Daintree Rainforest – Abenteuer Regenwald oder was?

Mein nächster workaway-Job führ mich in den Daintree Rainforest, das grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet Australiens und gleichzeitig einer der ältesten noch intakten tropischen Regenwälder der Erde. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet.

Mit dem Minibus fahre ich von Cairns aus an der Küste entlang nach Norden. Der Fahrer unterhält uns mit schaurigen Geschichten von Menschen fressenden Krokodilen und diversen Schlangenstories. Bald hat er uns soweit, dass wir am liebsten gar nicht mehr aus dem Bus wollen. Selbstverständlich lacht er das hinweg – echt aussie halt – sie scheinen richtig stolz auf ihr ganzes giftiges und gefährliches Getier zu sein! 

Wir machen einen kleinen Zwischen-stop an einer jump base für paraglider. Zwei Flieger warten auf die richtige Thermik und ich würde das wahnsinnig gerne mal sehen (hab ich mir doch ernsthaft schon überlegt, mal so einen Sprung zu wagen). Aber nach einer Viertelstunde tut sich noch immer nichts und so müssen wir unverrichteterdinge weiterfahren. In dem kleinen Städtchen Port Douglas bin ich mit meiner neuen Gastgeberin und einer weiteren workawayerin verabredet.

Eine Frau mittleren Alters mit einer dicken Wollmütze auf dem Kopf kommt auf mich zu, stellt sich als Tina vor und beginnt dann, mich auf eine etwas verwirrende Art und Weise zuzutexten. Ich bin ein bisschen überfordert und weiss gar nicht, was ich jetzt machen soll. Eine junge Frau kommt auf uns zu, stellt sich als Isobel vor und zieht die Aufmerksamkeit unseres hosts auf sich, als sie erklärt, sie müsse dann schon früher wieder abreisen und wie sie denn das organisieren könnte und überhaupt…..hmmm, alles ein bisschen „weird“ (seltsam, komisch).

Na egal, wir gehen erstmal zu dritt einkaufen und Tina sagt, wir würden für uns drei workawayer kochen (aha, da ist also noch einer!) und eventuell noch für ihre alte Mutter ein bisschen was, oder auch nicht oder nur manchmal. Äh, jaaa…….??????? Und wir sollten alles einkaufen, was wir dazu bräuchten. Aber ein paar Sachen hätte sie auch noch zuhause. Doppelt müsste ja auch nicht sein. ????? Isobel und ich schauen uns vewirrt an und beginnen dann schulterzuckend mit dem Einkauf. Immer wieder fragen wir nach, ob es so ok ist und was denn der dritte workawayer so braucht und nach einer ziemlichen Zeit haben wir einen grossen Berg Lebensmittel eingekauft (ich bezweifle, dass wir das alles brauchen, aber gut).

Wir quetschen uns, unsere backpacks und den gesamten Einkauf irgendwie in Tinas kleines weisses Auto und los geht es in Richtung Cow Bay und in mein neues Abenteuer.

Der dritte workawayer, ein junger Franzose wohnt in der „shed“ (Hütte), die gerade als Wohnhaus umgebaut wird. Ein Teil des aktuellen Projektes, so erfahren wir während der Fahrt. Aha, und er wohnt da auf der Baustelle???? Es gibt auch noch ein kleines Haus, wo sie und ihre gehbehinderte Mutter wohnen, lässt uns Tina weiterhin wissen, aber das will sie jetzt verkaufen und in die „shed“ ziehen. Und das Ferienhaus will sie auch verkaufen. Am liebsten beides zusammen. Oder auch einzeln. Aber lieber zusammen. Und ja, da wohnt und arbeitet jetzt der Franzose. Und wir würden dann zusammen essen. Also wir drei. Und sie esse sowieso kaum etwas, nur so zwischendurch. Und das Essen für ihre Mutter würde sie dann einfach mal so abholen, zwischendurch. ????? Ich bin noch immer verwirrt, Isobel schaut ebenfalls ein wenig überfordert aus und uns beiden schwant, dass dies eventuell ein denkwürdiger Aufenthalt werden könnte.

