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Fortsetzung: Mount Cook, Lake Tekapo und Christchurch

Was für eine grossartige, wunder-wunderschöne Landschaft, oder? Ich bin total hin und weg und habe hier ein neues Level an Glücklichsein erreicht.

                                                                                       Ich sitze einfach mal eine kleine Ewigkeit an diesem Gletschersee und starre auf die ersten Eisberge meines Lebens. Bloss kleine und nicht gleich der Nordpol, aber trotzdem Eisberge.  Und ich beobachte den reissenden Gletscherfluss, der den Ablauf für den See bildet. Und ich schaue den Berg an. Und auch die benachbarten Berge.

 

 

 

 

 

 

Und die Gletscher. Und die ganzen Moränen, die die abgegangenen Lawinen hinterlassen haben. Und die Pflanzen, die sich ihr Überleben hier hart erkämpfen müssen. Und den blitzeblauen Himmel mit den weissen Wolken.

Ich kann’s nicht mit Worten beschreiben, aber ich bin so übervoll von dieser Schönheit und so dankbar, dass ich einfach hier sitzen und das hier erleben darf. Wenn ich etwas gebraucht hätte, um an Gott zu glauben, das hier wär’s gewesen. Bis ins Innerste berührt.

Auf der Rückfahrt nach Twizel holt mich die blaue Stunde ein und der See präsentiert sich mir in seiner ganzen Pracht.

Der Blick in den Rückspiegel zeigt mir den Berg mit den letzten zarten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel. So bekomme ich die nötige Ruhe zurück, nachdem mich der Tag heute dermassen umgehauen hat.

Auch am nächsten Morgen bin ich noch immer voll mit den Erlebnissen von gestern. Trotzdem fahre ich langsam und gemütlich los. Ich bekomme noch ein paar weitere atemberaubende Ansichten des Lake Pukaki, an dessen Schmalseite ich entlang fahre und des Mount Cook und der umliegenden Berge bevor ich mich hier endgültig verabschiede.

Eine ganze Zeit geht es nun durch grosse Wälder und riesige Grasebenen. Die südlichen Alpen begrenzen noch eine Zeitlang meinen Blick am Horizont aber irgendwann sind sie dann doch verschwunden. Vor mit liegt der nächste See, die nächste Ortschaft: Lake Tekapo. Ein kleines Örtchen, an den See geschmiegt, erinnert es mich ein bisschen an Wanaka. Hier gibt es ausser dem See nur eine einzige Sehenswürdigkeit, und das ist eine kleine Kapelle. Sie liegt direkt am Wasser und vom Inneren hat man einen fantastischen Blick über den See. Hat man mir erzählt. Leider kann ich nicht nachschauen, denn die Kapelle ist abgesperrt und niemand darf hinein. Hmmm……..

Also schaue mir dias Ganze halt von aussen an: nett, klein, aus Quadersteinen erbaut. Ausser der hübschen Lage am See eigentlich nichts Besonderes. Aber in diesem jungen Land ist eben alles, was älter als fünfzig Jahre ist schon antik und eine Besonderheit. 😉

Eine Dame steht am Eingang und hält Wache, dass niemand hineingeht. Sie erklärt mir, dass gleich eine Hochzeit käme zum Fotos machen, danach sei die Kapelle wieder geöffnet. Na gut, dann mache ich eben einen kleinen Spaziergang am See entlang und als ich wieder komme verlassen die Brautleute gerade die Kapelle. Es sind Chinesen! Sie kommen strahlend aus der Kapelle, klettern in ihre Strechlimo und fahren schnatternd von dannen.

Die Kapelle hält auch innen, was sie aussen verspricht: einfache Holzbänke, keine Grossartigkeiten aber einen wirklich schönen Blick  vom Altar aus über den See mit dem Kreuz in der Mitte.

Leichten Herzens kann ich das Dörfchen verlassen und weiterfahren. Aber nach nur fünf Minuten Fahrt geht es links ab und direkt am Seeufer entlang bis zu einem richtig schönen Picknickplatz und so beschliesse ich, dass es eigentlich eh Zeit zum Mittagessen ist. Wieder mal finde ich es herrlich, so völlig frei über meine Zeit und Aktivitäten entscheiden zu können. Umwege wann immer es mir passt, Essen wenn ich Hunger hab, weiterfahren oder dableiben, ganz nach gusto…. Sogar für ein kleines Mittagsschläfchen nehme ich mir noch die Zeit bevor ich dann endgültig weiterfahre.

Grasebenen und Weite umgeben mich auf’s Neue, die Strasse zieht sich schnurgerade bis an den Horizont. Ich komme in Versuchung, jedes entgegenkommende Auto zu grüssen, denn ich fühle mich ein bisschen wie „übrig geblieben“ hier draussen. Nur ab und zu kommt ein kleines Dörfchen, bestehend aus einer Handvoll Häusern und einem Pub. Irgendwo im Nigendwo halte ich mal für einen Kaffee an, dazu gibt es ein Schokolade – Minzetörtchen (konnte ich nicht widerstehen), sitze in der Sonne und bin einfach nur happy.

Dann wieder Gras, Sand, Weite, Leere. Und das ist mein Stichwort: Leere. Das ist es nämlich, worauf meine Tanknadel zusteuert! Fritz ist ja ein richtig tolles Auto, aber Durst hat der!!! Mann oh Mann, der zieht den Sprit weg wie nichts, jeden Tag braucht er eine Füllung. Und die letzte war in Twizel….. ich werde ein ganz klein bisschen nervös.

Aber dann, als ich schon auf Reserve laufe kommt ein Schild „Petrol 5km“ und ich bin gerettet! Und Fritz auch! 😉 Ich besorge gleich noch was für mich selber zum Abendessen, denn eine Unterkunft gibt es hier nicht, also muss ich noch weiter fahren und wer weiss schon, wann wieder einmal ein Dorf kommt.

Nachdem ich noch einen klitzekleinen Umweg gefahren bin, der mir diese Aussicht beschert hat finde ich mich ganz plötzlich in einer Wolkenbank wieder und zu Ende ist es mit dem schönen Sonnenschein. Von hier an geht es in Nebel, Grau und Regen weiter bis ich in einem kleinen Städtchen namens Geraldine eine Unterkunft für heute nacht finde. Ich bezahle ein Dorm-Bett und bekomme ein Einzelzimmer – eher die Ausnahme aber natürlich freue ich mich!

Am kommenden Morgen geht’s auf direktem Weg in rund zwei Stunden bis nach Christchurch.  Die Stadt ist noch immer gezeichnet von dem schweren Erbeben in 2011. Am deutlichsten wird dies an der abgesperrten Kathedrale sichtbar, die als Mahnmal in ihrem halb zerstörten Zustand belassen wird.  Inzwischen wuchert meterhohes Unkraut im Kirchgarten und einheimische Künstler haben begonnen, Skulpturen rund um die Sicherheits-absperrung zu gruppieren. Die gesamte Innenstadt ist noch immer eine einzige Baustelle, überall wird renoviert und erneuert, wieder aufgebaut und verschönert. Viele der Gebäude im Zentrum der Stadt sind bereits wieder aufgebaut und in alter Form genutzt, aber man muss nicht gross suchen, um abgestützte Wände und Dächer, abgesperrte Einfahrten und Portale, eingestürzte Wände und aus Sicherheitsgründen geschlossene Gebäude zu finden.

