hélène dann mitteilt, dass ich für die Sauberkeit selber zuständig bin erklärt sich das dann auch…….backpacker sind jetzt nicht dafür bekannt, hinter sich erstmal ordentlich sauber zu machen.

Inzwischen sind alle Kinder aufgewacht und befinden sich in verschiedenen Phasen von „nach Mittagsschlaf-quengelig“ über „wolfshungrig“ bis „unaufhaltsam unternehmungslustig“ – wer Kinder hat versteht sicher, was ich meine…. 😉

Ich werde als die neue „tati“ vorgestellt und ab sofort wird nur noch französisch geredet, oder noch besser tahitianisch. Die Kinder -sieben an der Zahl – sind zwischen 19 Monate und 5 Jahre alt und ich fühle mich wie im falschen Film. Und mächtig überfordert.

Zu meinem riesengrossen Glück ist hier noch eine andere workawayerin -Janina-, eine junge Münchnerin mit ihrem fünfjährigen Sohn, Bloggerin und seit eineinhalb Jahren unterwegs. Sie ist schon fast zwei Wochen hier, kennt sich aus und weiss was wie läuft. Sie übersetzt und erklärt mir vieles, steckt mir gleich die ein oder andere Info über die Familie und macht mir so das Ankommen leichter.

Als um vier endlich die ganzen Kinder abgeholt werden atme ich erleichtert auf. Hélène erklärt mir nun umgehend, was in Zukunft von mir erwartet wird: wer die Frühschicht hat kocht das Mittagessen für die ganzen Kinder und die Familie, macht den gesamten Abwasch des Morgens und räumt die Küche auf. Die Spätschicht räumt den Kindergarten auf, sprich sämtliche Spielsachen wieder in die entsprechenden Regale, Kisten, Körbe und Schachteln, fegt und wischt den Boden, säubert die Tische und Stühle, sowie das Badezimmer. Auch der Patio und der Garten müssen aufgeräumt werden. Und das restliche Geschirr spülen. Janina übernimmt natürlich die Morgentour.

Grrmppff…… ich hasse aufräumen. Und ich hasse putzen. Und mit zwei Stunden pro Tag ist das sicher nicht getan. Worauf hab ich mich da bloss wieder eingelassen???

Die Mahlzeiten sind in unserem Arrangement nicht enthalten und so mache ich mich gleich mal auf den Weg zum Supermarkt solange es noch hell ist. (Das ausgeliehene Fahrrad ist lebensgefährlich, klappert zum Erbarmen und hat keine Lichter und keine Bremse!! – In Zukunft laufe ich dann lieber….) Wer jetzt wann, wie, wo und mit wem isst, das ist mir noch nicht so klar. Will die Familie nun uns workawayer mit am Tisch haben oder wollen die abends vielleicht auch mal unter sich sein? Privatsphäre scheint es hier eh praktisch nicht zu geben, da alles offen ist und die Kinder (zwei bleiben ja hier!) sowieso überall hin dürfen (ausser in unsere Zimmer). Aber vielleicht brauchen ja auch nicht alle Menschen soviel Raum wie ich?

Am Abend kommt Hubert, der Hausherr von der Arbeit nach Hause. Auch er ist sehr freundlich und spricht leidlich gutes Englisch. Die beiden kleinen Mädchen sind niedliche, kleine Teufelchen. Die Grosse macht einen auf Boss und wehe, es spuren nicht alle. Sie ist schnippisch und haut auch schon mal zu. Wird sie erwischt setzt es grosses Drama. Die Kleine macht auf Baby und stellt sich gerne als hilfloses Opfer dar, womit sie meistens durchkommt. Beide Eltern haben eine Eselsgeduld, mir gehen die beiden schnell mal auf den Wecker. Hmm……

Gleich am ersten Abend nimmt Janina mich mit zu einer Art Tanztraining, das grad um die Ecke auf einem grossenPlatz stattfindent. Grund dafür ist das jährliche Heiva Dance Festival. Das ist eine Art Show/ Contest, bei dem traditionelle polinesische Tänze vorgeführt werden. Die Teilnehmer nehmen dies sehr ernst und so wird vorher monatelang trainiert und geprobt, denn jeder will gewinnen. Es gibt jede Menge verschiedene Kategorien und vom Krabbelkind bis zum Opa, Amateure und Profis, alle tanzen sich hier die Seele aus dem Leib.

Und wie die tanzen!! Auf dem Platz trainieren sicher mehr als hundert Leute. Musiker spielen live und ich schaue den Tänzern völlig fasziniert zu. Wie machen die das bloss, dass sie ihre Hüften so schnell bewegen können? Die Frauen können sogar in die Hocke gehen und wieder aufstehen ohne ihre Hüftschwünge zu unterbrechen oder auch nur zu verlangsamen. Das ist unglaublich! Und hier wird richtig hart gearbeitet, der Schweiss fliesst in Strömen und ich höre auch das ein oder andere unterdrückte Stöhnen als die Trainierin ein weiters Mal von vorne beginnen lässt. Einige westliche Gesichter sehe ich unter den Trainierenden und auch die zeigen einen beeindruckenden Hüftschwung – also kann man das vielleicht lernen?!

Das Ganze ist eine Art Happening: ganze Familien sitzen auf dem Boden rund um die Tanzfläche, unterhalten sich lautstark und schauen den Tänzern zu, Kinder rennen überall herum und alle scheinen eine Menge Spass zu haben.

Als ich jedoch ein paar Fotos schiessen will kommt schnurstracks einer der Trainer auf mich zu und ruft schon von Weitem „No foto, Madame!“ Klar, die Musik und die Choreographie sind streng geheim – ist schliesslich ein Wettbewerb! Ich entschuldige mich und lege die Kamera weg.

Als das Training vorbei ist kommen alle Tänzer und viele der Zuschauer zusammen und halten sich an den Händen. Die Musiker spielen eine ganz langsame Melodie und alle gemeinsam singen eine Art Gebet. Über uns wölbt sich der Sternenhimmel, ein halber Mond schaut herunter und all diese weichen polinesischen Stimmen singen inbrünstig – wow, das geht rein! Als es vorbei ist gehen alle fröhlich plaudernd und lachend nach Hause. Man sieht sich nächste Woche….

Janina und ihr Sohn sind leider bloss noch zwei Tage hier, was mir leid tut, denn es ist lustig mit ihr. Aber da kann man halt nichts machen. So gewöhne ich mich langsam an die Familie und das einfache Leben, das sie führen. Ich lerne die Kinder im Kindergarten kennen und auch ein paar der Eltern, meist Expats. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich nicht so ganz richtig wohl fühle. Ich hab zwar gleich zu Beginn meinem Zimmer und dem Bad eine ordentliche Säuberung verpasst, aber trotzdem ist es muffig und nicht gemütlich. Eines Abends läuft eine vier Zentimeter grosse Kakerlake an einem Kabel neben meinem Bett hinunter….. Die Küchenschränke sind muffig und das olle Plastikgeschirr aus dem Kindergarten ist auch nicht gerade appetitanregend. Die Familie scheint damit keinerlei Probleme zu haben. Sie schlafen auf Matratzen am Boden, gekocht wird eben auf dem Campingkocher, gegessen wird meist am Küchentisch im Kindergarten. Um acht sind alle in ihren Betten verschwunden. Es gibt keine Gespräche, die über das Alltägliche hinausgehen. Ich tu mich echt schwer…..