Wir fahren sicher eine Stunde bis Tina plötzlich in den Wald abbiegt, einen Schotterweg entlang fährt und dann vor einem kleinen Wohnhaus hält. Huh, mein Herz macht einen Hüpfer – das ist ein „richtiges“ Haus! Gott sei Dank!

Es ist das Ferienhaus und für die kommenen zwölf Tage mein und Isobles Zuhause. Und das ist jetzt mal richtig, richtig chic. Zwei grosse Schlafzimmer mit kingsize Betten, ein modernes Bad, eine voll ausgestattete Küche, Wohn- und Esszimmer in einem. Ein grosser Fernseher und auf der Veranda nochmal Tisch und Stühle, sowie eine Hängematte. Wir beide sind schon mal im Glück! 😀 Es riecht zwar ein bisschen muffig, aber hey!, wen stört das? Rund um das Haus zieht sich ein kleiner Garten mir mannshohem Zitronengrass, Thaiingwer und Bambusgebüsch, dann schliesst sich nahtlos der Busch an. Es ist herrlich!!

Wir laden die Einkäufe aus, bestücken den Kühlschrank und wenn wir fertig sind sollen wir einfach hoch zum kleinen Haus kommen. Neugierig machen wir uns auf den Weg. Das so genannte kleine Haus ist aus Holzplanken zusammengezimmert und besteht zu einem Gutteil aus einer überdachten Terrasse. Das Dach ist aus Wellblech und an dem ganzen Ding wird offensichtlich immer wieder herumgebaut. Es sieht schon stabil aus, aber eigentlich nicht so richtig wie ein Wohnhaus. Innen ist alles vollgestellt mit Möbeln, die vollgestellt sind mit irgendwelchem Kram. Ein Fernseher brüllt. Die alte Dame davor nimmt keinerlei Notitz von uns – das muss die Mutter sein.

Ein junger Mann kommt mit blossem Oberkörper und schweissglänzend auf uns zu – Andrien, der dritte workawayer. Er und Tina zeigen uns nun die „shed“. Eine achteckige Hütte, vielleicht fünf Meter im Durchmesser, ohne Wände, das Dach aus Wellblech grob zusammengezimmert. Überall stehen alte Möbel herum, Werkzeuge und Holzstücke liegen auf jeder freien Fläche. Mittendrin ein Bett mit Moskitonetz aussen herum, ein kleiner Rucksack, ein Buch und ein paar Schuhe. Hier wohnt also der Franzose -ich bin fassungslos. Er trägt es mit Nonchalance und schlägt unser Angebot, bei uns im Haus zu wohnen aus.

Also Fazit: das Ferienhaus ist klasse und ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterkunft. Sowohl das aktuelle Wohnhaus von Tina und ihrer Mutter, als auch die Hütte sind als Wohnraum eine Zumutung. Aber ich freue mich, eine richtige Küche zu haben und das tägliche Kochen ist mir ein Vergnügen (Merke: nimm dem Menschen lange genug seinen Alltag weg und plötzlich wird er noch die alltäglichsten Dinge wertschätzen!) Einmal back ich sogar Brot und Isobel macht australisches Bananenbrot – Tina ist mit unserer Kocherei sehr zufrieden und folgt jeder unserer Einladungen, mit uns zu essen. Im Laufe der Zeit lernen Isobel und ich uns ganz gut kennen und wir haben viele gute Gespräche. Es ist sehr wohltuend, einmal mit jemandem über mehr als das Wetter und Reiseerlebnisse sprechen zu können. Und ein kleiner Austausch über unseren host Tina und ihre unkonventionelle Art zu leben, sowie ihren, sagen wir mal gewöhnungsbedürtigen Umgang mit uns tut auch sehr gut. Nicht falsch verstehen: sie ist sehr nett und grosszügig, bloss immer irgendwie verwirrend in ihren Anweisungen und Aussagen. Und sie läuft immer, immer (!) mit einer Wollmütze auf dem Kopf herum (es hat übrigens dreissig Grad hier!) (Sie hat Haare!) 😉

Die Arbeit ist in Ordnung und besteht für mich hauptsächlich aus Gartenarbeit, was aufgrund der Hitze zwar schweisstreibend aber nicht hart ist. Manchmal helfe ich auch irgendwelches Baumaterial durch die Gegend zu schleppen und einen Tag graben wir Zitronengrass an einer Stelle aus und pflanzen es an anderer Stelle wieder ein. So Zeug halt…. Meistens haben wir mehrere Jobs gleichzeitig am Laufen und machen morgens hier etwas und nachmittags dort etwas. Für einen deutschen Geist – strukturiert, effizient und zielorientiert – ist dieses Vorgehen oft schwer nachvollziehbar, aber was soll’s?! Ist ja nicht mein Projekt.

