Hong Kong – faszinierend, mondän und gegensätzlich

HK-Skyline
HK-Skyline

Auf kleinstem Raum und bis in schwindelnde Höhen hinauf sind hier Menschen zusammengekommen, um „Big Business“ zu machen. In der City sind elegant gekleidete und beschäftigt aussehende Menschen zielstrebig unterwegs, um in den grossen und kleinen Banken, Trading-Gesellschaften und Import-Exportfirmen ihre Dollars zu verdienen. Die Gesichter sind konzentriert, aber nicht gestresst. Der Dresscode erscheint wichtig. Es wuselt, aber für asiatische Verhältnisse sehr geordnet – man wird nicht angerempelt, irgendwie schaffen es alle, aneinander vorbei und umeinander herumzueilen, ohne sich zu berühren. Faszinierend!

Auf den Strassen sehe ich sehr viele Busse (alles Doppeldecker) und die Hong Konger Trambahn,  Unmengen roter Taxis und fast keine Privatautos. Auch Motorräder gibt es keine. Relativ wenige Fussgänger (die sind alle im 1. Stock oder im Untergeschoss – Erklärung folgt). Es wird nicht gehupt. Es erscheint mir weniger chaotisch als manche deutsche Grossstadt. Erstaunlicherweise kein Smog.

Aussicht vom "Peak" - leider sehr wolkig :-(
Aussicht vom „Peak“ – leider sehr wolkig 🙁

Es ist unglaublich heiss und schwül, rund 30ºC und 95% Luftfeuchtigkeit. Der Himmel ist dick und grau und die Luft ist schwer und stickig. Es giesst immer wieder wie aus Eimern, aber der Regen bringt weder Abkühlung noch Erfrischung. Schon nach wenigen Minuten klebt mir die Kleidung am Körper. Innerhalb der Gebäude herrscht eine Raumtemperatur von trockenen 22ºC, was im ersten Moment gefühlter Kühlschranktemperatur entspricht.

dscn4534Die einfachste Art, sich innerhalb von Hong Kong fortzubewegen ist mit Abstand die U-Bahn, MTR (Massive Transport Rail) genannt. Jeder kann das System verstehen und falls man im Gewirr der Gänge die richtige Bahn findet kann man für wenig Geld kreuz und quer durch die Stadt fahren. In den grösseren Stationen befinden sich die Züge auf mehreren Stockwerken verteilt. Man hat also ein bis drei Kellergeschosse, dann den Groundfloor (das Erdgeschoss), wo man auf die Strasse kann (normalerweise gibt es gefühlte fünfzig Ausgänge) und dann hat man noch mindestens ein, meist aber mehrere Obergeschosse. Hier findet der eigentliche Fussgängerverkehr statt. Sogenannte walkways (Fussgängerwege) führen in Form von überdachten, meist auch verglasten Übergängen von einem Hochhaus in das nächste, meist von einer luxuriösen Shopping-Mall in eine andere. Auch hier gibt es wieder gefühlte hundert Ausgänge. Die Ausschilderung ist sehr gut und vorausgesetzt du weisst genau, wo du hin musst kannst du dich gut zurechtfinden. Ansonsten bist du verloren. 😉

dscn4530Die Malls sind ein Kapitel für sich! Extrem gross und weitläufig, extrem luxuriös – Marmor, Glas, Chrom und Kristalleuchter, wohin du schaust – und praktisch ausschliesslich mit riesigen Geschäften der teuersten Luxusmarken der Welt bestückt. Es wimmelt quasi nur so von Armani, Tiffany’s. Dolce&Gabbana, Cartier, Versace, Fendi, Hermés, Breitling,…….usw. Es gibt hier in Hong Kong hunderte von diesen Malls und oft ist jede Marke mit mehreren Geschäften vertreten. Selbstverständlich stehen in jedem dieser super eleganten Läden eine Menge gut gekleideter Verkäufer/innen herum, um eventuellen Kunden die Waren zu zeigen. Bloss Kunden sieht man keine……..ich versteh’s nicht! Das alles muss ein Heidengeld kosten, und dann keine Kunden…… Aber zum Anschauen ist es toll und wirklich, wirklich beeindruckend.

HK-Aussicht vom KlosterSehr erholsam für so ein Landkind wie mich sind die Parks. Im Hong Kong Park kann man fast vergessen, dass man sich in einer Metropole befindet und im grossen Vogel-Freigehege kann man sich der Illusion von Natur hingeben und den Piepmätzen zuschauen. dscn4517

Oder man spaziert einfach herum und geniesst die Ruhe und die rundherum spektakulären Aussichten.

Auch der Fährverkehr vom Festland, z.B. von Kowloon nach Hong Kong Island funktioniert problemlos. Ständig fahren die grossen Boote hin und her und bringen sowohl Hong Konger, als auch Touristen auf die jeweils andere Seite.