Dazu kommt noch, dass es hier, wo ich wohne überhaupt nichts gibt, bloss den Hafen und einen Supermarkt. Der supertolle Strand ist 10 Autominuten weg und das nächste Dorf noch ein bisschen weiter. Da Hubert im Familienauto zur Arbeit fährt sitzen wir mehr oder weniger zuhause fest. Und dann regenet es auch noch sehr viel.

Als Tüpfelchen auf dem i wird dann auch noch in mein Zimmer eingebrochen.

Eines Morgens stehe ich auf und meine Zimmertür (eine Glasschiebetür) steht rund 20 cm offen, obwohl ich ganz genau weiss, dass ich sie am Abend ganz geschlossen hatte. Ich denke mir nichts weiter, wahrscheinlich wollte bloss eines der Mädchen schauen, ob Tati schon wach ist. Irgendwann im Laufe des Tages merke ich dann aber, dass meine Bauchtasche weg ist – Mist! Ob ich die wohl gestern im Supermarkt liegengelassen habe?? Schnell mal nachfragen – nö, keiner weiss was. Hmmm………sonst fehlt nichts, Handy PC, Kamera alles ist noch da. Auch bei den Anderen fehlt nichts. Aber niemand war an meiner Tür. Und da kommt Hubert und meldet den Verlust von zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank. Also wohl doch ein Einbruch-Diebstahl. So ein Mist!! Wahrschienlich irgendwelche Jugendliche auf der Suche nach Bargeld.

Portemonnaie, Führerschein, Kreditkarte und einige persönliche Dinge, die mir so wichtig sind, dass ich sie immer bei mir haben will, sowie meine seabands (Armbänder gegen Reiseübelkeit) sind weg! Ich suche nun systematisch die Umgebung des Hauses ab – vielleicht hat der Dieb ja die Tasche weggworfen, nachdem er das Geld herausgenommen hatte?! Hat er leider nicht. 🙁

Hubert fährt mit mir zur Polizei, um eine Anzeige aufzugeben. Ich gerate an einen Polizisten, der offensichtlich erst seit seeehr kurzer Zeit hier arbeitet – er weiss weder, wie der Computer funktioniert, noch wo einzelne Sachen, wie z.B. Papier liegen. Nachdem er meine Daten aufgenommen hat wechselt er ins Spanische und einer Unterhaltung sind keine Grenzen mehr gesetzt. Wie sich herausstellt, gehört er eigentlich zu einer Spezialeinheit gegen Drogenhandel und hat eine Zeitlang in Südamerika gearbeitet, wo er Spanisch gelernt hat. Warum er jetzt in Moorea an einem Schreibtisch hockt und Kleinkriminalität aufnimmt frage ich höflicherweise nicht.

Bis auf die persönlichen Sachen ist der Verlust zu verschmerzen. Bargeld war fast keines drin im Geldbeutel und die Kreditkarte habe ich natürlich sofort gesperrt. Der Verlust des Führerscheins ist alledings sehr ärgerlich, denn nun werde ich für Wochen nicht fahren können, denn wer weiss schon ob und wie und wann die spanischen Behörden mir einen neuen ausstellen?! Ausserdem fühlt sich die Tatsache, dass jemand während ich schlafe in mein Zimmer kommen kann und ich davon nichts mitkriege eindeutig unangenehm an. Ich hätte gewettet, dass ich aufwachen würde, aber anscheinend habe ich einen gesegneten Schlaf. Auch die Familie ist geschockt, so etwas ist hier noch nie vorgekommen.

Wie auch immer, passiert ist passiert, die Sachen sind weg. Nun heisst es, wieder auf andere Gedanken zu kommen und weiter zu machen. Und so gehe ich am nächsten Tag ins Lagoonarium.

Mit einem kleinen Boot werde ich zu einer winzigen, vorgelagerten Insel gefahren. Dort bekommt jeder Gast eine kleine Badehütte zugewiesen, wo man sich umziehen kann oder auch aus der Sonne zurückziehen kann (also falls sie denn scheinen sollte, was sie leider nicht tut). Ausserdem gibt es ein kleines Café und einige Sitz-gelegenheiten. Alles ist toll dekoriert mit Muscheln und Korallen. Hier kann man es schon einmal einen Tag aushalten.

Das besondere am Lagoonarium ist allerdings das Schnorcheln. Hier gibt es besonders viel zu sehen unter Wasser und zwar sowohl schöne Korallen, als auch ganz viele bunte Fische. Das highlight sind allerdings die handzahmen Stachelrochen und die Riffhaie, die hier zweimal am Tag mit kleinen Fischen angefüttert werden und daher aus dem grossen Ozean an den von den Menschen gedeckten Tisch kommen. Aber es gibt keine Netze oder Gitter oder so was, es sind wirklich frei lebende Tier, die freiwillig kommen und gehen. Das kann mein Tierschützerherz gerade noch als Einmischung verkraften und ich muss sagen, ich freue mich darauf, diese grossen Fische einmal aus der Nähe betrachten zu können.

Also gehe ich mit einer Handvoll weiterer Gäste ins Wasser und schau mir unter Wasser die grossen Stachelrochen an, die da völlig relaxed und ohne Scheu um uns herum schwimmen. Man hat fast den Eindruck, dass sie sich gerne berühren lassen, denn sie streichen dem Fütterer um den Körper wie Katzen einem um die Beine streichen. Hmmm…???

Dann geht es ins tiefere Wasser und wir müssen uns alle an quer gespannten Seilen festhalten, um nicht von der unglaublich starken Strömung weggespült zu werden. Und dann sind sie auch schon da – die Riffhaie. Erst zwei, dann fünf und dann immer mehr schwimmen diese grossen Fische pfeilschnell um uns herum. Blitzartig verändern sie ihre Schwimmrichtung und ziehen ihre Bahnen so völlig unberechenbar. Sie umkreisen den Fütterer, machen aber keinen aggressiven Eindruck. Uns andere, die wir atemlos und mit klopfenden Herzen die Jäger der Meere beobachten, würdigen sie sowieso keines Blickes. Aber sie sind uns doch sehr nah! Einer der 120-160 cm grossen Schwarzspitz-Riffhaie hat mir mit seiner Schwanzflosse beinahe die GoPro aus der Hand geschlagen! Hier findest du zwei kurze Videos, ungeschnitten und nicht bearbeitet! Unbedingt anschauen! 😉

Das war wirklich ein sehr aufregendes Erlebnis und obwohl der Himmel grau war und die Korallen daher nicht so schön bunt aussahen wie bei Sonnenschein habe ich doch einen supertollen und sehr spannenden Tag hier verbracht. Heute abend falle ich rechtschaffen müde in mein Bett!

An einem anderen Tag kann ich mir von einer Freundin von Hélène ein Auto ausleihen, auch ohne Führerschein das interssiert hier offensichtlich niemand.(Hoffentlich hält mich die Polizei nicht an!) So komme ich wenigstens dazu, einmal ein wenig auf der Insel herumzufahren und sie so besser kennen zu lernen. Als erstes fahre ich bloss bis ins Dorf, setze mich ins Café und schaue mir die Leute an. Hier hat jeder Zeit, es gibt kein Herumgehetze, kein Gerenne. Man kennt sich natürlich und so wird aus jedem zufälligen Treffen ein Plausch. Es scheinen ziemlich viele Ausländer hier zu leben, vor allem natürlich Franzosen.