Interessanter sind die Ausflüge, die wir an unseren freien Tagen machen. Beispielsweise zur Cow Bay, wohin wir gemütlich in zwanzig Minuten spazieren können. Hier wächst der Regenwald direkt bis an den Strand, was eine biologische Sensation für die Wissenschafler ist, für uns allerdings einfach nur schön. 😀

Einen Tag fährt Tina uns herum und zeigt uns alle möglichen interessanten Plätze, schöne bushtracks, Mangrovenwälder und krokodil-verseuchte Flüsse. Am Ende dieses Tages treffen wir auf einen australischen Ureinwohner, den man nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Schau mal……. (Video Klick)

Das ist ein Cassovary. Drittgrösster Vogel (flugunfähig) der Welt. Schön, oder? Ich war ganz aus dem Häuschen und in meiner Hast, ein Video und Fotos zu machen, hab ich alle Bilder verwackelt. Sorry 😉

Der schönste Ausflug im Daintree Rainforest war eine Wanderung im Fluss. Schon früh am Mrgen starten wir, Tina fährt uns bis zum Ausgangspunkt und verspricht, uns am Nachmittag wieder abzuholen. Der Fluss ist sicher krokodilfrei und so machen wir uns guten Mutes auf den Weg tief in den Busch. Es gibt keinen Weg, sondern nur den Fluss und die meiste Zeit waten wir in flachem Wasser und klettern über Kiesel, Steine und Felsbrocken und kommen so immer tiefer in den unberührten Regenwald. Natürlich treffen wir hier keinen Menschen.

Die Natur ist wild und wunderschön. Die unglaublich vielen verschiedenen Grüntöne und die Vielfalt der Pflanzenwelt begeistern mich mal wieder

Nach mehreren Stunden Fussmarsch gelangen wir an das Ziel unserer Wanderung: einen Wasserfall mit Pool. Wir bestaunen ihn ausgiebig und springen dann mutig in die (natürlich eiskalten!!) Fluten.  Spitze Schreie und lautes Prusten tönen durch den Wald aber wenn sich der Körper erstmal daran gewöhnt hat tut die Abkühlung richtig gut! Nach einem ausgiebigen Picknick machen wir uns auf den Rückweg und obwohl wir den Fluss nun schon ein wenig kennen müssen wir uns doch den Weg erneut suchen und immer sehr vorsichtig einen Fuss vor den anderen setzen. Die Steine sind oft glitschig und mehr als einmal flucht einer von uns und kann einen Sturz gerade noch (oder auch nicht) verhindern.

 

Wilde Tiere begegnen uns keine unterwegs, ausser dieser kleinen Wasserschlage (Klick für Video) und einer Menge Schmetterlinge. Ich erwähne das extra, weil man im Fernsehen immer den Eindruck bekommt, eine Wanderung im australischen Wald wäre sehr gefährlich und hinter jeder Ecke lauere ein wildes, giftiges Tier, das es auf einen abgesehen hätte. So ist das aber nicht! Natürlich gibt es hier tatsächlich eine Menge giftiges Getier, aber das verzieht sich normalerweise wenn ein Mensch angetrampelt kommt. In meiner gesamten Zeit in Australien (immerhin fast sechs Monate) habe ich nur drei Schlangen gesehen, keine davon war aggresiv. Keine einzige der Spinnen, die ich gesehen habe war giftig und Skorpione hab ich gar keine gesehen.