Zum Bezahlen benutzt man hier die „Octopuscard“. Diese für jeden erhältliche Plastikkarte wird mit Geld aufgeladen und kann dann zum bargeldlosen Bezahlen fast überall verwendet werden. Der komplette öffentliche Verkehr wird so abgewickelt. Man legt seine Karte auf das Lesegerät, z.B. am Eingang der MTR und schon öffnet sich die Schranke; am Ausgang wird man wieder „ausgelesen“ und bekommt den entsprechenden Betrag abgebucht. Nie wieder überlegen, ob man auch das richtige Ticket hat und nicht etwa wegen Schwarzfahrens in den Knast kommt! 😉 Man kann auch in vielen Restaurants und Shops mit der Karte einkaufen – ohne Geheimzahl und ohne Unterschrift. Das ist ziemlich cool und bereits am zweiten Tag fühlte ich mich schon „wie zuhause“, wenn ich total relaxt und zielstrebig durch die grossen Stationen lief, meine Card ein- und auslesen liess und dann auch noch tatsächlich dort ankam, wo ich hinwollte! (jeder der mich kennt, wird jetzt ein wissendes Lächeln im Gesicht haben……)

HK-Aussicht Die Menschen in Hong Kong sind ein buntes Gemisch aller Völker dieser Erde. Selbstverständlich überwiegen die Chinesen, wobei hier zwischen „Hong Konger“ und „Mainlander“ unterschieden wird. Alle anderen Asiaten bilden die zweite, grosse Gruppe: Menschen aus Indien, Bangladesch, Vietnam, Thailand, Japan, Korea, Taiwan….. Dann kommen die „Westener“, viele Briten natürlich, aber auch Australier, US Amerikaner und alle möglichen Europäer. Tagsüber sieht man alle zusammen durch die Stadt eilen, an Meetings teilnehmen und miteinander Geschäfte machen. Abends scheinen sich allerdings die Bevölkerungsgruppen eher zu trennen. Obwohl man natürlich viele gemischte Paare und Gruppen sieht überwiegen je nach Stadtort und Angebot entweder die Europäer/ Westeners oder die Asiaten.

Obwohl es hier in Hong Kong viel Rassismus und Vorurteile gibt haben Menschen aus den weniger entwickelten Ländern hier trotzdem eine Chance, soweit sie entsprechend ausgebildet sind und so wimmelt es hier von erfolgshungrigen, jungen Bankern aus Bangladesh, Indien oder Pakistan – Aufstiegschancen und Lifestyle sind hier deutlich besser und wer es einmal bis hierher geschafft hat gehört schon zu den Glücklichen.

Wer keine Ausbildung hat, oder illegal ins Land kommt gehört auch hier zur armen Unterschicht und hat keine Chance. Im besten Fall findet man einen internen Job als Hauspersonal und hat so ein (geringes) Einkommen und einen Schlafplatz. Am Sonntag sitzen diese Menschen überall in der Stadt auf Plätzen und in den noblen Entrées der Banken und Malls und geniessen ihren einzigen freien Tag. Sie treffen sich mit Freunden und picknicken auf Pappkartons sitzend mitten im tosenden Verkehr und Lärm der Stadt. (Zur Erklärung: es wird von den Arbeitgebern erwartet, dass sie am Sonntag die Wohnung verlassen, da sie ja nicht arbeiten).

Auch den Alten geht es mies. Es gibt praktisch keine Rente, wie wir sie kennen und auch Sozialhilfe, Wohngeld und so weiter gibt es hier nicht wirklich. Wer also aufgrund seines  Alters nicht mehr arbeiten kann, der muss entweder privat sehr gut vorgesorgt haben oder mithilfe seiner Kinder leben. Im asiatischen Raum ist das der angestrebte Normalfall, die Kinder nehmen ihre Eltern zu sich und kümmern sich um sie. Doch leider klafft ein grosses Loch zwischen Ziel und Realität. Mag es auf dem Land mit eigenem Gemüseanbau und ein paar Hühnern noch geradeso angehen ist es für die vielen ärmeren Menschen, die in Hong Kong (oder anderen asiatischen Grosstädten) leben schlicht nicht machbar. Sei es aufgrund extrem beengter Lebensumstände oder dem schlichten Mangel an genügend Einkommen.

Was passiert denn nun mit diesen Alten? Wenn sie ihre Wohnung verlieren dann werden sie obdachlos. (Es besteht eine theoretische Möglichkeit in ein sogenanntes „public house“ zu kommen, doch davon gibt es so wenige, dass es praktisch unmöglich ist, einen Platz zu ergattern) Eine Möglichkeit, der Obdachlosigkeit zu entgehen sind die sogenannten Cage-Homes. Das ist ein eingegitterter Schlafplatz. Total gruselig!!

Foto: Sean Creamer www.theguestroom.org Mit freundlicher Genehmigung
Foto: Sean Creamer
www.theguestroom.org
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Stell dir einen grossen Schlafsaal vor, zwei oder drei Betten übereinander und Bett an Bett nebeneinander, also -zig Leute in einem Raum. Jedes Bett ist fest umgittert und hat im Inneren ein Regalbrett und zwei Kleiderhaken. Das ist nun das neue Heim. Und es ist keineswegs umsonst, sondern kostet immer noch mehrere hundert Euro im Monat. Die Alten versuchen, durch das Sammeln von Flaschen ein bisschen was zusammenzukratzen, doch die Hoffnungslosigkeit schaut ihnen aus den Augen.

Foto: Sean Creamer theguestroom.org Mit freundlicher Genehmigung
Foto: Sean Creamer
www.theguestroom.org                              Mit freundlicher Genehmigung

Oft sind auch noch arbeitende Menschen gezwungen, in den Cage-Homes zu wohnen. Die Löhne (z.B. von Reinigungskräften) sind meist so gering, dass ein normales Appartement unerschwinglich ist. Es gibt dann auch noch die „familienfreundliche“ Variante. Das bedeutet, es wohnt eine ganze Familie in einem einzigen kleinen Raum zusammen. Küche, Toilette, Schlaf- und Wohnzimmer – alles in einem einzigen Raum. Es gibt also keinerlei privaten Raum, keine Rückzugsmöglichkeit. Die Kinder machen ihre Hausaufgaben im Bett, gekocht wird, wenn überhaupt, auf einer Platte auf dem Boden, gegessen wird auf dem Bett, meist gibt es keine Duschmöglichkeit , sondern nur einen Wasserhahn für alles. Diese „Wohnungen“ sind meinst in riesigen Blöcken untergebracht, sodass auf jeder Etage -zig Familien leben, in einem solchen Block also oft mehrere tausend Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind.

Foto gefunden auf www.thefad.pl
Foto gefunden auf www.thefad.pl

Illegle Einwanderer müssen meist in echten Slums leben. In Hong Kong befinden sich diese Slums in schwindelnder Höhe, nämlich auf den Dächern der anderen Häuser. Dort werden aus allen möglichen Materialien Hütten zusammengeschustert und natürlich gibt es weder Strom noch Wasser. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es bei einem tropischen Sturm dort oben sein muss! Falls man nicht irgendeine Art von (finanziellem) Abkommen mit dem Hausbesitzer treffen kann, läuft man natürlich ständig Gefahr, rausgeschmissen zu werden und das Wenige, das man besitzt auch noch zu verlieren. Und obendrein angezeigt zu werden, was oft eine sofortige Abschiebung nach sich zieht.

Es zeigt sich mir hier in Hong Kong ganz extrem: hell und dunkel liegen nah beieinander, je strahlender das vordergründige Gitzern erscheint, desto dunkler mag die versteckte Seite sein. Und doch sind beide Seiten weit von einander entfernt – die Reichen nehmen die Armen nicht zur Kenntniss und den Armen ist kein Weg gegeben, jemals aus ihrer Misere herauszukommen.

So, wenn dich jetzt noch interessiert, was ich so alles unternommen habe in Hong Kong, dann findest du meinen privaten Reisebericht hier…….

Danke für’s Lesen und wie immer freue ich mich sehr auf deinen Kommentar!

Geniesse den Tag!

Deine Nicole

 

 

 

6 Gedanken zu „Hong Kong – faszinierend, mondän und gegensätzlich“

  1. Vielen Dank für diesen Bericht, liebe Nicole! Mich fasziniert das breite Spektrum sehr, das du von dieser Stadt beschreibst. Haha, ich glaube ich weiß, warum mein Weg mich nicht nach Hongkong sondern in ein mallorquinisches 2000-Seelendorf geführt hat… Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Reise und bin jetzt schon auf deine nächsten Berichte gespannt. Und jetzt gehe ich weiter zu deinem privaten Reisebericht. Abrazos y besos

    1. Hahaha, alles zu seiner Zeit! Generell mag ich es ja auch lieber ein bisschen beschaulicher, aber so als Abstecher ist HK schon eine Wahnsinns-tolle Stadt!

  2. Hallo Nicole,
    hab mich lange nicht gemeldet. Aber jetzt muss ich Dir ganz dringend sagen das ich Deine Berichte liebe! Du schreibst so das ich mir das alles richtig gut vorstellen kann . Danke dafür! Hongkong muss echt faszinierend sein.
    Freu mich schon auf den nächsten Artikel von Dir!
    Liebe Grüße
    Angelika

  3. Liebe Nicole,
    wie immer , ist es schoen von dir zu lesen!
    Sehr beeindruckend und auch fazinierend.
    Wenn man es noch nie gesehen hat, kann man es sich nur schwer vorstellen … auf der einen Seite den Luxus und auf der anderen Seite ein Leben, das eigentlich gar keines ist.
    Was fuer ein Luxus ist es, in einem warmen Bettchen zu liegen und die einfachsten Dinge tun zu koennen, die man moechte?
    Es zeigt einem wie gut man es doch im Leben getroffen hat und man wird ganz klein und dankbar dafuer!!
    Dir ein dickes DANKE, dass du uns daran teilhaben laesst!
    Pass auf dich auf!!
    Umarmung
    Deine Erika

    1. Ein wahres Wort, Erika! Eines der wunderbaren Dinge, die man auf Reisen lernt ist es, dankbar zu sein für ganz alltägliche Dinge. GErade so wie du es beschreibst. Wir zwei machen jetzt einfach Arbeitsteilung: ich reise und du bist dankbar! 😀 😀 😀

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