Insgesamt ist Moorea ein ruhiges Inselchen. Während Tahiti und dort vor allem die Hauptstadt Pape’ete deutlich europäisch geprägt sind und ich doch eine gewisse Tendenz zu Effektivität, Planung und Streben erkennen konnte, so geht das Leben hier noch immer einen gemächlichen Gang und niemand scheint daran gross etwas ändern zu wollen.

Meine Tour steht leider wettertechnisch unter keinem guten Stern. Kaum sitze ich wieder in meinem Auto schon öffnet der Himmel seine Schleusen und ein tropischer Regenguss trommelt auf die Insel nieder. Das kommt so schnell, dass die Sonne kaum Zeit hat, sich hinter den dicken Wolken zu verstecken, was mir diesen wunderschönen, intensiven Regenbogen beschert.

Ich fahre einzelne Ziele an, die mir empfohlen wurden, wie beispielsweise den Botanischen Garten, einen hohen Aussichtspunkt oder die Ananasplantagen. Doch leider verschlechtert sich das Wetter immer mehr und oft kann ich erst gar nicht aus dem Wagen aussteigen. Sicht ist eh gleich null, grau in grau und ausser Wolken nichts gewesen.

Ich versuche auch, eine einheimische Frau zu treffen, die schöne Sarongs handbemalt. Das wäre ja mal ein tolles Souvenir! Aber leider treffe ich die Dame trotz vorheriger Absprache nicht an. Schade.

Trotz allem geniesse ich die Freiheit, einfach herumfahren zu können und so wenigstens einmal aus dem Haus zu kommen.

Und dann wird Hélène krank. Erst schleppt sie sich noch zwei Tage mehr schlecht als recht durch den Tag, aber man sieht ihr an, dass ihr Magen-Darm-Virus ihr ganz schön zusetzt. Am dritten Tag stehe ich dann plötzlich alleine mit den Kindern da – sie bittet mich, mehr oder weniger zu übernehmen. Zwar kommt sie immer wieder mal raus aus ihrem Zimmer, aber so richtig zu was zu gebrauchen ist sie eher nicht. Hoppla! So hatte ich mir das natürlich nicht vorgestellt. Noch bevor ich überhaupt gefrühstückt habe sind die ersten kids schon da und schauen mich erwartungsvoll und unternehmungslustig an. Hmpf…..meine eigenen Kinder sind ja schon gross, will heissen, es ist schon ne ganze Weile her, dass ich mich um so kleine Purzel gekümmernt habe – dazu noch so verschieden im Alter und in einer fremden Sprache! Was soll ich dir sagen? Das war der längste Tag meiner bisherigen Reise und als am Nachmittag endlich alle wieder bei ihren Eltern sind und der Kindi aufgeräumt und sauber ist da bin ich so was von fertig. Und heilfroh, dass der Tag rum ist! Du machst dir gar keine Vorstellung…… Hélène hat der ruhige Tag sehr gut getan und am kommenden Morgen, obwohl noch nicht wieder richtig fit übernimmt sie wieder und ich mach bloss den Hiwi. Welch eine Erleichterung!

Nachdem ich mehrere Tage mit mir gerungen habe treffe ich die Entscheidung, die Familie früher zu verlassen als ursprünglich ausgemacht. Das fällt mir schwer, denn eigentlich halte ich mich an einmal getroffene Vereinbarungen. Doch ich fühle mich einfach nach wie vor nicht so richtig wohl und schliesslich ist es ja auch meine Traumreise und da sollte ich Sachen machen, die mich glücklich mache – oder?!

Und so buche ich ein Insel-Hopping Flugticket Moorea – Bora Bora – Huahine -Tahiti für die kommenden Tage. Ich kriege direkt anschliessend einen flash! Ich geh nach Bora Bora!!!!

Die Familie nimmt meine Entscheidung überrascht, aber doch gelassen auf und sie finden glücklicherweise in kürzester Zeit jemanden, der für mich einspringt. Sie heisst Tatjana und ich mag sie auf den ersten Blick. Ich mache mit ihr, was Janina mit mir gemacht hat: zeige ihr alles, erzähle ein bisschen wie das hier so läuft und mache ihr den Einstieg so einfach wie möglich.

Ich hab noch einen freien Tag gut und Hélène meint, sie käme einen Tag auch mal alleine zurecht, sodass Tatjana und ich eine gemeinsame Wanderung machen können. Eine Dschungeltour ganz alleine ist nämlich keine gute Idee und die Familie war nicht dafür zu begeistern. So machen wir beide uns am kommenden Morgen auf den Weg mit einer ungefähren Wegbeschreibung und guter Laune im Gepäck. Fröhlich plaudernd und Reiseanekdoten austauschend suchen wir uns unseren Weg. Das Plaudern weicht allerdings schon bald einem immer lauter werdenden Schnaufen, denn bei dreissig Grad und 80% Luftfeuchtigkeit einen dschungelbedeckten Berg hinaufzuklettern, das ist ganz schön anstrengend kann ich dir sagen. Wir suchen uns unseren Weg mehr schlecht als recht, denn offensichtlich ist hier schon lange niemand mehr gewandert. Kunststück! Die Einheimischen halten uns Touristen eh für völlig durchgeknallt, dass wir bei der Hitze unbedingt im Wald herumlaufen wollen. Und die Touristen hält es meist schön brav auf den ausgetretenen Pfaden und an den schönen Stränden, sprich in den Resorts. Aber wir beide haben uns gefunden und ermuntern uns gegenseitig. Beide geben wir offen zu, dass wir die Tour alleine wahrscheinlich abgebrochen hätten, aber so zu zweit helfen wir uns über schwierige Stücke, wenn der eh schon schmale Pfad teilweise ausgewaschen oder weggebrochen ist, wenn wir über grosse Felsbrocken und umgestürzte Bäume klettern müssen und auch schlicht bei der Auffindeung des Weges überhaupt. Denn mehr als einmal ist plötzlich einfach kein noch so schmaler Pfad mehr auszumachen. Aber immer wieder öffnet sich der Dschungel ein Stückchen, sodass wir wieder erkennen, wo wir sind und im Grunde genommen ist es eh einfach: erst geht es immer hoch bis ganz oben, dann eine Weile lang am Grat entlang und dann wieder nach unten bis wir auf ein paar Häuser treffen. Von da aus haben wir die Wahl, direkt wieder zur Küste zu laufen oder den langen Weg über ein Dorf um ein Stück weiter weg an die Küste zu gelangen. Als wir nach ungefähr vier Stunden an besagten Entscheidungspunkt kommen gibt es auch nicht den kleinsten Moment des Zögerns: wir nehmen den direkten Weg!

Ausgepowert und unübersehbar zufrieden kommen wir im Dorf an und besorgen uns, da wir leider kein Café oder so was finden, im Supermarkt ein kühles Bier und ein paar Snacks. Wir setzen uns an die Bushaltestelle und picknicken und fühlen uns wieder wie vierzehn (Bushaltestelle und so). Hahaha…… Per Anhalter geht es zurück nach Hause und das war mal ein richtig guter Tag heute.