Aufpassen muss man trotzdem, denn es gibt beispielsweise eine nette Pflanze, die wie eine dünne Liane herunterhängt aber lauter Stacheln mit Widerhaken hat, die sich einfach überall festkrallen. Nicht weiter schlimm wenn sie nur dein Shirt erwischen, unangenehm wenn sie sich in Haut oder Haaren verhaken. Die Australier nennen diese nette Pflanze liebevoll „wait a while“ (warte eine Weile), was ja durchaus passend ist. Auch sonst gibt es eine ganze Menge stacheliges Zeug. Schau mal hier:

 

 

 

 

 

Zurück zuhause bleibt uns nur noch ein Tag, dann reist Isobel ab und ich habe das ganze Haus für mich alleine. Was sich jetzt aber auch irgendwie komisch anfühlt. Wieviel Platz braucht man eigentlich so? Ich habe nie verstanden, warum zwei Leute einen Wohnraum von 300 Quadtratmetern brauchen, aber in den letzten Monaten habe ich doch bemerkt, dass ich auch mit sehr wenig Platz gut zurechtkomme und kein bisschen unglücklich bin. Rückzug und Privatsphäre ist schon notwendig, aber wieviel echten Raum braucht man dazu?

Das Tollste an meinem ganzen Aufenthalt hier ist die Nähe zum Regenwald. Wenn ich morgens aufwache, dann höre ich die Geräusche des Waldes und wenn ich mich zum Lesen in die Hängematte kuschele dann kann ich mich nicht auf die Geschichte konzentrieren weil ich dem Flüstern des Windes in den Bäumen zuhören möchte und all das Grün, das im Sonnenschein regelrecht erstrahlt in mich hineinatmen will. Das ist einfach grossartig!

An unserem letzten Tag (Adrien und ich reisen gleichzeitig ab) macht Tina nochmal einen grossen Ausflug mit uns. Sie fährt mit uns über die Dörfer bis ganz nach Cairns. Unterwegs besuchen wir eine Kaffeeplantage, eine Grossmolkerei mit Schokoladenproduktion und eine Pflegestation für Fledermäuse. Die Schokoladen-produktion stellte sich leider als fake heraus, denn hier werden zwar Pralinen hergestellt, allerdings wird die Rohware (Schokolade) hierfür aus der Schweiz importiert. Die Käseherstellung ist für heute auch schon abgeschlossen und ich kann durch die Schaufenster nur noch einen Mann beobachten, der in Schutzkleidung und Gummischürze die gesamte Herstellungsstrasse mit einem Dampfdruckreiniger säubert. Als er sich umdreht sehe ich, dass er keine Hosen sondern bloss Shorts trägt (Bitte stell dir das vor: Gummistiefel, nackte Männerbeine, Shorts, Shirt und darüber eine Gummischürze! Zum Schiessen…..). Made my day

Die Kaffeplantage war interessant und der Kaffe sehr lecker. Das Highlight allerdings war tatsächlich die Fledermausstation. Hier werden verletzte Tier aufgenommen, aufgepäppelt und wenn möglich wieder in die Freiheit entlassen. Das Hauptproblem für Fledermäuse ist Stacheldraht. Sie fliegen hinein, verheddern sich und müssen meist elend sterben. 

Hier erfahre ich, dass es rund 900 verschiedene Arten von Fledermäusen gibt, wobei die grössten Exeplare schon mal eine Spannweite von 60-90cm aufweisen können, während die Kleinsten es nur auf ein Gewicht von rund 20g bringen. Die Leiterin der Station führt uns herum und dabei trägt sie eine kleine Fledermaus am Körper, andere sind in warme Decken gehüllt. Die Tiere seinen sehr kälteempfindlich und besonders Jungtiere würden durch Wind und Kälte leiden. Sie zeigt uns einen uralten Flughund, der richtig klapprig ist und daher nicht mehr ausgewildert werden kann. Kopfüber hängt er im grossen Fluggehege, hangelt sich zum Wasserspender und wieder zurück zu den aufgehängten Früchten. Wir erfahren, dass es fruchtfressende Fledermäuse gibt (das sind übrigens die meisten) und insektenfressende. Blut saugende Gattungen gäbe es keine, fügt sie noch schmunzelnd hinzu.

