Newcastle – dazu fällt mir nichts weiter ein…

Nach einer wunderbaren Zeit in den Blue Mountains geht es heute weiter in Richtung Norden. Mein heutiges Ziel heisst Newcastle, eine kleine Stadt an der Ostküste Australiens. Es gibt hier nicht sehr viel zu tun, ein bisschen Strand, ein bisschen surfen, sonst nicht viel. Umso überraschter bin ich, dass es fast unmöglich ist, eine bezahlbare Unterkunft zu bekommen. Anscheinend ist Newcastle doch beliebter als ich dachte, was hoffen lässt, dass ich ein schönes Ziel vor mir habe.

Als ich an meinem letztendlich als einzige Übernachtungsmöglichkeit gebuchten Hostel ankomme sinkt meine Euphorie allerdings gleich einmal drastisch. Die „Rezeption“ ist der Tresen der Bar, die im Erdgeschoss des Hostels untergebracht ist. Harte Rockmusik plärrt in voller Lautstärke durch den Raum und rund zwanzig Männer der etwas, hmmmm gröberen Art sitzen herum und lassen Bier in sich laufen. Nichtsdestotrotz ist der Empfang herzlich, ich bekomme meinen Schlüssel, sowie die Zimmernummer und werde fortan ignoriert.

So mache ich mich also auf die Suche nach meinem Zimmer und erleide bereits im Treppenhaus einen weiteren Schock. Undefinierbare Flecken und Brandlöcher zieren in grosser Zahl die Wände, den Fussboden und die Stufen der hölzernen Treppe, der ich nach oben folge. Im ersten Stock öffne ich aufs Geratewohl die einzige unverschlossene Tür und stehe ich einem Saal mit voll gedeckter Festtafel – hier bin ich wohl falsch. Also weiter in den zweiten Stock. Heisse, muffige Luft schlägt mir entgegen und ich würde am liebsten gleich wieder umdrehen. Aber bangemachen gilt nicht und so finde ich im Weitergehen auch tatsächlich mein Zimmer.

Es ist rund zwölf Quadratmeter gross, enthält zwei Stockbetten, einen kleinen Schrank mit vier Fächern, einen niedrigen Hocker und einen Fernseher. Der Teppichboden ist sicher schon vor -zig Jahren hier verlegt worden und der klapprige Ventilator kämpft träge und erfolglos gegen die stickige Hitze im Raum an. Fenster gibt es keins. Kraft- und ratlos setze ich erstmal mein Gepäck ab und überlege welche Möglichkeiten ich habe – bleiben oder sofort wieder auschecken??

Ich inspiziere die Betten und muss zugestehen, dass sie sauber und bequem aussehen. Wenn ich also hier nur schlafe und die Dusche heute mal ausfallen lasse, morgen früh gleich auschecke und weiterfahre – das könnte ich aushalten. (Übrigens, wer mich für geizig hält und denkt, dass ich irgendwo superbillig untergekommen bin, dem sei gesagt, dass dieses bunkbed (Stockbett) mich immerhin 40 australische Dollar für eine Nacht kostet, rund 30€ ohne Frühstück).

Ich ergebe mich in mein Schicksal und versuche vergeblich einen Schlüssel für den abschliessbaren Schrank zu bekommen („in all den Jahren wollte noch nie irgendjemand einen Schlüssel für diesen Schrank. Es gibt dafür gar keine Schlüssel“ = O-Ton des Managers, den die Rezeptions-Bardame völlig überfordert von meiner ungewöhnlichen Bitte angefordert hatte. Nachdem ich hartnäckig darauf bestehe, meine Habe irgendwo diebstahlsicher verstauen zu können händigt man mir den Schlüssel zur Putzkammer aus, wo ich meinen Rucksack abstellen könne. (Anmerkung: dieser Schlüssel öffnet alle Gästezimmer, was niemanden zu interessieren scheint). Das winzige Kämmerchen ist so vollgestopft und chaotisch, dass die Hausdame meines Lehrbetriebes wahrscheinlich einen Schreikrampf gekriegt hätte, aber immerhin kann ich meinen Rucksack noch hineinzwängen und so verusche ich die Reste meines Humors zusammenzukratzen und das Beste daraus zu machen.