An meinem letzten Abend lädt uns Hélène ins noble Sofitel zur Show ein. Hier gibt es eine Happy Hour, sodass die Getränke nicht ganz so teuer sind und anschliessend eine Maori-Tanzshow. Das Hotel ist edel und genauso, wie man sich das so vostellt: Palmwedel gedeckte Dächer, edle Hölzer und hübsche Tahitianerinnen, die den meist älteren Gästen ihre Wünsche erfüllen. Die over-water Bungalows sehen einfach klasse aus, aber auch die Gartenbungalows machen einen sehr guten Eindruck auf mich. Der gepflegte Garten lädt zum Flanieren ein und der Strand ist traumhaft schön. Für einen Tag oder zwei würde ich mich tatsächlich auch gerne einmal in so einem Luxusresort verwöhnen lassen…..

Die Show beginnt mit ein paar Feuertänzern. In atemberaubender Geschwindigkeit wirbeln die Männer ihre Fackeln herum, werfen sie sich gegenseitig zu, springen dabei stampfend herum und stossen wilde Schreie aus. Die zuckenden Flammen werfen Licht und Schatten auf die muskulösen Körper und die weit aufgerissenen Augen lassen die Tänzer fast wie Dämonen erscheinen. Richtig toll! Die anschliessenden „normalen“ Tänze können da weder in Ästhetik noch in Atmosphäre mithalten und es ist offensichtlich, dass die Tänzer nicht zur Elite gehören. Was soll’s, den Gästen gefällt’s trotzdem, zumindest denen die von ihren Tellern aufschauen, um den Tänzern zuzusehen. Das sind die wenigsten und schon wird mir klar, warum die Tänzer wenig motoviert sind und ich applaudiere ein bisschen lauter und länger, als es die Darbietung eigentlich verdient hätte. Ich finde es furchtbar, wenn Künstler, Performer, etc. sich viel Mühe geben und das Publikum das gar nicht oder wenig würdigt, sprich nicht applaudiert, schon vor dem letzten Vorhang das Theater verlässt oder – ganz schlimm – erst gar nicht hinschaut. Warum gehen die Leute denn dann hin?

Egal, wir Mädels hatten einen tollen Abend und ich rechne es Hélène hoch an, dass sie trotz ihres Unwohlseins mit uns hierher gekommen ist.

Und dann heisst es wieder einmal Abschied nehmen. Die Kinder machen plötzlich einen Reisenwirbel um mich, obwohl ich sicher nicht ihre Lieblingstati bin (ich hab halt nicht immer alles durchgehen lassen….) und Hélène nimmt mich fest in den Arm. Irgendwie war es ja auch trotz allem eine tolle Zeit und ich habe die ganze Familie ins Herz geschlossen.

Fazit: Moorea ist eine wunderschöne Insel und hat viel zu bieten: tolle Strände, super schnorcheln und anspruchsvolle Trekkingmöglichkeiten. Die Infrastruktur ist gut und Pape’ete als „Grossstadt“ nur eine halbe Stunde entfernt. Mir persönlich gefällt es hier sogar besser als auf Tahiti!

Und jetzt kommt……(Trommelwirbel)….. Bora Bora!!!!

Südseeparadies Tahiti

Beim Anflug auf Tahiti ist es leider schon dunkel und so kann ich keinen ersten Blick auf die Insel erhaschen. Umso schöner ist es, auf dieser Insel mit richtig schöner Hula-Musik begrüsst zu werden.  Die Drei zaubern mir gleich ein Lächeln auf’s Gesicht und ich bin voller gespannter Vorfreude auf meine Zeit in Tahiti.

Natürlich weiss ich auch dieses Mal nicht so richtig, was mich hier erwartet, aber das macht ja immer auch einen Teil des Reisespasses aus! Ich habe dieses Mal ein Bett in einer privaten Villa gebucht. Die Beschreibung auf der website war ein bisschen verworren, aber die Bewertungen waren ziemlich gut und nun lass ich mich halt mal überraschen. Die Vermieterin wollte mir jemanden schicken, der mich abholt und zur Villa bringt.

Immigration ist dieses Mal eine ganz einfache Sache, denn Tahiti gehört irgendwie mit zu Frankreich und somit habe ich mit meinem deutschen Pass keinerlei Schwierigkeiten. Leider bekomme ich auch keinen Stempel in meinen Pass, sogar auf Nachfrage ernte ich nur ein bedauerndes Kopfschütteln.

Als ich aus dem Zoll komme steht wieder einmal niemand da, um mich abzuholen. Warum wundert es mich jetzt schon nicht mehr??? Ein weiteres Mal sitze ich bei Nacht an einem fremden Flughafen und habe dieses Mal nicht einmal eine genaue Adresse oder so. Also fasse ich mich in Geduld und hoffe das Beste.

Und tatsächlich, schon nach einer halben Stunde kommen zwei junge Leute auf mich zu (mittlerweile bin ich als Einzige übriggeblieben, daher einfach zu identifizieren), stellen sich als Adrien und Marjorie vor und nehmen mich mit in die Villa. (Angekündigt war mir zwar ein Didier als Fahrer, aber na ja…).

Also um es nun mal kurz zu machen: die Villa liegt auf halber Höhe an einem Hang inmitten eines ziemlich pompösen Villengebietes mit Security und so. Es gibt mehrere Zimmer und einen grossen Raum, der den gesamten ersten Stock ausfüllt. In diesem Raum stehen acht Betten aus Paletten zusammengebaut und durch kleine Regale und Schränkchen so voneinander abgetrennt, dass so eine Art Privatsphäre entseht. Eigentlich ziemlich cool. Im Wohnzimmer gibt es mehrere bequeme Sofas, die um einen grossen TV gruppiert sind. In der grossen, modernen und voll ausgestatteten Küche werkeln ein paar Leute herum. Das gesamte Leben findest allerdings auf der grossen Terrasse statt, die L-förmig den Pool umschliesst. Das Ganze ist einfach mal meegaa!

Einziger Nachteil: bis zum Meer oder zur Stadt braucht man eine Viertelstunde im Auto oder mit dem Roller. Dafür ist die Aussicht von der Terrasse ziemlich spektakulär und die Sonnenuntergänge über Moorea (der Nachbarinsel) sind echte highlights!

Diese Villa wird von insgesamt siebzehn Personen bewohnt, allesamt Franzosen. Ich bin in einer französchen WG gelandet! 😀 😀

Mein komplett eingerostetes Schulfranzösich gibt kaum mehr als ein rauhes „Salut, je m’apelle Nicole“ her und ich bin wirklich heilfroh, dass ein Grossteil der Leute zumindest ein bisschen Englisch spricht. Die WG-Leute sind alle miteinander echt nett zu mir und Adrien gibt mir sogar „du pain et du fromage“ und ein Bier von sich ab . Wie sich im Laufe meines Aufenthaltes herausstellen wird ist er so eine Art Schutzengel für mich – jetzt bin ich erstmal froh, dass sich jemand ein bisschen um mich kümmert und sich mit mir unterhält. Als einzige „Neue“ in so eine eingeschworene Gemeinschaft zu kommen, das fühlt sich an wie Schulwechsel mitten im Jahr.