Also, mal ganz ehrlich, so aus der Nähe betrachtet sehen die Viecher echt niedlich aus, oder was meinst du? (Klick für Video)

Als letzte Station unseres Ausflugs besuchen wir das kleine Städtchen Yungaburra. Hier stehen eine Menge historischer Gebäude und geben der Erinnerung an die „gute alte Zeit“ Raum. Kleine, liebevoll dekorierte Cafés und skurrile Läden, die zum einen Medikamente und zum anderen Fischereibedarf verkaufen geben dem Städtchen einen eigenwilligen Charakter. Das alte Hotel lässt einen tatsächlich and Squatter, Goldgräber und Glücksritter denken. Und in dem riesigen Buchladen gibt es Schmökerstoff aus ganz alten Zeiten zu entdecken.

Erst am späten Nachmittag kommen wir in Cairns an. Tina hat es nun eilig, denn sie muss ja auch wieder die ganze Strecke zurückfahren. Adrien geht direkt zum Flughafen und ich gehe für eine Nacht in mein altes Hostel bevor ich morgen früh nach Ayer’s Rock fliege. Uluru, ich komme!! 😀

Cairns – Das Grosse Riff und die Tablelands

Mit dem Greyhoundbus fahre ich jetzt direkt durch bis nach Cairns. Es geht stundenlang durch grüne Zuckerrohrfelder. So weit das Auge reicht und bis zur absoluten Langeweile wiegen sich die Maispflanzen ähnlichen Zucker-rohre im leichten Wind. Die meisten Mitreisenden schlafen und wachen nur zum Essensstop auf, also fällt irgendwelche zwischenmenschliche Interaktion aus, lesen kann ich leider nicht und so bleibt mir nur Musik hören und aus dem Fenster schauen. Ich bin heilfroh als ich endlich in Cairns ankomme!

Am Busbahnhof werde ich abgeholt und erlebe mit meinem Hostel eine positive Überraschung. Ein bisschen ausserhalb des Zentrums gelegen und für australische Verhältnisse relativ günstig ist es doch sauber und nett eingerichtet, die Küche ist ordentlich ausgestatten und es gibt sogar einen winzigen Pool. Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten. Und ein paar lustige, nette, ulkige, spezielle Leute lerne ich hier auch noch kennen, wie beispielsweise „Mond“ – eine Chinesin, die ohne ein Wort Englisch zu sprechen hier ist, um ihren Sohn zu unterstützen, der wohl Koch lernt (also so hab ich es zumindest verstanden. Oder auch diese freundliche Dame aus Adelaide….

Die Stadt Cairns hat jetzt nicht so wahnsinnig viel zu bieten. Bis vor ein paar Jahren als Top-Party Spot gehandelt ist mittlerweile alles wieder etwas ruhiger geworden und nur noch im berühmten Gilligan’s geht jede Nacht die Post ab. Der Park mit dem kostenlosen öffentlichen Schwimmbad direkt am Meer ist schön und am Wochenende trifft sich hier Jung und Alt. Ein kleiner Kunsthandwerks-markt, sowie Livemusik am Sonntag lassen die Cairns-ner in Mengen herbei strömen. Und auch die Besucher können der chilligen Atmosphäre viel abgewinnen.

Bei Ebbe ist das Meer leider völlig weg und lässt nur eine riesige, schlammige Fläche zurück, die lediglich den Aborigine-kindern attraktiv erscheint. Um die schönen Strände weiter nördlich zu erreichen braucht man einen fahrbaren Untersatz.

Ein paar Kunstmuseen und eine Art Minizoo im Dachgeschoss des Kasinos (?????????) warten auf Besucher und Souvenirshops, sowie ein Nachtmarkt nach asiatischem Vorbild runden das Angebot für die Urlauber ab.

Selbstverständlich ist das Great Barrier Reef der Touristenmagnet der Stadt. Praktisch jeder, der hierherkommt will zum Tauchen oder doch wenigstens zum Schnorcheln auf’s Riff. Es gibt jede Menge Touren zu verschiedenen Stellen, mit und ohne Übernachtung an Bord bisnhin zu richtigen Tauchsafaris. Obwohl ich schon ein paarmal mit Flaschen getaucht bin habe ich doch keinen Tauchschein, daher fallen die richtig intessanten Touren für mich von Vorherein aus (ganz abgesehen davon, dass ich sicher nicht auf einem dieser schwimmenden Wackeldinger übernachten will!) Also ein Schnorchelausflug. Auf einem Schiff, das möglichst stabil ist.

