Cook Islands – Aitutaki Südseeparadies

Der Flug nach Aitutaki dauert bloss eine halbe Stunde und ist gleich mal ein echtes Highlight, da wir in den Sonnenaufgang starten. Das Flugzeug ist klein, aber nicht so klein wie ich befürchtet hatte. So rund dreissig Passagiere fliegen heute mit mir auf die kleine Nachbarinsel. Aber doch noch klein genug für eine lustige Besonderheit: gleich hinter meinem Sitz in der letzten Reihe stapelt sich das Gepäck, sozusagen griffbereit! Hahaha, hatte ich jetzt so auch noch nicht……

Aitutaki ist noch viel kleiner als Rarotonga, mit zwei kleinen Bergen in der Mitte, einer Strasse, die nicht einmal ganz aussenherum geht (Mangrovengebiet), schönen Stränden und einem Ringriff rund um das Eiland. Schon vom Flieger aus sieht es klasse aus! Türkisfarbenes Wasser, weisser Sand, grüner Dschungel – Herz, was willst du mehr?

Gerade gelandet kommt eine Frau mit ausgebreiteten Armen auf mich zu, drückt mich erstmal herzhaft und legt mir dann einen wunderschönen, duftenden Blumenkranz um den Hals. Ich bin so gerührt und sprachlos und krieg gleich mal feuchte Augen. Hast du schon mal einen Blumenkranz zur Begrüssung bekommen? Also ich nicht, und ich find’s megaklasse! Hier fühle ich mich herzlich willkommen!

Und da kommt auch schon der Gepäck-wagen und jeder schnappt sich sein Zeug direkt vom Wagen, Gepäckband gibt’s keins. Wozu auch? Der Flughafen besteht aus einem kleinen Gebäude, es landen zwei Flieger pro Tag und so  wird mit dem Besucher“ansturm“ und den damit verbundenen Gepäck“bergen“ hier ganz entspannt umgegangen. 😉

Jeder kennt hier jeden, das merke ich schon nach zwei Minuten. Irgendwie gefällt mir das. Die Autofahrt zu meinem Domizil dauert kaum fünf Minuten, aber wir fahren noch kurz weiter bis zum nächsten Shop, bottle shop und ins „Zentrum“ (grosser Lacher!!) Am Hafen gibt es ein grosses Gebäude, da findet frühmorgens der Markt statt (jetzt um kurz nach sieben morgens herrscht bereits gähnende Leere!), die Post, einen ATM und……das war’s. Wir kaufen auf dem Rückweg im Shop noch ein paar Sachen und dann zeigt meine freundliche Vermieterin mir mein Zuhause für die kommenden Tage.

Das grosse Holzhaus ist türkis gestrichen und besteht aus fünf Schlafzimmern, zwei Bädern, einer Küche und einem Wohnzimmer. Eine Art eingezäunte Frontveranda (??) und ein kleiner Garten schliessen sich an. Ich hab das über eine Empfehlung von Leuten im Hostel bekommen /wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der……), die hier waren und ich bin mal mega begeistert. Das Haus ist voll schön und meine Gastgeberin ist so nett. Und – ich hab das komplette Haus ganz für mich alleine! Es ist niemand sonst hier – unglaublich!

Ich mach es mir erstmal gemütlich und gehe dann auf Erkundungsgang. Der Strand ist keine hundert Meter weit weg, bloss einmal über die Strasse und über ein freies Grundstück schon bin ich da. Auch hier ist der Ebbe – Flut Unterschied sehr gross und bei niedrigem Wasserstand kann man kaum schwimmen. Aber nach einem kurzen Spaziergang am Strand entlang komme ich an ein ausgesprochen einladendes Resort, direkt danach wieder an einen öffentlichen Strand und hier kann ich problemlos schwimmen und schnorcheln.