Am nächsten Tag muss ich erst einmal etwas einkaufen gehen, denn hier oben  gibt es keine Restaurants oder so, was bedeutet, es ist Selbstversorgung angesagt. Einer der Hausbewohner nimmt mich mit in die Stadt Pape’ete als er zur Arbeit fährt. Mit dem Roller dauert die Fahrt gute zehn Minuten – ich habe keine Ahnung, wie ich danach wieder in die Villa kommen soll, aber wenigstens habe ich jetzt eine Adresse und ich denke, ich würde sogar wieder hinfinden…..

Ich betrete den erstbesten Supermarkt und fühle mich ins Paradies versetzt! Es gibt eine richtige Obst-und Gemüseabteilung mit vollen Regalen und frischen  Waren. Knuspriges Baguette. Käse. Herrlich!! Ich spaziere regelrecht durch die Regale und kann mich kaum einkriegen, ob all der Auswahl und Frische der Ware. Es ist wie zuhause! 😀 (Man mag mir das bitte nachsehen, nach meinen Erlebnissen in Rarotonga).

Ich kaufe nach Herzenslust ein und erst an der Kasse fällt mir ein, dass ich das ja alles tragen muss. Aber ich kriege irgendwie alles in meinen  kleinen Rucksack gestopft plus einer Tüte, die ich leider nehmen muss. So voll bepackt mache ich mich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Es ist übrigens runde dreissig Grad heiss und die Sonne steht schon fast im Zenit an einem knallblauen Himmel.

Ich frage in drei Bussen nach, ob die vielleicht in die Nähe meiner Villa fahren (schliesslich ist die Uni von Pape’ete ganz in der Nähe) aber ich habe kein Glück. So laufe ich halt mal los und bin unendlich erleichtert, als mich ein Handwerker einsammelt und den Berg hinauffährt. Er ist sehr nett, obwohl unsere Unterhaltung, da auf französisch geführt ein bisschen holprig ist. Ich finde tatsächlich auf Anhieb den Rückweg zur Villa und darauf bin ich mal richtig stolz! 😉

Am Nachmittag nimmt mich einer meiner Mitbewohner mit an den Strand. Zum ersten Mal sehe ich echte „over-water-bungalows“ und ich hoffe, irgendwann kann ich mal wenigstens eine Nacht in so einer Luxushütte übernachten, denn die sind schon mal echt megacool. Heute reicht es mir allerdings auch, dass ich ganz für umme am gleichen Strand liege, wie die Gäste dieser Luxusherberge. Und die Unterwasserwelt hat auch einiges zu bieten. Ein rundherum erfolgreicher erster Tag.

In den kommenden Tagen bin ich mit einem Mietauto unterwegs und erkunde die Insel auf eigene Faust. Leider hat sich die Sonne komplett verabschiedet, graue Wolken hängen schwer und tief über der Insel und natürlich regnet es auch immer wieder recht heftig.

Fast die gesamte Küste ist bebaut, doch im Gegensatz zu Rarotonga, wo man trotzdem ganz einfach überall ans Meer konnte gibt es hier viele Mauern und Zäune und nur selten Zugänge zum Meer. Die öffentlich ausgeschriebenen Strände, übrigens grösstenteils schwarz, sind bei schönem Wetter ziemlich gut besucht. Überall blühen tropische Blumen und im Grossen und Ganzen macht alles einen ziemlich modernen und gepflegten Eindruck. Ein bisschen Europa ist hier also tatsächlich zu spüren, besonderns heimatlich wird es als ich einen Tag in einen „Carrefour“ Supermarkt komme, hahaha.

Natürlich ist die Natur hier ganz tropisch und so ist Tahiti trotz allem europäischen touch eine exotische Insel. Zum Beispiel finde ich die ausgedehnten Kokosplantagen ganz toll.

Ich besuche einen grossen und ein paar kleinere Wasserfälle, halte an jedem Strand mal kurz an und hüpfe ins Wasser, fahre kreuz und quer durch die Gegend. Natürlich versuche ich auch, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu erleben, was sich erstauenlicherweise als nicht ganz einfach herausstellt. Auf der Touristenkarte sind gerade mal eine Handvoll Spots angegeben, die ich auch brav abfahre: eine Grotte, die recht hübsch bepflanzt ist, „le jardin de l’eau“ ein kleiner Park mit Wasserbassins (hier treffe ich auf eine einheimische Hochzeitsgesellschaft, die Fotos machen) und den grossen Wasserfall. Dann suche ich noch einige „marae“ auf, die allerdings recht schwierig zu finden sind, da es so gut wie keine Beschilderung gibt. Marae sind alte Tempelstätten, die allerdings durchaus auch heute noch genutzt und besucht werden. Obwohl Tahiti eigentlich christlich ist, wie die zahlreichen oft bunten Kirchen beweisen scheint der alte Glaube noch immer weit verbreitet zu sein und alle „Tiki“ Figuren in den Marae sind gepflegt und geschmückt und mit Opfergaben bedacht. Offensichtlich schaffen auch die tahitianischen Ma’hori den Spagat zwischen ihrem traditionellen Glauben und der christlichen Religion.

Auch der Fischfang wird von Vielen noch ganz traditionell betrieben. Bitte schau dir doch mal diese winzigen Auslegerboote an – damit fahren die Tahitianer auf’s offene Meer hinaus!!

Der Besuch im Gauguin Museum, auf den ich mich sehr gefreut hatte musste leider ausfallen, da das besagte Museum  geschlossen war und das offensichtlich seit Jahren. Für mich etwas unverständlich, da neben Capitain Cook und der berühmten „Bounty“ sicherlich Gauguin mit seinen bekannten Gemälden der Tahiti-Schönheiten einer der berühmtesten Besucher der Insel war und sein Wohnhaus mit dem angeschlossenen Museum bestimmt ein Publikumsmagnet wären. So kann man nur den angeschlossenen botanischen Garten besichtigen.

Am „Point Venus“ kann man diesen Turm hier bewundern und ausserdem ein weiteres Denkmal, das Captain Cook und seinen Entdeckungen der polinesischen Inseln gewidmet ist. Auf kleinen Täfelchen ist genau vermerkt in welchem Jahr er welche Insel entdeckt hat. Ganz ehrlich: das war ein richtig fleissiger Entdecker! Der hat fast alles hier entdeckt. Und als Seemann interessierte er sich natürlich besonders fürs Navigieren und somit auch für die Sterne. Genau an der Stelle, wo heute ihm zu Ehren der Turm steht stand nämlich 1769 sein mobiles Observatorium in dem er die Transision der Venus (vor der Sonne) beobachtete. Aus den daraus gewonnenen Kenntnissen konnten genauere Berechnung vor allem des Längengrades vorgenommen werden (….bitte frag mich nicht!!!!…..)

