Tasmanien 1 – Roadtrip, Kurioses und zweierlei Schnee

Ich bin soo gespannt auf Tasmanien. Irgendwie ist das noch viel mehr „am Ende der Welt“ als der australische Kontinent an sich. Natürlich ist das nicht wirklich wahr, aber ich fühl’s halt so. Und alle Australier kriegen glänzende Augen wenn das Gespräch auf diese für hiesige Verhältnisse kleine Insel kommt.

Ich fliege nach Launceston, das ist die zweitgrösste Stadt in Tasmanien mit gut 85.000 Einwohnern. Ich habe absolut keine Ahnung, was mich erwartet, aber ich werde eh nur eine Nacht hier sein und morgen dann meinen kleinen Roadtrip entlang der Ostküste in Richtung Hobart beginnen.

Gleich neben meinem Hostel gibt es eine kleine Bar, die selbstgemachten Apfelcider anbietet. Wir kennen diesen spritzigen Apfelwein ja auch in Deutschland, Frankreich und Spanien aber ich bin natürlich neugierig, wie der Cider hier schmeckt. Es gibt hier vier verschiedene Sorten, die ich alle probieren kann: einen Birnencider, einen sparkling Apfelcider, einen gehopften Cider und einen Pinot Noir Cider. Ich muss sagen, alle schmecken lecker aber der Pinot Noir Cider hat es mir gleich angetan! Eine zarte rosa Färbung und eine angenehme Menge bubbles, dazu ein nur leicht säuerlicher, frischer Geschmack. Die Verbindung von Trauben und Äpfeln ist super – nach einem einzigen Glas bin ich dermassen besäuselt, dass ich zurück im hostel die gesamte gut besetzte Gemeinschaftsküche unterhalte! Ich kann dir sagen, wir hatten alle eine Menge Spass….. 😉

Am nächsten Morgen geht es los in Richtung Ostküste. 1482060018394Die Landschaft ist super schön und sehr abwechslungs-reich, weit ausgedehnte Wälder, viele davon IMG_20161216_183136Kieferplantagen, sehr viel Farmland und manchmal auch noch ursprüngliches Buschland, Hügel und sogar kleine Berge und dann irgendwann die Küste mit wunderschönen Stränden oder auch mal diese interessanten Steinformationen.

Mein erster Stopp ist Scottsdale, und soll hier stellvertretend für die meisten dieser kleinen Ortschaften hier stehen, wo man immer denkt, die Zeit sei irgendwie stehen geblieben. Es gibt eine Hauptstrasse mit ein paar wichtigen Geschäften, zwei Cafés, eine Post und eine Bank. Und einen Laden für Antiquitäten und Sammlerware (davon gleich mehr) und aussenherum befinden sich dann grosse und kleine Farmen. Die Bauweise ist ausserhalb der Grossstädte fast ausschliesslich ebenerdig, klare Linien wenig Schnörkel, praktisch, günstig und ein bisschen langweilig. Allerdings findet man manchmal noch die alten Firmenfassaden und dann hast du echt mal voll den Eindruck in einer Art „modernem Wildwest“ Film zu stehen.

IMG_20161216_164616_1Der Zeitreise-Flashback wird surreal wenn du dich getraust, in einen der „Antiques & Collectables“ Läden zu gehen. Ohne Witz, es sieht aus wie wenn du bei deiner Oma die Wohnung ausräumst! Altes Geschirr, einzelne Gläser und Besteckteile stehen einmütig mit Rosenblühtenkaffee-bechern und Kristallkaraffen in einem Regal, zerfledderte Bücher mit Titeln wie „What the young Australian houswife should know“ (Was die junge australische Hausfrau wissen sollte) oder „All about fishing trouts“ (Alles über Forellenfischen) und original Vinylplatten von Künstlern, die niemand kennt fristen ein eher kümmerliches Dasein und sogar ausgediente Cocktailkleider, second hand Schuhe und Hüte sind hier zu bekommen. Ganz besonders viel „old english style“ Zeugs. Und Nähzeug. Und Sammelbildchen, Und Plastikschalen. Und Ungeheuerlichkeiten, wohl irgendwann als Nippes erdacht, für unsagbar scheusslich befunden und hier auf Dauer zum Verstauben abgestellt und vergessen.

Heute gibt es hier (immer noch in Scottsdale) als lokale Besonderheit frische Zitronen. Davon bekomme ich zwei geschenkt, weil ich die netteste Touristin des Tages bin (wahrscheinlich bin ich die einzige, die heute hier angehalten hat) 😉  Ausserdem werde ich frei Haus mit allen Attraktionen der Gegend vertraut gemacht, der Strassenzustands- und der Wetterbericht werden grosszügig mit mir geteilt und als ich nach rund zwanzig Minuten den Laden wieder verlasse fühle ich mich schon fast wie eine Freundin.

Davon abgesehen gibt es in diesem freundlichen Städtchen eine kleine Galerie, die einheimische Künstler ausstellt – Holzarbeiten Schmuck, Zeichnungen und Gemälde, Seidenmalerei, Schwemmholzkunst und handgefertigte Kelp-Gefässe – und ausserdem Postkarten und Souvenirs verkauft. Im angeschlossenen Café gibt es richtig guten Kaffee und mein Stop hier fällt eindeutig in die Rubrik erstaunlich, seltsam und sehenswert.

Weitere Besonderheiten, die mich zu Fotostopps (unangekündigte Vollbremsungen mitten auf der einsamen Strasse) veranlasst haben sind beispielsweise diese ehemalige Bank of TasmaniaIMG_20161216_134141oder dieses eher uneinladend gestaltete Hotel mit angeschlossener Bar und Billiard Room  „Enter at your own risk“ (Betreten auf eigene Gefahr)  IMG_20161216_145104

Da ich ja nun dank der freundlichen Ladenbesitzerin genau weiss, wo ich hinfahren sollte lege ich meine Strassenkarte (die ich zugegebenermassen eh nur bedingt nutzen kann) beiseite und fahre mutig drauflos. Mein nächster Stopp ist eine Käserei, denn in Tasmanien wird viel Käse produziert und dieser besondere Käse aus dieser besonderen Käserei ist was ganz Besonderes, sagt die freundliche Ladenbesitzerin. Tatsächlich gibt es Cheddarkäse zum Probieren in drei verschiedenen Reifegraden und einen, der mit Knoblauch gewürzt ist. Lecker aber soo speziell find ich es jetzt nicht. Besichtigen kann man nichts, dafür gibts umso mehr Merchandisingprodukte, die es mir einfach machen, die besondere Käserei schon nach kürzester Zeit wieder zu verlassen.

IMG_20161216_160300Gleich danach komme ich an dieser Tausendsassa-Tankstelle vorbei! Hier gibt es alles, was du in der Wildnis (wo ich mittlerweile angekommen bin) eventuell brauchen könntest: IMG_20161216_160148natürlich Benzin, aber auch Fischereizubehör, KFZ-Ersatzteile, wichtige Nahrungsmittel wie Toast, Kaffee, Tee, Zucker und Schololadenkekse, dann gibt es selbstverständlich Coffee to Go, Postkarten, Lederwaren, Limonade, Souvenirs und Kunsthandwerk. Eine Toilette. Ausserdem agiert dieser Laden als Touristeninformation, Zeitungsladen und Treffpunkt für alle, denn hier gibt es sogar noch Sandwiches, heisse Scones und Essen zum Mitnehmen. Was wohl auf der Betreiberlizenz steht???

Dann komme ich am Strand an, wo ich heute zelten werde. Keine Sorge, es ist ein Zeltplatz und ich bin nicht ganz allein in der Wildnis! Das traue ich mich dann doch (noch) nicht. 14820600357831482060026984Die Nacht im Zelt ist recht unterhaltsam, denn um mich herum toben irgendwelche nachtaktiven Zeitgenossen, wahrscheinlich Opossums (Opossume? Opossi? Hmmmm…….) und unter meinem Zelt kratzt es irgendwie komisch in der Erde. Hustende Regenwürmer eventuell?? Na ja, das hat natürlich auch Vorteile, denn mit den ersten Sonnenstrahlen bin ich schon wach und was gibt es Schöneres als einem neuen Tag beim Aufwachen zuzuschauen?!

Noch vor dem Frühstück mache ich einen ausgedehnten Strandspaziergang und werde mit diesen Eindrücken belohnt:
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Als ich mein Zelt abbaue krabbelt übrigens ein ziemlich grosser schwarzer Käfer eilig davon – der Arme, war die ganze Nacht von meiner Zeltplane gefangen! Bestimmt hat der für den Rest seines Lebens Klaustrophobie……

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Und weiter geht es an der Ostküste entlang, die jetzt einfach mal immer noch unglaublich schön und abwechslungsreich ist. IMG_20161217_101440Die Sonne strahlt vom Himmel, aber es kommt ein starker Wind auf und die Temperaturen sinken rasant. Im Laufe des Tages werden die Zeltplätze gesperrt und so muss ich mir eine bedachte Bleibe suchen für heute Nacht (worüber ich sehr froh bin, denn mittlerweile sind draussen noch sieben Grad – da muss man nicht zelten, oder?!) Ich finde eine nette Unterkunft in einer Tauchbasis, die kurioserweise mitten in den Bergen und keineswegs an der Küste ihren Sitz hat. Ich bin – welch Überraschung – der einzige Gast und habe so die gesamte „Cabin“ (eigentlich für zwölf Personen) inklusive Küche ganz für mich alleine. Glücklicherweise war ich unterwegs schon einkaufen und kann mir nun (heute etwas weniger rustikal) ein feines Abendessen zubereiten.

IMG_20161216_135259Auf meiner Weiterfahrt komme ich an ausgedehnten Feldern vorbei, manche sind völlig langweilig mir Kohl oder Mais oder sowas bepflanzt, aber dann sehe ich auch ganz viele mit richtig schönen weiss-rosa Blüten. Ich weiss erst mal nicht, was das ist, aber laut dem Schild muss es mega-gefährlich sein. Natürlich bin ich neugierig und frage bei erstbester Gelegenheit. Es sind Opiumfelder!  (Das englische Wort ist übrigens Poppy – niedlich oder?!) Bis vor wenigen Jahren gab es hier eine grosse Firma, die Opiate für medizinische Zwecke hergestellt hat. Sehr viele Farmen hatten damit ihr Auskommen. Die Firma ist inzwischen auf das Festland umgezogen und nur noch wenige Farmen bauen Opium an. Ganz ehrlich – es sieht richtig toll aus, so ein blühendes Mohnfeld!

IMG_20161216_132608Natürlich gehe ich auch ein bisschen in den Busch. Es gibt hier noch relativ viel Buschland und viele von diesen ganz grossen, urzeitlichen Bäumen. Wunderschön! Ich hab inzwischen schon so ein paar hundert Grünfotos gemacht, einfach weil der Busch so schön ist und immer anders und echt faszinierend. Und was noch ganz besonder schön ist hier in Tasmanien das ist der Fahrbahnrandbewuchs (schönes Wort, oder?!). Diese Fingerhüte stehen in verschwenderischer Fülle überall herum und leuchten in pink, lila und weiss,

Aber ich bin nach wie vor viel an der Küste unterwegs und es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

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IMG_20161218_1028241482060025961Kilometerlange Sandstrände, rauhe Klippen, tief eingefräste Schluchten und sogenannte Blowholes gibt es en masse zu bestaunen.

 

 

 

 

 

IEin blowhole (leider weiss ich nicht, wie das auf deutsch heisst. Google sagt Atemloch, aber das trifft es irgendwie nicht so ganz!) ist ein mehr oder weniger grosses Loch im Boden, das eine unterirdische, enge Verbindung zum Meer hat. Wenn nun die Flut kommt und das Meer so richtig wild ist wird das Wasser mit hohem Druck durch den schmalen Tunnel gepresst und kommt im blowhole als Fontäne mit Gischt und lautem Donnern wieder an die Oberfläche. Ziemlich beeindruckend.

1482059991538Hobart ist eine reizende Stadt mit einem Hafen, in dem respektable Kreuzfahrtschiffe ankern, einem wundervollen Botanischen Garten, einer Reihe hübscher, alter (englischen Originalen nachempfundenen) Gebäude 1482059993725und einer kleinen Fuss-gänger-zone. Ausserdem ist hier das Ziel einer der schwierigsten Hochsee Segelregatten der Welt von Sydney nach Hobart. Sie findet seit 1945 jährlich statt und am Hafen sind in der Strasse kleine Metalltäfelchen eingelassen, die chronologisch alle Sieger mit ihren Booten und der benötigten Zeit anzeigen.

Von Hobart aus geht es zurück nach Launceston, diesmal auf dem schnellsten Weg, und weiter zur Hafenstadt Davenport. Dann weiter mit dem Bus in eine kleine Stadt namens Burnie, wo ich von meinem nächsten Workaway – Gastgeber erwartet werde. Mittlerweile ist das Wetter echt schlecht, es regnet in einer Tour und es ist empfindlich kalt. Keine Spur von Sommer, sondern ganz im Gegenteil! Gestern hat es auf dem Cradle Mountain (gleich hier um die Ecke) sogar geschneit! Und ich geh auf ’ne Farm……..das kann ja heiter werden! Und nicht zu vergessen – sechs (6) (!!!!!!!!!) Kinder.

 

5 Gedanken zu „Tasmanien 1 – Roadtrip, Kurioses und zweierlei Schnee“

  1. Liebe Nicole,
    find ich jetzt echt blöd, du machst uns die verschiedenen Geschmacksrichtungen der köstlich klingenden Cidres schmackhaft und wir bekommen nichts?!
    Du sprudelst schon wieder vor Glück, das spürt man beim lesen und das ist echt ansteckend, so wie die Bubbles im frischen Cidres!
    Geniese weiter deine Zeit und ich freu mich auf die nächsten Berichte!

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