Doch die Christchurcher haben sich nicht unterkriegen lassen! Beispielweise haben die im Zentrum ansässigen Lokale und Läden nach dem Beben ihre Aktivitäten in eilig aufgestellten Schiffscontainern wieder aufgenommen und nun ist aus dieser anfänglichen Notlösung eine Art hipper Markt geworden, wie es ihn sonst wohl nirgends gibt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Initiative vor der Modernisierung der gesamten Innenstadt halt machen wird.

Graffitis und riesengrosse Wandgemälde findet man überall in der Stadt. Als wollten die ansässigen Künstler ihrer Stadt helfen, ihr schönstes Gesicht zu zeigen.

Das kann natürlich manchmal auch Blüten treiben. Ein Stadtplaner und Architekt hat sich wohl ein klein bisschen vergaloppiert in seinem Eifer und auf dem Reissbrett eine Art „mediterranen“ Strassenzug entworfen.  Kleine Häuschen reihen sich wie die Soldaten aneinander, jedes sieht aus wie das andere und alle beherbergen sie Läden, Cafés und Restaurants. Eine dieser künstlichen Strassen, wie man auf der ganzen Welt in Shopping Malls findet. Auf mich wirkt diese sicher gut gemeinte Massnahme, als hätte man versucht, der Stadt eine bunte, fröhliche Maske aufzusetzen. Doch die Wunden müssen erst heilen und das wird sicher noch eine Weile dauern.

Besonders deutlich wird das am eigentlichen Mahnmal, unten am Fluss. Hier sind an einer langen Mauer die Namen der Opfer auf kleinen Täfelchen angebracht. Dabei liegen Blumen, kleine Geschenke, Briefe, Fotos zum Gedenken an die 185 gestorbenen Menschen. Es ist bedrückend, hier zu stehen – ich erinnere mich, dass ich bei der Arbeit war, als mir eine Kollegin von diesem Erbeben erzählte. Ich war betroffen, doch zu sehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt, als dass ich mich wirklich darauf eingelassen hätte. Es fehlte mir jede Vorstellung, wie sich ein Erbeben anfühlt oder was es anrichten kann. Auch jetzt masse ich mir nicht an, irgendetwas darüber zu wissen, was wohl in den Menschen vorgegangen sein muss. Aber zu sehen, dass selbst nach Jahren die Spuren noch so deutlich sichtbar sind, das macht mich doch sehr nachdenklich.

Was ist es wohl, das uns Menschen immer weiter machen lässt? Erdbeben, Feuersbrünste, Kriege, Fluten, persönliche Dramen oder was auch immer unser Leben erschüttert, die meisten von uns schaffen es irgendwie, wieder aufzustehen und finden die Kraft, wieder aufzubauen, weiter zu machen, weiter zu leben und irgendwann auch wieder zu lachen.

Alles in allem fange ich in Christchurch aber mehr Aufbruchsstimmung als Pessimismus ein, mehr Durchhalten statt Aufgeben und mehr Optimismus als Trauer. Das Beben hat tiefe Wunden geschlagen, doch die Stadt erholt sich und obwohl das Leid des Einzelnen bleibt und dadurch wohl nicht gelindert wird habe ich den Eindruck, die Menschen sind irgendwie stolz auf sich und ihre Stadt. Übrigens ist Christchurch auch bei Expats überaus beliebt!

Am nächsten Tag mache ich eine lange Fahrt in die Umgebung und besuche die Akaroa Halbinsel. Hahaha, nach nur zwei Tagen Stadt und Pflastertreten hab ich schon wieder genug – bin doch eine olle Landpomeranze! 😉

Das Wetter ist schön und ich habe einen richtig tollen Tag vor mir: gemütlich durch die Gegend cruisen, anhalten wo immer es mir passt und einfach nur den letzten Tag meines Roadtrips geniessen. Und wieder finde ich diese wunder-schönen Plätze, mit denen dieses Land so gesegnet ist. Schau doch mal, diese kleine Bucht mit den bunten Bootshäuschen!

Die hügelige Landschaft ist wieder total schön, richtig weich kommt es mir hier vor nach der eher wilden Schönheit der Alpen. Grün wohin das Auge schweift und tief unten schimmert ein grosser See (der eigentlich eine Lagune ist). Diese Kombi von grüner Wiese, Berg, See/ Meer und blau-weisser Himmel wirkt auf mich wie eine Droge – eine gute Laune Droge. 😉 Die Strasse windet sich in vielen Kurven und Windungen hinunter und dann komme ich in dieses kleine Städtchen. Hier waren in der „guten alten Zeit“ die Franzosen und das merkt man bis heute! Die Strassennamen sind französisch und es gibt eine echte Boulangerie, hübsche kleine Häuschen und viele bunte Blumen in den Gärten. Ein kleines bisschen von „La belle France“ ist noch da. Sehr lustig.

Den ganzen Tag fahre ich hügelauf und hügelab durch diese Landschaft und geniesse spektakuläre Aussichten auf einsame Buchten, das glitzernde Meer, zufriedene Kühe und am Abend bin ich rechtschaffen müde und kaputt. Morgen fahre ich zurück nach Cust und bringe Fritz nach Hause. Oh oh…..

Aber es ist zu früh für Wehmut! Erst einmal werden Fritz und ich stürmisch begrüsst: Holly und Jess wuseln um mich herum und Sally und John umarmen mich fest und freuen sich ehrlich, mich wieder zu sehen. Wie schön ist es doch, wieder zu kommen! Ich beziehe mein Zimmer und gleich ist es schon wieder, wie gar nicht weg gewesen. Wir verbringen zwei gemütliche Tage miteinander (Herrlich!!! Ein Badezimmer für mich ganz alleine, niemand schnarcht in meinem Zimmer, eine Waschmaschine, hach……das Luxusweibchen in mir hebt da glatt das Köpfchen und klatscht in die manikürten Händchen!), dann bringt Sally mich zum Flughafen nach Christchurch. Obwohl wir versuchen ganz tapfer zu sein, schimmern unsere Augen verräterisch und unsere Stimmen wackeln…..wir machen den Abschied kurz und heftig.

Der Flieger bringt mich nach Auckland, ich hole meinen Mietwagen ab und meine letzte Woche Neuseeland beginnt…..

 

 

Mit Fritz über die Südinsel – Dunedin, Boulders, Mount Cook und jede Menge Fotos

Mein heutiger Plan ist es, ganz einfach nur bis nach Twizel zu fahren, um dann morgen eine Tour zum Mount Cook zu starten. Unterwegs gibt es nichts Grossartiges zu sehen, bloss Landschaft, so war mir gesagt worden – na, mal schauen….. Aber nun heisst es ja erst einmal, auf in die „grosse“ Stadt und ein paar Besorgungen machen.

Dunedin, wie bereits angekündigt ist eine Überraschung für mich. Eine richtig hübsche, kleine Stadt mit einer tollen Atmosphäre. Es gibt ein paar historische Gebäude, viel Grün überall, hübsche Cafés und Geschäfte. Hier stammen die meisten Menschen von schottischen Vorfahren ab, was sich bis heute beispielweise an der Menge der (schottischen) Pubs ablesen lässt 😉                    Ich schlendere durch die Fussgängerzone auf der Suche nach einem Optiker. Der ist schnell gefunden und nach fünf Minuten ist meine Lesebrille wieder einsatzfähig. Noch kurz die Telefonkarte reaktivieren und schon bin ich wieder frei wie ein Vogel. Das Wetter ist heute einmal richtig sommerlich schön und so spaziere ich einfach in der Gegend herum und geniesse das Flair. Wahrscheinlich sind die Leute hier mit Sonne auch nicht ganz so verwöhnt, denn ich habe den Eindruck, dass alle irgendwie ihre Nase in Richtung Planet halten 😉 so wie ich.                        Es ist schon fast Mittag als ich aus der Stadt hinausfahre und mich entlang der Küste in Richtung Norden auf den Weg mache. Nun befinde ich mich offiziell auf dem Rückweg.