Ich miete mir ein Fahrrad, damit ich ein wenig mobil bin auf der Insel und unternehme kleinere Touren, wie beispielsweise zu einem Ausichtspunkt oben auf den Berg zu laufen oder auf die andere Seite der Insel zu fahren, um dort zu schwimmen in einer traumhaft schönen Lagune. Meist bin ich morgens schon recht früh unterwegs, ziehe mich mittags ein wenig zurück aus der Hitze, um dann abends nochmal fitter zu werden für eine zweite Strandrunde. Da es um sechs schlagartig dunkel wird und es hier ausserhalb der Resorts keinerlei Abendunterhaltung gibt mache ich etwas, was ich in den letzten Monaten so gut wie überhaupt nicht gemacht habe: ich schaue mir einen Film an!

In meinem Wohnzimmer steht nämlich ein Fernseher mit ungefähr zweitausend Filmen drauf. Und so ziehe ich mir ganz gepflegt und hintereinander weg jeden Abend einen der „Hobbit“ Filme rein. Schliesslich bin ich jetzt an all diesen Filmsets gewesen und hatte doch die Filme noch gar nicht gesehen. Ich finde das grossartig!

Doch das Allerbeste, was ich auf Aitutaki gemacht habe ist eine Lagunen – Rundfahrt! (Achtung: Jetzt kommen die Südsee – Fotos! Warnung für Menschen mit ausgeprägtem Fernweh: diese Fotos könnten einen heftigen Fernwehschub auslösen!)

Schon morgens früh geht es los, wir sind bloss fünf Leute auf unserem Bootchen und alle ziemlich gut drauf. Wir fahren raus auf’s Meer und besuchen im Laufe des Tages mehrere kleine Inselchen, so genannte „Motus“, die meist unbewohnt sind und uns genau die typischen Südsee-Urlaubs-Prospekt Bilder liefern, die einem quasi die Tränen in die Augen treiben. Tiefblaues Wasser, dunkeltürkises Wasser, helltürkises Wasser, hellblaues Wasser, weisser Sand, Palmen, Korallen, Muscheln……. ich kann mich kaum satt sehen. Es ist einfach unglaublich schön! Manche motus sind noch jung und wenig bewachsen, manche gibt es schon länger und die Palmen und andere Bäume sind hochgewachsen.

Eine kleine motu heisst „Heaven“ und ist eigentlich kaum mehr als eine weisse Sandbank mitten im glasklaren, türkisen Wasser. Lediglich ein paar ganz kleine Palmenschösslinge wachsen hier und lassen erahnen, dass Heaven in fünfzehn Jahren oder so, eine richtige Insel sein wird. Ziemlich beliebter Spot für Hochzeitsfotos, kommentiert unser Kapitän schmunzelnd.          Uns ist das egal – wir stürzen uns in dieses wunderbare Wasser, hinterlassen unsere Fussabdrücke in diesem unglaublich weissen, feinen Sand des kleinen, unberührten Eilands und wollen hier am liebsten nie wieder weg. Kann mal kurz jemand die Zeit anhalten, bitte?!

 

Übrigens haben wir die ganzen kleinen Inselchen für uns ganz alleine! Echtes Robinson-Feeling! Es ist nämlich Sonntag heute und da fahren bloss zwei Boote raus und die fahren die Route auch noch jeweils anders herum, sodass wir uns nur ganz kurz auf einer der Inseln treffen. Als wir anlegen fährt das andere Boot gerade weg. Ist das nicht klasse? Genau, was ich so brauche, hahaha!

 

 

 

Selbstverständlich gibt es zu jeder motu eine Legende und unser Bootsführer erzählt uns einige davon. Die meisten sind ziemlich blutrünstig und handeln von Familienkrisen, Landraub etc. und den anschliessenden Vergeltungsmassnahmen. Ja, ja, auch hier waren die Maori ein ziemlich kriegsliebendes Völkchen.