Es gibt eine Kombitour, Schnorcheln und ein Tauchgang, morgens raus und nachmittags zurück und mir wird glaubhaft versichert, das dieses Boot – ein grosser Katamaran – relativ wenig schaukelt. Also los! Früh morgens werde ich abgeholt und zum Hafen gefahren. Noch recht froh gestimmt betrete ich das Boot mit vielleicht fünfzig oder sechzig anderen (Ohhh Mann!) Mutigen. Noch während des Sicherheitsbriefings fahren wir los. Das Schiff ist ziemlich gross und zweckmässig ausgestattet. Und es schaukelt und wackelt wie ein Kuhschwanz. Ich werfe sicherheitshalber noch eine weitere Pille gegen Seekrankheit ein und suche nach dem ruhigsten Platz im Schiff.

Da ich schon leicht grünlich ausschaue weiss das professionelle Besatzungsteam auch ohne Worte, was ich suche und weisst mir dem Weg. Und siehe da, es gibt eine kuschelige kleine Kotzstation auf diesem Schiff!! Bereits eine Handvoll Leidensgenossen sitzen und stehen mehr oder weniger grün um die Tüten, Servietten und Müllkübel herum. Leider befinden wir uns genau auf der grossen Durchgangskreuzung (Treppe nach oben, Durchgang zur Kabine und zu den seitlichen Gängen) und so fühlen wir uns nicht nur völlig fehl am Platze sondern auch total im Weg. Und es ist uns im wahrsten Sinne des Wortes speiübel.

Ich erspare dir die weiteren Einzelheiten und überlasse dies deiner Phantasie – nur so viel sei gesagt: zu diesem Zeitpunkt sind wir seit ungefähr 20 Minuten unterwegs und der Sch….Kahn schaukelt sich dermassen auf, dass wir gegen Ende der Hinfahrt fast zwanzig Personen sind.

Erstaunlicherweise wird alles besser als wir ankern. Normalerweise kann ich immer die Fahrt gut ab und beim Ankern bekomme ich Probleme, diesmal ist es andersherum. Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe will ich aber doch wenigstens einen Schnorchelversuch machen. Tauchen trau ich mir nicht zu, denn ich bin echt wackelig und zitterig und ich finde immer: „safety first“ also nur schnorcheln. Das Wasser ist kalt, was mir im ersten Moment gut tut.

Das Riff ist hier in etwas besserem Zustand als in Airlie Beach (du erinnerst dich?) aber so richtig vom Hocker haut es mich jetzt auch nicht. Zugegebenermassen könnte das allerdings auch an mir liegen…..

Wir fahren noch zu einer weiteren Stelle am Riff und hier können diejenigen, die sich für’s Tauchen angemeldet hatten unter Wasser gehen. Ich bleibe beim Schnorcheln und bin ganz zufrieden damit. Das anschliessende Sonnenbad kann ich ausgiebig geniessen, denn alle anderen gehen zum Essen (buuaaahh…..) und so habe ich jede Menge Platz am Sonnendeck.

Erstaunlicherweise schaukelt das Boot bei der Rückfahrt so gut wie gar nicht, sodass ich einigermassen wieder hergestellt den Hafen erreiche. Tja, ein wenig erfreulicher Ausflug – leider kann ich auch mit keinen Fotos aufwarten – ausser erheblichen Spesen, nichts gewesen.