Huch, das fühlt sich jetzt aber komisch an!

Die Fahrt fast immer direkt am Ozean entlang ist einfach wunderschön. Zwischendurch halte ich immer wieder einmal, um ein paar Fotos zu schiessen und die Aussicht zu geniessen.

Und dann komme ich zu den Moeriaki Boulders. Vielleicht kannst du es dir denken?! Es ist wieder einmal Zeit für eine besondere Steinformation! Hahaha, du musst zugeben, dass wir das jetzt eine Weile schon nicht mehr hatten! 😉                                                                        Nun ja, die Boulders sind auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber irgendwie ist es doch schon faszinierend, wie die Elemente hier in eifriger Zusammenarbeit diese grossen Murmeln geschaffen haben. Da liegen sie nun in der Gegend herum, kugelrund und meist ein wenig in den Sand gesunken. Geradeso als hätten Riesen hier gespielt und ihre Klicker liegen lassen….  Nach einer Weile – ein paar hundert Jahren oder so – kriegen die Steinbrocken Risse und brechen dann irgendwann auseinander. (Falls du Geologe bist würde ich mich über eine Erklärung warum wieso weshalb freuen!) Also, ich finde sie auf jeden Fall schön und nutze natürlich die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Strandspaziergang.

Im Vorbeifahren schaue ich noch ganz kurz bei Neuseelands berühmtestem Fischrestaurant vorbei: einer besseren Holzhütte am Meer, liebevoll gestaltet und dekoriert, leider allerdings geschlossen als ich dort ankomme. Also kein Fisch heute für die Vegetarierin! 😉

Anschliessend geht es weiter an der Küste entlang bis in das Städtchen Oamaru, eine alte Minenstadt. Hier übernachte ich unplanmässig, einfach weil ich heute so rumgebummelt habe, dass ich es nicht mehr bis nach Twizel schaffe.

Und hier gefällt es mir auch ganz gut! Ich habe den Eindruck, dass die Zeit stehen geblieben ist. Entlang der Hauptstrasse stehen fast ausschliesslich sehr gut erhaltene historische Gebäude, die Cafés, die Lokalzeitung, Läden und sogar eine Oper beherbergen. Es gibt ein Steampunk Museum (!!), man kann Whisky verkosten und einem Pharmazeuten beim Mixen alter Medizinrezepte über die Schulter schauen.  Eventuell würde es sich ja lohnen, hier ein paar Tage Zwischenstop zu machen? Es gibt auch noch eine Kolonie seltener Pinguine zu entdecken……hmm…..

Der Wetterbericht empfiehlt mir allerdings, doch lieber weiterzufahren, denn das nächste Regentief ist für die Alpen schon im Anmarsch und ich hätte schon gerne ein paar Sonnenstrahlen am Mount Cook. Also kein Steampunk und auch keine Pinguine für mich, sondern am nächsten Morgen weiter nach Twizel.

Und die Landschaft ist heute mal wieder absolut umwerfend! Ich weiss schon gar nicht mehr, welche Adjektive ich noch verwenden kann, ohne mich dauernd zu wiederholen! Ich verlasse die Küste kurz nach Oamaru und fahre wieder in Richtung der Berge (südliche Alpen). Hier befinde ich mich relativ weit weg von der „normalen“ Touristenroute, da die meisten Urlauber direkt von Queenstown aus zum Mount Cook fahren. Ich bereue es jedoch nicht eine einzige Sekunde, diesen längeren Weg gewählt zu haben.

Winzig kleine Dörfchen unterbrechen ab und zu das kräftige Grün der Weiden, Baumgruppen setzen einen Kontrapunkt in tiefdunklem Grün und in der Ferne schimmern die Berge braun-grau-grün bis bläulich. Ich komme an einem interessanten Felsen vorbei und entdecke dabei uralte Zeichnungen der Ureinwohner. (Sie sind nicht sehr gut erhalten und auch nicht wirklich ur-alt, aber hey…..immerhin!) Auf dem Parkplatz hat sich geschäftstüchtig ein mobiles Café plaziert und so komme ich sogar zu einem unverhofften Koffein-Shot. Habe ich schon erzählt, dass man überall auf diese kleinen, mobilen Cafés trifft? Also die Foodtruck-Kultur wird hier im Land der Camper und Wohnwagen mal so richtig gelebt! Meist bekommt man zu seinem Kaffee auch Scones oder Pies oder Muffins. Für das leibliche Wohl ist also gesorgt. 🙂

Natürlich darf auch heute ein Fluss oder See nicht fehlen. Und jetzt schau doch mal, wie schön! Also ich habe den Eindruck, durch eine lebendige Postkarten- Landschaft zu fahren!

Das Örtchen Twizel ist eigentlich nicht weiter interessant, sondern besteht wohl hauptsächlich deshalb, weil hier der Ausgangspunkt zum Mount Cook und den umliegenden Bergen ist. Es gibt ein paar Unterkünfte, Einkaufsmöglich-keiten und zwei Tankstellen, eine Lachszucht und einen Ruderclub, das war’s eigentlich schon. Reicht mir aber völlig. Mein Quartier ist nix Dolles aber ok und der Wetterbericht verspricht für morgen einen Sonne-Wolkenmix und keinen Regen! Herz, was willst du mehr?

Am kommenden Morgen fahre ich schon recht früh los, denn es ist noch eine rechte Strecke zu fahren bis zum Berg. Sehr malerisch am Lake Pukaki entlang verläuft die gut ausgebaute Strasse und bringt mich meinem Ziel immer näher. Es ist so un-glaub-lich schön hier, dass ich ständig anhalten muss und Fotos machen. Hinter jeder Kurve sieht es schon wieder anders aus…..Man könnte glatt meinen, ich hätte noch nie Berge gesehen.

Am Parkplatz des Mount Cook angekommen gehe ich kurz zur Wanderer- Information, schaue mir die Karte an (ich tu immer gerne so, also könnte ich damit was anfangen – bin allerdings ein ziemlich hoffnungsloser Fall mit Wanderkarten) und laufe dann beherzt los. Mit ein paar Hundert anderen, so kommt es mir vor. Tatsächlich ist Neuseelands berühmtester Berg natürlich eine Touristenattraktion und bei Kaiserwetter gleich zweimal, aber ich lasse mir davon meine Strahlelaune überhaupt nicht trüben sondern freu freu freu mich.

Und jetzt halte ich die Klappe, bzw. die Finger still und lasse einfach nur die Bilder sprechen:

 

 

 

 

 

 

Nach diesen Bildern fällt mir erstmal nichts mehr G’scheites ein. Fortsetzung folgt…… 😀

Mit Fritz über die Südinsel – Te Anau, Milford Sounds, Invercargill und Bluff

Tja, nachdem Queenstown also im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist fahre ich eben gleich weiter zu meinem nächsten Etappenziel Te Anau, einem kleinen Städtchen, malerisch (wen erstaunt’s??) an einem See gelegen. Dennoch könnten Wanaka, Queenstown und Te Anau kaum unterschiedlicher sein.

