Über die Kunst des Langsamen, Teil 1-Szenario

Was ist denn das für ein Titel? Seit wann ist langsam denn Kunst?

Gute Frage! Seit schnell das „Normale“ geworden ist würde ich sagen.

Heute macht jeder alles schnell. Oder doch fast alles…..

Szenario: Das Aufstehen geht meist noch langsam, was allerdings weniger deine freie und bewusste Entscheidung ist, sondern eher deiner fehlenden Motivation und/ oder den schmerzenden Knochen zuzuschreiben ist. 😉

Aber dann geht’s schon los: schnell Kaffee kochen solange du im Bad bist, wo du zwecks Effektivität auch gerne zwei Dinge gleichzeitig erledigst. Dann beim Anziehen kurz den Kaffee herunterstürzen, schnell die Sachen schnappen und ab ins Auto, zum Bus zur Bahn. Hier bekommst du zwar eine Zwangsverlangsamung verpasst zwecks Stau aber du nutzt flugs diese Zeit gewinnbringend, checkst schon mal die mails, erledigst schnell ein paar Anrufe und überlegst dir, was heute alles vor dir liegt. Und natürlich kannst du nebenher noch die Zeitung lesen und dir deine tägliche Ration mieser Stimmung reinziehen.

Bei der Ankunft am Arbeitsplatz bist du oft schon mit den Nerven runter, obwohl der Tag gerade erst angefangen hat. Deine Atmung geht flach und schnell, dein Adrenalinspiegel ist schon kurz unter dem Anschlag und auch deine Kollegen befindet sich schon kollektiv im Kampf- oder Fluchtmodus.

images

Du kommst an deinen Tisch, das Telefon klingelt, 97 neue mails im Briefkasten, in 15 Minuten das Briefing mit dem Team und 23 neue Akten auf dem Tisch. Tja, Mittagessen kannst du schon mal komplett vergessen (vielleicht schnell ein Hamburger hier im Büro?) und heute abend kommst du sicher auch nicht pünktlich raus..Aber – dem Himmel sei Dank! – heute ist ja schon Freitag und das Wochenende steht vor der Tür. Da kannst du dich entspannen und mal einen Gang herunterschalten.

Da gibt es am Samstag morgen schon gleich um sieben ein Tennismatch mit Dieter. Dann kurz noch duschen im Club und um neun Treffen mit Herrn Wolters vom Personalbüro, der unter der Woche einfach keinen Termin unterbekommen hat. Ist doof, aber halt nicht zu ändern. Dann schnell noch die blöden Blumen besorgen für die Schwiedermutter, nach Hause rasen und deine/n Partner/in abholen, schnell zur Schwiegermutter – hoffentlich ist das Essen bald rum!

Solange du im Essen herumstocherst und dir gedankenverloren eine Gabel nach der anderen in den Mund schiebst, hörst du nur mit halbem Ohr dem Gespräch zu. In deinem Kopf kreisen die Gedanken….. Gleich nach dem Kaffee stürzt du los und auch die leisen Proteste der Gastgeberin können dich nicht aufhalten.

Schnell noch zu Aldi gehetzt und die Sachen für die Grillparty morgen eingekauft…..pfff, an der Kasse eine lange Schlange! Und du hast doch gar keine Zeit, denn gleich gehst du doch mit deiner Frau/ deinem Mann und einem befreundeten Pärchen (Freunde, na ja….) ins Kino. Kann die denn nicht mal schneller tippen?? Ah, na endlich!  Zeug ins Auto gestopft, nach Hause gerast (warum sind eigentlich immer alle Ampeln rot??), alles aufgeräumt, schnell unter die Dusche gehüpft, wieder ins Auto und ab ins Kino. Mist, wir sind zu spät! Sicher warten die Anderen schon……

Aufatmend lässt du dich im Kino auf den Sitz plumsen und ziehst dir den gewaltvollen aber ungemein spannenden Film rein.  Noch eine schnellen Drink im Pub und dann willst du nur noch nach Hause und ins Bett. Aber Moment! Du musst erst noch schnell deine mails checken und kurz bei Social Media vorbeischauen (oh, toll, ich hab 9 neue Freunde!freu freu).

Jetzt geht’s aber endlich schlafen (hoffentlich kannst du heute auch ausnahmsweise mal durchschlafen!), ist ja auch Wochenende, das ist schliesslich zum Entspannen da. Und morgen kommen ja auch alle zu dir zum Grillen und du must hier gute Laune, kühle Bier und lecker Steaks verteilen. Hast ja schliesslich einen Ruf zu verlieren…..

images

 

…….Fortsetzung folgt……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.