Heute spielen im Schatten des Turmes die Einheimischen „Boule“, erzählen sich die Neuigkeiten des Tages oder schauen den Kindern beim Spielen zu. Direkt neben dem Turm schliesst sich der beliebteste Strand der Insel an, der besonders am Wochenende sehr stark von den Einwohnern von Pape’ete besucht wird. Es ist einer der besten Badestrände der Insel, da hier die Wellen nicht so hoch sind. Die meisten anderen Strände eignen sich eher zum Surfen. Und hier beobachte ich etwas besonderes: der Strand läuft nicht langsam ins Meer, sondern es gibt einen relativ steilen Abbruch im Sand. Das führt dazu, dass die Wellen nicht langsam auslaufen sondern sich am Abbruch quasi überschlagen und dann zurücklaufen. Es gibt also zwei sich entgegen laufende Wellen…..faszinierendes Schauspiel, hab ich bewusst so noch nie irgendwo gesehen.

Einen Tag mache ich einen schönen langen Spaziergang zu einem Aussichts-punkt hoch über der Stadt . Ich geniesse die Bewegung in der Frische des Waldes und als ich auf halber Höhe ankomme steht da ein hübsches Restaurant, wo ich mit leckerem Kaffe und einer tollen Aussicht belohnt werde. Hier mache ich dann auch wieder kehrt, denn für den Rest des Anstieges braucht man mehere Tage Zeit und vor allem eine bessere Fitness.

Die Abende verbringe ich meist mit den WG Bewohnern in der Villa. Blaue Stunde am Pool mit fantastischen Sonnenuntergängen über der Nachbarinsel Moorea, jeder kocht sich was und über Stunden sitzt immer irgendjemand essend am Tisch. Mit ein paar Mitbewohnern verstehe ich mich ganz gut und es kommen sogar manchmal richtig gute Gespräche auf.

An einem Tag mache ich eine geführte JeepTour in das Innere des Vulkans, der sogenannten Caldera. Recht früh am Morgen werden wir Teilnehmer eingesammelt und auf eine Jeepladefläche mit Bänken verfrachtet. Wir sind glücklicherweise nur eine kleine Gruppe von sieben Leuten. Schon nach einer kurzen Fahrt raus aus der Stadt biegen wir von der Landstrasse ab in Richtung Grün. Wie zu erwarten war wird die Strasse schmal und immer schmäler, die Schlaglöcher grösser und tiefer und der Busch grüner und dichter je weiter wir vordringen. Jetzt können wir auch aufstehen, denn es macht viel mehr Spass, auf den Bänken stehend die schöne Aussicht zu geniessen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Es ist einfach unbeschreiblich grün und dschungelig hier! Immer wieder sehe ich Wasserfälle, die sich teilweise aus grosser Höhe über die Felsabhänge stürzen. Unser Führer hält oft an und erklärt uns etwas über die hiesige Pflanzenwelt. Beispielsweise zeigt er uns eine Schlingpflanze, die hier von amerikanischen Soldaten eingeführt worden war. Die GI´s nutzten diese schnellwachsende Schlingpflanze, um ihre Panzer zu verstecken.

Gegenüber einer hohen Felswand hält er an und zeigt uns einige Höhlen in der Ferne. Dort seien die letzten tahitianischen Könige bestattet, sagt er. Anscheinend waren die Mumien dieser letzten Könige nach deren Entdeckung auf eine lange Reise durch diverse Museen der Welt gegangen. Nach erfolgter Rückgabe der Mumien wurden diese in einem grossen Zeremoniell wieder in ihren Höhlen bestattet und geniessen nun ihre letzte Ruhestätte wieder in Frieden. Es ist eine heilige Stätte für die Ma’hori und für Touristen nicht zugänglich.

Das macht uns aber gar nichts, denn es gibt auch so genug zu schauen. Die Natur ist grossartig und die Seitenwände des Vulkans steigen fast senkrecht an den Seiten auf. Je tiefer wir in die Caldera vordringen desto höher erscheinen mir die Felswände.

Plötzlich hält unser Wagen und es heisst: Badestopp! Wir krabbeln von der Wagenfläche und tummeln uns zum Fluss. Hier gibt es einen Miniwasserfall, unter den wir uns stellen können und das Wasser in dem kleinen natürlichen Becken ist tief genug für ein bisschen Schwimmen. Wir toben herum wie die kleinen Kinder und haben eine Menge Spass. Unser Guide zeigt uns singende Steine – das sind ganz normale Kieselsteine, doch wenn man sie zusammenschlägt machen sie einen melodischen Ton, fast wie ein Musikinstrument. Er machte ein grosses Geheimnis daraus und hat mir leider nicht erklärt, warum das so ist.

Inmitten der Caldera, auf halber Höhe eines kleinen Berges liegt ein Restaurant und hier machen wir Pause und essen zu mittag. Wir treffen auf eine andere Gruppe und deren guide, wobei dieses Foto hier entstand 😀

Unser Guide erzählt uns auch eine Menge über die traditionelle Kultur von Tahiti. Wenn beispielsweise ein Baby geboren wird, dann wird ein Baum gepflanzt. Ein Brotbaum für ein Mädchen und eine Kokosplame für einen Jungen. Wenn die allererste Kokosnuss vom Baum fällt, dann wird es Zeit für die Beschneidung und von da an übernehmen die Männer die Erziehung des Jungen und bilden ihn zum Jäger, Krieger, Handwerker etc. aus. Allerdings nur wenn er die Prozedur der Beschneidung ohne Schmerzenzäusserungen übersteht. Ansonsten bleibt er in der Obhut der Frauen und die Erziehung ist eine weibliche. Hieraus resultiert eine hohe Anzahl von sehr weiblichen Männern, die manchmal aber nicht immer homosexuell sind.

In den alten Tagen wurde die Beschneidung der Jungen am Strand zelebriert und nachdem die eigentliche Operation mit scharfen Muschelschalen durcheführt worden war mussten die Jungs sich ins Meer stürzen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schmerzhaft das gewesen sein muss. Während der Zeit des französischen Protektorats wurde diese Art der Beschneidung von den Franzosen verboten, heute muss die Operation im Hospital durchgeführt werden. Anscheinend nehmen die Jungs Meerwasser oder sogar Alkohol in Flaschen mit, um es sich nach erfolgtem Eingriff überschütten zu können und sich so durch das Aushalten der Schmerzen als Männer beweisen zu können.

Als wir nach einem langen, wunder-schönen und sehr interessanten Tag wieder zurück in Richtung Pape’ete fahren bekommen wir als Kirsche auf dem Törtchen diesen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen. Einfach grandios, die Natur!

Noch einen Tag chillen am Pool und dann geht es mit der Fähre nach Moorea. Ich habe dort einen workaway Aufenthalt und bin schon sehr gespannt….

 

Cook Islands – Aitutaki Südseeparadies

Der Flug nach Aitutaki dauert bloss eine halbe Stunde und ist gleich mal ein echtes Highlight, da wir in den Sonnenaufgang starten. Das Flugzeug ist klein, aber nicht so klein wie ich befürchtet hatte. So rund dreissig Passagiere fliegen heute mit mir auf die kleine Nachbarinsel. Aber doch noch klein genug für eine lustige Besonderheit: gleich hinter meinem Sitz in der letzten Reihe stapelt sich das Gepäck, sozusagen griffbereit! Hahaha, hatte ich jetzt so auch noch nicht……

Aitutaki ist noch viel kleiner als Rarotonga, mit zwei kleinen Bergen in der Mitte, einer Strasse, die nicht einmal ganz aussenherum geht (Mangrovengebiet), schönen Stränden und einem Ringriff rund um das Eiland. Schon vom Flieger aus sieht es klasse aus! Türkisfarbenes Wasser, weisser Sand, grüner Dschungel – Herz, was willst du mehr?