Während es in Wanaka recht gemütlich zugeht und viele Wanderer und Camper ihren Urlaub hier verbringen steppt in Queenstown schon der Bär. Hier wurde das Bungee-Jumping erfunden und bis heute können sich Adrenalinjunkies von der Brücke stürzen. Ausserdem werden hier rund um’s Jahr alle möglichen Extremsportarten angeboten, sei es Fallschirmspringen, Paragliding, Wildwasser-Rafting, Canyoning, Snowboarding……Daher sind hier hauptsächlich junge Urlauber unterwegs auf der Suche nach dem Kick. (In der Wintersaison treffen sich hier übrigens alle Schneebegeisterten der südlichen Hemisphäre). Te Anau ist nun ganz ruhig, hierher verschlägt es hauptsächlich Hiker und Naturliebhaber. Ausserdem gilt das Städtchen als Ausgangspunkt für verschiedene mehrtägige Hikingtracks, sowie Touren in die berühmten Milford Sounds.

Ich bin von der relativ langen Fahrt heute einigermassen erschöpft und begnüge mich daher damit, erst einmal anzukommen und mich über die Möglichkeiten hier zu informieren.

Da ich nicht über die nötige Ausrüstung verfüge, einen mehrtägigen Track zu laufen muss ich mich mit Tagestouren begnügen.                   Meine Entdcheidung fällt auf den ersten Abschnitt des ziemlich bekannten Kepler-Tracks. Ich starte schon früh morgens und werde mit diesen Impressionen des See dafür belohnt. Das ist doch wirklich wunderschön, oder? Es ist auch noch kaum jemand unterwegs heute morgen und ich habe den See und den Wald quasi für mich alleine. Der Anstieg ist relativ steil und so komme ich schon schnell ins Schwitzen. Das ändert sich allerdings schlagartig als ich den Wald hinter mir lasse und auf eine Art Hochebene hinaustrete. Ein eisekalter Wind pfeift hier über die kurzgeschorenen Gräser und ich bin sehr, sehr froh, dass ich Ohrstöpsel dabei habe, eine dicke Jacke mir Kapuze und Taschen! So stapfe ich mit eingezogenem Kopf über dieses grandiose Plateau. Ein Teil des Weges führt über Holzstege, damit wir Wanderer nicht die sehr empfindliche Flora zertrampeln. Die Aussicht über die angrenzenden Berge, hinunter ins Tal und auf den Fluss sind mal wieder gigantisch, und daran können auch die dicken, grauen Wolken am Himmel nichts ändern!

Nach einem ziemlich strammen Marsch und ordentlich durchgepustet und -gefroren erreiche ich die Station der ersten Tagesetappe. Diese einfachen Schutzhäuser werden den Wanderern (kostenpflichtig) zur Verfügung gestellt. Man findet hier Gasherde, Tische und Stühle, eine Toilette, sowie eine Matratze vor. Alles andere muss man selbst mitbringen. Ich hätte was dafür gegeben, mir jetzt einen heissen Tee zubereiten zu können! In Ermangelung eines Topfes und eines Teebeutels muss ich allerdings mit dem mitgebrachten kalten Wasser und einem belegten Brot vorlieb nehmen. Dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass einem diese einfache Unterkunft wie der Himmel vorkommen kann, wenn man aus einem Unwetter oder bei richtig kalten Temperaturen hierher kommt. (Im Winter sind diese Tracks glaube ich geschlossen, bzw. nur unter Lebensgefahr zu erleben.)

Die nächste Tagesstation liegt bereits ausserhalb meiner heutigen Reichweite, sodass ich mich bald auf den Rückweg mache. Welch ein Genuss, als ich aus dem immer noch heftigen Wind wieder in den schützenden Wald komme! Der Abstieg erscheint mir total easy und so mache ich mich fröhlich daran.

„Zuhause“ in meinem Hostel angekommen geniesse ich eine heisse Dusche und gehe dann in die Küche, um mir mein Abendessen zu kochen. Vielleicht interessiert es dich ja, einmal zu erfahren, wie es in einem Backpacker Hostel so zugeht? (Solltest du selber ein traveller sein, dann überspringe diesen Abschnit einfach! ;-))

Natürlich gibt es immer kleine Unterschiede, beispielsweise ob das Hostel in den Bergen liegt oder am Strand, in einer grossen Stadt oder irgendwo in der Pampa, ob die Besitzer selber vor Ort sind und sich kümmern oder ob der Laden von anderen backpackern gewuppt wird, usw. Generell ist es so, dass es diverse Mehrbettzimmer gibt (2-10 Personen pro Zimmer) meist mit Stockbetten, Waschräume sind auf dem Gang und werden gemeinschaftlich genutzt, eine mehr oder weniger grosse Küche und eine Art Gemeinschaftsraum/ Ess- und Wohnzimmer stehen zur allgemeinen Verfügung, ganz ähnlich einer Jugendherberge. Es gibt natürlich ganz tolle Hostels, sauber und gemütlich mit einer freundlichen Betreuung, einer gut ausgestatteten sauberen Küche, oft gibt es ein Bücherregal, wo man sein ausgelesenes Exemplar für ein anderes austauschen kann, Brett- und Kartenspiele sowie DVD’s können kostenlos benützt werden. Manchmal gibt es einen Garten mit Loungecke, Hängematten und selten sogar einem Pool. Je nach Atmosphäre ist es besonders leicht mit den anderen Reisenden in Kontakt zu kommen oder eben auch gar nicht. Vor allem die sehr grossen Hostels werden zunehmend anonymer, was zum Teil auch am exzessiven Konsum des Internet liegt. Und selbstverständlich gibt es auch die anderen Etablissements, wo in der Küche nur ein Topf und eine Pfanne für zwanzig Leute zur Verfügung stehen, das W-Lan noch mal extra kostet und das Personal völlig abgenervt ist. Schmuddelige, fensterlose oder total vollgestopfte Schlafräume, miefende Waschgelegenheiten….naja, sicher kannst du dir ein Bild machen! Glücklicherweise überwiegen die guten!! 😀 😀

Nach diesem kleinen Exkurs in den Backpackeralltag wieder zurück nach Te Anau und zum kommenden Tag. Es steht ein Besuch in den Milford Sounds an. Vielleicht hast du schon einmal von den neuseeländischen Fjordlands gehört, aber wahrscheinlich hast du keine genaue Vorstellung davon. So ging es mir auch. Ich mache diese Reise ja bisher komplett unvorbereitet, d.h. ich weiss nicht, was mir begegnen wird oder welche Besonderheit es zu bestaunen gibt. Ich lasse mich von den Einheimischen inspirieren oder von den Touristeninformationen beraten. Und bisher bin ich damit ziemlich gut gefahren.

Die Milford Sound also waren für mich erstmal nur Berge und Wasser. Ich hab die angebotene Schifffahrt gebucht, meine beiden Mitbewohnerinnen ins Auto gepackt und gemeinsam sind wir die wunderschöne Strecke zu den Sounds gefahren. (Der Milford Walking Track gehört übrigens zu den weltweit schönsten Langstecken Wanderwegen!)

Die Strasse führt uns durch kilometerlange Wälder und lang-gezogene Täler in Richtung der Berge. Bald schon steigen diese steil und felsig am Strassenrand auf und entführen uns in eine alpenländisch anmutende Landschaft. Die Sonne strahlt von einem blitzeblauen Himmel und bringt die weiter entfernten schneegepuderten Gipfel zum Glitzern. Je höher wir hinauf kommen desto unwirtlicher wird es. Die anfangs noch üppigen Wälder werden weniger und grosse, graue Felsmassive schieben sich in den Vordergrund. Dann irgendwann geht es wieder hinunter und wir nähern uns den Sounds.