Falls du je mal nach Australien kommst und das Great Barrier Reef tauchend entdecken möchtest, dann empfehle ich dir dringend einen mehrtägigen Trip zum äusseren Riff zu machen. Alle, die von dort zurückkamen waren sehr begeistert. Solltest du seekrank sein, dann vergiss das Riff einfach! Es gibt andere Möglichkeiten und tolle Schnorchelspots auf dieser Welt 😉

Meine weiteren Aktivitäten beschränken sich ab sofort auf den festen Boden! Und da gibt es ja auch schöne Sachen zu machen. Einen Tag mieten wir (eine kleine Gruppe aus dem Hostel) ein paar Fahrräder und machen zu fünft eine Tour zu nahegelegenen Wasserfällen. Zuerst müssen wir noch ein ganzes Stück an der Strasse entlang, aber dann kommen wir ins Grüne und finden sogar auf Anhieb die Wasserfälle. Dort ist es mal richtig schön und als wir nach ein bisschen Suchen sogar noch einen kleineren Wasserfall mit einem Pool finden hält uns nichts mehr und wir werfen uns mutig in die eisekalten Fluten (erkennst du irgendwie ein Muster? Wasser – kalt – Mut?). Wie die kleinen Kinder tollen wir herum und merken kaum, wie die Zeit vergeht. 

Müde getobt haben wir wenig Lust, die gut zwanzig Kilometer zurück in die Stadt zu fahren, aber es hilft ja nichts und so machen wir los. Auf den letzten Drücker, gerade noch vor Ladenschluss kommen wir beim Fahrradverleih an. Ich bin mal mega stolz, dass ich so gut mithalten konnte – bei weitem die Älteste in der Gruppe, aber trotzdem immer locker vorne mit dabei – so gefällt mir das. 😉

Ein paar Tage später mache ich einen Ausflug in die nahegelegenen Asherton Tablelands und das kam so: organisierte Touren sind in Australien (wen wundert’s?) sehr teuer und so habe ich versucht, mich jemandem anzuschliessen. Das war aber nicht wirklich erfolgreich und so setzte ich eine Anzeige in „gumtree“ – das ist eine online Plattform, wo alles und jedes gekauft, getauscht, gehandlt wird, kreuz und quer durch den gesamten Kontinent und von allen Altergruppen. Und da ich mich schon so richtig aussie fühle, wollte ich halt auch mal……

Tatsächlich meldet sich ein Mann, der zwei Tage später in die Ashertons fährt, um Videoaufnahmen zu machen. Meine beiden Zimmernachbarinnen wollen auch gerne mit und so sagen wir zu dritt zu. Wir staunen nicht schlecht, als uns am nächsten Morgen ein gehbehinderter junger Mann abholt. Er brauche einen Rollator zum Gehen, aber Autofahren gehe ganz prima, sagt er. Na dann…..

Was soll ich sagen? Wir haben einen Megatag! Unser Aussie-Taxifahrer fährt uns zu jedem Wasserfall in der Gegend, zeigt uns seine Lieblingsplätze, beeindruckende Aussichts-punkte, versteckte Seen und hat sogar immer noch ein paar Extrainfos und Aussie-Anekdoten in petto. Es ist ziemlich cool, mit einem Einheimischen unterwegs zu sein!

 

 

Er zeigt uns ausserdem die grössten und beeindruckendsten Würgefeigen der Gegend – die sind riiiiiiesig!!

und einen Fluss in dem es eine Menge süsse Wasserschildkröten gibt. Hier gibt’s ein kleines Video (klick). Oft kann er uns wegen seiner Behinderung nicht begleiten, sondern wartet geduldig im Auto. Aber er ermuntert uns immer, uns Zeit zu nehmen und alles in Ruhe zu geniessen.

Er weiss, wo wir etwas Leckeres zum Mittagessen bekommen und am Schluss fährt er uns sogar noch zu einer ganz besonderen Farm. Dorthin kommen nämlich jeden Abend wilde Rockwallabies. Inzwischen sind die an Menschen gewöhnt und lassen sich sogar füttern, ansonsten leben sie aber total wild und zeigen typisches Rudelverhalten, wir können sogar einen kurzen Kampf zweier Männchen beobachten!

Da hüpfen die also herum, im letzten Sonnenlicht des Tages und sind possierlich und frech zugleich. Wir haben von der Farmerin ein paar Tütchen mit Erdnüssen bekommen, die wir an die Tiere verfüttern können. Die Wallabies sind aber so ungeduldig und wollen nicht immer nur eine Erdnuss bekommen – rrratschsch, schon hat sich eins die ganze Tüte geschnappt und, natürlich hopp hopp hopp ist es ganz schnell weggehüpft. Herrlich!!

