Tag 7: Trekking und jede Menge Insider Info

Heute steht ein Trekking auf unserem Programm. Gestern abend hatten wir im Dorf noch einen Guide aufgesucht (auf Enpfehlung unseres Hotels) und mit ihm die heutige Tour ausgemacht. Wir sind schon sehr gespannt, was da wohl auf uns zukommt.

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Nach einem ausgiebigen und super leckeren Frühstück werden wir pünktlich um neun abgeholt und fahren mit Dam, unserem Führer in die Berge. Er erzählt uns gleich so einiges über Thailand, die momentane Lage, wie sich die neuen Regelungen der Militärregierung auf die arme Landbevölkerung auswirkt, was der König macht, bzw. nicht macht – es ist interessant, dass einmla jemand ziemlich frei erzählt, denn meist sind die Thai ziemlich verschlossen wenn es um Politik und Königshaus geht.

Wir parken unseren Wagen am Ortseingang eines Hmongdorfes. Die Hmong sind ein Bergstamm (hilltribe), ursprünglich aus China eingewandert. Sie bewahren ihre Kultur weitestgehend bei, so ist es beispielsweise üblich, dass ein Mann mehrere Frauen heiraten darf. (Ist sonst in Thailand nicht erlaubt) Diese tun übrigens die ganze Arbeit, sowohl auf dem Feld als auch im Haus. Die Männer sitzen den ganzen Tag beieinander, reden und trinken Tee. Dam zeigt auf eine kleine, ärmliche Hütte mit einem winzigen Gemüsegarten – ein Bauer mit einer Frau. Direkt daneben stehen mehrere grosse Langhäuser mit einem grossen Gemüsegarten aussen herum – fünf Frauen. Tja – offensichtlich…..

Es gibt in diesem Dorf keinen Tourismus – keine Läden, die schnell geöffnet werden, sobald „farang“ (Ausländer) in Sicht kommen, niemand spricht uns an und versucht, uns etwas zu verkaufen. Die Männer schauen kurz von ihren Teetassen auf und die Frauen in den Gärten nehmen uns gar nicht zu Kenntniss. Wir erfahren, dass hier Bambusblüten gesammelt werden zur Herstellung von Besen, ausserdem werden Bambuswürmer gesammelt (dazu später mehr) und Gemüse für den Markt angebaut. Zudem baut jede Familie Reis für den Eigenbedarf an. Die Bauern haben es schwer, denn die aktuelle Regierung hat die Preise für Gemüse und Reis willkürlich auf weniger als die Hälfte gesenkt, was bedeutet, dass den Bauern quasi gar nichts bleibt. So versuchen sie eben mit dem auszukommen, was ihr Garten hergibt. Geld haben sie meistens keins.

Wir durchqueren langsam das kleine, ziemlich schmutzige Dorf während Dam uns all dies erzählt. Er zeigt uns die traditionelle Kleidung der Hmong, teils an den Menschen, teils auf den Wäscheleinen. Abgesehen von der „Mehr-Frauen-Regel“ scheint er nicht so sehr angetan zu sein von diesem Stamm. 😉

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Dann liegt das Dorf hinter uns und schon nach kurzer Zeit steht der Bambus mannshoch, der Pfad ist schon kaum mehr zu erkennen. Dam zeigt uns, wo der Bambuswurm lebt, nämlich tief im Inneren der jungen Bambustriebe. Der Wurm wird gesammelt und als Delikatesse verkauft. (Wir versichten auf’s Probieren….)DCIM100GOPRO Ausserdem zeigt er uns wilden Koriander, Citronellabäume und Orchideen, er erklärt uns, dass es x verschiedene Sorten von Bananen gibt und warum die einen besser als die anderen sind, er erklärt uns den Reisanbau hier oben in den Bergen (hier wird nämlich sogenannter dry rice angebaut). Er erklärt mit viel Sachverstand und einer ordentlichen Portion Humor – es macht Spass, ihm zuzuhören.