Hier ist natürlich ganz schön was los, trotzdem finden wir problemlos einen Parkplatz und haben sogar noch Zeit, gemütlich einen Kaffee zu geniessen, bevor unser Schiff startet. Gut organisiert werden die Urlauber zu ihren jeweiligen Schiffen dirigiert und dann geht es los.

Und ich sage dir, das hier ist einfach gran-di-os! Du kannst dir eine Art Berglandschaft vorstellen, wo die Täler komplett von Wasser bedeckt sind. Auf beiden Seiten des Schiffes ragen die grünen Buckel riesenhaft in den Himmel, graue und braune Felsschuppen unterbrechen das Grün der Pflanzen. Überall rauscht und plätschert es, denn jede Menge Wasserfälle stürzen über die steilen Kanten. Es gibt hoch aufragende fast senkrechte Felswände, die schroff über uns aufragen und einem ein Gefühl von der eigenen unwissenden Unwichtigkeit vermitteln im Anblick dieser vielleicht Millionen Jahre alten Beständigkeit.

Wir haben ja nun einen der ganz wenigen sonnigen Tagen erwischt (in den Sounds regnet es rund 300 Tage im Jahr) und darüber freue ich mich riesig. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass es hier im Regen unbeschreiblich ist. Dann gibt es nämlich hunderte Wasserfälle und Dunst und Nebel umschliessen alles mit unwirklichem, mystischem Wabern. Sicher auch sehr, sehr speziell. Aber wir haben nun heute die Sonne und so kann ich mich im Anblick Millionen glitzernder Diamanten verlieren, die auf der Wasseroberfläche tanzen und von den Bergen herab-stürzen. Ich kann mir die strahlenden Farben der Natur anschauen, das tiefe Blau und mystische Grün des Wassers, das unvergleichliche Spiel von Licht und Schatten geniessen. Ich bin total hin und weg. Wir fahren die gesamten Sounds entlang bis ganz nach vorne, wo sie in das offene Meer münden. Jemand erzählt über Lautsprecher irgendwas von James Cook (der Knabe hat hier einfach mal alles entdeckt, besetzt, besiedelt) aber ich höre gar nicht hin. Zu sehr nimmt mich diese Schönheit gefangen, keine Sekunde möchte ich meine Aufmerksamkeit ablenken lassen. Auf dem Rückweg fahren wir ganz nahe an einen der grossen Wasserfälle heran und da ich ganz vorne im Bug des Schiffes stehe bekomme ich eine gehörige Gischtdusche ab.

Und dann treffen wir auch noch diese süssen, kleinen, pelzigen Tierchen! Die hier heimischen Seelöwen, die in der Sonne herumliegen und sich den Pelz wärmen lassen sind für mich irgendwie das i-Tüpfelchen auf diesem wundervollen Tag!

  

Mehr tolle Fotos von den Milford Sounds findest du hier……. (klick)

Am kommenden Tag geht meine Fahrt weiter nach Süden. Ich komme durch fettes, grünes, leicht hügeliges Weideland, die typischen langen Neuseeland – Wolken am strahlend blauen Himmel vervoll-ständigen eine Postkartenlandschaft. Nachdem ich gestern in den Milford Sounds irgendwie eher in Ehrfurcht und Stauenen still geworden war singt es heute wieder in mir. Es ist einfach soo schön rundherum.

Plötzlich steht da ein Schild zu den „Wetlands“ rechts ab – und schon rattere ich wieder eine Schotterpiste entlang, um zu erkunden, was es damit denn wohl auf sich hat. Ich lasse Fritz einsam auf dem kleinen Parkplatz zurück und folge ein paar Minuten einem schmalen Pfad. Bald stehe ich inmitten einer Art Flussaue, Gräser und Schilfe rahmen ein kleines Flüsschen ein, das in mehrere Teiche mündet. Ein paar Enten fühlen sich von mir gestört und stieben schnatternd auf als ich vorbei laufe. Ein kleines Brückchen führt über das kristallklare Wasser. Etwas weiter entfernt kann ich grüne Wiesen erkennen und noch weiter weg erheben sich die Berge. Eine Landschaft wie ein Gemälde! Plus Vogelgezwitscher, Insektengesumm und Freudengesang (in mir). Ich kann mich kaum von diesem Anblick losreissen….

Das ist einfach so was von toll in Neuseeland: du fährst einfach irgendeine schmale Strasse rein und dann – schwupps – findest du so was! 😀 😀

Ich fühle mich so was von entspannt heute, Die vielen Schafe auf den Weiden entlang meiner Strasse bringen mich zum Lächeln. Und die Sonne bringt mich zum Lächeln. Und der Bauer mit seinen fünf Hunden auf dem Pickup bringt mich zum Lächeln…..

Haushohe Windschutz-hecken (eine neuseeländische Besonderheit) verbergen kleine Farmen und machen Obstbäumen und Gemüse-gärten das Überleben leichter. Kühe grasen vereinzelt auf den grossen Wiesen. Heute ist Neuseeland fast schon kitschig schön – genauso wie ich es mir immer vorgestellt habe. Viel Grün, viele Schafe, ein paar Kühe und wenige Menschen, ein Fluss oder See und Berge im Hintergrund, darüber ein (meistens) blau-weisser Himmel – voilá, und genau so ist es. Ein paar Farmer fahren mit ihren Pick-ups zu den Weiden, hier und da ein Camper. Sonst nichts. Stille. Weite. Ruhe.

Die Berge bleiben irgendwann hinter mir zurück und die Landschaft wird erst ganz flach und dann wieder hügelig. Ein kalter Wind kommt auf und je näher ich dem Meer komme, desto stürmischer wird es. Und endlich! Da ist er wieder, der Ozean! Wild und laut und herrlich! Salzige, kalte Luft, hartes, struppiges Gras, das hier ist nichts für Weicheier! Heute ist ja ein schöner sonniger Sommertag und trotzdem ist das Klima hart und die Landschaft fast karg zu nennen. Ich will gar nicht wissen, wie es hier wohl im Winter ist! Man sieht der Natur deutlich an, dass hier die Elemente kämpfen. Die wenigen Bäume sind krüppelig klein und vom ständigen Wind zurecht gestutzt. Was ich total faszinierend finde: die Rinder- und Schafweiden erstrecken sich bis ganz nach vorne direkt ans Meer! Man sollte meinen, dass die ständige Beregnung mit Salzwasser kein richtiges Gras wachsen lässt, aber offensichtlich gibt es genügend Vieh, das sich sogar diesen rauhen Gegeben-heiten anpassen kann! Und diese Rindviecher hier sind keinesfalls mager zu nennen.

Zu Beginn kann ich noch an Aussichtspunkten und kleinen Buchten anhalten und die Aussicht geniessen, doch irgendwann wird der Wind so stark, dass ich kaum mehr die Tür aufbekomme und der Wind mich beinahe umwirft. Am Strand werde ich sandgestrahlt und es ist inzwischen schneidend kalt. Die Wellen peitschen ans Ufer und der Ozean macht einen rechten Lärm. Hier merke ich zum ersten Mal so richtig, dass die Antarktis nicht mehr so weit weg ist!