Gerade gelandet kommt eine Frau mit ausgebreiteten Armen auf mich zu, drückt mich erstmal herzhaft und legt mir dann einen wunderschönen, duftenden Blumenkranz um den Hals. Ich bin so gerührt und sprachlos und krieg gleich mal feuchte Augen. Hast du schon mal einen Blumenkranz zur Begrüssung bekommen? Also ich nicht, und ich find’s megaklasse! Hier fühle ich mich herzlich willkommen!

Und da kommt auch schon der Gepäck-wagen und jeder schnappt sich sein Zeug direkt vom Wagen, Gepäckband gibt’s keins. Wozu auch? Der Flughafen besteht aus einem kleinen Gebäude, es landen zwei Flieger pro Tag und so  wird mit dem Besucher“ansturm“ und den damit verbundenen Gepäck“bergen“ hier ganz entspannt umgegangen. 😉

Jeder kennt hier jeden, das merke ich schon nach zwei Minuten. Irgendwie gefällt mir das. Die Autofahrt zu meinem Domizil dauert kaum fünf Minuten, aber wir fahren noch kurz weiter bis zum nächsten Shop, bottle shop und ins „Zentrum“ (grosser Lacher!!) Am Hafen gibt es ein grosses Gebäude, da findet frühmorgens der Markt statt (jetzt um kurz nach sieben morgens herrscht bereits gähnende Leere!), die Post, einen ATM und……das war’s. Wir kaufen auf dem Rückweg im Shop noch ein paar Sachen und dann zeigt meine freundliche Vermieterin mir mein Zuhause für die kommenden Tage.

Das grosse Holzhaus ist türkis gestrichen und besteht aus fünf Schlafzimmern, zwei Bädern, einer Küche und einem Wohnzimmer. Eine Art eingezäunte Frontveranda (??) und ein kleiner Garten schliessen sich an. Ich hab das über eine Empfehlung von Leuten im Hostel bekommen /wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der……), die hier waren und ich bin mal mega begeistert. Das Haus ist voll schön und meine Gastgeberin ist so nett. Und – ich hab das komplette Haus ganz für mich alleine! Es ist niemand sonst hier – unglaublich!

Ich mach es mir erstmal gemütlich und gehe dann auf Erkundungsgang. Der Strand ist keine hundert Meter weit weg, bloss einmal über die Strasse und über ein freies Grundstück schon bin ich da. Auch hier ist der Ebbe – Flut Unterschied sehr gross und bei niedrigem Wasserstand kann man kaum schwimmen. Aber nach einem kurzen Spaziergang am Strand entlang komme ich an ein ausgesprochen einladendes Resort, direkt danach wieder an einen öffentlichen Strand und hier kann ich problemlos schwimmen und schnorcheln.

Ich miete mir ein Fahrrad, damit ich ein wenig mobil bin auf der Insel und unternehme kleinere Touren, wie beispielsweise zu einem Ausichtspunkt oben auf den Berg zu laufen oder auf die andere Seite der Insel zu fahren, um dort zu schwimmen in einer traumhaft schönen Lagune. Meist bin ich morgens schon recht früh unterwegs, ziehe mich mittags ein wenig zurück aus der Hitze, um dann abends nochmal fitter zu werden für eine zweite Strandrunde. Da es um sechs schlagartig dunkel wird und es hier ausserhalb der Resorts keinerlei Abendunterhaltung gibt mache ich etwas, was ich in den letzten Monaten so gut wie überhaupt nicht gemacht habe: ich schaue mir einen Film an!

In meinem Wohnzimmer steht nämlich ein Fernseher mit ungefähr zweitausend Filmen drauf. Und so ziehe ich mir ganz gepflegt und hintereinander weg jeden Abend einen der „Hobbit“ Filme rein. Schliesslich bin ich jetzt an all diesen Filmsets gewesen und hatte doch die Filme noch gar nicht gesehen. Ich finde das grossartig!

Doch das Allerbeste, was ich auf Aitutaki gemacht habe ist eine Lagunen – Rundfahrt! (Achtung: Jetzt kommen die Südsee – Fotos! Warnung für Menschen mit ausgeprägtem Fernweh: diese Fotos könnten einen heftigen Fernwehschub auslösen!)

Schon morgens früh geht es los, wir sind bloss fünf Leute auf unserem Bootchen und alle ziemlich gut drauf. Wir fahren raus auf’s Meer und besuchen im Laufe des Tages mehrere kleine Inselchen, so genannte „Motus“, die meist unbewohnt sind und uns genau die typischen Südsee-Urlaubs-Prospekt Bilder liefern, die einem quasi die Tränen in die Augen treiben. Tiefblaues Wasser, dunkeltürkises Wasser, helltürkises Wasser, hellblaues Wasser, weisser Sand, Palmen, Korallen, Muscheln……. ich kann mich kaum satt sehen. Es ist einfach unglaublich schön! Manche motus sind noch jung und wenig bewachsen, manche gibt es schon länger und die Palmen und andere Bäume sind hochgewachsen.

Eine kleine motu heisst „Heaven“ und ist eigentlich kaum mehr als eine weisse Sandbank mitten im glasklaren, türkisen Wasser. Lediglich ein paar ganz kleine Palmenschösslinge wachsen hier und lassen erahnen, dass Heaven in fünfzehn Jahren oder so, eine richtige Insel sein wird. Ziemlich beliebter Spot für Hochzeitsfotos, kommentiert unser Kapitän schmunzelnd.          Uns ist das egal – wir stürzen uns in dieses wunderbare Wasser, hinterlassen unsere Fussabdrücke in diesem unglaublich weissen, feinen Sand des kleinen, unberührten Eilands und wollen hier am liebsten nie wieder weg. Kann mal kurz jemand die Zeit anhalten, bitte?!

 

Übrigens haben wir die ganzen kleinen Inselchen für uns ganz alleine! Echtes Robinson-Feeling! Es ist nämlich Sonntag heute und da fahren bloss zwei Boote raus und die fahren die Route auch noch jeweils anders herum, sodass wir uns nur ganz kurz auf einer der Inseln treffen. Als wir anlegen fährt das andere Boot gerade weg. Ist das nicht klasse? Genau, was ich so brauche, hahaha!

 

 

 

Selbstverständlich gibt es zu jeder motu eine Legende und unser Bootsführer erzählt uns einige davon. Die meisten sind ziemlich blutrünstig und handeln von Familienkrisen, Landraub etc. und den anschliessenden Vergeltungsmassnahmen. Ja, ja, auch hier waren die Maori ein ziemlich kriegsliebendes Völkchen.