Und dann heisst es wieder ab ins kristallklare Wasser! Schnorchelmasken aufgesetzt und Flossen an. Wir ankern auf einer Art Sandbank und schwimmen bloss rund zehn Meter vom Boot weg. Hier fällt der Grund steil ab und ein noch relativ junges Riff wächst heran. Und sowas hab ich mal noch gar nie gesehen! Wunderschöne Korallen und soo viele Fische!!! Eine Megasicht bis ganz tief. Jede Menge Zebrafische und riesengrosse Trevellies (Riesen Stachel-/ Dickkopfmakrele) ungelogen 50-60cm lang, und ganz viele andere tropenbunte Fische tummeln sich hier. Sie sind kein bisschen scheu sondern kommen bis ganz nah an die Brille heran. Und dann, als sei das noch nicht genug, gibt es hier die Giant Clams (Riesenvenus-muscheln), die anscheinend über einen Meter gross werden können und rund 200 kg wiegen können. Ganz so gross sind die, die wir hier sehen zwar nicht, aber doch so 40-50 cm gross und wunderschön! Guck dir mal ein paar Fotos an (klick hier). Ich kann sie so gut sehen, dass ich sogar aus der Entfernung die leichten Pump-bewegungen erkennen kann, mit der diese erstaunlichen Tiere das Wasser filtern.

Wir können uns ganz easy mit der Strömung treiben lassen und diese unglaublich vielfältige und wunderschöne bunte Unterwasserwelt geniessen. Das Boot kommt auf der nahen Sandbank langsam mit und so braucht man keine Angst zu haben, dass einem plötzlich die Puste ausgeht.

Mann, das ist der absolut beste Schnorcheltrip, den ich je irgendwo gemacht habe (und ich hab die GoPro auf Rarotonga vergessen! Könnte mich in den Hintern beissen!) Ich bleibe so lange wie es geht im Wasser und sauge diese Erfahrung auf, es ist ganz einfach absolut atemberaubend!!

 

Zum Mittagessen machen wir an einer kleinen motu fest und unser Kapitän verwandelt sich in einen Koch und grillt Fisch, während seine Frau ein super leckeres Mittagsbuffet aufbaut. Das Essen wird in Riesenmuscheln und Blättern serviert – stilecht! Und es schmeckt einfach mal soo lecker!! Es gibt gegrillten Fisch, Kartoffelsalat, Papayacurry, drei Sorten Kokosnuss (junge, reife und bereits gesprosste), gegrillte Yams und Maniok, gegrillte Bananen, Brot, Bananen und Papaya zum Nachtisch. Gegessen wir mit den Fingern, das macht man hier nämlich so! Hach, das Leben ist so wundervoll!

Was für ein herrlicher, herrlicher Tag! Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen, so glücklich bin ich heute.

Am nächsten Tag muss ich leider schon wieder zurück nach Rarotonga – ganz ehrlich, ich wäre viel lieber noch hier geblieben, denn Aitutaki gefällt mir viel besser! Aber ein Gutes hat es doch: ich muss wenigstens nicht zurück in eins der furchtbaren Hostels, denn Rosie, die Freundin von Chanel und Kirstie hat mich eingeladen, für die nächsten zwei Tage bei ihr in ihrer grossen Villa am Strand zu wohnen (im Gegenzug für eine weitere Behandlung. Das ist doch mal schön, oder?!

Chanel holt mich am Flughafen ab – also eigentlich. Aber als ich ankomme ist da niemand und es kommt auch niemand in der nächsten halben Stunde oder so. Wieder einmal stehe ich herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Hmmmm….. nach einer Ewigkeit beschliesse ich, zu Kirsties Arbeitsplatz in die Stadt zu laufen, denn das ist am nächsten und Rosies Villa würde ich nicht finden. Also Rucksack auf und raus in die Hitze. Gott sei Dank kommt mir schon nach zehn Minuten ein Auto hupend entgegen, darin sitzt ein etwas schief grinsender Chanel samt Kind und Kegel – sie waren am Strand und haben einfach die Zeit vergessen! Na so was…….Island Time! Ich bin einfach nur froh, dass sie mich nicht ganz vergessen haben und ich heute nacht ein Bett habe.

Wir haben zwei tolle Tage miteinander, gehen an den Strand, schnorcheln, kochen und essen zusammen und  die drei Mädchen versuchen, mir zum Titellied von Disney’s „Moana“ das Hula tanzen beizubringen, während Chanel mir die einzelnen Maorilegenden erzählt, die in dem Film verwurschtelt wurden.