In dem winzigen Städtchen Riverton mache ich Halt, besuche das Museum und erlebe eine positive Überraschung! Eine sehr interessante Ausstellung über Neuseeland und seine Geschichte wird gezeigt. Sowohl Maori, als auch die europäischen Siedler werden mir lebensechten Modellen, Artefakten, interaktiven Schautafeln und kreativen Dekorationen erklärt und dem Betrachter nahe gebracht. Man kann zuschauen, wie die Maori gejagt haben und erfährt einiges über den frühen Walfang der Weissen, sowie die aufkommende Holzindustrie und die Transportwege. Einige Bilder runden die Ausstellung ab und ich finde, das ist eines der interessantesten Museen, die ich bisher in Neuseeland besucht habe.

Über die Stadt Invercargill, meine nächste Station, kann ich eigentlich gar nichts schreiben, da ich erst am späten Nachmittag hier ankomme und bereits am kommenden Morgen wieder früh weiterfahre nach Bluff.

Hier in Bluff ist nun der südlichste Punkt der Südinsel Neuseelands (nur die kleine vorgelagerte Stewart Island ist noch näher an der Antarktis!) Das Örtchen selbst scheint seine besten Tage bereits hinter sich zu haben und wirkt etwas heruntergekommen. Aber der Leuchtturm und dieses Schild (sicher eines der meist fotografierten Schilder des Landes) sind ja auch der Grund meines Hierseins. Und hier bitte: nur noch 4.810km bis zum Südpol oder 2.550km bis zur nördlichen Küste der Antarktis – sozusagen ein Katzensprung. Bevor du mich jetzt fragst: nein, ich werde mich NICHT auf ein Schiff begeben und dorthin reisen!!!! Trotzdem zur Info, du kannst mit dem Schiff von Bluff aus zur Antarktis und zurück reisen, Dauer rund einen Monat, Kostenpunkt rund 20.000 US$. Nicht zu empfehlen für Seekränkler wie mich!! 😉

Nachdem ich nun viele Tage lang nach Süden gefahren bin muss ich heute die Himmelsrichtung ändern, haha – und ich fahre nach Osten. Ich möchte eine Gegend erkunden, die sich „Catlins“ nennt. Viele Kiwis haben mir geraten, hierher zu kommen, also sind meine Erwartungen hoch. Leider wird aus dem grauen Himmel bald schon ein tiefgrauer Himmel, aus dem dann eben auch naturgemäss eine Menge Wasser fällt. Kurz – es beginnt zu giessen. Ich veruche immer wieder an interessanten Orten zu halten, um wenigsten einen kleinen Eindruck von der Schönheit dieser Gegend zu bekommen. So finde ich beispielsweise diesen kleinen See, der inmitten des Waldes ganz still da liegt, sodass sich die umgebenden Bäume in dem dunklen Wasser spiegeln.

Ein bisschen weiter erreiche ich nach einem halbstündigen Marsch diesen wunderschönen Wasserfall. 

Eine Höhle, die ich gerne besuchen würde (bietet sich ja an bei dem Wetter!) ist leider heute geschlossen. Und so fahre ich immer weiter und weiter und ehe ich mich versehe bin ich schon wieder raus aus den Catlins! Ups. Na ja, für einen ersten Eindruck hat’s gereicht – Prädikat: wiederkommen lohnt sich! Bei besserem Wetter. 😉

Da es inzwischen schon relativ spät geworden ist muss ich mich langsam mal um eine Unterkunft für heute nacht kümmern. Trotzdem fahre ich noch einen ziemlichen Umweg nach Nugget Points.  Windumtoste Klippen und ganz vorne, über dem Meer  ein Leuchtturm. Es ist bloss ein kleiner Spaziergang und der Rundumblick ist wunderschön. Der Boden der Aussichtsplattform besteht aus einem Gitter, sodass man -zig Meter weit direkt nach unten in das tosende Meer schauen kann. Nix für schwache Neven!

Im benachbarten Kaka Point beginne ich mit meiner Suche nach einer Unterkunft. Doch das ist leichter gesagt als getan! Hier ist offensichtlich ein richtiger Urlaubsspot ( wobei im Moment  niemand gross zu sehen ist), sodass die Zimmerpreise weit ausserhalb dessen liegen, was ich zu zahlen bereit bin. Also weiter fahren! Weder auf telefonische Anfrage, noch im Vorbeifahren lässt sich etwas finden. Ausgebucht, vorübergehend geschlossen oder viel zu teuer……hmmm. Einmal biege ich auf gut Glück an einem Schild B&B ab und fahre einen steilen Hügel hinauf. Ganz oben steht ein Haus, das ganze Tal überblickend, wunderschön. Eine riesige Schafherde blökt rund um das Haus, Hinterlassenschaften all überall, aber das Haus selber sieht einladend aus. Und leer. Ich klopfe und schaue und warte – kein Mensch ist da. Ich rufe und gehe rein (nicht abgeschlossen!) Tatsächlich keiner da. Es ist eindeutig eine Ferienunterkunft. Drei Schlafzimmer mit Bädern, Wohnzimmer und eine grosse Küche. Alles hübsch eingerichtet und wie auf mich wartend. Ein Zettel neben der Eingangstür informiert mich darüber, dass ich doch bitte im Bedarfsfalle die Betreiber anrufen solle. Was ich blöderweise auch mache. Natürlich ist es völlig ausserhalb meines Budgets, hier zu übernachten! Wäre ich nicht so ein ehrliches Mädchen, dann hätte ich einfach hier gecampt und wäre morgen früh (nach einer kleinen Spende) wieder abgefahren. Aber so wissen die Besitzer ja, dass ich da bin und kommen vielleicht gucken…… Das bring ich dann doch nicht, also muss ich halt weiter fahren.

Und dann kommt diese Umleitung. Wegen Bauarbeiten an einer Brücke muss ich eine Umleitung von rund 10km über Schotter fahren. Grrr……zugegeben, die Landschaft ist traumhaft schön und ich komme durch winzige Weiler, nur eine Handvoll Häuser, die ich sonst nicht gesehen hätte. Das ist schön. Trotzdem bin ich froh, nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf eine richtige Strasse einbiegen zu können. (Der überbrückte Streckenaschnitt ist ungefähr 200 m lang!)

Die Dörfer werden immer kleiner, Hostels oder B&B’s gibt es keine mehr. Es wird dunkel und ich beginne mich mit dem Gedanken zu befassen, heute nacht eventuell im Auto zu schlafen. Es regnet übrigens schon wieder. Um halb neun, ich bin hungrig und müde und ein ganz kleines bisschen übellaunig, verspreche ich mir selbst, noch bis zum nächsten Dorf zu fahren und wenn es da nichts gibt, einfach einen Parkplatz oder so zu finden, wo ich übernachten kann. Und siehe da! Ich komme in ein kleines Städtchen namens Milton, finde ein Schild „Backpacker’s“ und auf mein zaghaftes Anklopfen wird mir aufgetan. 😉

Die Tür geht auf, gemütliches Licht und angenehme Wärme schlagen mir entgegen. Ein freundlich lächelnder Mann, bereits nach dem „Hello! How are you?“ als Schweizer identifiziert bittet mich herein. Aber ja, er hat noch ein Bett frei! Hurra, hurra, hurra!

Ich trete ein und befinde mich in einem Wohnzimmer, ein Freuer brennt im Ofen, ein junger Mann sitzt auf der Couch und trinkt Tee – es sieht hier irgendwie aus, wie in einem Privathaus, gar nicht wie ein Hostel. Und es ist warm! Hach, herrlich! ich fühl mich gleich (fast) wie zuhause.