Und dann heisst es wieder ab ins kristallklare Wasser! Schnorchelmasken aufgesetzt und Flossen an. Wir ankern auf einer Art Sandbank und schwimmen bloss rund zehn Meter vom Boot weg. Hier fällt der Grund steil ab und ein noch relativ junges Riff wächst heran. Und sowas hab ich mal noch gar nie gesehen! Wunderschöne Korallen und soo viele Fische!!! Eine Megasicht bis ganz tief. Jede Menge Zebrafische und riesengrosse Trevellies (Riesen Stachel-/ Dickkopfmakrele) ungelogen 50-60cm lang, und ganz viele andere tropenbunte Fische tummeln sich hier. Sie sind kein bisschen scheu sondern kommen bis ganz nah an die Brille heran. Und dann, als sei das noch nicht genug, gibt es hier die Giant Clams (Riesenvenus-muscheln), die anscheinend über einen Meter gross werden können und rund 200 kg wiegen können. Ganz so gross sind die, die wir hier sehen zwar nicht, aber doch so 40-50 cm gross und wunderschön! Guck dir mal ein paar Fotos an (klick hier). Ich kann sie so gut sehen, dass ich sogar aus der Entfernung die leichten Pump-bewegungen erkennen kann, mit der diese erstaunlichen Tiere das Wasser filtern.

Wir können uns ganz easy mit der Strömung treiben lassen und diese unglaublich vielfältige und wunderschöne bunte Unterwasserwelt geniessen. Das Boot kommt auf der nahen Sandbank langsam mit und so braucht man keine Angst zu haben, dass einem plötzlich die Puste ausgeht.

Mann, das ist der absolut beste Schnorcheltrip, den ich je irgendwo gemacht habe (und ich hab die GoPro auf Rarotonga vergessen! Könnte mich in den Hintern beissen!) Ich bleibe so lange wie es geht im Wasser und sauge diese Erfahrung auf, es ist ganz einfach absolut atemberaubend!!

 

Zum Mittagessen machen wir an einer kleinen motu fest und unser Kapitän verwandelt sich in einen Koch und grillt Fisch, während seine Frau ein super leckeres Mittagsbuffet aufbaut. Das Essen wird in Riesenmuscheln und Blättern serviert – stilecht! Und es schmeckt einfach mal soo lecker!! Es gibt gegrillten Fisch, Kartoffelsalat, Papayacurry, drei Sorten Kokosnuss (junge, reife und bereits gesprosste), gegrillte Yams und Maniok, gegrillte Bananen, Brot, Bananen und Papaya zum Nachtisch. Gegessen wir mit den Fingern, das macht man hier nämlich so! Hach, das Leben ist so wundervoll!

Was für ein herrlicher, herrlicher Tag! Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen, so glücklich bin ich heute.

Am nächsten Tag muss ich leider schon wieder zurück nach Rarotonga – ganz ehrlich, ich wäre viel lieber noch hier geblieben, denn Aitutaki gefällt mir viel besser! Aber ein Gutes hat es doch: ich muss wenigstens nicht zurück in eins der furchtbaren Hostels, denn Rosie, die Freundin von Chanel und Kirstie hat mich eingeladen, für die nächsten zwei Tage bei ihr in ihrer grossen Villa am Strand zu wohnen (im Gegenzug für eine weitere Behandlung. Das ist doch mal schön, oder?!

Chanel holt mich am Flughafen ab – also eigentlich. Aber als ich ankomme ist da niemand und es kommt auch niemand in der nächsten halben Stunde oder so. Wieder einmal stehe ich herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Hmmmm….. nach einer Ewigkeit beschliesse ich, zu Kirsties Arbeitsplatz in die Stadt zu laufen, denn das ist am nächsten und Rosies Villa würde ich nicht finden. Also Rucksack auf und raus in die Hitze. Gott sei Dank kommt mir schon nach zehn Minuten ein Auto hupend entgegen, darin sitzt ein etwas schief grinsender Chanel samt Kind und Kegel – sie waren am Strand und haben einfach die Zeit vergessen! Na so was…….Island Time! Ich bin einfach nur froh, dass sie mich nicht ganz vergessen haben und ich heute nacht ein Bett habe.

Wir haben zwei tolle Tage miteinander, gehen an den Strand, schnorcheln, kochen und essen zusammen und  die drei Mädchen versuchen, mir zum Titellied von Disney’s „Moana“ das Hula tanzen beizubringen, während Chanel mir die einzelnen Maorilegenden erzählt, die in dem Film verwurschtelt wurden.

Ich muss sagen, dieses Mal gefällt es mir deutlich besser hier! Eine schöne Unterkunft, gutes Wetter, nette Menschen um mich herum…….ich werde zwar nicht wieder hier herkommen (obwohl Chanel mich bearbeitet hat, ich solle hier eine Praxis eröffnen und er würde mir helfen und mich den richtigen Leuten vorstellen….), bin aber nun doch ausgesöhnt mit der Insel. Und, ganz ehrlich: es gibt wunderschöne Ecken hier – schau dir doch mal dieses kurze Video hier an und die Menschen sind so freundlich und hilfsbereit! Ich hatte einfach einen miesen Start, eine miese Unterkunft, mieses Wetter und das mit dem Essen war schwierig…;-) Generell würde ich hier tatsächlich eher zu einem Pauschalurlaub raten – für Backpacker ist Rarotonga weniger geeignet.

Tja, und dann kommt auch schon der Tag des Abschiedes. Wir fahren alle gemeinsam zum Flughafen, ich checke ein und gebe mein Gepäck auf, um dann gemütlich und unbelastet mit allen auf einen Drink in die gegenüberliegende Hula-Bar zu gehen (jetzt komm ich da auch mal hin! 😀 Hierher kommt nämlich absolut jeder, aber da abends keine Taxis oder Busse fahren und ich in der Nacht nicht trampen wollte hatte ich keine Gelegenheit dazu). Wir sitzen also so da und verquatschen die Zeit, die Mädels gehen baden und so ein kleines bisschen Wehmut sitzt mit am Tisch. Als es für mich Zeit wird kommen alle wieder mit an den Flughafen und wir machen noch ein paar Fotos.

Plötzlich ertönt ein „Last call for Mrs. Nicole Swiderski. Please procede inmeditately to gate number one!“ Hoppla, was ist das denn?? Ich hab doch noch mindestens zwanzig Minuten Zeit…… Das Verabschieden muss nun ganz fix gehen (gut so, dann gibt’s wenigstens keine Tränen!) und dann gehe ich schnell zu der Abflughalle. Der einzelne Mann an der Sicherheitskontrolle schaut mich erst grimmig und dann augenzwinkernd an (hähh??) und dann stehe ich schon an gate number one – der zurückgelegte Weg von meinen Freunden über die Sicherheitskontrolle bis zum gate beträgt ungefähr zwanzig Meter!! Das gesamte FLughafenpersonal hatte mich bereits anvisiert und unsere Verabschiedung und alles mitbekommen! Die Stewardess, die meine Bordkarte kontrolliert fragt mich grinsend „Na, noch in der Hula-Bar gewesen??“ Jetzt muss ich aber auch lachen und verstehe plötzlich, warum alle so einen Spass an mir haben! Offensichtlich kommt es hier öfters vor, das Passagiere versacken. Und ausserdem sind in meiner Maschine mal nur ungefähr fünfzig Leute, daher hat das boarding wohl kaum mehr als zehn Minuten gedauert. Als wir zur Startbahn rollen ist es noch immer eine knappe Viertelstunde vor der regulären Abflugzeit!

Nachdem ich mich langsam von dem Schreck erholt habe beginne ich mich zu freuen. So sehr zu freuen! Denn mein nächstes Ziel heisst Tahiti!!!