Ich muss sagen, dieses Mal gefällt es mir deutlich besser hier! Eine schöne Unterkunft, gutes Wetter, nette Menschen um mich herum…….ich werde zwar nicht wieder hier herkommen (obwohl Chanel mich bearbeitet hat, ich solle hier eine Praxis eröffnen und er würde mir helfen und mich den richtigen Leuten vorstellen….), bin aber nun doch ausgesöhnt mit der Insel. Und, ganz ehrlich: es gibt wunderschöne Ecken hier – schau dir doch mal dieses kurze Video hier an und die Menschen sind so freundlich und hilfsbereit! Ich hatte einfach einen miesen Start, eine miese Unterkunft, mieses Wetter und das mit dem Essen war schwierig…;-) Generell würde ich hier tatsächlich eher zu einem Pauschalurlaub raten – für Backpacker ist Rarotonga weniger geeignet.

Tja, und dann kommt auch schon der Tag des Abschiedes. Wir fahren alle gemeinsam zum Flughafen, ich checke ein und gebe mein Gepäck auf, um dann gemütlich und unbelastet mit allen auf einen Drink in die gegenüberliegende Hula-Bar zu gehen (jetzt komm ich da auch mal hin! 😀 Hierher kommt nämlich absolut jeder, aber da abends keine Taxis oder Busse fahren und ich in der Nacht nicht trampen wollte hatte ich keine Gelegenheit dazu). Wir sitzen also so da und verquatschen die Zeit, die Mädels gehen baden und so ein kleines bisschen Wehmut sitzt mit am Tisch. Als es für mich Zeit wird kommen alle wieder mit an den Flughafen und wir machen noch ein paar Fotos.

Plötzlich ertönt ein „Last call for Mrs. Nicole Swiderski. Please procede inmeditately to gate number one!“ Hoppla, was ist das denn?? Ich hab doch noch mindestens zwanzig Minuten Zeit…… Das Verabschieden muss nun ganz fix gehen (gut so, dann gibt’s wenigstens keine Tränen!) und dann gehe ich schnell zu der Abflughalle. Der einzelne Mann an der Sicherheitskontrolle schaut mich erst grimmig und dann augenzwinkernd an (hähh??) und dann stehe ich schon an gate number one – der zurückgelegte Weg von meinen Freunden über die Sicherheitskontrolle bis zum gate beträgt ungefähr zwanzig Meter!! Das gesamte FLughafenpersonal hatte mich bereits anvisiert und unsere Verabschiedung und alles mitbekommen! Die Stewardess, die meine Bordkarte kontrolliert fragt mich grinsend „Na, noch in der Hula-Bar gewesen??“ Jetzt muss ich aber auch lachen und verstehe plötzlich, warum alle so einen Spass an mir haben! Offensichtlich kommt es hier öfters vor, das Passagiere versacken. Und ausserdem sind in meiner Maschine mal nur ungefähr fünfzig Leute, daher hat das boarding wohl kaum mehr als zehn Minuten gedauert. Als wir zur Startbahn rollen ist es noch immer eine knappe Viertelstunde vor der regulären Abflugzeit!

Nachdem ich mich langsam von dem Schreck erholt habe beginne ich mich zu freuen. So sehr zu freuen! Denn mein nächstes Ziel heisst Tahiti!!!

 

 

 

2 Gedanken zu „Cook Islands – Aitutaki Südseeparadies“

  1. It’s a wonderfull, wonderfull life! Ich freu mich so über all das, was du erlebst und wie sehr du es geniesst. Danke für’s Mitnehmen auf diesen Ausflug ans andere Ende der Welt, es war wieder einmal wunderschön, dich begleiten zu dürfen.
    Alles Gute weiterhin und liebe Grüße,
    Werner

    1. Ja, wundervoll! 😀 😀 Vor allem wundervoll, dass du hier so treu mitliest und auch immer so begeistert kommentierst! Das weiss ich echt zu schätzen!:D

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