Am nächsten Morgen regnet es immer noch Bindfäden und ich beschliesse, einfach einen Ruhetag zu machen und hier zu bleiben. Es ist warm und gemütlich und mein schweizer Gastgeber ist zwar völlig schräg drauf, aber trotzdem (oder deswegen?) ein interessanter Gesprächspartner. Er bietet an, am Abend seine selbstgebaute Sauna anzuheizen, was bei uns Gästen (mittlerweile 5!) auf grosse Begeisterung stösst. Und ich sage dir, das ist die skurrilste Saune, in der ich je war!

Der alte Wassertank von einer Dampfmaschine mit einem Holzofen drin, zwei selbstgezimmerte Bretterbänke, fertig ist die Sauna. Du glaubst mir nicht? Bitte sehr, hier ein Foto des Ganzen: 

Am nächsten Morgen, es hat aufgehört zu regnen!, fahre ich weiter nach Dunedin. Eigentlich wollte ich hier durchfahren, aber meine Lesebrille hat ein Beinchen verloren und so muss ich zum Optiker und eine neue Schraube einsetzen lassen. Zum Glück, kann ich nur sagen, denn Dunedin ist ein kleines Juwel.

 

 

 

 

 

Mit Fritz über die Südinsel – Haast Pass, Wanaka, Rob Roy Glacier und Queenstown

Ausgeruht und neugierig mache ich mich wieder auf den Weg. Mein heutiges Ziel heisst Wanaka und alle Neuseeländer schwärmen von dieser kleinen Stadt.

Die Fahrt dorthin ist wieder mal wunderschön, aber da ich mich nicht immer wiederholen möchte überspringe ich das jetzt mal. Nur so viel: ich würde das hier gerne malen können!

Ich fahre durch den Mount Aspiring Nationalpark, ausgedehnte Waldgebiete, tief ausgewaschene Flussbetten mit blitzeblauem Gletscherwasser und grossen grauen Felsbrocken wechseln sich ab mit Wasserfällen und natürlich schauen in der Ferne immer wieder auch teilweise schneebedeckte Bergspitzen hervor.

 Auch heute muss ich immer wieder anhalten und finde manchmal solche Plätze wie beispielsweise dieses Flussufer, wo Leute ganz viele Steinmännchen gebaut haben. Und wie das immer so ist, einer fängt das an und alle machen mit 😀 (ich bau natürlich auch eins).

 

 

 

 

 

Der Himmel ist heute leider meist bedeckt und verschluckt die strahlenden farben, die die neuseeländische Landschaft im Sonnenlicht so kennzeichnet. Es ist sehr erstaunlich, zu sehen, welchen Unterschied Licht doch machen kann. Es ist immer noch schön, aber nicht so atemberaubend wie an den vorangegangenen Tagen.

Als ich über die Berge komme verändert sich die Landschaft dramatisch. Wo eben (auf der Westseite der Berge) noch sattes Grün, saftige Wiesen und stolze Wälder vorherrschten sehe ich nun nur noch vertrocktete Gräser, struppige kleine Büsche und Gestrüpp. Was für ein Wechsel!

Und dann komme ich an diesen See! Plötzlich strahlt die Sonne wieder vom Himmel und vor mir liegt Lake Wanaka. Tiefblau strahlt er mir entgegen, gerade so als wolle er mich willkommen heissen. Mal wieder stehe ich und staune. Der See ist riesig, von Bergen umrahmt und einfach wunderschön.

Ich kann mich kaum satt sehen, aber irgendwann knipst der Himmel einfach das Licht wieder aus und aus dem strahlend lapislazuliblauen See wird wieder ein ganz normales Gewässer. So fahre ich also weiter, immer an der Längsseite des Sees entland bis ich irgendwann links über einen kleinen Berg fahren muss. 

Und gleich voll in die Bremse. Ein weiterer See liegt vor mir und am gegenüber- liegenden Ufer beginnt Mordor. (Mordor aus den „Herr der Ringe“ Filmen).                       Der Vergleich drängt sich mir geradezu auf und ich bin total fasziniert von den dunklen, scharfkantig scheinenden Felsformationen der Berge. Nach einer Weile reisst die Wolkendecke wieder auf, der düstere, bedrückende Eindruck löst sich schlagartig auf und der See erscheint strahlend und glitzerndschön.

Noch einige Kilometer weit fahre ich durch vertrocknetes Grasland und flache Hügel. Nach der schieren Opulenz der letzten Tage empfinde ich die Landschaft als langweilig bis trostlos und frage mich insgeheim, was an Wanaka wohl so toll sein wird.

Wanaka entpuppt sich als kleines Städtchen, malerisch am See gelegen mit einer Menge hübscher Cafés, Restaurants und ein paar Läden. Es ist alles schön hergerichtet für die Urlauber, darunter durchaus auch viele Kiwis. Ich kann grundsätzlich mit dieser „Reissbrett-Schönheit“ nicht so viel anfangen, aber die Atmosphäre hier ist sehr angenehm und der rundherum von Bergen gerahmte See ist schön.  Alle sind irgendwie in Urlaubsstimmung, sitzen am Seeufer oder in den Cafés und lassen es sich gut gehen. Ich mache einen kleinen Spaziergang am See entlang, schaue den Leuten zu und finde reisen mal wieder klasse.

Am nächsten Tag mache ich mich auf John’s Empfehlung hin auf den Weg zum Rob Roy Glacier. Dieser ist in einer erträglichen Entfernung von rund 30km zu finden. Was ich bisher allerdings nicht wusste: 20km davon sind eine geriffelte Schotterpiste, die meinem armen, kleinen Auto schwer zusetzen. Hätte mich John nicht quasi genötigt, dorthin zu fahren, ich glaube, ich wäre umgekehrt.

Die Fahrt führt mich zwischen zwei Bergrücken in ein sehr langes Tag. Dort gibt es einige grosse Rinderfarmen, „Stations“ genannt, und eine riesige Hirschfarm. Ja Hirschfarm! Hirsche werden hier auf Weiden gehalten wie bei uns Kühe. Als ich für ein Foto an den Weidezaun trete kommt die gesamte Herde neugierig herangetrabt. Irre! Also so viele Hirsche hab ich noch nie gesehen 😀

Der geriffelte und geschotterte Weg rüttelt und schüttelt mich gehörig durch und geht mir auch ein bisschen auf die Nerven. Hoffentlich ist der Gletscher dieses Gemache auch wert! Hmpf….. das arme Auto! Aufmunternd klopfe ich dem Kleinen auf’s Amaturenbrett, der nimmt’s gelassen und rumpelt und rattert einfach weiter. Ich sollte ihm vielleicht einen Namen geben……           (also echt jetzt?! Wirklich?? Das ist ein Auto!!) Na und?! Darf ich vorstellen? Das ist Fritz:

(und damit wäre das Rätsel gelöst! Who the **** is Fritz?) 😉

Richtig aufregend wird es als plötzlich kleine Bäche quer über die Strasse laufen. Beziehungsweise die Strasse führt durch kleine Bachbetten. Das Wasser ist glücklicherweise nur 10cm oder so tief, da zuckt Fritz nicht mal, sondern pflügt sich vergnügt hindurch. Kleiner Wortwitz dazu: diese Fluss- oder Bachdurchfahrten heissen auf englisch „Ford“, wie auf dem Schild zu lesen steht und Fritz ist ein Ford. Der Ford im Ford sozusagen……..