DCIM100GOPROWenn der Bambus sich einmal öffnet, haben wir eine atemberaubende Aussicht auf die umliegende Landschaft. Die weiter entfernten Berge liegen zwar ein wenig im Dunst, aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch – es ist wunderschön. Und wir sind hier ganz alleine. Der einzige Mensch, den wir am ganzen Morgen zu sehen bekommen haben war ein junger Mann, der Bambusblüten geerntet hat. Man konnte ihn unter seinem riesigen Bündel kaum sehen.

Wir machen in einem abgeernteten Reisfeld Mittagspause und essen gebratenen Reis mit Gemüse. So gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg – weiterhin bergauf und bergab – und kommen in ein winziges Karendorf. Dam zeigt uns Mango- und Jackfruitbäume, in den Gemüsegärten wachsen Kohl und Tomaten und natürlich stehen überall flache Körbe mit Chillieschoten, die in der Sonne trocknen. Kein Mensch ist im Dorf – alle arbeiten auf den umliegenden Feldern (bei den Karen arbeiten auch die Männer).

Nach einer weiteren halben Stunde Marsch durch Wald (Schatten – schön!) kommen wir in ein weiteres Karendorf. Wie sich herausstellt ist es Dams Heimatdorf. Er zeigt uns seine Hütte (wo er früher wohnte) und wir lernen ein paar seiner Nachbarn kennen. Alle Hütten sind kleine, einfache Bambushütten. Im Inneren gibt es eine Feuerstelle und ein paar Matten auf dem Boden zum Schlafen. Das Kochgeschirr steht auf der Veranda. Ein Gewehr hängt griffbereit an der Wand. Es laufen ein paar Hühner und Schweine herum, einige Hunde und an einem Baum angebunden sehen wir zwei Wasserbüffel. Es gibt keinen Strom im Dorf. Wir sehen eine junge Frau, die Reis drischt und schält – wie anno dazumal. Wir haben den Eindruck, hundert Jahre zurück zu sein.

Es wohnen 65 Personen hier, es gibt eine kleine Grundschule (ein Königsprojekt, das dazu führt, dass tatsächlich fast alle hilltribe Kinder in den Genuss einer oft nur kurzen, aber immerhin Schulbildung kommen). Die Menschen leben von ihren Gärten und von der Jagd. Eigentlich ist die Jagd nicht gestattet, aber die Menschen hier bessern sich ihren Speiseplan trotzdem entsprechend auf – offensichtlich wird das geduldet.

Und nun geht es noch einmal so richtig zur Sache, will heissen richtig bergauf und dann auch wieder richtig bergab! Am Weg ziehen sich grosse Felder entlang, wo meist Kohl angebaut wird. Der Boden sieht recht karg aus und es gibt viele Steine, mal abgesehen davon, dass die Hänge wirklich sehr steil sind. Hier muss alles von Hand gemacht werden. Wir treffen auf ein junges Pärchen, die gerade Kohl ernten. Sie haben sich einen Pick-up ausgeliehen und wollen ihren Kohl morgen zum Markt fahren. Sie ernten ihren Kohl und tragen ihn dann in grossen Körben auf dem Rücken zum Auto. Sie trägt rund 30kg und ihr Mann rund 50kg. Der Pick-up ist schon halb voll. Sie bekommen von der staatlichen Annahmestelle 2 THB/kg (=0,055€) – auf dem Markt hoffen sie auf 3 THB (=0,082 €).

Ziemlich groggy kommen wir im Hmongdorf an und sind froh, uns im Auto ein bisschen hinsetzen zu können und die Rückfahrt in unser Quartier verläuft ziemlich still. 😉  Im Hotel angekommen geniessen wir erst einmal eine ausgiebige heisse Dusche und fahren dann mit unserer australischen Wirtin ins Dorf zum Abendessen.IMG_2922 Laufen wollen wir heute nicht mehr….. Sie hat uns ein tolles Lokal empfohlen und wir schmausen wie die Könige!

Heute sind wir sehr zufrieden mit unserem Tag und unserer Leistung. Wie die Steine plumpsen wir in unsere Betten und sind auch schon eingeschlafen…..

 Hier weiterlesen: Tag 8….

 

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