Auf dem Flur treffe ich ein junges Mädchen, das mit einem halb verzweifelten Gesicht ganz offensichtlich etwas sucht. Wie sich herausstellt, teilt sie mein fürstliches Gemach mit mir. Witzigerweise heisst sie genauso wie meine Tochter und ist auch genauso alt. Das nehmen wir beide als gutes Vorzeichen und beschliessen spontan, den Abend gemeinsam zu verbringen.

Wir finden ein äthiopischen Restaurant, das sehr einladend aussieht und wo es lecker riecht. Hier wird das Essen traditionell serviert, was bedeutet, es wird mit den Fingern gegessen! Es wird uns Seife gereicht und dann warmes Wasser aus einer grossen Kanne über unsere Hände gegossen und in einer Schale aufgefangen. Dann bekommen wir Handtücher und sind nun bereit für unser Mahl. Ich habe ein Linsengericht bestellt, dazu gibt es typisches Fladenbrot, das in kleine Stücke zerrissen wird und als Löffel und Beilage gleichzeitig dient. Es macht Spass und es schmeckt hervorragend! Ein Spaziergang und ein Glas Wein schliessen den gemeinsamen Abend ab – es war nicht der schlechteste.

Erstaunlicherweise habe ich recht gut geschlafen, obwohl in dem grossen Saal unter dem Hostel eine big party abging und ein paar der Gäste sich in unserer „Küche“ ihre Kokslines reingezogen haben. Wir hatten unser Zimmer abgeschlossen und wurden nicht weiter belästigt. Die beiden anderen Frauen in unserem Zimmer wollten durch die Clubs ziehen (Newcastle hat offensichtlich ein reges Nachtleben zu bieten) und sind bis dato noch nicht wieder zurückgekommen. Alles in allem also eine ruhige Nacht. 😉

Bei meinem gestrigen Stadtrundgang habe ich bereits ein wundervolles Frühstücksrestaurant ausfindig gemacht und jetzt belohne ich mich selbst mit einem ausgiebigen, leckeren Frühstück und einem langen Strandspaziergang. Da die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit hier in Newcastle, ein rund 500m langer Küstenweg, der eigentlich ein Mahnmal für die ANZAC (Australian and New Zealand Army Corps) Soldaten des Ersten Weltkrieges darstellt und gleichzeitig dem Beginn der Stahlindustrie in Newcastle gedenkt, im Augenblick wegen Bauarbeiten geschlossen ist, begnüge ich mich eben mit dem ganz normalen Strand.

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Santa on the Beach

Es ist Wochenende und entsprechend viele Leute sind am Strand. Schwimmer, Surfer, Familien mit Kindern, Jogger, Radler, Angler, Hundebesitzer, Hippies, Touristen, Camper und, last but not least, sogar der Weihnachtsmann ist hier! Anscheinend ist Newcastle ein echter Hotspot! 😉

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Newcastle Strand

Der Strand, sowohl Newcastle Beach als auch Nobby’s Beach ist vor allem bei Surfern berühmt und wirklich schön. Weisser, ganz feiner Sand, der unter meinen Füssen quietscht, kristallklares (leider eiskaltes) Wasser, das leise an den Strand rollt, Möwen, die heisere Schreie ausstossen und im Wasser jede Menge Jugendliche, die Surfen lernen.

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Leuchtturm Newcastle, NSW, Australien

Auf meinem Weg zum Leuchtturm habe ich links und rechts Dünen, Strand und Meer, leichter Wind weht, die Sonne blinzelt hier und da durch die grauen Wolken und alle Menschen scheinen Zeit zu haben. Herrlich!

Zurück in meinem Hostel checke ich aus, hole mein Gepäck aus der Putzkammer und mache mich per Bus und Zug auf den Weg zu meinem nächsten Ziel. Sicherlich hat Newcastle noch einiges mehr zu bieten, aber für mich ist es hier erst einmal genug und so freue ich mich auf ein neues Abenteuer in einer neuen Stadt.

 

 

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