Am Ende der Strasse angekommen befinden sich eine gute Handvoll Autos auf dem Parkplatz und ich freue mich auf eine schöne Wanderung. Los geht es wieder einmal über eine „swingbridge“ über einen sprudelnden Gletscherfluss und dann immer bergauf. Obwohl die tatsächliche Temperatur mit jedem gewonnenen Höhenmeter sinkt wird es mir ganz schön warm. Als der Gletscher dann schon in Sichtweite kommt muss ich allerdings trotzdem Schicht für Schicht mehr Kleidung überziehen, denn es wird empfindlich kalt. Eisiger Wind fegt vom Gletscher herunter und beisst mich in die Backen.

Der direkte Blick auf die dicken Einschichten des Gletschers wird meist ganz oder teilweise von Wolken verdeckt. Trotzdem ist die Landschaft hier ein Kracher!
Schroffe Felswände steigen fast senkrecht vor mir auf und hier und da stürzt nebelsprühend Wasser herunter. Es ist hier  so richtig hochgebirgig, kaum mehr Bäume, sondern nur noch niedrige, vom ständigen Wind verkrüppelte Büsche, struppiges, hartes Gras und jede Menge Steine.
Der eigentliche Gletscherfluss ist im Moment trocken und verleitet mich natürlich zu Klettertouren über die Brocken und Steine. Ich liebe das! Dierekt hinter mir fängt dann gleich der Wald an, durch den ich hier hochgewandert bin und auf der anderen Seite wieder eine schroffe, steile Felswand. Hier scheint ab und zu die Sonne drauf und es sieht einfach wunderschön aus. Ich stehe und schaue und freu mich so lange es geht, aber irgendwann wird es mir einfach zu kalt und ich mache mich auf den Rückweg. Und so schön es auch ist wenn man einen Rundweg laufen kann, manchmal finde ich es auch super, den gleichen Weg zurück zu gehen. Plötzlich sieht man ganz andere Dinge und hier ist die Aussicht auch auf dem Rückweg grandios! Schau doch mal, wie dieser Fluss durch das Tal mäandert! Das ist doch einfach grossartig, oder nicht?!

Auch auf meiner Rückfahrt über die Schüttelpiste finde ich noch einige sehr schöne Ausblicke, besonders jetzt, da der Nachmittag schon weit fortgeschritten ist und dieses besondere Licht die Landschaft quasi weichzeichnet. Und das Spiel von Licht und Schatten ist ja eh immer faszinierend. Auch heute   bin ich wieder rundherum zufrieden mit meinem Tag und John zutiefst dankbar für den Tip mit dem Rob Roy Glacier. Hier durfte ich wieder einmal ein ganz wundervolles Stückchen Neuseeland kennen lernen. Es geht halt doch nix über die Empfehlungen der „locals“ 😀

Am kommenden Morgen packe ich meinen ganzen Krempel wieder ins Auto und los geht es in Richtung Queenstown. Das erste „Highlight“ begegnet mir kurz nachdem ich Wanaka verlassen habe:

Was ist das denn? 😀

Ein ganzer Zaun, sicher 100 m lang, voller BH’s?! Was auf den ersten Blick lustig erscheint hat einen ernsten Hintergrund. Der „Bra Fence“ in Cardrona wurde von der New Zealand Breast Cancer Foundation (NZ Brustkrebs Stiftung) gegründet und ist natürlich recht schnell zur Attraktion geworden. Es gibt eine Spendenbox und so werden die Besucher freundlich eingeladen, ihre Fotos zu machen und gleichzeitig mit einer kleinen Spende die Forschung zum Thema Brustkrebs zu unterstützen. Natürlich darf jede Dame einen Bra hinterlassen, wenn sie das möchte. Ein ernstes Thema mit Humor den Menschen näher gebracht – find ich gut – und ausserdem ziemlich erfolgreich im Sammeln!

Schon nach kurzer Weiterfahrt komme ich am Cardrona Hotel vorbei und da mir gerade nach einem schönen Käffchen ist halt ich kurzentschlossen. Was für ein Glück! Ich bin hier gleich mal hundert Jahre zurückversetzt und ausser einem sehr guten Kaffee, serviert in einem schönen Garten bekomme ich gleich noch eine gute Portion Geschichte dazu!

Das Cardrona Hotel ist eines der ältesten in Neuseeland, um 1863 erbaut während der Goldrausch diesen Teil des Landes mit einer Menge Glücksritter versorgte. Cardrona war eine richtige Stadt mit mehreren Hotels/ Pubs, Läden und einer Postkutschenstation. Heute gibt es nur noch das Hotel und die Poststation, in der sich ein Museum befindet. Im Inneren der Gaststube führt ein original Schacht im Fussboden in das Innere der Erde, wo die Digger ihr Gold schürften. Einige Werkzeuge gibt es zu bestaunen und an den Wänden hängen vergilbte Fotos und Zeitungsausschnitte aus der guten alten Zeit. Ein Teil der Gaststube ist noch immer authentisch, die Dachbalken sind noch aus dieser Zeit, der gemauerte Kamin (in dem übrigens ein hübsches kleines Feuerchen prasselt) und sogar ein Teil des Mobiliars! Ganz ganz klasse.

Eine weitere Besonderheit gibt es an der Decke zu bestaunen: Dort hängen lauter verschiedene Geldscheine! Aus aller Herren Länder haben die Reisenden ihre Scheinchen an die Decke gepinnt.

Die Weiterfahrt nach Queenstown geht über die Crown Range und ich fahre hier auf dem höchsten, geteerten Highway der Südinsel (die Desertroad auf der Nordinsel hatte ich ja auch schon befahren!). Die Strasse windet sich in vielen Kurven und Serpentinen den Berg hinauf und ich muss ziemlich aufpassen beim Fahren. Die Hügel und Berge um mich herum sind nur wenig bewachsen, ein bisschen Grass, ein bisschen Gestrüpp, das Ganze mutet fast wie eine Wüste an. Tatsächlich soll es im Frühjahr hier schön grün sein und im Winter hat es meist Schnee und man braucht Ketten für die Fahrt über die Range.

Es ist atemberaubend hier oben. Obwohl es mehr oder weniger kahl ist hat diese Landschaft etwas Grosses  an sich. Und die Aussicht von ganz oben braucht sowieso mal gar keine Worte!  

Als ich auf der anderen Seite wieder hinunterfahre kommt der Regen. Dicke, tiefhängende, schwarze Wolken verdecken das letzte Fitzelchen Blau des Himmels und der Regen strömt nur so.

Von den berühmten „Remarkables“ bei Queenstown ist nichts zu sehen. Der See , an dem die Stadt liegt ist bleigrau und wirkt wenig einladend. Die Stadt selber ist laut und voll. Voller Autos und voller Menschen. Auf den Bürgersteigen schieben sich die Massen, in dicke Jacken gemummelt von einem Café ins nächste. Ich fahre bis hinunter an den See, parke, ziehe den Schlüssel ab………

……starte den Wagen und fahre wieder hinaus aus der Stadt. Das Wetter soll für die nächsten Tage sehr schlecht bleiben, sodass die Berge rund um die Stadt nicht zu sehen, geschweige denn zu erwandern sein werden. Und ich will nicht in einer völlig überfüllten Stadt bleiben. Sorry, Queenstown, beim nächsten Mal! (Denn eigentlich ist es hier unglaublich schön, hab ich gehört! Und hier soll es den besten Burger Neuseelands geben! Das müsste man sich als Vegetarier doch schon mal geben, oder?!)