Wir machen jede Menge Fotos mit den kleinen Hüpferchen und sind ganz im Glück. Auch unser Fahrer ist mit hereingekommen, obwohl das Gehen hier für ihn sehr schwierig ist. Ich glaube, er hat den Tag ebenfalls genossen. Wahrscheinlich ist er sonst eher alleine unterwegs, schätze ich, denn er ist eine komische Type irgendwie und dann noch die Behinderung……so ist es vielleicht für ihn auch eine schöne Abwechslung drei quirlige Frauen um sich zu haben. Auf jeden Fall macht er mal ein ganz zufriedenes Gesicht, als er uns spät abends in unserem Hostel wieder absetzt. 

Ich muss noch ein paar Tage in Cairns überbrücken, bevor ich meinen nächsten workaway Job anfangen kann und so nutze ich die Zeit, um meine letzten Wochen in Australien zu planen Ich will nämlich unbedingt noch zum Ayer’s Rock! Lieber wäre ich ja privat gefahren, entweder mit anderen Touristen oder mit Australiern – campen unter freiem Himmel und fahren solange alle Spass haben……..leider finde ich keine „buddies“, die zur gleichen Zeit fahren wollen wie ich und so entschliesse ich mich (schweren Herzens), doch eine Tour zu buchen. Bin ja mal gespannt……

Zum Abschluss in Cairns mache ich noch was richtig touristisches: ich fahre mit der Gondel nach Kuranda hoch und mit dem „Scenic Railway“ Zug wieder hinunter. Das sagt dir jetzt wahrscheinlich erstmal nicht viel, oder? Also, die „skyrail“ Gondel fährt in ungefähr 40m Höhe über den Regenwald hinweg und du hast eine wundervolle Aussicht in Richtung Cairns und bis zum Meer und sogar bis zu den Asherton Tablelands im Hintergrund. Rund 7,5 km lang war sie mal die längste Gondelbahn der Welt und es ist tatsächlich eine tolle Fahrt – vielleicht nichts für Leute mit Höhenangst!

Von hier oben sieht der Regenwald ein bisschen aus wie überdimensionierter Grünkohl, oder?? 😉 😉 

In Kuranda angekommen präsentiert sich mir ein typisches Dorf für Touristen mit jeder Menge Souvenirshops, Restaurants, Galerien und einigen Attraktionen wie einem Schmetterlingspark, Bootsfahrten auf dem Fluss oder Didgeridoo Konzerte – alles ungefähr so authentisch wie…..aber egal, die meisten Leute finden es toll. Ich schlendere einmal durch’s Dorf, setze mich in ein Café um die Leute zu beobachten und mache dann einen ausgedehnten Spaziergang. Hier treffe ich auf diese wunderschönen Kreaturen und alles in allem war es bis hierher schon ein toller Tag. Ein weiteres Highlight wartet allerdings noch auf mich und das ist die Rückfahrt nach Cairns mit dem historischen Zug.

Ende des neunzehnten Jahrhunderts gebaut war er seinerzeit eine Meisterleistung der Ingenieure und der Handwerker gleichermassen. Mit dem Bau von 15 Tunneln und 37 Brücken, sowie dem fachgerechten Verlegen der Schienen waren hunderte Männer über fast zehn Jahre lang (1882-1891) beschäftigt. Auch heute noch ist diese Zugfahrt wunderschön, führt sie doch durch immergrünen Regenwald, vorbei an Wasserfällen und der eindrucksvollen Barronschlucht, verwöhnt mit atemberaubenden Ausblicken und aufregenden Brückenüberquerungen. Da es vom Meerespiegel auf über 300m Höhe geht muss der Zug bergauf ganz schön schnaufen und bergab quietschen die Bremsen, dass man sich tatsächlich in die „gute alte Zeit“ zurückversetzt fühlt.

So, nachdem ich nun eine längere Zeit in der Stadt war und viel mit Menschen gemacht habe (ich war sogar einmal zum Salsa tanzen!) freue ich mich ganz besonders auf meine nächste Station: ein workaway Aufenthalt im Regenwald! Ich bin gespannt…..

Hier hast du nochmal die Fotos als Slideshow: