Tag 5: Mehr Elefanten und eine Flossfahrt

Unter fünf oder sechs Wolldecken haben wir sicher und kuschelig warm geschlafen. Diese Nacht war es nämlich richtig kalt (in Chiang Mai soll es gefroren haben (???) wird später im Camp erzählt und es sei die kälteste Nacht seit……gewesen) und jetzt hängt noch der Morgennebel zwischen den Bäumen, was dem Garten eine eigentümliche Atmosphäre verleiht.

Wir frühstücken und werden dann wieder ins Camp gefahren. Dort bekommen wir die Seile unserer Elefanten in die Hand gedrückt und wandern dann mit Tillie in den Wald, dorthin wo unsere Elefanten übernachtet haben. Die Sonne scheint uns auf den Rücken und wärmt uns schön durch, und da es ständig und stetig bergauf geht können wir uns Schicht für Schicht aus unseren Klamotten schälen.

Der Weg, nein der Pfad ist schmal und steil und steinig und wir fragen uns laut, ob wir wohl den gleichen Pfad mit den Elefanten wieder herunter reiten. Tillie amüsiert sich und bestätigt uns, ja ja der Pfad nach unten entspricht ungefähr dem nach oben. Ähem, ja, das verschlägt uns erstmal die Sprache und wir beginnen Mass zu nehmen, ob unsere Dickhäuter überhaupt zwischen den eng stehenden Bäumen durchpassen…..

Schon bald hören wir die Tiere und auch die Mahouts, die auch schon hier sind. Übrigens hat jedes Tier seinen eigenen Mahout und die beiden haben ein besonderes und meist sehr enges Verhältnis zueinander. Oft bleiben sie viele Jahre lang zusammen und wenn ein Mahout aufhört zu arbeiten, dann geht die Pflege des Elefanten an den jüngeren Bruder, den Neffen oder Cousin. Wenn irgendmöglich bleibt es in der Familie. Oft ist der Mahout aus der Besitzerfamilie des Elefanten, aber nicht immer. Früher war ein Mahout ein sehr angesehener Mann, der mit den heiligen und sehr wertvollen Elefanten arbeitete; mittlerweile können sich nur noch wenige Familien einen Elefanten halten, vor allem deshalb weil mit ihm kein Geld mehr zu verdienen ist (Ende der Holzwirtschaft) und er auch noch immens viel Geld kostet (Futter). Somit ist auch das gesellschaftliche Ansehen (und der Verdienst) der Mahouts gesunken. Meistens müssen sie ihren Beruf aufgeben wenn sie heiraten und Kinder bekommen und sich eine lukrativere Arbeit suchen.

IMG_2741Mittlerweile sind wir bei unseren Dickhäutern angekommen. Sie kommen gerade aus dem Wald und wir
treffen uns in einem felsigen ausgetrockneten Flussbett. Die Tiere sind noch am Frühstücken und wir geniessen es, einfach hier in der Sonne zu sitzen und ihnen beim Fressen zuzusehen. Es ist so schön, sie frei und im Wald zu sehen – eine kleine Herde, keine Ketten, keine Reiter, sondern so, wie es eigentlich gedacht ist. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass es in Thailand schon längst keinen einzigen Elefanten mehr gäbe, wenn es nicht diese Art des Tourismus geben würde. Natürlich gibt es hier ganz schreckliche Sachen, wo die Elefanten immer angekettet sind und jeden Tag stundenlang Touristen in grossen Holzgestellen durch die Gegend schaukeln müssen. Man sollte sich als Urlauber gut überlegen, ob man ein solches Camp unterstützen möchte. Aber es gibt eben auch solche wie dieses hier, wo auf die Tiere geachtet wird, eine möglichst natürliche Haltung angestrebt wird und wo auch alte, kranke und ausgesetzte Tiere (ja, auch Eefanten werden ausgesetzt!) ein gutes Leben finden können. Es ist auch zu verstehen, dass die Tiere Geld verdienen müssen, denn ihr Unterhalt ist eben sehr teuer.

IMG_2749So, nun aber zurück zu unserer Tour. Wir steigen auf, gleich hier auf den Felsen und nun geht es bergab. Wir kriegen Stielaugen, wo unsere grossen Freunde überall hinuntergehen! Der Pfad ist wirklich sehr schmal und es liegen überall Felsbrocken herum, umgestürzte Bäume und zudem geht es wirklich recht steil nach unten. Natürlich fressen sie auch fast ununterbrochen, reissen grosse Äste von den Bäumen, naschen von jungen Trieben und vor allem Gabrieles Mo Schapó rupft mit Vorliebe junge Bäume mitsamt der Wurzel aus oder falls gerade nix anderes da ist nimmt er auch mit sonstigem Wurzelwerk vorlieb. Trotzdem bewundern wir, wie sie sehr vorsichtig und sicher ihre grossen Füsse aufsetzen und auch hier in schwierigem Gelände nicht den kleinsten Fehltritt tun.

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Die Tiere sind nachder Nacht unter sich und im Wald völlig relaxed und auch wir Reiterinnen sind heute deutlich entspannter als gestern. Wir können viel besser die Bewegungen einschätzen, das Geschaukel kommt uns heute weniger gefährlich vor und wir haben insgesamt ein tieferes Vertrauen zu unseren Reittieren gefasst. Da meine Schuhe von gestern noch triefnass sind reite ich heute barfuss wie die Mahouts. Meine nackten Füsse liegen hinter Mae Salias Ohren, wo sogar die dicke Elefantenhaut weich ist, und ich habe so eine ganz andere Verbindung zu ihr. Das ist so schön und ich strahle und grinse in einem fort. Es dauert auch gar nicht lange, da ziehen auch die anderen ihre Schuhe aus und dann hocken wir alle glücklich grinsend auf unseren Elefanten und geniessen den Ritt und die wunderschöne Natur um uns herum.

Immer wieder kann man nämlich durch die Bäume schauen und sieht schön ins Tal und zu den weiter entfernten Hügeln. Der Wald ist gross und so schön! Und dann kommt plötzlich schon das Camp in Sicht. Ohh, wie schade! Jetzt wo wir uns gerade so richtig schön wohl fühlen mit unseren Tieren…..wir sind uns einig, dass wir eigentlich gerne noch ein paar Stunden weiterreiten würden.

Im Camp angekommen steht die Morgentoilette auf dem Programm. Mo Schapó kommt zuerst an die Reihe und Mae Salia und ich müssen warten. Das passt ihr gar nicht, aber so ist die Herdenhirarchie. Constanze ist weitergeritten zur nächsten Wasserstelle. Die Elefanten werden nun geduscht, was ihnen anscheinend grosses Wohlbefinden verschafft und getränkt. Man IMG_2763kann ihnen mit dem Schlauch in den Rüssel oder ins Maul spritzen, oder man gibt ihnen einfach den Schlauch. Den halten sie sich dann selbst ins Maul bis sie genug haben.

Meine „Kleine“ ist unruhig und kann anscheinend kaum mehr abwarten bis sie an die Reihe kommt. Aber dann ist es soweit. Auf Anweisung drehe ich mich auf meinem Tier um, sodass ich ihr den Rücken von oben abduschen kann. Mo Schapó macht sich inzwischen frisch geduscht auf den Weg zum Futterplatz. Das ist jetzt aber zuviel! Mae Salia pfeift auf die Dusche und stapft eilig (ja eilig!) hinter ihm her. Ich sitze ja falsch herum auf ihr, kann also mal gar nichts machen und der Mahout reagiert irgendwie auch nicht schnell genug. Ich lach mich halb tot – das ist einfach zu komisch!!!

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Der Mahout überredet sie dann aber doch noch zur Dusche und darüber bin ich echt froh. Das ist nämlich ein Erlebnis! Du lässt dem Tier Wasser über den Körper laufen und schrubbst ein bisschen an ihm herum und das löst grosses Behagen aus. Ich kann richtig spüren, wie Mae Salia ihre Dusche geniesst – schön, dass ich ihr auch ein bisschen etwas Gutes tun kann, nachdem ich so Schönes mit ihr erleben durfte! Ich grinse schon wieder über’s ganze Gesicht und Gabriele und Constanze geht es genauso.

Nach der Dusche bekommen die Dickhäuter noch jede Menge Bananen und dann heisst es Abschied nehmen. Wir drei Mädels sind traurig und berührt und es fällt uns schwer, wegzugehen – die Elefanten und die Mahout nehmen’s gelassen. Morgen kommen neue Gäste….

Tillie fährt nun mit uns ein kleines Stück bis zu einem weiten Areal, wo die ganz jungen und die ganz alten Elefanten stehen. Die einen bekommen eine Ausbildung und die anderen das Gnadenbrot. Wir dürfen bei der Ausbildungsstunde eines vierjährigen Elefantenmädchens zusehen. Der Trainer, Marius, geht ganz spielerisch die einzelnen Kommandos mit ihr durch. Eigentlich ganz genauso wie ein Hunde- oder Pferdetrainer. Die Kleine macht gerne mit, bettelt um Leckerli und kabbelt mit ihrem Trainer herum. Es ist schön den beiden zuzuschauen. Wir bleiben nur kurz, damit die Kleine (rund 400kg schwer) nicht nervös wird und fahren dann wieder zurück zu unserem Quartier, wo uns schon ein leckeres Mittagessen erwartet.

Nach dem Essen steht als Abschluss-Highlight eine Flussfahrt auf einem Bambusfloss auf dem Programm. Das Floss besteht aus ein paar aneinandergebundenen, grossen Bambusstangen und wir werden freundlich gebeten, Platz zu nehmen. Sofort sind wir wieder pitschnass, dann man sitzt eben ein paar Zentimeter tief im Wasser. DCIM100GOPROUnser junger Flösser stakt uns gekonnt den ruhigen Fluss hinunter. Wir geniessen die schöne Landschaft und das ruhige Dahingleiten auf dem Wasser. Hin und wieder liegen Felsbrocken im Wasser, die wir aber locker umschiffen. Manchmal gibt es kleinere Stromschnellen, was bei uns Gekreische und Gelächter auslöst.

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Es ist wunderschön! Wie die Sonne durch das Gebüsch scheint und sich auf dem Wasser spiegelt! Und überhaupt alles ist so schön grün. An einer flachen Stelle steht eine junge Frau und wäscht ihre Wäsche. Sie winkt uns fröhlich lachend zu und wir winken zurück. Dann, kurz vor Ende der Fahrt treffen wir auf ein paar Elefanten, die gerade ihr Bad nehmen. Wir warten kurz bis sie fertig sind und dann legen wir auch schon an.

Das hat wirklich grossen Spass gemacht, aber als wir im von der Sonne schön aufgewärmten Auto sitzen geniessen wir doch sehr, wie uns die Wärme in den Körper dringt. Wir sind tropfnass von der Taille abwärts und ganz schön durchgefroren. Zurück in unserer Unterkunft können wir noch unter die heisse Dusche hüpfen und werden dann wieder zurück nach Chiang Mai und in unser Hotel gebracht.

Wir geniessen noch ein sehr leckeres Abendessen im Restaurant gegenüber, schauen uns die ganzen Fotos an, die wir und auch die Mahouts gemacht haben und schon früh fallen uns die Augen zu. Wir sind so voller Eindücke, Empfindungen und Gefühle…..

Wieder ein Tag voller Höhepunkte! Was für eine tolle Reise!!

 Hier weiterlesen: Tag 6……

Ein Gedanke zu „Tag 5: Mehr Elefanten und eine Flossfahrt“

  1. 🙂
    Oh ja, downhill mal anders 😉
    Da hatten wir die Hosen voll. Hihihi
    Aber trotzdem sind wir mit und auf den Elefanten dort angekommen, wo wir hin wollten. Kaum zu glauben und eine eindrucksvolle Vertrauens-Erfahrung mit den Dickhäutern.
    Die Fahrt auf dem Fluss war ein gelungener Abschluss der Camp-Tage und irgendwie sehr symbolisch für uns.
    Und das krönende Abendessen im „Cooking Love“ war wie immer ein Traum, der ein Lächeln auf unsere müden Gesichter zauberte.

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